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Ägypten Ticker: Volksaufstand Tag 9
Von Daniel Neun | 2.Februar 2011
Live Bilder aus Ägypten: Einem Land platzt der Kragen
Volksaufstand in Ägypten: Ticker
Ägypten Ticker: Volksaufstand Tag 6
Ägypten Ticker: Volksaufstand Tag 7
Ägypten Ticker: Volksaufstand Tag 8
Öffentlich zugängliche Quellen:
Live TV Stream Al Jazeera: http://english.aljazeera.net/watch_now/
Twitter Al Jazeera: http://english.aljazeera.net/news/middleeast/2011/01/201112523026521335.html
Ticker Al Jazeera: http://blogs.aljazeera.net/middle-east/2011/02/01/live-blog-feb-2-egypt-protests
Mittwoch, der 2.Februar, Tag 9 des Volksaufstandes in Ägypten. Es ist Mitternacht in Kairo. Der Diktator Husni Mubarak hat am späten Abend eine lang angekündigte Rede gehalten.
Entgegen der Forderungen der Bevölkerung, die im Zuge eines innerhalb von Tagen spontan organisierten “Marsch von Millionen” den Tag über in ganz Ägypten auf den Straßen war, verkündet der Diktator nicht etwa seinen Rücktritt, sondern Verbleib im Amt bis zu den nächsten regulären Präsidentschaftswahlen im September an. Gleichzeitig verlautbart er, dass seine Top-Priorität nun auf der Herstellung von “Stabilität und Sicherheit” sei.
Die Menschen auf dem Tahrir-Platz reagieren aufgebracht und wütend. Sie fordern den Diktator auf sein Amt aufzugeben und kündigen an, am Freitag zum Präsidentenpalast zu marschieren. Der Marsch war bereits zum “Marsch der Millionen” angekündigt; doch aus bislang unbekannten Gründen fand er nicht statt. Von Gesprächen ist die Rede, zwischen Mubaraks Stellvertreter, Spionage-Chef Omar Suleiman und Oppositionsparteien.
Kurz nach Mubaraks Rede erscheint am Dienstag Abend eine kleine Gruppe Pro-Mubarak-Demonstranten in Alexandria auf dem Versammlungsplatz der Regime-Gegner und beginnen Auseinandersetzungen. Die Armee fährt mit Panzern dazwischen und feuert Warnschüsse ab.
Auch aus Kairo berichtet Al Jazeera Korrespondent Ayman Mohyeldin in einem Telefonanruf von ähnlichen Vorfällen. Nach Mitternacht berichtet er nun, mittlerweile in Sicherheit, wie sich die Ereignisse abgespielt haben:
Als Mohyeldin mit seinem Team den Tahrir-Platz verlassen will, wird er von Demonstranten vor Pro-Mubarak-Provokateuren gewarnt, die sich Richtung des Versammlungsplatzes bewegen. Zunächst nimmt er diese Warnungen nicht ernst. Einige Straßen weiter trifft sein Team dann tatsächlich auf die Pro-Mubarak-Gruppe aus ca. 300-400 Personen. Reporter Mohyeldin vermutet aufgrund ähnlicher Vorfälle in Wahlkämpfen unter dem Mubarak-Regime bezahlte Mitglieder der Staatspartei NDP unter den Pro-Mubarak-Demonstranten, die sich allerdings nur ein paar Hundert Meter an den Tahrir-Platz heran bewegt hatten. Das Militär habe sich zurückgehalten, so der Korrespondent, da es keine unmittelbare Auseinandersetzung mit Regime-Gegnern gegeben habe.
00.20 Uhr
In Washington wird eine Rede von US-Präsident Barack Obama erwartet.
00.45 Uhr
Die Rede Obamas beginnt. Der US-Präsident sagt sinngemäß:
Wir verfolgen hinsichtlich Ägypten drei Prinzipien.
1. Wir lehnen Gewalt ab.
2. Wir stehen für die universellen Menschenrechte, Versammlungsfreiheit und Redefreiheit.
3. Es muss einen Wandel geben. Das muss jetzt beginnen. (“it must begin now”). Mubarak hat verstanden, dass der Status Quo nicht haltbar ist. Es muss einen friedlichen und geordneten Übergang der Macht geben. Nur die ägyptischen Führer sind dazu in der Lage. Nur die Ägypter können ihre Führer bestimmen. Es muss eine Regierung in Ägypten geben, die nicht nur demokratisch, sondern auch in der Lage ist die Anliegen der Menschen in Ägypten anzunehmen.
Wörtlich sagt Obama:
“Ein geordneter Übergang muss sinnvoll sein, er muss friedlich sein und er muss jetzt beginnen.”
Desweiteren lobt der Präsident der USA ausdrücklich das ägyptische Militär für seine an den Tag gelegte “Professionalität” und seinen “Patriotismus”.
Ägypten: Szenen vom gestrigen Abend auf dem Tahrir-Platz werden bekannt. Hier Aufnahmen eines Al Jazeera Reporters direkt in der Menschenmenge, die auf die Rede Mubaraks reagiert.
Reporter vor Ort berichten, die Menschen rufen “Wo ist die Armee, Wo ist die Armee?” und verlangen die Entmachtung des Diktators. Der leitende Al Jazeera Analyst Marwan Bishara:
“Was wichtig ist, ist was das Mubarak-Regime ersetzt, nicht wer die Person Mubarak ersetzt. Die Person Mubarak zu ersetzen, aber das Mubarak´s Regime zu erhalten, wäre bedeutungslos, weil jede neue Führungsfigur der gleichen bankrotten Machtstruktur dienen würde, nicht den Menschen.”
Die “Los Angeles Times” berichtet vom Unternehmer Hadid Habbab, der seinen vermissten Freund Wael Ghonim sucht, einen Angestellten von Google. Ghonim ist seit Donnerstag verschwunden.
Im Internet macht eine Anleitung die Runde: “Wie man keinen Blödsinn über Ägypten erzählt“. Der Volksaufstand in Ägypten sei keine “Twitter Revolution”. Die in den Schlagzeilen internationaler Medien verwendeten Stereotypen seien Unsinn:
“Nein, dies ist die Revolution des ägyptischen Volkes. Ägypter haben seit Jahrzehnten Widerstand geleistet. Sie wurden gefoltert, ins Gefängnis geworfen durch die Mubarak- und Sadat-Regime. Twitter und Facebook sind Instrumente. Sie stehen nicht vor den Wasserwerfern, oder gehen zur Belohnung dafür nicht all die Jahre ins Gefängnis.”
Bilder der “New York Times” vom Tag 8 des Volksaufstandes. Sie zeugen von den Menschen, die all dies ermöglicht und erkämpft haben. Hier ein Bild, das gerade Ausländern wie uns zu denken geben sollte, ehe wir über die Freiheitsbewegung der Ägypter urteilen, nach 30 Jahren Ausnahmezustand und Polizeistaat.
10.00 Uhr
Kairo: Die Menschen versammeln sich abermals auf dem Tahrir-Platz. Tausende haben dort bei klirrender Kälte übernachtet.
Derweil im Jemen: Diktator Ali Abdallah Saleh, immerhin zwei Jahre länger als Mubarak an der Macht, macht es angesichts massiver Proteste der Bevölkerung seinem ägyptischen Kollegen nach und sagt, er werde noch bis nächstes Jahr im Amt bleiben und dann nicht mehr zur nächsten “Wahl” antreten. In Deutschland macht das SPD-nahe neokonservative “Hamburger Abendblatt” daraus: “Präsident Saleh tritt ab”.
Kommentar:
Nur nicht dem Druck der Straße nachgeben. Nur nicht dem Druck der Straße nachgeben. Nur nicht dem Druck der Straße nachgeben.
Was Du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen. Was Du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen. Was Du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen.
11.00 Uhr
Die Armee fordert von den Ägyptern ein Ende der Demonstrationen. In einer Fernsehansprache des Armee-Sprechers Ismael Etman wiederholt dieser insgesamt die Argumente des Diktators und fordert die Menschen auf, den Generalstreik einzustellen, wieder zur Arbeit zu gehen und die Geschäfte zu öffnen, damit wieder “ein normales Leben” geführt werden könne.
11.10 Uhr
Soeben taucht eine größere Zahl von Pro-Mubarak-Demonstranten vor einem Hotel auf, in dem vor allem Journalisten untergebracht sind. Unter den Pro-Mubarak-Demonstranten (wie könnte es auch anders sein), Korrespondentin Jacky Rowland. Sie hatte bereits in den letzten Tagen in ihren Berichten die Argumente der Diktatur (Stabilität, Sicherheit) monoton und ausführlich wiederholt.
Analyse: Wie ich gestern bereits schrieb, war es ein großer, vielleicht entscheidender Fehler des “Marsches der Millionen”, nicht zum Präsidentenpalast zu marschieren und so eine Entscheidung zu erzwingen. Hinter den Kulissen arbeiten die Kräfte der Diktatur (mit ganz sicher anwesenden guten Freunden aus dem Ausland) daran, die für den Volksaufstand selbst bedeutungslosen Oppositionsparteien mit Versprechungen und Geld zu kaufen. Das ist offensichtlich bereits gestern geschehen: anders kann das Fehlen sämtlicher leitender Funktionäre aller sogenannter Oppositonsparteien auf dem Tahrir-Platz nicht erklärt werden. Die Erklärung des gestern ebenfalls abwesenden Mohammed El Baradei, der Diktator habe noch drei Tage bis Freitag Zeit zurückzutreten, spricht für sich.
Hier wurde dem Volksaufstand das Momentum geraubt. Anschließend ergriff die Diktatur wieder die Initiative. Wenn die Ägypter jetzt nicht politisch unerbittlich und entschlossen reagieren und endlich auf den Präsidentenpalast marschieren, bricht der Volksaufstand und die Freiheitsbewegung in sich zusammen. Dann werden ein paar korrupte Kollaborateure in das Mubarak-Regime aufgenommen und alles geht einfach weiter – wie in den letzten 30 Jahren.
Auf irgendwelche Hilfe aus den USA, aus Europa oder irgendwelchen Medien (auch von uns) können die Ägypter nicht hoffen.
Es ist ihr Land, es ihr Leben und sie haben jetzt die Entscheidung.
11.33 Uhr
Abdel Abu El Fatouh, Muslimbruderschaft, in einem Interview mit Al Jazeera:
“(Wir) unterstützen die Proteste bis Mubarak zurücktritt. Keine Gespräche mit Vize-Präsident Suleiman bis Mubarak zurücktritt.”
12.00 Uhr (13 Uhr ägyptischer Zeit)
In Kairo ist der Tahrir-Platz wieder gefüllt mit Menschen.
Das Internet ist in Ägypten mehr und mehr wieder erreichbar.
Ein paar Banken haben geöffnet. Doch der Generalstreik geht weiter. Die Preise für Lebensmittel sind explodiert. Es gibt lange Schlangen vor Tankstellen.
Das Mubarak-Regime kündigt in einer Ansprache eine Verfassungsreform an – in zwei Monaten.
Wie Korrespondentin Jane Dutton vom Kairoer Tahrir-Platz berichtet, verlangen die Menschen weiterhin einen Rücktritt des Diktators vor Gesprächen mit dem Regime.
12.08 Uhr
Korrespondentin Jacky Rowland berichtet wieder einmal von den Pro-Mubarak-Demonstranten. Ihren Angaben zufolge sind es bereits Tausende und befinden sich nur einen halben Kilometer vom Tahrir-Platz entfernt.
12.11 Uhr
Der Analyst des Brookings Doha Center, Shadi Hamid, ist auch wieder da (Radio Utopie berichtete). Im Al Jazeera Live Stream erklärt er, die Unterstützer des Dikators würden versuchen, “das Momentum zurückzugewinnen“.
Analyse: Na so eine Überraschung.
14.00 Uhr
Zehntausende Menschen sind auf dem Tahrir-Platz. Die Pro-Mubarak-Demonstranten sind ebenfalls auf den Platz gezogen. Das Militär ist plötzlich verschwunden.
Nun stehen sich beide Gruppen direkt gegenüber, auf dem Tahrir-Platz. Doch es kommt nicht zu Auseinandersetzungen. Beide Gruppen, die Regime-Gegner weit in der Überzahl, rufen ihre Forderungen. Doch sie kämpfen nicht.
Analyse: Auch das haben sich die Provokateure und die mit dem Diktator Mubarak nun offen kollaborierende Armee-Führung sicherlich anders vorgestellt. Wenn es nicht zu Straßenschlachten, sondern zu einem politischen Kräftemessen zwischen den Ägyptern auf dem Tahrir-Platz kommt, können die Kräfte der Diktatur nur unterliegen.
13.25 Uhr
Nun sind die Straßenschlachten ausgebrochen. Wie der Al Jazeera Reporter berichtet, wurden zunächst Regime-Gegner mit Verletzungen berichtet. “Eher” die Pro-Mubarak-Provokateure hätten mit Gegenständen geworfen, doch beide Seiten hätten nach Ausbruch der Straßenschlacht um den Verbleib auf dem Tahrir-Platz miteinander gekämpft.
13.29 Uhr
Die Straßenschlacht ist in vollem Gang. Die Pro-Mubarak-Gruppen haben Berichten zufolge Waffen auf den Platz gebracht (das Militär hat sich zuvor zurückgezogen).
Brookings Doha Center-Analyst Shadi Hamid dazu live auf Al Jazeera: “Die Konterrevolution hat begonnen”. Hamid gibt die Taktik des Regimes selbst wieder: jetzt würden die Leute sehen, das komme dabei raus, es sei Zeit nach Hause zu gehen.
Eine Augenzeugin berichtet am Telefon von eingesickerten Undercover-Polizisten mit Schusswaffen und der Bewaffnung von Pro-Mubarak-Aktivisten. Sie berichtet von Verletzten und einer Person, deren Kopf vollständig zerschmettert ist.
Die Zeugin berichtet von Menschen, die auf den Tahrir-Platz eilen.
13.38 Uhr
Die Pro-Mubarak-Gruppe ist vom Tahrir-Platz vertrieben worden. In den Seitenstraßen gehen die Auseinandersetzungen weiter. Von der Armee ist weit und breit nnichts zu sehen. Die Muslimbruderschaft beschuldigt die Armee, die Provokateure auf den Platz gelassen zu haben.
13.41 Uhr
Ein Al Jazeera Korrespondent (nicht Jacky Rowland) meldet per Telefon von der Pro-Mubarak-Gruppe, dass diese von einem Truck mit einem Soundsystem angeführt wird, in dessen Fahrerkabine uniformierte Polizisten sitzen.
Analyse: Die Diktatur versucht mit eigenen, scheinbar zivilen Gruppen den Volksaufstand zu sabotieren. Erkennbar ist dieser Entschluss des Mubarak-Regimes an oberster Stelle getroffen worden. Diese (neue) Taktik der Aufstandsbekämpfung trägt die Handschrift von Mubaraks Stellvertreter Omar Suleiman, seit 1993 Chef des berüchtigten “Allgemeinen Nachrichtendienstes”. Nach dem Versuch mit seinen Kräften verdeckt Plünderungen, Vandalismus und Zerstörung zu organisieren um so das immer wieder beschworene “Chaos” zu erzeugen (angesichts dessen die Mittelschichten traditionell meist die “Stabilität” des Weiter-So wählen), versucht er es jetzt mit zivil erscheinenden Truppenteilen.
13.50 Uhr
Das Militär erscheint wieder am Tahrir-Platz. Panzer fahren zwischen die Regime-Gegner und die Pro-Mubarak-Gruppen.
Soldaten klettern auf die Panzer und schwingen die Nationalflagge. Sie rufen “genug, genug”.
Ein Mubarak-Gegner berichtet, die Pro-Mubarak-Gruppe hätte sich vom Nationalmuseum auf den Tahrir-Platz bewegt. Diese liegt direkt neben dem Gebäude der Staatspartei NDP.
14.00 Uhr
Die Pro-Mubarak-Demonstranten sind offensichtlich wieder vorgerückt. Die Regime-Gegner sind auf die Mitte des Tahrir-Platzes zurückgewichen.
Mindestens acht Mubarak-Unterstützer auf Pferden und einer auf einem Kamel kommen auf den Tahrir-Platz geritten und reiten dabei rücksichtlos Personen über den Haufen. Mindestens zwei von ihnen werden von Regime-Gegnern vom Pferd geholt und überwältigt.
Die Soldaten auf den Panzern stehen hilflos daneben. Sie versuchen keine Schusswaffen einzusetzen (was ganz offensichtlich das Ziel der Kräfte der Diktatur ist).
Analyse: Die Mubarak-Unterstützer werden bald zurückgeschlagen sein, wenn sie selbst keine Schusswaffen einsetzen.
Entscheidend wird sein, was dann passiert. Setzen die Mubarak-Unterstützer Schusswaffen ein, wenn sie verlieren? Die Regime-Gegner, die das gesamte ägyptische Volk repräsentieren, sollten jedenfalls alles tun, um Provokateure in den eigenen Reihen – die ebenfalls der Diktatur den Gefallen tun könnten Schusswaffen oder Messer einzusetzen und ein Massaker zu beginnen – zu identifizieren und auszuschalten.
14.11 Uhr
Die von Polizei und anderen staatlichen Sicherheits- und Stabilitätskräften angeführten Mubarak-Unterstützer sind offensichtlich wieder auf dem Rückzug. Die Regime-Gegner rücken vor. Von allen Seiten strömen Kairoer auf den Tahrir-Platz um die Freiheitsbewegung zu verteidigen.
Die Unterstützer der Diktatur haben sich in Seitenstraßen zurückgezogen.
Derweile nehmen die Berichte über eine direkte Führung der Mubarak-Unterstützer durch die Polizei Mubaraks zu. Auch der Gebrauch von Tränengas weist darauf, dessen Schwaden kurz nach dem Angriff der Mubarak-Unterstützer über den Tahrir-Platz gezogen waren.
Anhänger der Freiheitsbewegung halten Polizei-Ausweise in die Kameras, die sie den zurückgeschlagenen Mubarak-Unterstützer abgenommen haben.
Der Analyst des Brookings Doha Center, Shadi Hamid, spricht von einem “nächsten Level”.
14.35 Uhr
Regime-Gegner beschuldigen Gangs der Staatspartei NDP mit anderen Mubarak-Unterstützern die Freiheitsbewegung auf dem Tahrir-Platz angegriffen zu haben.
14.45 Uhr
Ein Sprecher Muslimbruderschaft betont in einem Telefoninterview, dass die Demonstrationen gegen das Regime komplett friedlich gewesen seien und ruft die Weltöffentlichkeit auf, das Recht auf Demonstration gegen das Regime zu verteidigen.
14.48 Uhr
Dramatische Bilder (Korrektur): Mubarak-Unterstützer rücken vor und drängen die Regime-Gegner zurück Richtung Tahrir-Platz. Einzelne Regime-Gegner stürzen. Sofort werden sie von Mubarak-Unterstützern umringt, die auf sie einprügeln.
Kommentar: Es ist nur zu hoffen, dass keine Menschen um´s Leben oder schwer verletzt werden. Die Armee jedenfalls tut nichts und greift nicht ein. Wenn sie das allerdings täte, besteht die Gefahr, dass Schusswaffen eingesetzt werden und die Situation (zugunsten des Regimes) außer Kontrolle gerät und das von der Diktatur ersehnte “Chaos” ausbricht.
An alle Leserinnen und Leser: verbreiten Sie bitte über alle Ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln die oben verlinkten öffentlichen Quellen und diesen Artikel.
16.00 Uhr
Sondereinheiten der Polizei sind in Nebenstraßen aufgetaucht.
Schüsse sind zu hören. (Später dementiert die Armee, dass sie die Schüsse abgefeuert hat.)
Wie ein Korrespondent vor Ort per Telefon berichtet, sind drei Militärfahrzeuge von Mubarak-Unterstützern gestürmt und gekapert worden. Nun werden sie von den Mubarak-Unterstützern als Barrikaden benutzt.
15.10 Uhr
Regime-Gegner rücken vor und vertreiben die Unterstützer der Diktatur von den Armeefahrzeugen.
15.19 Uhr
Eine Korrespondentin berichtet: ein Panzer der Armee fährt zwischen die Regime-Gegner und die Mubarak-Unterstützer. Die Mubarak-Unterstützer klettern daraufhin auf den Panzer und versuchen ihn zu entern. Daraufhin zieht sich der Panzer wieder zurück.
Die Mubarak-Unterstützer setzen das Gebäude einer großen Versicherungsfirma in Brand.
15.30 Uhr
Offenbar sind die zu hörenden Schüsse Warnschüsse der Armee gewesen. (Wie beschrieben, hat die Armee dementiert Schüsse abgefeuert hat.)
Die Lage ist unübersichtlich.
Korrespondentin Jacky Rowland, auf einem Balkon nahe des Nationalmuseums, von dem die Mubarak-Unterstützer vorrückten, erklärt den Tahrir-Platz zum “Epicenter” des Kampfes um Ägypten.
Analyse: Endlich sind wir mal einer Meinung.
15.38 Uhr
Der Sprecher einer Oppositionspartei kündigt an, dass die Freiheitsbewegung am Freitag auf den Präsidentenpalast des Diktators marschieren wird.
15.42 Uhr
Mehrere Korrespondenten (darunter Reporter Joe Stork) berichten, dass auf dem Tahrir-Platz viele Verletzte von Auseinandersetzungen mit den Mubarak-Unterstützern eintreffen. Sie zeigen Wunden von Pflastersteinen und Knüppeln, allerdings keine die auf den Einsatz von Messern oder Schusswaffen hindeuten. Joe Stork zu den Pro-Mubarak-Gruppen: “Ich würde sie nicht Demonstranten nennen”. Dies seien Gangs des Regimes und extrem aggressiv.
15.46 Uhr
An der Frontlinie zwischen den Regime-Gegnern und den Mubarak-Unterstützern wird Tränengas eingesetzt. Es ist unklar von wem.
Erneut sind Schüsse zu hören. Der Militärhelikopter kreist wieder über dem Tahrir-Platz.
Jacky Rowland berichtet (offenbar begeistert) , dass die Mubarak-Unterstützer wieder bis zu den von ihnen gekaperten und zerstörten Militärfahrzeugen vor dem Nationalmuseum vorgerückt sind. Die Regime-Gegner sind 100 Meter Richtung Tahrir-Platz zurückgewichen.
15.52 Uhr
Die Mubarak-Unterstützer benutzen nun die Militärfahrzeuge, um zum Tahrir-Platz vorzurücken. Sie schieben die Fahrzeuge vor sich hier und rücken in dessen Deckung weiter vor.
Über Kairo ist Rauch zu sehen, offensichtlich von dem Versicherungsgebäude, dass die Mubarak-Unterstützer vor den Augen einer Al Jazeera-Korrespondentin in Brand gesetzt haben.
15.56 Uhr
Die Regime-Gegner rücken wieder vor. Die Mubarak-Unterstützer werden zurückgeschlagen und lassen die Militärfahrzeuge stehen.
16.00 Uhr
Mubarak-Unterstützer werfen vom Dach eines Gebäudes am Tahrir-Platz massiv Steine und Gegenstände auf die Regime-Gegner auf dem Platz. Ein Korrespondent: “Die Leute rennen um ihr Leben.”
16.02 Uhr
Die Mubarak-Unterstützer sind wieder zu den leeren Militärfahrzeugen inmitten der Seitenstraße vorgerückt.
Sie versuchen nach eigenen Angaben gegenüber Reportern den Tahrir-Platz zu stürmen.
16.12 Uhr
Eine Zeugin berichtet in einem dramatischen Anruf, dass auf dem Tahrir-Platz überall Verletzte sind, keine einzige Ambulanz kommt und es keine ärztliche Versorgung gibt. (Hier Bilder der Live-Übertragung von Al Jazeera zu diesem Zeitpunkt. Ergänzung: Links sind die Mubara-Unterstützer, rechts die Demonstranten der Freiheitsbewegung zu sehen)
Ein anderer Zeuge, ein Journalist, berichtet, dass er von den Mubarak-Unterstützern angegriffen wurde, obwohl er sich als Journalist zu erkennen gegeben habe. Mehrere Menschen seinen von den Mubarak-Unterstützern, die er als sehr gewalttätig beschrieb, verletzt worden. Diese seien gut organisiert und erhielten über eine Brücke ständig neue Unterstützung, wenn sich Kräfte von ihnen zurückziehen.
Analyse: Diese Vorgänge sind Ausdrucks eines verdeckten, indirekten Versuch des Regimes die Armee auf die eigene Seite zu ziehen und zum Einsatz gegen das Volk zu bewegen. Sobald das die Armee aber tut und Schusswaffen einsetzt – gegen wen auch immer – wird das Regime von der Armee sofort verlangen überall die Sicherheit zu übernehmen und die Soldaten dazu weiter unter Druck setzen.
16.24 Uhr
Die Mubarak-Unterstützer scheitern mit einem weiteren Angriff auf den Tahrir-Platz an den Barrikaden der Freiheistbewegung. Ein leeres Militärfahrzeug wird gegen die Barrikaden gerollt, doch die Regime-Gegner bleiben standhaft und schlagen die Mubarak-Unterstützer wieder zurück.
Bericht: Mohammed El Baradei fordert ein Eingreifen der Armee.
16.30 Uhr (17.30 Uhr ägyptischer Zeit)
Es wird langsam dunkel in Kairo. Die Straßenschlacht hält an.
Twitterer Ashraf Khalil berichtet aus Kairo, dass sich laut Zeugen eine Menge Agenten und Polizisten in zivil unter die Regime-Gegner auf dem Tahrir-Platz gemischt haben.
Bereits vor einigen Stunden berichtete CNN-Reporter Anderson Cooper von einem Angriff auf sein Team durch Mubarak-Unterstützer beim Nationalmuseum. Die US-Journalisten können unter Hieben und Tritten knapp den Hilfstruppen des von der US-Regierung massiv gestützen Mubarak-Regimes entkommen.
Unterdessen hält Ban Ki Moon, der irrelevante Generalsekretär einer sich selbst abschaffenden irrelevanten Organisation namens “Vereinte Nationen”, irgendeine irrelevante Ansprache vor irgendwelchen Fernsehkameras.
16.45 Uhr
Am Tahrir-Platz taucht zum ersten Mal eine Ambulanz auf.
16.50 Uhr
Analyse: Der zweite Versuch des Regimes vom 82 Jahre alten Diktator Husni Mubarak – in dem Omar Suleiman die Fäden zieht – mittels einer Aufstandsbekämpfungs-Taktik die Situation unter Kontrolle zu bringen ist gescheitert. Die von “Sicherheitskräften” und Agent Provocateurs des Regimes angeführten zivilen Einheiten sind zurückgeschlagen, die Eroberung des Tharir-Platzes ist fehlgeschlagen.
Und was für die Kräfte hinter der Diktatur über Ägypten noch viel schlimmer ist: die ganze Welt schaut dabei zu und weiß, was da geschieht.
17.00 Uhr
Unter die irrelevanten Absonderungen reiht sich EU-Außenbeauftragte Catherine Ahston ein.
Kommentar: Rücktritt des Diktators. Alles andere ist irrelevant.
Der Großmufti von Ägypten, traditionell ein Mann des Regimes, ruft alle Ägypter auf nach Hause zu gehen.
Kommentar: Der Aufruf ín einem Volksaufstand gegen die Diktatur nach Hause zu gehen, ist der Aufruf sich wieder der Diktatur zu beugen.
17.13 Uhr
Von den Dächer mit Molotow-Cocktails / Brandbomben geworfen. Es ist noch nicht bestätigt – aber es ist sehr wahrscheinlich, dass es ebenfalls die regimetreuen Mubarak-Unterstützer sind. (Bestätigung 17.30: Es sind Regimetreue, die von den Dächern um des Tahrir-Platzes Brandbomben auf die Regimegegner auf dem Platz werfen, wo gestern 2 Millionen Menschen noch den Rücktritt des Diktators gefordert haben).
Ein Zeuge, Ali Abdel Wahab, berichtet per Telefon, wie am Nachmittag einige Tausend regimetreue Kräfte in zivil geschlossen auf den Tahrir-Platz vorrückten.
17.20 Uhr
Korrespondentin Patty Culhane aus Washington berichtet vom Telefonat zwischen Diktator Husni Mubarak und US-Präsident Barack Obama am gestrigen Abend. In diesem seien, so hieße es in Washington hinter vorgehaltener Hand, deutliche Worte gefallen. Obama hätte Mubarak klar gemacht, dass seine Zeit vorbei sei und sofortige demokratische Reformen angemahnt.
17.30 Uhr
Während die organisierten Regimetreuen am Nationalmuseum weiter Kräfte zusammen ziehen, sind nur ein paar Tausend Ägypter aus der Freiheitsbewegung auf dem Tahrir-Platz.
Analyse: Werden es noch weniger Menschen auf dem Tahrir-Platz, beginnt der Angriff der Regimetreuen.
Ein früherer Direktor im Mubarak-Regime, Mahmoud Ali Sabra, äußert sich erschüttert über die “Kriminellen”, die der Diktator nun als “letzte Ressource” für sich rekrutiert. Er appelliert an US-Präsident Barack Obama Diktator Mubarak aufzufordern zurückzutreten – sofort. Sabra wörtlich:
“Dies ist die einzige Botschaft, die wir von den Führern der freien Welt akzeptieren”
17.50 Uhr
Das Mubarak-Regime lehnt in einem Statement die internationalen Aufforderungen nach einer Machtübergabe ab.
Eine Reportage von Korrespondentin Jacky Rowland aus den Reihen der regimetreuen Mubarak-Unterstützer zeigt Polizisten in deren Reihen, die ihre Unterstützung für den Diktator bezeugen.
17.57 Uhr
Filmbericht: Ein Sprecher der israelischen Regierung, die das Mubarak-Regime stützt und versucht hat internationale Unterstützung für den Diktator zu organisieren, verkündet, man sei “sehr besorgt” über das “Chaos” in Ägypten.
Derweil gibt es immer mehr Berichte darüber (u.a. in der “Tagesschau”), dass die regimetreuen Kräfte versuchen die Anhänger der Freiheitsbewegung auf dem Tahrir-Platz einzukreisen und auf den Zugangsstraßen verhindern, dass weitere Regimegegner auf den Versammlungsplatz gelangen.
18.00 Uhr
Analyse: In den Al Jazeera Nachrichten heisst es, die Lage um den Tahrir-Platz hätte sich etwas beruhigt. Es ist zu befürchten, dass dies die Ruhe vor dem Sturm der Regimetreuen auf den Tahrir-Platz ist.
18.15 Uhr
Ein Fotograf berichtet per Telefon, dass er vom Tahrir-Platz in eine Moschee mit einem improvisierten Krankenhaus gekommen sei. In diesem seien im Sekundentakt neue Verletzte eingetroffen. Der Fotograf schätzt die Anzahl der Verletzten allein am Tahrir-Platz auf 1500.
Auf dem Platz durchsuchen Demonstranten Personen, die verdächtigt werden Agenten des Regimes zu sein. Mehrere Polizei-Ausweise werden in die Kamera des Al Jazeera Live Streams gehalten.
18.21 Uhr
Ein ehemaliger General des Militärgeheimdienstes, Mahmoud Zaher, wird auf Al Jazeera live interviewt. Er erklärt sinngemäß:
- Husni Mubarak ist nicht mehr dass gesetzliche Staatsoberhaupt und nicht mehr akzeptabel für die Streitkräfte.
- Wir rufen alle Menschen auf den Straßen, besonders die Jugend, auf, ihrer Verantwortung gerecht zu werden und das besetzte Nationalmuseum zu räumen.
- wir appellieren an die Oppositionsparteien, insbesonder an Mohammed El Baradei, von populistischen Aktionen Abstand zu nehmen und insbesondere die regionale Stabilität in Erwägung zu ziehen.
Anzunehmen, dass Mahmoud Zaher der gleiche General des Militärgeheimdienstes ist, der um 17.41 Uhr (unserer Zeit) gebenüber Al Jazeera wörtlich gesagt hatte:
“Ich erwarte, dass die Armee Mubarak entmachtet…Mubarak ist bereit das Land niederzubrennen.”
17.21 Uhr
Ein Regimegegner äußert gegenüber Al Jazeera über die Situation auf dem Tahrir-Platz:
“Es ist ein Belagerungszustand. Das Bild, was wir dazu einfällt, ist das vom Tiananmen Platz.”
Nur Sekunden später beginnt das Staatsfernsehen eine sich wiederholende Ansage:
“Sie müssen den Tahrir-Platz sofort verlassen. Wir haben bestätigte Informationen, dass gewalttätige Gruppen sich auf den Tahrir-Platz zu bewegen, Brandbomben mit sich führen und vorhaben den Platz niederzubrennen.”
Analyse: Ein weiterer schlechter Witz des Regimes. Man kündigt selbst etwas an, was man schon versucht hat und gescheitert ist.
Diese Panikmache der Diktatur – wohlgemerkt zu einer Zeit, als die Abendnachrichten im Westen bereits begonnen haben und der ehrenwerte Präsident in Washington mittlerweile wach ist – ist nun der Versuch mit Angst das zu erreichen, was man vorher am Boden nicht erreicht hat.
Demgegenüber ist weiterhin anzunehmen, dass die Ägypter vor der Diktatur nicht zurückweichen werden. Hinzu kommt, dass die deutliche Warnung eines ehemaligen General des Militärgeheimdienstes ein sehr deutliches Signal an das Regime ist. Sollte es jetzt vor den Augen der Weltöffentlichkeit zu einem Blutbad auf dem Tahrir-Platz kommen, könnte der Armee letztlich der Geduldsfaden mit dem Diktator reissen.
19.13 Uhr
In Washington tritt der Sprecher des Weissen Hauses, Robert Gibbs, vor die Kameras. Er sagt sinngemäß:
Die Gewalt in Kairo ist von der Regierung inszeniert. Es ist jetzt an der Zeit den Machtübergang zu gestalten. Es muss einen Prozess geben, der zu freien Wahlen führt. Dieser Prozess muss jetzt beginnen.
Wörtlich sagt Gibbs:
“Die Zeit für einen Wechsel ist gekommen.”
19.50 Uhr
Mittlerweile ist bekannt geworden, dass während dem letzten Angriff von Mubarak-Unterstützern am Nachmittag auch Mubaraks “Sicherheitskräfte” Brandbomben auf den Tahrir-Platz geworfen haben.
Zur Zeit ist es ruhig auf dem Platz, auf dem sich noch einige Tausend Regimegegner aufhalten.
20.00 Uhr
Deutschland, Staatsfernsehen. Tagesschau. Zuerst heisst es (wie aus dem billigen Automaten gezogen) der “friedliche Protest gegen Präsident Mubarak” sei doch noch in Gewalt umgeschlagen.
Kommentar: Man weiss es nicht – sind die so oder können die nicht anders?
Dann darf Jörg Armbruster, der mittlerweile aus dem ARD-Studion flüchten musste (bestimmt vor Dissidenten), doch noch folgendes von sich geben: ein Mitglied des ARD-Teams hat mit eigenen Augen gesehen, wie Polizisten auf einem Motorrad Brandbomben bastelten.
20.19 Uhr
Ein Zeuge aus der Freiheitsbewegung berichtet vom Tahrir-Platz, dass sich die Regimetreuen 400 Meter entfernt vom Tahrir-Platz aufhalten, äußert sich aber zuversichtlich diese wie in den letzten sechs Stunden zurückzuschlagen und den Platz zu halten.
Mittlerweile sind einige Krankenwagen auf dem Platz erschienen und haben Verletzte abgeholt. Eine andere Zeugin hatte zuvor per Telefon berichtet, dass in den Stunden zuvor Verletzte in Privatautos selbst in die Krankenhäuser gebracht werden mussten.
20.40 Uhr
Auf Al Jazeera berichtete die Washingtoner Al Jazeera Reporterin vor ca. anderthalb Stunden, dass der Chef der Vereinigten Generalstäbe des US-Militär, Michael Mullen, mit dem Generalstabschef Generalstabschef des ägyptischen Militärs, Sami Enan, telefoniert hat. Es erschloss sich dabei nicht ganz, wann die höchsten Militärs der USA und Ägypten sich abgesprochen haben, gestern oder heute. (Das Gespräch fand heute statt.)
Allein dass bekannt geworden ist, dass die beiden Generalstabschefs telefoniert haben, ist für sich schon eine Botschaft. Vom Inhalt wurde in Washington nur folgendes bekannt gegeben: US-Generalstäbe-Leiter Mullen habe sein Vertrauen äußert,
“in die Fähigkeiten des ägyptischen Militärs für die Sicherheit seines Landes zu sorgen, sowohl im Inneren, als auch in der ganzen Suez Kanal Region”
Die Al Jazeera Korrespondentin übersetzte dies als die indirekte Aufforderung Mullens an das äygptische Militär einzugreifen.
Analyse: Genau das hat das ägyptische Militär heute nicht getan, wie schon beschrieben durchaus aus nachvollziehbaren Gründen. Offensichtlich hatte es das Mubarak-Regime genau darauf angelegt.
Zumindest deutet dieser Widerspruch auf eine Menge intensiver Diskussionen zwischen Kairo und Washington – und eventuell auch zwischen Washington (Weisses Haus) und Washington (Pentagon).
Nur zur Erinnerung: Generalstabschef Sami Enan war vom Mittwoch letzter Woche bis zum Freitag zu Besuch in Washington – zu Gesprächen mit dem US-Militär, wie es hieß. Dass Enan sich auch mit dem Weissen Haus abgesprochen hat, ist anzunehmen. Die Rolle von Generalstabschef Enan am heutigenTag in Kairo wird jedenfalls noch zu diskutieren sein. Der Chef der ägyptischen Streitkräfte ist seit Tagen völlig abgetaucht.
21.00 Uhr
Omar Suleiman erklärt, es gibt keinen Dialog mit dem Volk, bis dieses seine Proteste einstellt.
Analyse: Sowohl eine klare Antwort an das Weisse Haus und dessen Ansage sofort Reformen einzuleiten, als auch das deutliche Anzeichen von Realitätsverlust. Der Strippenziehers hinter dem Diktator hat damit sein Schicksal uneingeschränkt mit dem Mubaraks verknüpft. Es wird das Gleiche sein, so oder so.
21.00 Uhr
Immer noch sind in Kairo Schüsse zu hören. Es gibt zudem mehrere unabhängige Berichte über Gewehrfeuer aus Automatikwaffen (Maschinenpistolen, etc). Es ist offensichtlich, dass die Regimegegner – die vor neun Tagen ihren in der Geschichte Ägyptens einmaligen Volksaufstand begannen – solche Waffen nicht besitzen.
21.10 Uhr
Ahmed Saber zu Besuch bei Al Jazeera. Ahmed Saber ist Krawattenträger. Aber was er sonst noch ist, wird nicht ganz ersichtlich. Saber wird jedenfalls vorgestellt als Oppositionspolitiker.
Analyse: Man muss immer wieder fragen: wo sind diese angeblichen “Oppositionsführer” und “Oppositionsparteien”, mit ihrem zehnköpfigen Komitee dass sie gestern unter viel Buhei gegründet haben, um sich dann beim Marsch der Millionen nicht einmal auf den Tahrir-Platz sehen zu lassen?
Es hat den Anschein, als ob Nutznießer und politische Funktionäre bereits hinter dem Rücken der ägyptischen Freiheitsbewegung mit Suleiman die Nachfolge bzw Kontinuität des Regimes aushecken und an einer Graswurzelbewegung, einer demokratischen Freiheitsbewegung, überhaupt kein Interesse haben können.
21.16 Uhr
Militär ist auf dem Tahrir-Platz aufgefahren. Schüsse sind gefallen.
Eine etwas verwirrte Korrespondentin weiss nicht, wer da gefeuert hat.
Bewegung in der Menge auf dem Platz. Bewegung auch bei den regimetreuen Pro-Mubarak-Gangs, die sich bisher ca. 400 Meter vom Tahrir-Platz in einer Seitenstraße aufgehalten haben.
Der Tahrir-Platz ist jedenfalls in der Hand der Freiheitsbewegung. Das Militär feuert nicht auf die Regime-Gegner.
21.27 Uhr
Panzer der Armee stehen auf dem Platz, umringt von Menschen.
Wasserwerfer sind auf dem Tahrir-Platz im Einsatz. Brandsätze werden geworfen. Im Nationalmuseum werden abermals Brände gemeldet.
Eine Korrespondentin meldet, dass laut Zeugen die Armee nahe des Nationalmuseums, wo sich die Pro-Mubarak-Gruppen aufhalten, Warnschüsse abgefeuert hat.
Erste Einschätzung: offensichtlich ist die Menge von regimetreuen Mubarak-Unterstützern unter Druck durch Regime-Gegner geraten, die die Mubarak-Gangs von einer anderen Seite der Kreuzung angegriffen haben, so sich die Regimetreuen aufhalten. Auch aus Richtung Tahrir-Platz ist zu sehen, dass Regime-Gegner (mit improvisierten Schilden) gegen die Mubarak-Unterstützer auf der Kreuzung vorgerückt sind.
Die regimetreuen Mubarak-Unterstützer setzen Brandbomben ein.
21.50 Uhr
Am Telefon bestätigt “Karim” von der Freiheitsbewegung: die Pro-Demokratie-Aktivisten sind zum Angriff gegen die Regimetreuen übergegangen. Wie der Zeuge schildert, sind die Mubarak-Unterstützer mittlerweile von allen Zugängen zum Tahrir-Platz vertrieben worden, ausser von der nördlich gelegenen Kreuzung vor dem Nationalmuseum / Ägyptischen Museum an der Brücke des 6.Oktobers
Beide Seiten setzen Molotow-Cocktails ein.
22.00 Uhr
Mag es Zufall sein oder nicht: ausgerechnet am heutigen Mittwoch wird überraschend bekannt, dass der vom israelischen Verteidigungsminister Ehud Barak nominierte Generalstabschef Joav Galant nun doch nicht oberster Militär des Militärstaates wird: Barak zog Galants Nominierung ungalant zurück.
Kommentar: Angeblich geht es um krumme Immobiliengeschäfte. Doch die gehören in Israel erstens zum schlechten Ton gehören und zweitens schon längst bekannt waren. Hatte da jemand einen schlechten Job gemacht, ohne ihn offiziell je gemacht zu haben?
22.20 Uhr
Die Aktivisten der Freiheitsbewegung sind von zwei Seiten auf den Platz vor dem Nationalmuseum vorgerückt und haben die Regimetreuen von ihrem letzten Sammelpunkt an der Brücke des 6.Oktobers vertrieben.
VIKTORIA!
Auf der Brücke sind unter den Reihe der Regimetreuen Uniformierte und Behelmte zu sehen (offensichtlich Polizisten), die von oben Steine und Brandbomben auf die siegreichen Dissidenten werfen.
23.00 Uhr
In Kairo sind die Dissidenten der Freiheits- und Demokratiebewegung siegreich gegen die Loyalisten des Diktators.
In Washington herrscht derweil eine Mischung zwischen Verwirrung, Sorge und Aufruhr.
Mittlerweile haben zwei prominente Neokonservative, Senator John Kerry (Demokraten) und John McCain (Republikaner) Ägyptens Diktator Husni Mubarak zum Rücktritt aufgefordert. Aussenminister Hillary Clintons Sprecher legte vor wenigen Minuten eine geradezu legendären Stotter-Auftritt hin. Auf energische Nachfragen der Journalisten endlich irgendeine verifizierbare Aussage zu treffen, wiederholte der die Forderung von US-Präsident Barack Obama nach einer “sofortigen” Machtübergabe. Eigentliche Information des Auftritts: Clinton hat im Laufe des Mittwochs mit Omar Suleiman telefoniert.
Zuvor war in einem Statement Clintons vor über 200 Botschaftern der Staaten der… vor über 200 Botschaftern der Regierungen der Welt sowohl die historische Dimension der Freiheitsbewegungen im Arabischen Raum, als auch die Zwickmühle deutlich geworden, in der die traditionell Diktaturen stützende US-Politik nun steckt:
“Es muss nicht ausgesprochen werden — aber ich werde es trotzdem sagen — dass dies eine entscheidende Zeit für Amerikas globale Führerschaft ist. Vom Diebstahl von vertraulichen Botschaftsdepeschen, über Protestbewegungen des 21.Jahrhunderts, bis zu Durchbrüchen in Entwicklungen die das Potential haben das Leben von Millionen zu verändern, sind wir alle auf Territorium, dass auf keiner Karte verzeichnet ist; und das fordert von uns, das wir wendiger, innovativer und verantwortlicher sind als jemals zuvor.”
23.50 Uhr
Auf Al Jazeera sagt ein weiterer Zeuge aus, dass er selbst Agenten und Polizei-Kräfte mit zahlreichen Trucks und Transportwagen unter den Regimetreuen eintreffen sah.
Ägypten Ticker: Volksaufstand Tag 10
Topics: Aktuelle Nachrichten, Bevölkerungskontrolle, Dokumentationen, Politik | 40 Kommentare »
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2.Februar 2011 at 01:20
ja
unser obama!
YES WE CAN!!!!!!!!!!!
was bei ihm noch leere worte waren, füllt sich in ägypten mit leben!!!
der versager soll nichts von menschrechten labern, solange in guantanamo menschenrechte verletzt werden. soll er mit seiner airforce one mit zwischenlandung in berlin, um merkel einzuchecken, einer weiteren zwischenlandung in kairo, um seinen freund mubarak einzuchecken, schliesslich in israel landen. dort wird ihnen asyl gewährt. die airforce one wird anschliessend an den steuerbürger in amerika überführt und zum wachsfigurenkabinett umgebaut.
auf jedem sitz wird eine grösse der wirtschaftsfaschisten zu bestaunen sein und im gepäckraum können sich die besucher an den gesichtern der diktatoren dieser welt erfreuen.
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2.Februar 2011 at 06:01
[...] von radio utopieÄgypten Ticker: Volksaufstand Tag 9von Daniel NeunLive Bilder aus Ägypten: Einem Land platzt der [...]
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2.Februar 2011 at 09:07
Hallo,
ist man hier jetzt zum Sprachrohr Obamas verkommen? Die Pro-Rothschild-Propaganda hier liest sich ja mittlerweile schlimmer als in den Käseblättern. Ich suche weit und breit nach den Hinweisen dafür, dass es sich um eine weitere CIA-gesteuerte Pseudo-Revolution mit dem Ziel der Einsetzung einer CFR-Marionette handelt.
Pfui, schämt euch was – werde diese Seite nicht mehr weiterverfolgen. Hier wurden offensichtlich die Schreiber gekauft und mundtot gemacht!
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2.Februar 2011 at 09:43
bezüglich obigen Kommentar von “Freiwirtin”:
wir haben diesen als exemplarisches Beispiel dafür freigeschaltet, wie dekadent, weltfremd und verwirrt einige Teile der wohlhabenden Bevölkerung in den relativ reichen Wirtschaftszonen der Erde bereits geworden sind.
2.Februar 2011 at 10:09
Daniel, erstmal vielen Dank für die guten Analysen. Ich finde es beeindruckend, dass Du nicht nur die Fakten auf die Reihe bekommst, sondern auch noch auf die Feinheiten in der Berichterstattung hinweist. Es ist eine grosse Freude, all das zu lesen.
Zwei Anmerkungen zur Berichterstattung in Deutschland. Gestern zeigte die ARD (wohl auf Druck der Zuschauer) endlich einen “ARD Brennpunkt” zum Thema. Okay, gebrannt hat da nix, wieder nur Jörg Armbruster auf seinem Balkon am Nil, über Satellitenbildtelefon unverständliches aufsagend.
Moderatorin Ute Brucker war es aber, die sich wohl den “Faux Pax” des Tages geleistet hat, als sie sagte: “Die Protestwelle scheint sich jetzt ja auch noch auszubreiten. Die Opposition in Algerien und Syrien hat für die kommenden Tage ebenfalls Demonstrationen angekündigt, und der jordanische König hat heute seine Regierung aufgelöst. Es steht also zu befürchten, dass jetzt doch alle arabischen Machthaber zittern müssen.”
Jawohl, Frau Brucker BEFÜRCHTET, dass diese armen, armen Machthaber jetzt alle um ihre Macht ZITTERN MÜSSEN! Angesichts solcher Fehlleistungen möchte ich rufen: “Ja, bitte! Fürchtet Euch! Fürchtet Euch sehr! Am besten fort mit Euch allen und Euren menschenverachtenden Regimes, Eurer Folter, Euren Drangsalierungen, Eurer unerträglichen Propaganda und Internet-Zensur!”
Kurzum: Weiter so, Daniel!
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2.Februar 2011 at 11:07
@ Mark,
ist doch wirklich erstaunlich wie die alle Angst um ihre Diktatoren haben, oder?
2.Februar 2011 at 12:43
Wer nichts wird, wird Freiwirt.
Daniel, deine Analysen sind recht treffend. Ich denke ähnlich, aber nicht so unausweichlich. Wie wäre es mal wieder mit einer Party Schach?
Wir sind zwar älter geworden, aber offensichtlich noch die gleichen Ziele wie z.Zt. T9/KS*. Vielleicht Fernschach?
Gruß/ ein alter Streiter
B.
*Alle haben sie Politbürokarriere gemacht. Wir nicht.
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2.Februar 2011 at 12:45
http://www.youtube.com/watch?v=1ysH3gyvD8s
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2.Februar 2011 at 12:57
@ Daniel,
ja, ich finde es auch erstaunlich, wobei die Berichterstattung m.E. oft genug in die Kategorie “ahnungslos” fällt. Vorsatz ist wohl nur bei der Auswahl der jeweiligen Journalisten zu sehen. Da werden weder Top-Leute eingesetzt noch junge, hungrige Reporter, die sich auch mal aus dem Büro heraustrauen, um tatsächlich mit echten Leuten zu reden. (Naja, ist ja auch Ausgangssperre. Da hält sich ein Deutscher natürlich dran.)
Und so macht es mich fast schon traurig, die deutschen Kommentatoren abends auf ihrem Balkon am Nil zu sehen, artig ihre Aufsager aufsagend, meist krasse Fehlinterpretationen nach Hause meldend. Der Grund mag wohl daran liegen, dass sie “fast drei Kilometer” (Dietmar Ossenberg im ZDF heute-journal von gestern) vom Tahrir-Platz in Kairo entfernt sind. Ob’s drei oder dreitausend Kilometer sind, das macht dann auch keinen Unterschied mehr. Wahrscheinlich sitzen die “Reporter” in Kairo vor Fernsehern mit Aljazeera, CNN und BBC. Warum nicht gleich in Mainz oder Hamburg vor einem Greenscreen produzieren und dann ein Bild vom nächtlichen Kairo einblenden?
Vor allem Al Jazeera zeigt, wie es auch sein könnte: Live-Berichte den ganzen Tag, funktionierende Schalten nach Kairo, Alexandria, Washington, London. Journalisten, Analysten, Aktivisten – alle kommen zu Wort und schildern ihre Eindrücke, unverfälscht, echt. Kommentare aus Facebook und Twitter werden immer wieder eingewoben.
Die deutschen Fernsehsender verpassen eine gute Chance, den Deutschen zu zeigen, wofür man ihre Gebühren-Milliarden braucht.
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2.Februar 2011 at 13:13
…interessant auch, wen der “Friedensnobelpreisträger” da als Feuerwehr schickt
“US-Präsident Barack Obama schickte unterdessen mit Frank Wisner einen eigenen Unterhändler nach Kairo. Dieser soll dort mit führenden Regierungsvertretern zusammenkommen und den amerikanischen Aufruf zu demokratischen Reformen bekräftigen, wurde US-Außenamtssprecher Philip Crowley in der Presse zitiert. Auch mit Mohamed ElBaradei, der im Westen als möglicher Kandidat einer Übergangsregierung gehandelt wird, soll Wisner – 1986 bis 1991 diplomatischer Spitzenvertreter Washingtons in Ägypten, später US-Sondergesandter für Kosovo – zusammenkommen. Diplomatische Interventionen sind eine Art Familientradition: Frank Wisner sen. hatte u.a. die operative Abteilung der CIA aufgebaut und war einer der Hauptakteure der Operation Ajax 1953 gegen den damaligen iranischen Ministerpräsidenten Mossadegh.
http://www.jungewelt.de/2011/02-02/061.php
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2.Februar 2011 at 13:30
auch wenns schon bei netnewsexpress drin ist, hier sei es trotzdem nochmal genannt:
http://www.youtube.com/watch?v=kVJfIzxg4XA
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2.Februar 2011 at 14:00
wie dämlich sind eigentlich mubarak und seine lakaien??
offensichtlicher gehts nimmer und damit hat er sich selbst zum abschuss frei gegeben.
ich hoffe, der wird sich nicht so leicht aus dem land verpieseln können und ihm wird der prozess gemacht!
auf euronews gerade live zu sehen. berittene prügeltrupps reiten durch die menge und werden von ihren pferden geholt.
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2.Februar 2011 at 14:24
in einer seitenstrasse stehen sich gegner und befürworter gegenüber, steine fliegen. die befürworter sind absolut in unterzahl und man sieht einige von ihnen zu den gegnern überlaufen.
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2.Februar 2011 at 15:01
Das Spiel des “Westens” in Ägypten wird immer durchsichtiger! Erst die Finte, die der 82jährige Mubarak ausführte, er werde nicht wieder kandidieren, d.h. das “System Mubarak” bis September das “System Mubarak” für den “Westen” über die Runden retten. Damit erfüllt er den letzten Dienst für den “Westen”, die Revolutionsbewegung zu spalten in Harte und Weiche.
Jetzt steht noch das Ultimatum, dass Mubarak bis Freitag endgültig zurücktritt. Deshalb kommt nach dem vorläufigen Höhepunkt der Milliondendemo die Finte des Militärs, es stehe nur noch solange hinter der Revolutionsbewegung, wie sie sich mit Mubaraks “Fast-Rücktritt” abfindet. Auf diese Weise hat der “Westen” noch bis Freitag Zeit, die Ägypter einzuseifen und heuchlerisch Mubaraks sofortigen Rücktritt zu fordern, obwohl heute klar ist, daß es im Drehbuch des “Westens” ab Freitag blutig es weitergehen soll.
Ab Freitag wird dann “zurrrrückgeschossen” und die Revolutionsbewegung vom Militär blutig erstickt!! Zur Vorbereitung wird dazu jetzt das ägyptische Volk in Pro-Mubaraks und Contra-Mubaraks gespalten und blutig aufeinander gehetzt! Je mehr Chaos in den nächsten 3 Tagen gestiftet wird, um so besser, um so besser funktionert die kommende Propaganda, das die Armee endlich Ordnung stiften und die Revolution blutig ersticken mußte!
Auch wenn es jetzt nicht mehr hilft, die Ägypter werden dieses überfaule Spiel des “Westens” durchschauen, der “Westen” hat für alle Zukunft in Ägypten historisch ausgeschissen, alle künftigen “Pharaos” des “Westens” sind in Agypten NACKT! Das wird der “Westen” auf der Münchner “Sicherheitskonferenz” zum ersten Mal feststellen!
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2.Februar 2011 at 15:12
@treuni
“US-Präsident Barack Obama schickte unterdessen mit Frank Wisner einen eigenen Unterhändler nach Kairo. Dieser soll dort mit führenden Regierungsvertretern zusammenkommen und den amerikanischen Aufruf zu demokratischen Reformen bekräftigen,
„Lange vor der Irak-Krise planen Frank Wisner jun. und seine Kollegen aus der CIA die Vernichtung der gaullistischen Strömung und den Machtanstieg von Nicolas Sarkozy. Sie handeln in 3 Etappen: zunächst die Ausschaltung der Führung der gaullistischen Partei und die Übernahme der Kontrolle über diesen Apparat; dann die Ausschaltung des Hauptrivalen auf der Rechten, sodann die Benennung eines gaullistischen Präsidentschaftskandidaten und schliesslich die Ausschaltung jedes ernsthaften Herausforderers auf der Linken. So konnte man sichergehen, dass Nicolas Sarkozy die Präsidentschaftswahlen gewinnen würde.“
http://www.voltairenet.org/article157870.html
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2.Februar 2011 at 15:30
Ob Heiner Geißler schon unterwegs ist?
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2.Februar 2011 at 16:29
ist wirklich immer der “westen” schuld? mubarak gehörte lange zeit dem “osten” an, erst als dieser fiel, suchte er sich einen neuen herrn.
schade, dass es nun doch so blutig wird, aber ich hoffe, dass das ägyptische volk stark genug ist, um diesen greisen diktator aus dem land zu jagen.
vielleicht gibt es in dschidda dann bald eine art diktator-rentner-paradies`?
aber so, wie es im moment aussieht, steht alles noch auf der kippe. die reaktionen des regimes der letzten tage, die neuordnung der regierung ergeben nun sinn: es war kein betretenes schweigen, sondern eine zeit, in der man hinter den kulissen strippen zog.
nun sind die generale bestochen und auf seiten mubaraks, die polizei ist mit einer neuen strategie auf der strasse und die revolution hat tagelang gewartet.
warum ist man nicht gestern zum präsidentenpalast gezogen und hat diesen gestürmt? weil es zusagen mubaraks gab, dass man irgendwann vielleicht einmal etwas anders machen wolle.
vermutlich wird heute und morgen das schicksal dieses grossen landes für die nächsten jahre entschieden: wird es weiter von einer korrupten oberschicht aus beamten, polizisten und militärs regiert, deren einziger vorteil “stabilität” heisst und die ansonsten ansichten von vorgestern haben oder wird es zu einem demokratischen land, zu einem leuchtfeuer für die arabische welt?
ich drücke den ägyptern alle daumen.
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2.Februar 2011 at 16:37
[...] Quelle und Dank an: Daniel Neun – Radio Utopie Sorgen Sie für die Verbreitung dieses Artikels und speichern Sie diesen unter folgenden Lesezeichen: [...]
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2.Februar 2011 at 16:48
Hier noch eine andere Kamera vom Tahrir -Platz
Alarabija
http://www.elahmad.com/tv/index.htm
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2.Februar 2011 at 17:42
Ein Beitrag vom Al-Jazeera blog:
The Egyptian people have been set up by Mubarak and the army. They let them into the square and searched them all to remove weapons and any way of defending themselves. Then they build barracades and now the mubarak thugs arrive and are let in , did the army seach them? no! now they are sitting back and allowing the innocent egyptian citizens to be slaughtered. I am outraged at what is happeing , the egyptian people have behaved so well , being a Brit , i know people in my country would not have behaved so well . Shame on all the governments who are standing by and letting this happen , particularly America !! Shame on you. To the Egyptians in the street , my heart goes out to you , do not give up now ,!!!
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2.Februar 2011 at 17:55
@lennart
“mubarak gehörte lange zeit dem “osten” an, erst als dieser fiel, suchte er sich einen neuen herrn.”
Muhammad Husni Mubarak hat mit Dr. Angela Merkel alias IM Erika, vieles gemeinsam: Beide gehörten lange zeit dem “osten” an, erst als dieser fiel, suchten sich beide einen neuen Führungs-Offizier.
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2.Februar 2011 at 18:03
auf phoenix wird messerscharf analysiert: die armee hätte sich evtl. mit mubarak “geeinigt” – jetzt da er nicht mehr antreten wolle – die öffentlichen frieden wiederherzustellen. von bestechung haben die beim ÖR noch nie was gehört…
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2.Februar 2011 at 18:06
die verbrecher scheinen zu allem bereit zu sein, leider war es auch so zu erwarten. jetzt gilt es nicht nachzulassen . man kann von hier aus leider nur hoffen, oder wenigstens eine klare reaktion unserer kanzlerin einfordern. sendet wenigstens eine protestmail !!!
http://www.angela-merkel.de/page/145.htm
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2.Februar 2011 at 18:38
Erdogan drängt Mubarak sofort zurückzutreten.
http://www.presstv.ir/detail/163263.html
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2.Februar 2011 at 18:50
@armin,
das ist (leider) nur eine für PressTV typische Interpretation. So hat Erdogan das nicht gesagt.
Wir unterscheiden dabei zwischen der Forderung zurücktzutreten (kann im Jahre anno dünnemal sein) oder sofort zurückzutreten.
2.Februar 2011 at 19:00
@mmcda: da hast du recht. allerdings passierte das vielerorts auf der welt mit sowjetgeleiteten diktaturen, die 1990 auf einmal allein im walde standen.
frau merkel hat jetzt auch post von mir. mal sehen, was sie antwortet – und ob überhaupt.
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2.Februar 2011 at 19:06
@Daniel:
erstmal auch von mir ein (verspätetes) grosses Lob für diesen Ticker.
er bändigt mich schon den ganzen nachmittag.
ich habe aber eine kleine frage. dieser mahmoud zaher, was ist das für einer? ein mubarak-unterstützer?
dankeschön…
es wäre doch wirklich schön, wenn das bevölkerungsreichste arabische land sich selbst eine demokratische verfassung und ein ebensolches system geben würde.
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2.Februar 2011 at 19:40
.
Ich kann es mir nicht verkneifen!
.
Leser von “Tagesschau.de” rügen die offizielle Berichterstattung….und weisen auf Alternativen hin. Es ist erstaunlich, was bei den LESER-KOMMENTAREN durch die systemkonforme “Moderation” (!) geschlüpft ist.
.
Stein des Anstosses:
( TITEL ): “Demonstranten in Kairo prügeln aufeinander ein”.
( QUELLE: http://www.tagesschau.de/ausland/mubarak126.html )
( TEXT/zur Beweissicherung!): “In der ägyptischen Hauptstadt Kairo ist es am Mittag zu Auseinandersetzungen zwischen Anhängern und Gegnern von Staatspräsident Hosni Mubarak gekommen. Reporter mehrerer Nachrichtenagenturen berichteten, auf dem Tahrir-Platz im Zentrum der Stadt seien beide Seiten mit Knüppeln aufeinander losgegangen. Offensichtlich gibt es zahlreiche Verletzte. Auch Journalisten seien bedroht worden, berichteten CNN und Al Dschasira.
(…)
.
Anmerkung: die Wörter “POLIZEI” oder “GEHEIMDIENST” werden peinlichst vermieden! Dafür ist die Rede von “Untersützern Mubaraks….auf Pferden und Kamelen”!
TEXT-Fortsetzung:
( Zwischentitel ): “Kriminelle Methoden”
Friedensnobelpreisträger Mohamed ElBaradei warf Präsident Mubarak eine Politik der Einschüchterung und kriminelle Methoden vor. Das Vorgehen der Mubarak-Anhänger gegen die Opposition sei “ein weiteres Anzeichen, dass sich ein kriminelles Regime krimineller Methoden bedient”, sagte ElBaradei dem BBC-Hörfunk. Er sei zutiefst besorgt. “Ich habe Sorge, dass es in einem Blutbad endet.” Die Pro-Mubarak-Demonstranten seien ein “Haufen Schläger”…..”
usw. usw.
( QUELLE: http://www.tagesschau.de/ausland/mubarak126.html )
.
VIELE Leser haben den “Braten” aber gerochen; TROTZ der DESINFORMATIONSKAMPAGNE und den status-quo-Berichterstattern (Tenor: Diktatur=Stabilität), die inmitten der PRÜGELPOLIZEI ihre Journalistenehre verkaufen (Jackie Rowland)!
.
BEMERKENSWERTE REAKTIONEN auf die “Tagesschau-SHOW”:
(Quelle: http://meta.tagesschau.de/id/45468/demonstranten-in-kairo-pruegeln-aufeinander-ein).
Zum Beispiel:
Mi, 02.02.2011 – 15:03 —Talleyrand:
(“Berichterstattung läuft”)
. Die Berichterstattung läuft Gefahr ein schiefes, spekulatives Bild der Ereignisse zu zeichnen!
Wer titelt “Demonstranten in Kairo prügeln aufeinander ein”, der DARF NICHT VERSCHWEIGEN, dass die Pro-Mubarak-Gruppen v. Innenministerium gesteuerte POLIZISTEN in Zivil sind!
Was gerade abläuft ist der Versuch einer KONTERREVOLUTION, nachdem man das Volk gestern noch mit Versprechungen eingelullt hat. Der Diktator hat keinen Rückhalt.
CNN und Al-Jazeera versäumen es ebenfalls auf den “hauptberuflichen” Hintergrund der “Mubarak-Prügelfraktion” hinzuweisen.
.
Eine wirklich ausgezeichnete Kommentierung der Ereignisse läuft hier:
A. ••http://www.radio-utopie.de/2011/02/02/agypten-ticker-volksaufstand-tag-9/ – der Ticker läuft seit einigen Tagen”.
…
oder:
Mi, 02.02.2011 – 15:51 —sisifus:
(“Ihr Titel verfälscht die Realität”)
Mi, 02.02.2011 – 16:18 —Brummbär:
(@byzopsycho: friedliche pro Mubarak Anhänger…)
.
. Da kann ich Ihnen nur die folgende Seite ans Herz legen:
xxx.radio-utopie.de/2011/02/02/agypten-ticker-volksaufstand-tag-9/
Es kann natürlich sein ,dass Sie die Quellen (aljazeera) als Sprachrohr islamistischer Gruppen einstufen. Dann brauchen Sie sich die Seite natürlich nicht ansehen. Allen Übrigen ist sie wirklich zu empfehlen.
Mi, 02.02.2011 – 14:38 —sichtsurfer:
(“Möglicherweise historische Chance verpasst”)
.
@Daniel Neun: Wer hat behauptet, dass man eine POLITKARRIERE machen muss? – RADIO-UTOPIE ist bereits heute alternativlos; eine LENDE, äh LEGENDE !!!
.
.
HESSE
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2.Februar 2011 at 19:57
19 Uhr heute ZdF: Dietmar Ossenberg spricht von Meldungen, die morgens einliefen, wonach Ausländer die Stimmung anheizten. Es seien israelische Münzen gefunden worden…
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2.Februar 2011 at 20:11
@volksverdummung:
ich bin auch oft in den tagesschau-threads unterwegs und kann ein stück weit verstehen, warum die so schreiben: die müssen einfach penibel “political correct” sein.
wenn du als journalist einmal nicht so bist, bist du gleich ein schmuddelkind mit dem niemand mehr spielen will, weil es ja unjournalistisch ist.
ich finde es aber schade, dass der ARD-korrespondent nun vom hotel aus berichtet.
es soll mal korrespondenten gegeben haben, die keine angst kannten, die sich mitten in gefährliche situationen wagten, um zu berichten.
herr armbruster scheint eher einer von der sorte zu sein, die mehr ahnung vom klima an der hotelbar zu haben scheinen, als vom klima im land.
war er es nicht auch, der kurz nach ben alis sturz sagte, dass ein übergreifen der revolution auf ägypten absolut unmöglich war? finde jetzt leider das video nicht mehr, aber irgendein ARD-korrespondent hat damals derartiges gefaselt.
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2.Februar 2011 at 20:37
Sollte Mubarak sich halten, bin ich schon mal gespannt welches andere Staatsoberhaupt dieses stück Scheisse als erstes empfängt. Egal wer es sein wird der ist für mich auch ein Stück Scheisse.
Sollte er gestürtzt werden (was ich nur hoffen kann) dann bin ich mal gespannt wer diesem Stück Scheisse Asyl gewährt, denn der ist auch ein Stück Scheisse egal wer es ist.
Entschuldigt meine unprofessionelle ausdrucksweise, aber nach den Bildern heute war mir einfach zum kotzen zumute
@Daniel … super arbeit. Bitte weiter so!!!!
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2.Februar 2011 at 20:42
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20.00 UHR. – Zeit für die “News” der Informationsindustrie!
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ARD-Korrespondent Jörg Armbruster bestätigt den BÜRGERN unserer Republik, dass die “Schlägertrupps” vom Regime Mubaraks gesteuert werden! Sie hätten friedliche Demonstranten angegriffen! Er könne Schüsse hören, auch MASCHINENGEWEHRFEUER, aber er könne aufgrund der Dunkelheit nicht erkennen wer diese abgebe….
.
Anmerkung: Der Terminus “Schlägertrupp” ist eine verharmlosende Bezeichnung, die den politischen Hintergrund ausblendet.
Auffallend ist die einvernehmliche Sprachregelung (“Schlägertrupp”…) von Tagesschau und Auswärtigem Amt (Westerwelle)!
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Nochmal Armbruster; im “Brennpunkt”: Er rechne noch diese Nacht mit Gewalttaten gegen die Regimegegner auf dem Tahrir-Platz!
.
Der think-tank-Mainstream spekuliert (im “Brennpunkt”) über eine Spaltung des Militärs.
.
Frage an den Aussenminister (“Brennpunkt”): “Warum fordert die deutsche Politik nicht den Rücktritt Mubaraks?”
Westerwelle eiert herum u. verweist auf internationale Absprachen… Das müsse doch das ägyptische Volk entscheiden.
.
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Eigene ANMERKUNG:
Witz komm raus! – Die deutsche REGIERUNGSPOLITIK POKERT lieber MIT MUBARAK und übt den bedingungslosen (!) Schulterschluss mit Israels “Falken”. – Eine Schande!
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Der Politik geht es primär nicht um die DEMOKRATISIERUNG der Weltgesellschaft, sondern um DIE KONTROLLE DER ÖLVERSORGUNG und des SUEZKANALS!
- NASSER läßt schön grüssen.
.
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HESSE
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2.Februar 2011 at 21:07
Daniel – mal im Ernst.
Ich frage mich gerade auch, was hier passiert.
Bei den Iran-Demos las man noch über gewissse
CIA-Provokateure und so weiter. Wer jetzt denkt,
daß in FÜNF LÄNDERN GLEICHZEITIG Regime stürzen
wie beim Domino und das “alles zufällig und zu
Gunsten der Demokratie” passiert…der hat den
Schuss nicht gehört.
HALLO?
Wo bleibt die Skepsis?
Der Riecher für das Streben nach einer gut zu
kontrollierenden Welt?
Da bist du ja selbst bei Stuttgart 21 skeptischer.
Hat die wer das Hirn gewaschen?
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2.Februar 2011 at 21:19
Hallo geschätzter Daniel Neun.
Deine gestrige “Ahnung” (wissen um die Niederlagen der linken und progressiven Bewegungen in der Geschichte) haben sich heute leider Bestätigt. wir können alle nur hoffen ( durchaus auch im eigenen Interesse ) das die Ägypter ihre Lektionen schneller lernen (wie wir), und dementsprechend auch handeln. Wir haben es leider, trotz unendlichen Lektionen in der Vergangenheit bis heute nicht gelernt. Siehe: Unseren zum Scheitern gebrachten Ansatz mit der WASG.
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2.Februar 2011 at 21:37
ich befürchte, die dunkelheit der nacht wird von den regimetreuen beim militär und von den todesschwadronen der polizei genutzt werden, um die demonstranten zu massakrieren.
ich hoffe, dass nicht viele demonstranten nachhause gehen und dass auch möglichst viele journalisten dort bleiben, denn dann ist die chance, dass sowas passiert niedriger.
vielleicht haben wir auch glück und die USA übt druck aus. war ja auch die letzten tage so: zuerst hat die polizei die demonstranten niedergeknüppelt und -geschossen, amerika hat protestiert, auf einmal war die polizei weg; dann wurde das internet gesperrt und berichterstattung fast unmöglich gemacht, amerika hat protestiert und heute geht das internet wohl wieder.
vielleicht haben diejenigen ja wirklich recht, die meinen, es handele sich nun um die letzten stunden mubaraks und das ganze sei nur eine art todeszucken des systems.
ich glaube allerdings, dass das problem weitaus grösser ist: hinter mubarak steht ja nicht nur seine familie und sein klüngel, sondern hunderttausende polizisten, die nun nicht mehr zurück können, weil sie sich gegenüber den ägyptern durch das niederschlagen der proteste unbeliebt gemacht haben. diese polizisten haben, um das eigene wohl zu schützen, keine andere wahl, als bis zum schluss auf mubarak zu hoffen, ist er doch die hand, der sie füttert.
genauso ist es beim militär: die gerneralität scheint auf seiten mubaraks, will ihre pfründe sichern und verteidigen. der einzelne führungsoffizier im einsatz hat dann die wahl: helfe ich den demonstranten, indem ich die polizeischergen verjage oder festnehme? dann laufe ich aber gefahr, auf einer liste zu landen und dafür die quittung zu kriegen, falls die demos doch erfolglos bleiben. wenn ich mich aber auf die seite mubaraks stelle muss ich womöglich auf meine eigenen freunde und verwandte schiessen.
wie 1989/90 lautet also die frage, ob das militär auf die eigenen bürger schiessen wird oder nicht.
als die vopo damals nicht auf die eigenen bürger schiessen wollte, war die DDR eigentlich am ende.
leider hat mubarak aber immernoch seine korrupten beamten und polizisten auf seiner seite.
bleibt zu hoffen, dass das militär irgendwann erkennt, dass es die einzige macht im land ist, die friedliche bürger davor beschützen kann, bei der wahrnehmung des rechts auf versammlungsfreiheit von der eigenen polizei massakriert zu werden.
ich bin ja eigentlich ein grundsätzlich pazifistisch eingestellter mensch, aber heute habe ich mich mehrmals gefragt, warum das militär nicht mit gewalt hilflose frauen und kinder gegen solche terrorbanden verteidigen kann.
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2.Februar 2011 at 22:24
Was Radio Utopie leistet ist großartig!
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2.Februar 2011 at 23:07
@Kurt:
ich bin zwar nicht daniel, aber vielleicht kann ich dir ja trotzdem eine antwort geben?
ich denke, dass die lage momentan einfach eine andere ist: durch spekulationen sind die preise für lebensmittel und öl in diesen ländern in den letzten monaten rapide gestiegen. die mehrheit der bevölkerung kann sich praktisch nicht mehr ernähren.
in tunesien war es praktisch schon immer so, dass nur ein kleiner teil der gesellschaft am reichtum beteiligt wurde, weil das land ausser tourismus und dattelplantagen nix zu bieten hat.
warum es in tunesien los ging oder warum ben ali floh, weiss ich nicht, aber ich vermute, dass er deswegen geflohen ist, weil er die kontrolle über das land verloren hat. die doch recht beschauliche anzahl an polizisten wurde durch die demonstranten einfach massakriert und die relativ kleine armee hätte auch nicht gereicht, um die kontrolle zurück zu erlangen. vielleicht waren das faktoren, die eine rolle spielen.
dadurch, dass ben ali gefallen ist, haben die ägypter und andere nun ein vorbild, einen beweis, dass es gehen kann, wenn man will. denn du musst wissen, dass so eine art revolution in arabischen ländern bisher noch nicht wirklich vorkam. die angst vor den regimen war einfach zu gross.
dadurch wurden dann auch die demonstranten in anderen arabischen ländern ermutigt, weiter zu machen, auch in ländern wie ägypten, in denen es eine starke armee und eine grosse und eingearbeitete polizei gibt.
die mitarbeit der CIA ist natürlich nie ganz auszuschliessen, aber stell dir mal die frage qui bono? wem nützt es? der USA auf keinen fall! denn mit mubarak verlieren sie einen ihrer engsten vasallen im nahen osten, genauso in jordanien und tunesien. der jemen ist in den letzten jahren auch immer mehr auf die amerikanische linie eingeschwenkt, um nicht als schurkenstaat zu gelten.
die CIA müsste also schon schön blöd sein, um in arabischen ländern demokratische regierungen zu installieren, die dann womöglich auch noch härteres contra gegen israel geben könnten – und die israelfreundliche lobby ist eine der stärksten in den USA.
hoffe, ich konnte deine zweifel ein wenig weg wischen.
mir fallen natürlich auch einige ungereimtheiten auf: warum war el baradei so schnell vorsitzender der opposition zum beispiel? aber ich glaube im moment nicht, dass die CIA überhaupt die mögichkeit zu einem solchen coup d’etat in mehreren ländern hat – denn es sind ja arabische länder, in denen amerikaner nicht wirklich gern gesehen sind.
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3.Februar 2011 at 00:44
Sehr gute Berichterstattung. Herzlichen Dank.
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3.Februar 2011 at 17:46
kann es sein , das die kommentarfunktion heute (03.01.? nicht funktioniert ???
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3.Februar 2011 at 19:04
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