THE VISITOR, Shanghai: Xilong (Teil 2)

Xilong und ich gehen wortlos nebeneinander, als wären es schon Jahre, dass wir so schweigend nebeneinander gehen, als wäre das unsere Art der Existenz. Der Freund läuft genauso selbstverständlich hinterher. Aus dem Park heraus empfangen uns der Lärm, der Dreck, die Autos, auch sie wie alte Bekannte. Wir laufen an einem blauen Bauzaun entlang, immer mehr Männern mit Bauhelmen entgegen. An einer offenen Stelle des Zauns bleibt Xilong stehen: it’s here. Wir sehen eine riesige Baustelle, davor Männer mit Militaruniform und Maschinengewehren. You can’t come in, sagt Xilong.
Wir bleiben draussen stehen und sehen ihm nach.

THE VISITOR, Sao Paulo: Simone Part One

Simone ist die Tochter eines der grössten Drogenbosse Südamerikas, ein Bankier aus den reichen Vierteln Sao Paulos, der vor Jahrzehnten half, das Kokain und damit den Crack, aus Kolumbien nach Brasilien zu schaffen. Wenn man die Crackkranken um die Placa Republika herum im Zentrum Sao Paulos liegen und irren sieht, begreift man vielleicht ein wenig davon, was so ein Akt bedeutet. Es ist schon so etwas wie Massenmord. Der Vater Simones wurde vor 17 Jahren erschossen, aber er hat immer noch eine immense Macht. Und so ist Simone geachtet und gefürchtet, auch und weil sie versucht das Gegenteil ihrer Vaters zu sein, dem sie ähnlich sieht und ist wie keines seiner Kinder.

THE VISITOR, Tagebuch: Sao Paulo

Anders als in Moskau und Mumbai, in der wir der existentiellen Angst der Bewohner begegnen aber kaum der unseren, wird sie uns in Sao Paulo mit jedem Schritt hinaus begleiten, auf eine kalte Art, die uns immer ein wenig lächerlich erscheinen lässt. Wir versuchen unser Risiko einzudämmen, wenn wir Fremden folgen, wenn wir mit unserer Kamera durch unbekannte Strassenzüge irren.

THE VISITOR: Yili, Shanghai

Wir treffen eine Frau, eine Musikproduzentin, die ein Jahr in Berlin gelebt hat um zu malen. Sie sagt, sie finde Berlin toll, nur die Armut sei schwer zu ertragen. Die Musiker, die sie da kennengelernt habe können sich nicht einmal Obst kaufen. Über die Musikproduzentin lernen wir Yili kennen, er ist ein Freund von ihr, Designer und homosexuell. Die Musikproduzentin hat verstanden, dass wir auf unsere sehr eigene Art in unserem Projekt Menschen im Alltag begleiten und uns Yili vorgeschlagen. Wir erklären ihr, dass wir nur Menschen begleiten, die wir auf unseren Strassenexpeditionen finden. Sie sagt, mit Yili müssten wir eine Ausnahme machen, an jemand wie Yili kämen wir nicht zufällig heran, da er seine Wohnung nicht verlässt. Yili aber wäre für unsere Shanghai Erfahrung unabdingbar. Wir beschliessen, ohne noch zu wissen wohin das führt.