Die Banken fressen die Staaten Europas

EZB an Irland: Nun bezahlt schon endlich die Banken mit den Steuergeldern aus dem Euro-Rettungsfonds.

Vor den Augen der Öffentlichkeit, die immer noch die Auseindandersetzung mit dem Kern aller ihrer Probleme scheut, spielt sich eine bizarre Posse ab: die „EuropĂ€ische Zentralbank“ (EZB), die zusammen mit den GeschĂ€ftsbanken das Monopol auf Gelderfindung („Geldschöpfung“) besitzt und so Geldsystem, Reichtum und Hierarchie von insg. einer halben Milliarde Menschen in der Euro-Zone kontrolliert, setzt den machtlosen und im Geldsystem der Banken verschuldeten Staat Irland unter Druck, endlich den „Euro-Rettungsfond“ in Anspruch zu nehmen und seine GlĂ€ubiger auszubezahlen – die Banken.

Der „Euro-Rettungsfonds“ umfasst einen unter Beihilfe der Regierungen in Berlin und Paris von den Mitgliedsstaaten der „EuropĂ€ischen Union“ und ihrer Euro-WĂ€hrungszone erpressten Tribut an die Banken in Höhe von rund 440 Milliarden Euro. Durch 60 Milliarden Euro von der EU-Kommission, sowie 250 Milliarden Euro des „Internationalen WĂ€hrungsfonds“ (IWF) (welcher diese Organisationen natĂŒrlich ebenfalls direkt oder indirekt von den BĂŒrgern der jeweiligen Mitgliedsstaaten erhielten), erhöht sich die Summe des „Euro-Rettungsfonds“ (andere Begriffe: „Euro-Fonds“, „Euro-Paket“, „Rettungsschirm“, etc, pp)  auf insgesamt 750 Milliarden Euro.

Trotz offenkundiger Verfassungswidrigkeit in Deutschland billigte das Bundesverfassungsgericht unter PrĂ€sident Andreas Voßkuhle „vorlĂ€ufig“ den von der Regierung Merkel im Eilverfahren angeforderten Anteil von insg. 148 Euro, den das Parlament am 21.Mai bewilligt hatte (Die Bankenrepublik unterwirft sich erneut der Finanzindustrie). Das eigentliche Verfahren in Karlsruhe verschleppt sich dahin. WĂ€hrenddessen wird nun schon mal ausgegeben, was man den trotteligen BĂŒrgern wieder einmal aus der Tasche zog.

Die Gelder wurden in Form eines Blankochecks an eine Zweckgesellschaft ĂŒbertragen, die zum Zeitpunkt der Bewilligung durch den Bundestag nicht einmal gegrĂŒndet war und dessen Vertrag den Abgeordneten nicht vorlag. (Trittin: Vertrag ĂŒber Zweckgesellschaft liegt Bundestag nicht vor)

SpĂ€ter stufte selbst das BrĂŒssel nahestehende „Centrum fĂŒr EuropĂ€ische Politik“ (CEP) den staatlichen deutschen 148 Milliarden-Zuschuss zum Fonds als verfassungswidrig ein. (StaatsaffĂ€re um “Rettungsschirm” fĂŒr Eurozone: Konservative Denkfabrik schĂ€tzt 148 Mrd Euro-Tribut als verfassungswidrig ein)

Jeder weiss, dass (unter Beihilfe der Verzögerungstaktik in Karlsruhe) die deutschen Steuergelder fĂŒr immer weg sind, sobald sie einmal, ĂŒber Bande irgendeines ruinierten Staates gespielt, ausbezahlt sind (1). Nun fordert also die EZB den Staat Irland auf, diesen Fonds aus Steuergeldern der BĂŒrger aus EU-Mitgliedsstaaten endlich anzuzapfen, um die Banken auszubezahlen, welche ĂŒber ihr Geldschöpfungsmonopol auch den Staat Irland bis an den Staatsbankrott verschuldet haben.

Gestern ermahnte ausgerechnet Miguel Angel Fernandez Ordonez, als PrÀsident der Zentralbank des ebenfalls systemisch ruinierten Spaniens untergeordneter Handlanger im Frankfurter EZB-Rat, den Staat Irland eindringlich endlich den Fonds mit Steuergeldern zu nutzen, um seine GlÀubiger-Banken zu bezahlen. (2)

Heute war dann der ex-Chef der Zentralbank des ebenfalls auf den Scheiterhaufen des kranken Kapitalismus geworfenen Staates Portugal mit der Bettel-Arie im Solde der Finanzalchemisten dran. Als Besucher der „Euro Finance Week“ wisselte Vitor Constancio sachkundig, es wĂŒrde Irland (aka den in Frankfurt tagenden Kapitalisten, die auf neues „frisches Geld“ warten) sicherlich helfen, „externe Quellen“ anzuzapfen. (3)

Es war der gestern auf der „Euro Finance Week“ zum Banker des Jahres 2009 gewĂ€hlte Josef Ackermann, der auf der „Euro Finance Week“ 2009 am 16.November gesagt hatte: (4)

„Möglicherweise werden wir am Ende akzeptieren mĂŒssen, daß der Staat in systemischen Bankenkrisen der AktionĂ€r der letzten Instanz bleibt. Vor dem Hintergrund dieser Überlegungen lohnt es m.E., ĂŒber einen Fonds nachzudenken, aus dem Banken im Notfall rekapitalisiert bzw. fĂŒr eine geordnete Abwicklung gestĂŒtzt werden können. Dies hĂ€tte mehrere Vorteile: Erstens, wir könnten mitternĂ€chtliche Rettungsaktionen mit all ihren Problemen vermeiden. Zweitens, die Zugangsbedingungen wĂ€ren ex ante (Anm.: im voraus) festgelegt, so daß Unsicherheit und moral hazard begrenzt wĂŒrden.
Drittens ließe sich eine Lastenteilung zwischen Finanzindustrie und der öffentlichen Hand besser erreichen, wenn und insoweit der Fonds von beiden gespeist wĂŒrde. Und nicht zuletzt könnte solch ein Fonds, wenn man ihn auf europĂ€ischer Ebene errichtete, ein wesentlicher Baustein zur Lösung des `ewigen` Problems der innereuropĂ€ischen Lastenteilung sein“

Nicht nur zu dem in einer „mitternĂ€chtlichen Rettungsaktion“ in BrĂŒssel durch den EU-Regierungsrat beschlossenen „Euro-Rettungsfonds“ – der nur eine Woche spĂ€ter durch das praktisch ausgeschaltete deutsche Parlament gepeitscht wurde – drĂ€ngen sich Parallelen auf. Auch zum sogenannten „Krisenfonds“ der EU, vernebelt durch eine Gesetzgebung unter dem Schlagwort „Bankenabgabe“.

Denn genau diesen auf der letzten „Euro Finance Week“ von Ackermann geforderten “ex-ante-Bankenrettungsfonds”, unterstĂŒtzten dann die EU-Kommissare in einer ErklĂ€rung vom 26.Mai 2010 und umschrieben dessen Aufgaben u.a. mit der “Finanzierung einer Aufsplittung in eine ‘Good Bank’ und eine ‘Bad Bank’ “.  RĂ€teunion: Kommissare bereiten staatlich finanzierten „Bankenrettungsfonds“ und „Bad Bank“ vor,29.Mai)

Der Fonds, so die EU-Kommission, mĂŒsse

“unter UmstĂ€nden die Kosten fĂŒr den vorĂŒbergehenden Erwerb und das zeitweilige Management notleidender Vermögenswerte und die Bereitstellung einer ÜberbrĂŒckungsfinanzierung fĂŒr die ‘Good Bank’ tragen.”

Mittlerweile steht das Konzept fĂŒr diese neue, gewaltige, staatlich mitfinanzierte „Bad Bank“ vor der Zustimmung im Bundesrat. In die dazu eingeflochtene „Bankenabgabe“ wiederum werden ausgerechnet die Sparkassen und Genossenschaftsbanken hinein gezogen, die damit gar nichts zu tun haben. Die „Bankenabgabe“ ist fĂŒr die Bezahlung von Pleitebanken irrelevant, weil der „Krisenfonds“ erst 20 Jahre sparen mĂŒĂŸte um eine einzige Bankenpleite auffangen zu können. Eben darum wird er ex ante – im voraus – durch den Staat finanziert.

Wieder einmal muss nun zuerst Deutschland fĂŒr die PlĂŒnderung geknackt werden. Dann soll das, was man hier durchbekommen hat, „Blaupause fĂŒr eine entsprechende europĂ€ische Regelung“ sein. Es versteht sich von selbst, dass neben Bundesbank-PrĂ€sident Axel Weber Deutsche-Bank-Chef Ackermann selbst auf die Unterschrift des Bundesrates unter das Gesetz drĂ€ngte. (5)

Wo man hin schaut: die Banken plĂŒndern die StaatsbĂŒrger aus. WillfĂ€hriger Kollaborateur: die Staatsregierungen und alle etablierten, gekauften, korrupten „Parteien“, deren FunktionĂ€re sogar in ihrer berufsbedingten Heuchelei nie ĂŒber Mittelmaß hinaus ragen.

„Krisenfonds“ und „Euro-Rettungsfonds“ sind dabei zwei Teile des gleichen Puzzles – eines im September / Oktober 2008 von den Banken durch einen finanziellen Reichstagsbrand weltweit erzwungenen Systemwechsel zum Staatskapitalismus, mit staatlich alimentierten „systemrelevanten“  Banken, deren Bankrott undenkbar ist und denen nun ganze Staaten zum Fraß vorgeworfen werden.

ErgÀnzung 16.20 Uhr

Der Staatssender ARD beweist uns heute, wie sinnlos es ist einen Bildschirm zu treten. Dennoch soll Ihnen, liebe UntertanInnen, diese kleine Weisheit fĂŒr Scheintote hier nicht erspart bleiben. Schließlich mĂŒssen auch Sie wissen wieÂŽs lĂ€uft, wenn Sie schon nicht begreifen wieÂŽs geht.

Die „Tagesschau“ (6) erklĂ€rt uns allen, warum man sich in Irland nun etwas dagegen wehrt, auf den „Euro-Rettungsschirm“ zuzugreifen: um nĂ€mlich nicht wie Griechenland unter die Kontrolle der RĂ€te und Kommissare BrĂŒssels zu gelangen, die sich seit dem Startschuss (der Unterwerfung unter den Lissabon-Vertrag letzten Dezember) in enger Kooperation mit den Banken den Weg zur Macht durch Europa frei kegeln. (DIE GRIECHENLAND-KRISE (IV): Machtergreifung einer neuen kapitalistischen Sowjetunion)

So weit, so verstÀndlich. Und nun das:

„FĂŒr Irland ist es ein historisches Trauma, von anderen LĂ€ndern beherrscht zu werden. Die Republik ist noch nicht einmal seit 100 Jahren unabhĂ€ngig..“

Immerhin. Oder?

„Volle SouverĂ€nitĂ€t bedeutet fĂŒr Irland politisch und emotional mehr als fĂŒr andere LĂ€nder in Europa.“

Man möchte Rauch speien und unter die Haut fahren.

(…)

Artikel zum Thema:
04.11.2010 Der kranke Kapitalismus
22.09.2010 Wer ohne Demokratie ist, der schmeiße die erste Milliarde
03.06.2010 Koch, Köhler, Wulff: RĂŒckzug, Bauernopfer und Rochade der Nomenklatura
09.05.2010 DIE GRIECHENLAND-KRISE (VI): Der Plan der Banken von einer europÀischen Soffin
31.07.2009 Die HRE-StaatsaffÀre: Chronologie eines Staatsstreichs)
07.10.2008 Der finanzielle Reichstagsbrand: Chronologie eines kalten Staatsstreichs durch eine inszenierte Krise (II))

Quellen:

(1) http://www.fr-online.de/wirtschaft/krise/auch-deutschland-muesste-zahlen/-/1471908/4829494/-/index.html
(2) http://www.ftd.de/politik/europa/:schuldenkrise-ezb-piesackt-irland/50194677.html
(3) http://www.fr-online.de/wirtschaft/krise/auch-deutschland-muesste-zahlen/-/1471908/4829494/-/index.html
(4) http://www.db.com/presse/de/downloads/EuroFinanceWeek_Eroeffnung_JA.pdf
(5) http://de.reuters.com/article/topNews/idDEBEE6AE07P20101115
(6) http://www.tagesschau.de/wirtschaft/irland204.html