„Independent“: EU finanzierte Taliban-Camps in Afghanistan

Politik, Diplomatie

Berlin: Was haben der im BND meistgehasste Mann (dessen ex-Chef und jetzige Innenstaatssekretär August Hanning) und der Vize der nun seit einigen Jahren heftig protegierten Konkurrenz vom BKA, Bernhard Falk, heute nun eigentlich gesagt?
1. Die "Al-Qaida" (Al Qaeda, El Kaida, Al Kaida, usw) hat im Süden Afghanistans - dort wo die US- und NATO-Truppen bestimmter Länder operieren - ihre "operative Fähigkeit" wiedererlangt und rekrutiert genau dort für Ausbildungen in sogenannten "Terrorcamps". Diese befinden sich laut Hanning und Falk ebenfalls in der Region, im "afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet". Unter den Augen der verantwortlichen NATO-Länder (1).
2. Genau einen Tag nach der NATO-Konferenz in Vilnius und der Ablehnung der Stationierung von deutschen Kampfeinheiten in Süd-Afghanistan (gleichwohl diese laut Verteidigungsminister Jung dort eingesetzt werden können, 6) zitiert eine Zeitung heute den BKA-Vize Falk mit den Worten, "es gebe nun klare Hinweise" auf Anschläge durch die "Al Qaida" in Deutschland.

Es gäbe nun klare Hinweise.
Es gäbe NUN klare Hinweise.

Nun, seit ein paar Tagen ist folgendes öffentlich:
die im Dezember in Helmand festgenommene britischen Agenten MI6-Agenten Michael Semple and Mervyn Patterson haben zugegeben, dass die britische Regierung, deren Militärs und deren Geheimdienste Ausbildungslager für 1800 "Taliban" und 200 Kommandeure in Süd-Afghanistan geplant haben. Bei den Agenten sichergestellten Daten zufolge wurde dieses "European Union Peace Building Programme" finanziert durch die EU.

"INDEPENDENT": TALIBAN-AUSBILDUNGSCAMPS UNTER BRITISCHER LEITUNG UND FINANZIERT DURCH DIE "EUROPÄISCHE UNION" (EU)

Der afghanische Geheimdienst hatte laut der britischen Zeitung "The Independet" (2) die britischen "Diplomaten" in der südafghanischen Provinz im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet festgesetzt. Dabei fand man einen USB-stick mit den hochbrisanten Unterlagen.
Laut Aussagen der festgenommenen Briten soll Hamid Karzai und der afghanische nationale Sicherheitsrat voll informiert gewesen sein. Der Sicherheitsrat dementierte dies höchst ärgerlich und in diesem Falle auch höchst glaubwürdig, sonst hätte weder diese Aktion stattgefunden, noch wäre etwas davon nach draussen gedrungen. Was Hamid Karzai erfuhr und darüber wusste, bleibt unklar. Manche Quellen aber, so der "Independent", gehen aber davon aus, dass er informiert war.

Es geht da aber noch weiter. Die konfiszierten Daten belegten, dass diese Ausbildungsprogramme für "Taliban" unter EU-Flagge liefen. Name: "European Union Peace Building Programme".
"Kurioserweise", so der "Independent" dementierten die EU-Behörden in Brüssel aber die Existenz dieses Programms, sowie deren Finanzierung aus EU-Geldern. Das ist allein deshalb eine Farce, weil der britische MI6-Agent Michael Semple gleichzeitig Chef der EU-Mission in Afghanistan war. Der zweite Agent, Mervyn Patterson, war übrigens hochrangiger UN-Beamter (wir berichteten am 26.Dezember, 3).

Ein ganzel Bündel von Ausbildungslagern für Milizen wurde geplant, u.a. ein Camp bei Musa Qala, welches am 11.Dezember 2007 von NATO-Truppen "zurückerobert" worden war, nachdem laut Hamid Karzai ein "Taliban"-Kommandeur die Seite gewechselt hatte .

Nach offizieller Darstellung der Briten war mit dem Bau der Ausbildungslager im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet lediglich geplant, "Taliban" auszubilden, die die Seite gewechselt hätten. Durch den afghanischen Geheimdienst abgefangene Funksprüche belegen aber, dass die "Taliban" - zur selben Zeit doch eigentlich in offener Feldschlacht gegen die Helden der NATO - davon ausgingen, dass die Briten ihnen helfen. Auch sind Soldzahlungen von Briten an "Taliban"-Milizionäre in den konfiszierten Daten dokumentiert - aus EU-Steuergeldern, wohlgemerkt.

Auch händigten die britischen Agenten den "Taliban"-Söldnern Handys, Laptops und Guthaben über Satellitenzeit aus. Sie unterwiesen sie in der Benutzung abhörsicherer Satellitentelefone, damit sie direkt mit den britischen Geheimdiensten in Kontakt bleiben konnten.

All diese Angaben, so die britische Zeitung "Independent", seien von UN-Beamten, EU-Beamten und britischen Beamten bestätigt worden, die aber alle nicht mit Namen genannt werden wollten.

Noch einmal: Michael Semple war EU-Missionchef in Afghanistan. Mervyn Patterson war dort der dritthöchste UN-Beamte.

Der Vorgesetzte von Semple in der EU, Francesco Vendrell, sagt nun, er habe "sehr wenig Ahnung", was sein Untergebener da eigentlich gemacht habe. Francesco Vendrell, der manchmal auch "Francesc Vendrell" geschrieben wird, war schon zu Zeiten des 11.September 2001 Sonderbeauftragter für Afghanistan - aber für die UN.
Er leitete in Berlin Sondertreffen im Juli 2001, an denen US-amerikanische, russische, iranische und pakistanische Diplomaten teilnahmen. Bereits dort und damals drohten die US-Vertreter mit einem Angriff auf Afghanistan. Zeuge daür: der damalige Aussenminister von Pakistan, Niaz Naik. (3)

AUGUSTIN, OH DU AUGUSTIN...
Staatssekretär August Hanning heute nun in der Springer-Zeitung "Welt": die Führer der Terrororganisation im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet hätten die Entscheidung gefallen „in Deutschland Anschläge zu verüben“. (4)

(...)

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aus 2007:

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Quellen:
(1)
http://www.netzeitung.de/deutschland/896637.html
(2)
http://www.independent.co.uk/news/world/asia/revealed-british-plan-to-build-training-camp-for-taliban-fighters-in-afghanistan-777671.html
(3)
http://www.radio-utopie.de/2007/12/26/eu-vize-in-afghanistan-beriet-als-mi6-agent-taliban-terroristen/
(4)
http://www.bild.de/BILD/news/politik/2008/02/08/al-qaida-bka/anschlaege-planungen,geo=3714842.html
(5)
http://www.radio-utopie.de/2008/02/07/hallo-nato-ohne-uns-seid-ihr-nix/
(6)
http://www.radio-utopie.de/2008/02/07/nato-jung-und-bundestag-die-kriegs-heuchler-von-afghanistan/