Bahn missachtet Umweltauflagen

S21-Sprecher Dietrich lĂŒgt vor laufender Kamera

Auch bei den gestrigen Baumverpflanzungen hat die Bahn wieder gegen Umweltauflagen verstoßen: Nach einem am 7. Dezember 2010 geschlossenen gerichtlichen Vergleich mit der Deutschen Umwelthilfe e.V. ist die Bahn seit dem 1. Februar 2011 verpflichtet, fĂŒr sĂ€mtliche S21-Arbeiten ausschließlich Fahrzeuge und Maschinen mit Rußpartikelfilter einzusetzen. Wie schon bei allen bisherigen Arbeiten, wurden auch bei den Baumverpflanzungen wieder Fahrzeuge eingesetzt, die mit keinem entsprechenden Filter ausgestattet sind. Viele der Fahrzeuge hatten nicht einmal die in Stuttgart fĂŒr alle vorgeschriebene Plakette oder nur eine gelbe. Trotzdem behauptete Projektsprecher Wolfgang Dietrich am 9. Februar gegen 8 Uhr auf dem Kurt-Georg-Kiesinger-Platz gegenĂŒber BĂŒrgern, alle Fahrzeuge hĂ€tten die Plakette, die sie brauchen.

http://www.youtube.com/watch?v=MIflNzVitF8&feature=player_embedded

Das sogenannte KommunikationsbĂŒro behauptete darĂŒber hinaus, es gĂ€be eine Ausnahmegenehmigung fĂŒr nicht nachrĂŒstbare Fahrzeuge. Diese Aussage ist bzgl. der Partikelfilter falsch. Der gerichtliche Vergleich sieht eine Ausnahmeregelung nur fĂŒr den Fall vor, dass am Markt kein vergleichbares GerĂ€t mit Filter verfĂŒgbar ist und auch eine NachrĂŒstung nur als Einzelanfertigung möglich wĂ€re. Konkurrierende Unternehmen bestĂ€tigten den ParkschĂŒtzern, dass es fĂŒr alle eingesetzten Fahrzeuge Alternativen mit Rußpartikelfilter gĂ€be, d.h. die Ausnahmeregelung des Vergleichs trifft selbst auf die Verpflanzmaschinen nicht zu, auf die verwendeten LKW erst recht nicht. Es gibt Hinweise, dass die Bahn die geforderten Rußpartikelfilter bereits in Ausschreibungen nicht erwĂ€hnte.

Die Deutsche Umwelthilfe e.V. beantragte heute beim Verwaltungsgericht Stuttgart die Zwangsvollstreckung des Vergleichs. Die zugehörige Pressemitteilung finden Sie unter (1).

„Es ist ein Skandal, mit welcher Dreistigkeit die bundeseigene Bahn AG gegen Auflagen und Gesetze verstĂ¶ĂŸt“,

sagt Carola Eckstein, ParkschĂŒtzerin und Mitglied der Ingenieure fĂŒr den Kopfbahnhof.

„Egal, ob es um Umweltauflagen geht, Sicherheit und Arbeitszeitregelungen, Schwarzarbeit oder Artenschutz, die Bahn hĂ€lt sich an nichts, verstĂ¶ĂŸt laufend gegen Gesetze, und alle schauen tatenlos zu: Die Polizei schĂŒtzt dieses illegale Treiben seit Monaten mit beliebig vielen Hundertschaften, das zustĂ€ndige Eisenbahnbundesamt schreitet nicht ein und auch die Bundesregierung hat offenbar kein Problem damit, dass ihr Unternehmen Bahn arbeitet wie die Mafia – Hauptsache, der Gewinn stimmt. Auf der anderen Seite haben Polizei und Staatsanwaltschaft offenbar nichts besseres zu tun, als Handtaschen nach Aufklebern zu durchwĂŒhlen, die ‚illegal‘ aufgeklebt werden könnten und Ă€hnliche BanalitĂ€ten zu ahnden. Diese UnverhĂ€ltnismĂ€ĂŸigkeit ist inakzeptabel. Sie lĂ€sst die BĂŒrger an unserem Rechtsstaat zweifeln.“

Bereits bei den Abrissarbeiten am NordflĂŒgel stellte der Zoll Schwarzarbeit, Sozialversicherungsbetrug und illegale ArbeitnehmerĂŒberlasssung fest. Im Vorfeld der BaumfĂ€llungen im Mittleren Schlossgarten am 1.10.2010 hatte die Bahn nicht fĂŒr die gesetzlich vorgeschriebenen landschaftspflegerischen Ausgleichsmaßnahmen zum Schutz der FledermĂ€use und des JuchtenkĂ€fers gesorgt und ein FĂ€llverbot des Eisenbahnbundesamtes missachtet. Nach Aussage der Polizei hĂ€tte bei den Baumverpflanzungen ein Sicherheitsabstand von 8 Metern zu den arbeitenden Maschinen eingehalten werden mĂŒssen.

Quelle:
(1) http://www.bei-abriss-aufstand.de/2011/02/10/vergleich-zw-deutsche-umwelthilfe-e-v-und-bahn-ag/