Ex Ante im Bundestag

Griechenland Situation: Der Bundestag versteckt den Beschluss ĂŒber einen neuen Milliarden-Tribut an die internationalen Banken, der beim Besuch der deutschen Regierung in Washington Anfang der Woche verlangt worden war.

Heute wurde im Bundestag, höchst unauffĂ€llig, ĂŒber einen Antrag abgestimmt, der auf der Tagesordnung des Parlament nicht zu finden war. Unter nicht verbindlichen EinschrĂ€nkungen, wenn Bundesfinanzminister Wolfgang SchĂ€uble in BrĂŒssel dies und das an freiwilligen Versprechungen der Banken erreiche, etc, wurde durch CDU, CSU und FDP mehrheitlich die Zustimmung zur geplanten Auszahlung von weiteren 90 Milliarden Steuergeldern an die internationalen GlĂ€ubiger-Banken und anderen Inhaber von Zinsschuldtiteln Griechenlands beschlossen. Wieviel von diesen 90 Milliarden Euro der deutsche Staat zahlen soll, ist noch unklar.

Dieser Beschluss wurde der deutschen Regierung nicht nur von den Banken und Finanzkonzernen aufgetragen, die nun dieses Geld bekommen werden. AusdrĂŒcklich zur StĂŒtzung gerade auch der internationalen Banken mit Sitz in den USA, wurde dieser weitere Ausverkauf des deutschen Staates durch die US-Regierung unter Barack Obama wĂ€hrend des vor zwei Tagen mit viel Pomp zelebrierten Besuchs fast der gesamten deutschen Regierung in Washington verlangt.

„Bloomberg“ am Mittwoch, 8.Juni (1):

„PrĂ€sident Barack Obama machte, wĂ€hrend er Merkel diese Woche im Weissen Haus zu Gast hatte, klar, dass er von Politikern in Europas grĂ¶ĂŸter Wirtschaft erwartet eine „unkontrollierte Spirale von Pleiten“ in LĂ€ndern wie Griechenland zu verhindern, um einen `desaströsen` Schaden an der U.S.Wirtschaft zu vermeiden.

Bereits zu diesem Zeitpunkt konnte man hier lesen, was heute im Bundestag geschah:

„Die Gesetzemacher der Koalition bereiten eine Resolution vor, die, wenn SchĂ€uble vor dem Unterhaus oder Bundestag spricht, am 10.Juni zu einer nicht verbindlichen Abstimmung gebracht wird, welche Merkel und SchĂ€uble Richtlinien zu Griechenland vorgibt. Die regierenden Parteien werden vielleicht seperate Resolutionen zu Griechenland und dem permanenten ESM Rettungsfonds vorlegen.“

Einen kleinen, demĂŒtigen Hinweis auf diese Epressung Deutschlands durch Washingtoner Nomenklatura und Jahrhunderte alten Geldadel fand man in den Finanziellen Zeiten Deutschlands (2). Oder wie war das?!

“ `Deutschland ist dabei ein SchlĂŒsselland„, sagte Obama bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Washington. „Ich vertraue darauf, dass die deutsche FĂŒhrung und die Hilfe anderer uns auf den Weg bringen werden, der Griechenland wieder Wachstum bringt.ÂŽ DafĂŒr seien aber Zeit und Geduld nötig.“

Zeit. Geduld. Da fehlen noch Hochverrat, Feigheit, sowie (ganz wichtig) FĂ€higkeit zu unbegrenzter Heuchelei. Und natĂŒrlich jede Menge Geld.

„Hintergrund ist das DrĂ€ngen der US-Regierung, Griechenland auf jeden Fall zu helfen, weil sie nach der Pleite der US-Bank Lehman Brothers eine neue Finanzkrise befĂŒrchtet. „Wir sind uns unserer Verantwortung fĂŒr die Weltwirtschaft bewusst“, entgegnete Merkel.

Aus Washington zurĂŒckgekehrt rannten dann am Mittwoch Abend um 18 Uhr SchĂ€uble und Kanzlerin Angela Merkel schulden-bewusst abwechselnd zu den Sondersitzungen der Bundestagsabgeordneten von CDU, CSU und  FDP. Sie machten das, was sie immer tun: LĂŒgen, daß die Schwarte kracht. Und der Henkel des Kruges wurde beim Milliardenholen wieder einmal nass – aber er brach nicht. Noch nicht. Es war wieder einmal Rainer BrĂŒderle, das FDP-„WirtschaftsflĂŒgel“-Finanzfass ohne WĂ€hlerboden, der bereits am Donnerstag die Zustimmung auch der FDP-Fraktion fĂŒr den heute nun verabschiedeten Entschließungsantrag bereits am Donnerstag zusicherte, als dieser noch in aller öffentlichen Stille ausgeheckt wurde. (3)

Heute nun lieferte das deutsche Parlament eine so erbĂ€rmliche Farce, daß selbst die Abgeordneten des Reichstags von 1932 dagegen noch wie eine Ansammlung von ehrenwerten Gentlemen wirkten. Hiess es damals Deutschland, Deutschland, Deutschland, wenn man die Gewaltenteilung und die parlamentarische Demokratie loswerden wollte, hiess es heute Europa, Europa, Europa. Und zwar durch alle Fraktionen und alle Redner, gerade auch den Linkskontrolleur aus der ehemaligen DDR-Staatspartei Gregor Gysi.

Europa sei von „enormer Wichtigkeit“, so Gysi. Was fĂŒr eine Neuigkeit. Ohne diesen Kontinent wĂŒrden, in der Tat, 739 Millionen Menschen nicht im Kapitalismus, sondern im Meer ersaufen. Aber was zur Demokratie hat das mit diesem Monster „EuropĂ€ische Union“ zu tun, die 1992 als Ersatz und Auffangbecken fĂŒr die 1991 zerplatzte Sowjetunion geschaffen wurde?

Es war dann Frank-Walter Steinmeier (der aus lauter Huldigung fĂŒr SchĂ€uble fast gesagt hĂ€tte, wie er es selbst gern gemacht hĂ€tte, wĂ€re er nicht der grĂ¶ĂŸte Wahlverlierer der SPD aller Zeiten), der in seiner bekannt einschlĂ€fernden Einfalt zugab, daß die SPD selbst nachdrĂŒcklich fĂŒr die UnabhĂ€ngigkeit der bereits existierenden Finanzregierung der WĂ€hrung Euro gesorgt hatte. Steinmeier, trainierter Zyniker, schaffte es dabei im gleichen Satz auch noch einen weiteren Knaller des Tages abzuliefern:

„Wir haben mit gutem Grund und ganz bewusst auf der UnabhĂ€ngigkeit der EuropĂ€ischen Zentralbank bestanden, die sich bewĂ€hrt hat.“

Dem politischen Laien, also rund 98 Prozent der Bevölkerung, muss man immer wieder erlĂ€utern, was eine unabhĂ€ngige Regierung bedeutet. Pol Pot oder Stalin wĂ€ren da ein Beispiel. Sie waren unabhĂ€ngig. Genau wie die EZB mit dem Euro konnten sie machen was sie wollen und waren nicht genervt von irgendeinem Pöbel, der ihre „vernĂŒnftigen“ Handlungen durch irgendwelche Wahlen und Abstimmungen gelĂ€hmt hĂ€tte.

Genau so stellt sich das Frank-Walter Steinmeier vor. Es nervt ihn schon, wenn er reden muss (was er nicht kann) und nicht bloss mĂŒde gestikulieren.

Rainer BrĂŒderle dagegen genoss es, zur Abwechslung endlich einmal nicht Kompetenz, sondern Emotion simulieren zu dĂŒrfen. Als Wirtschaftsminister eine Laterne, die noch in China ganze SĂ€cke Reis umstrahlte, bekundete BrĂŒderle immer wieder in der einzigen – der einzigen –  im Parlamentsraume stehenden Frage seine Gefolgschaft. Deutschland dĂŒrfe sich nie wieder „singularisieren“. Das sei deutsche StaatsrĂ€son. Mithin also StaatsrĂ€son eines singulĂ€ren Staates. Oder wie jetzt?!

Im wissenschaftlichen Kontext der Kosmologie ist eine „SingularitĂ€t“ ein schwarzes Loch, in dem nach vorherrschender Lehrmeinung alles verschwindet, was auch nur in dessen NĂ€he kommt. Rainer BrĂŒderle beweist damit wieder einmal seine einzige FĂ€higkeit, die er zusammen mit vielen anderen Kollegen im Bundestages besitzt – die Einbildungskraft eines personeneigenen Paralleluniversums. Deutschland ist – im Gegenteil – genau die SingularitĂ€t, die immer noch so blöde ist Washington, BrĂŒssel und den Banken alles in den Rachen zu schmeissen, obwohl jeder weiss, daß es vollkommen verrĂŒckt ist. Das liegt eben daran, dass sich die Welt- und FinanzmĂ€chte Deutschland von oben nĂ€hern. WĂŒrden diese artig an der TĂŒr klopfen, hieße aus dem Volksmund „WIR GEBEN NICHTS!“.

„Oben“, das ist eben die Dimension, welche die Deutschen leider immer noch nicht ganz begriffen haben, weil sie stĂ€ndig nach unten schauen. Eigentlich logisch, weil man da ja auch stĂ€ndig rumtrampeln muss. Schliesslich wurde einem beigebracht, sich immer schön zu bĂŒcken, unter wen oder was auch immer.

Whatever.

Heute nun hĂ€tte man Steinmeiers Lieblings-Bubi, den haushaltspolitischen Sprecher der SPD-Fraktion im Bundestag, Carsten Schneider, eigentlich langsam fragen mĂŒssen, ob er noch ganz dicht ist. Schneider stand da, redete natĂŒrlich ebenso endlos vom Sinn und Zweck des erwĂ€hnten Kontinents und beschwerte sich dann – doch plötzlich etwas irritiert – beim Bundesfinanzminister darĂŒber, daß dieser zur eigentlichen Frage  („Wie geht das alles weiter?“) ĂŒberhaupt nichts gesagt habe.

Hat Carsten Schneider noch alle Tassen im Schrank? Oder ist der Mann wirklich so dumm wie er tut?

SchĂ€uble selbst veröffentlichte ĂŒber die Zeitung „Welt“ (8) am 7.Juni einen Brief, in welchem er eine vermeintliche „harte Auseinandersetzung“ mit genau den Parteien simulierte, mit denen er seit dem Inkrafttreten des Lissabon-Vertrages als Bundesfinanzminister jede einzelne Aktion abgesprochen hat die seitdem zu staatlichen Zerfallserscheinen, brutaler Verarmung, wirkungslosen Protesten, dann wirkungslosen Demonstrationen und schliesslich zu Generalstreiks und halben AufstĂ€nden der Bevölkerungen im EU-Machtbereich gefĂŒhrt haben: Die Frankfurter „EuropĂ€ische Zentralbank“ (EZB) mit Karlspreis-TrĂ€ger Jean-Claude Trichet als PrĂ€sidenten, den Internationalen WĂ€hrungsfonds (IWF) (derzeit ohne PrĂ€sidenten) und die lieben Kollegen aus den Finanzministerien der Euro-Zonen-Staaten.

In seinem Brief schilderte SchĂ€uble also, daß man wohl auch die „privaten Banken“ am Abbau der schweren Schuldenlast Griechenlands beteiligen mĂŒsse – wohlgemerkt, in Form einer „fairen Lastenteilung“ mit dem Steuerzahler.

Griechenland zahlt Geld, was es nie erhalten hat (Schuldzinsen und Zinseszinsen) und das an die (Frankfurter) Banken, die jeden einzelnen Tag zur (Frankfurter) EZB rennen, um dort faktisch zinslose Kredite zu bekommen, mit denen sie um die Ecke an die Frankfurter Börse rennen, um damit Schuldtitel (Anleihen) Griechenlands zu kaufen, auf die sie bis zu 20 Prozent Zinsen kassieren.

Und dann schreibt SchĂ€uble, also da mĂŒsse es eine „faire Lastenteilung“ fĂŒr die deutschen Steuerzahler geben, das zusammen mit dem griechischen Steuerzahler zu bezahlen. Und dann steht Schneider da und sagt, SchĂ€uble hĂ€tte nie erklĂ€rt, wie der griechische Steuerzahler das alles je „zurĂŒck“ zahlen solle.

SchĂ€uble trickst. Und er trickst billig. Seine „freiwillige Abmachung“ mit den Banken aus dem Mai 2010 ist eine Farce. NatĂŒrlich halten sich diese nicht daran. Und der Anwalt SchĂ€uble weiss das natĂŒrlich ganz genau. Haben Sie schon mal von einer freiwilligen Straßenverkehrsordnung gehört?Wie wĂŒrden Sie denn fahren?

Die Banken existieren im rechtsfreiem Raum. Es sei denn, sie lassen durch ihre Anwaltskanzleien aus dem Magischen Londoner Kreis wie (Linklaters) sich Gesetze schreiben, die sie dann der deutschen Regierung vorlegen, welche die dann dem Bundestag vorlegen, der sie nicht liest, aber beschliesst. Die Banken werfen ihre griechischen Schuldtitel, mit gigantischen Gewinnen, wieder zurĂŒck auf den „Markt“ (6). Sie verscherbeln ihre Griechenland-Papiere, weil sie wissen, daß sie den Sklaven Griechenland aus Versehen totgepeitscht haben.

Genau das ist im Grunde der einzige Vorwurf, den die lieben SteigbĂŒgelhalter in den Staatsparteien den Banken mit halbhohem Zeigefinger immer wieder leise machen. Man darf die Arbeitstiere nicht umbringen und nur so quĂ€len, daß sie noch atmen können. Alles andere wĂ€re nicht „vernĂŒnftig„. Schliesslich mĂŒssen sie noch schuften.

Was von der „Umschuldung“ SchĂ€ubles, einer LaufzeitverlĂ€ngerung der Schuldtitel gegen Griechenland, zu halten ist, mĂŒsste sich endgĂŒlitig aus diesem Zitat einer Zeitung erschliessen, die es eigentlich wissen muss, weil SchĂ€uble regelmĂ€ĂŸig seine PlĂ€ne ĂŒber sie bekannt gibt:

„Die europĂ€ischen Banken haben bereits eine Abmachung mit der EZB keine griechischen Regierungsanleihen zu verkaufen, sie also zu bitten ihr Engagement beizubehalten, wenn existierende Anleihen fĂ€llig werden, ist eine logische Erweiterung dieses Deals, so ein leitender EZB-Vertreter.“ (7)

NatĂŒrlich ist auch diese „Abmachung“ ein Witz. Die Banken verramschen ihre griechischen Schuldpapiere, weil sie wissen, daß auch Vertreter der „EuropĂ€ischen Zentralbank“ nur Banker sind die MĂŒll erzĂ€hlen, wenn sie von irgendwelchen (Staats)Kunden Geld haben wollen. Die EZB selbst sitzt auf den griechischen Schuldpapieren, die sie massenweise aufgekauft hat. Daß heisst, dieser EZB-Vertreter sprach gleichzeitig mit der Presse und sich selbst.

Wer außerdem noch griechische Schuldtitel besitzt, wie z.B. die Norddeutsche Landesbank (NordLB) in Höhe von 719 Millionen Euro, der hat sie offiziell abgeschrieben, um sich nicht strafbar zu machen (8). Auch darĂŒber sollten die Abgeordneten im Bundestag in aller Ruhe einmal nachdenken, bevor sie noch einen einzigen Cent mehr an „Griechenland-Hilfe“ ausgeben: Strafanzeigen wegen betrĂŒgerischer Veruntreuung von staatlichen Geldern.

Es gab nur einen einzigen Satz von Bedeutung, den der Anwalt Wolfgang SchÀuble heute im Bundestag von sich gab:

„Wir werden – ich sagte es – mit dem EuropĂ€ischen StabilitĂ€tsmechanismus fĂŒr die Zukunft ein klares und ex ante bekanntes Regelwerk fĂŒr den Umgang mit Staatsschuldenkrisen schaffen.“

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank Josef Ackermann am 16.November 2009 auf der Euro Finance Week im Frankfurter Bankenviertel (DIE GRIECHENLAND-KRISE (VI): Der Plan der Banken von einer europÀischen Soffin, 9.Mai 2010):

„Möglicherweise werden wir am Ende akzeptieren mĂŒssen, daß der Staat in systemischen Bankenkrisen der AktionĂ€r der letzten Instanz bleibt. Vor dem Hintergrund dieser Überlegungen lohnt es m.E., ĂŒber einen Fonds nachzudenken, aus dem Banken im Notfall rekapitalisiert bzw. fĂŒr eine geordnete Abwicklung gestĂŒtzt werden können. Dies hĂ€tte mehrere Vorteile: Erstens, wir könnten mitternĂ€chtliche Rettungsaktionen mit all ihren Problemen vermeiden. Zweitens, die Zugangsbedingungen wĂ€ren ex ante festgelegt, so daß Unsicherheit und moral hazard begrenzt wĂŒrden.
Drittens ließe sich eine Lastenteilung zwischen Finanzindustrie und der öffentlichen Hand besser erreichen, wenn und insoweit der Fonds von beiden gespeist wĂŒrde. Und nicht zuletzt könnte solch ein Fonds, wenn man ihn auf europĂ€ischer Ebene errichtete, ein wesentlicher Baustein zur Lösung des `ewigen` Problems der innereuropĂ€ischen Lastenteilung sein – und uns somit dem Ziel einer wahrhaft europĂ€ischen Aufsichtsstruktur nĂ€herbringen.”

Was Ackermann am 16.November 2009 forderte und SchĂ€uble heute noch versucht irgendwie ĂŒber die Ziellinie zu bringen, ist ein mit staatlichen Geldern ex ante (im Voraus) gefĂŒllter Geldtopf (Fonds), der von den Banken jederzeit angezapft werden kann. Gleichzeitig – und das ist die strategische Einigung zwischen SchĂ€uble, Steinmeier und allen EU-Zentristen einerseits und den Banken andererseits – soll um diesen Fonds eine ausfĂŒhrende, zu diktatorischen Maßnahmen ermĂ€chtigte Behörde errichtet werden (der ESM-Gouverneursrat) um ganze Staaten Europas, die bewusst in den Bankrott getrieben worden sind, als Diktatoren des Kapitals zwangszuverwalten. Im Gouverneursrat sitzen sollen nicht nur die Finanzminister der Euro-Zone (der eine reicher / gleicher als der andere) sondern auch die Banker selbst.

Bereits jetzt „berĂ€t“ die „Deutsche Bank“ die Regierung von Giorgos Papandreou dabei, den Staat Griechenland zu verkaufen (10); die Bank berĂ€t dabei genau den sauberen „Sozialisten“ Papandreou, der kurz nach seinem Amtsantritt im Dezember 2009 veranlasste im staatlichen Besitz der Aktiengesellschaft Hellenic Postbank befindliche Kredit-Ausfall-Versicherungen (CDS) in Höhe von 1.3 Milliarden Euro an Firmen zu verkaufen, an denen Papandreous Familie beteiligt ist (11, 12).

CDS steigen im Wert, wenn die zugrunde liegenden Anleigen fallen. In diesem Falle handelte es sich um die Anleihen vom Staate Griechenland. Die CDS sind mittlerweile 23 Milliarden Euro wert, weil das kranke, kapitalistische Euro-System dem Lumpen Papandreou ermöglicht, als Premierminister auf den Bankrott des eigenen Staates zu wetten, dadurch MilliardĂ€r zu werden und dann anderen Lumpen an der deutschen Regierung ermöglicht, dafĂŒr den deutschen Staat fĂŒr die Banken ausbluten zu lassen, um dadurch auch noch die mit den Banken ausgeheckten PlĂ€ne zur Diktatur des Kapitals umzusetzen.

Daß es hier nicht nur um einen finanziellen, sonder auch einen politischen Staatsstreich gegen diese Republik, die der Griechen und aller anderen Staaten im EU-Machtbereich geht, daß haben nicht irgendwelche Abgeordneten, Staatsparteien, Staatsjournalisten oder andere BerufslĂŒgner, sondern das haben wir immer gesagt. (7.Mai 2010, DIE GRIECHENLAND-KRISE (IV): Machtergreifung einer neuen kapitalistischen Sowjetunion)

Nun kommt das sogar langsam im Paralleluniversum Bundestag an. Und das ist der Grund dafĂŒr, daß nicht nur SchĂ€uble und Merkel ihre PlĂ€ne vor dem Bundestag, sondern mittlerweile der Bundestag seine BeschlĂŒsse vor der Bevölkerung verheimlichen muss.

In einem an die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ weitergegebenem FĂŒnf-Punkte-Memo (immerhin) sprach CSU-GeneralsekretĂ€r Alexander Dobrindt diese Woche von einer „Entdemokratisierung und einer EntsouverĂ€nisierung der europĂ€ischen Staaten“. Anlass war die Rede von Trichet bei der Karlspreis-Verleihung, in der der EZB-PrĂ€sident eine „europĂ€ische Finanzregierung“ ĂŒber ein „europĂ€isches Finanzministerium“ verlangt hatte.

Nochmal fĂŒr den Geografie-Feind: solange Norwegen oder die Schweiz noch nicht von Ostasien erobert wurden, heisst es immer noch „EU-Finanzregierung“ und „EU-Finanzministerium“.

Dobrindt, der sich offenbar zum ersten Mal seit Jahren nicht alles vorlesen lassen, sondern selbst die Brille aufgesetzt hatte, verfiel in beschĂ€mten Rhetorik-Patriotismus und verlangte – unter Bruch aller heiligen Dogmen des deutschen historischen schulden-bewussten BĂŒckens vor AutoritĂ€ten aller Art – gar eine RĂŒckĂŒbertragung von an BrĂŒssel und Frankfurt abgegebene Kompetenzen an das deutsche Parlament. (4)

„Die Macht der EU ist nach jeder Krise grĂ¶ĂŸer geworden, die darauf folgende Krise nicht kleiner. Wir mĂŒssen deshalb den Automatismus, der zu einer fortschreitenden Machtverschiebung in Richtung BrĂŒssel fĂŒhrt, auf den PrĂŒfstand stellen.

„Falls die Analyse ergibt, dass die FinalitĂ€t bereits ĂŒberschritten ist, mĂŒssen Kompetenzen zurĂŒck verlagert werden.“

Der CSU-GeneralsekretĂ€r sprach von einem „Ende des europĂ€ischen Integrationsprozesses“.(Nochmal: das ist das Ende eines „Integrationsprozesses“ unter BrĂŒssel und seine RĂ€te und Kommissare. Europa steht nachher immer noch und schickt sich emails. Wollen wir wetten?)

Trichet hat mit seiner Forderung nach einer EU-Regierung – und damit nach einem eigenen EU-Staat – nur das ausgesprochen, was SchĂ€uble erfolglos versucht hat, dem Bundestag unterzujubeln. In dem von SchĂ€uble monatelang vor dem Parlament verheimlichten ESM-Vertrag, den der Bundestag abnicken soll, steht die Schaffung eines eigenen EU-Steuersystems drin. Der Anwalt SchĂ€uble ging zwar wieder nach der ĂŒblichen Salamitaktik vor. Aber eben auch ein StĂŒck Salami ist immer noch Salami. Dies begriffen nun auch die Abgeordneten des Bundestages (fĂŒr diese schon eine reife Leistung.)

Aus dem ESM-Vertragsentwurf (5):

„Das Personal des ESM unterliegt fĂŒr die vom ESM gezahlten GehĂ€lter und BezĂŒge nach Maßgabe der vom Gouverneursrat zu beschließenden Regeln einer internen Steuer zugunsten des ESM. Ab dem Tag der Erhebung dieser Steuer sind diese GehĂ€lter und BezĂŒge von der staatlichen Einkommensteuer befreit.“

EU-Parlamentarier Alexander Alvaro (FDP) nannte dies abstrus, der CDU-Rechtsexperte Prof. Patrick Sensburg „auf jeden Fall ungewöhnlich“.

„Auf jeden Fall ungewöhnlich“.

Man stelle sich vor, irgendjemand wĂŒrde sich auf den deutschen Bundestag stellen und eine andere Flagge als die deutsche hissen, ohne daß auch nur ein Parlamentsbeschluss, geschweige denn eine Abstimmung des obersten SouverĂ€n, des deutschen Volkes ergangen wĂ€re. Auch dies wĂ€re „auf jeden Fall ungewöhnlich“, finden Sie nicht auch? Genau das ist am 10.Mai geschehen. (Gleicher als gleich: “Dem EuropĂ€ischen Volke”)

Sie, liebe Leserinnen und Leser (und ich weiss, ein paar von ihnen sind auch staatliche TransferleistungsempfĂ€nger in Regierung, Ämtern und Parlament), mĂŒssen sich immer vor Augen halten, daß das schlechteste Parlament immer noch eines ohne Macht ist. Selbst die grĂ¶ĂŸten Idioten und Feiglinge auf Gottes Erdboden (Sammlungsbegriff: „Deutscher Bundestag“) ist es also immer noch wert, daß man ihn gegen seinen Willen verteidigt – nach innen und nach Washington. Selbst wenn man selbst genau von diesen Halunken ein Leben lang betrogen und ausgeraubt wurde und sie noch teuer dafĂŒr bezahlt hat.

So irre ist die Welt geworden.

Quellen:
(1) http://www.bloomberg.com/news/2011-06-08/merkel-gets-backing-from-german-lawmakers-on-plan-for-second-greek-bailout.html
(2) http://www.ftd.de/politik/international/:merkel-in-washington-obama-will-starke-deutsche-fuehrung-in-der-euro-krise/60062518.html
(3) http://www.welt.de/wirtschaft/article13420386/Merkel-und-Schaeuble-werben-fuer-weiteres-Hilfspaket.html
(4) http://www.faz.net/artikel/C31147/fuenf-punkte-memorandum-fortschreitende-machtverschiebung-in-richtung-bruessel-30432514.html
(5) http://www.express.de/news/politik-wirtschaft/eigene-steuerregeln–aerger-um-euro-behoerde/-/2184/8498744/-/
(6) http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/:schuldenkrise-deutsche-banken-lassen-griechen-doch-haengen/60063057.html
(7) http://online.wsj.com/article/SB10001424052702304432304576371692380143806.html
(8) http://www.welt.de/wirtschaft/article13417986/Schaeuble-warnt-vor-Staatspleite-Griechenlands.html
(9) http://www.bullion-investor.net/2011/06/landesbank-schreibt-griechenlandanleihen-ab/
(10) http://de.reuters.com/article/economicsNews/idDEBEE74H0A920110518
(11) http://www.der-klare-blick.com/2011/05/papandreou-klaut-23-milliarden/
(12) http://coveringdelta.wordpress.com/2011/05/29/accusations-of-treason-in-the-greek-parliament/