Die Stimme des Gewissens kann man nicht verurteilen

Pressemitteilung vom 3.1.2019 der deutschen Sektion der Internationalen Ärzte fĂŒr die VerhĂŒtung des Atomkrieges (IPPNW)

Prozess gegen tĂŒrkische Mediziner*innen

Die Ă€rztliche Friedensorganisation IPPNW hat an Außenminister Heiko Maas appelliert, sich fĂŒr einen Freispruch der beiden Mediziner*innen Prof. Dr. ƞebnem Korur Fincanci und Prof. Dr. Gencay GĂŒrsoy einzusetzen. Sebnem Korur Fincanci ist GrĂŒndungsmitglied und Vorsitzende der tĂŒrkischen Menschenrechtsstiftung und wurde am 19. Dezember 2018 in Istanbul zu zwei Jahren und sechs Monaten GefĂ€ngnis verurteilt, der frĂŒhere Vorsitzende der tĂŒrkischen Ärztekammer Prof. Dr. Gencay GĂŒrsoy zu zwei Jahren und drei Monaten. Beide sind bis zur Berufungsverhandlung auf freiem Fuß.

Den beiden wird Propaganda fĂŒr eine Terrororganisation nach dem Antiterrorgesetz Nr. 3713 vorgeworfen. Sie haben im MĂ€rz 2016 eine ErklĂ€rung unterzeichnet, die sich gegen die Angriffe der Regierung auf die Bevölkerung des SĂŒdostens richtete. „Wir, die Akademiker*innen und Wissenschaftler*innen dieses Landes werden nicht Teil dieses Verbrechens sein!“ Über 2.000 Menschen haben diesen Aufruf unterzeichnet. Die meisten verloren in der Folge ihre Arbeit, viele wurden angeklagt, 64 wurden inzwischen verurteilt zu meist einem Jahr und drei Monaten GefĂ€ngnis.

ƞebnem Korur Fincanci ist eine international renommierte Gerichtsmedizinerin, ausgezeichnet mit vielen Preisen fĂŒr ihren unbestechlichen und unermĂŒdlichen Einsatz fĂŒr die Menschenrechte, gegen Folter, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen in der TĂŒrkei und in der ganzen Welt. Mit der Vorsitzenden der Menschenrechtsstiftung verbindet die IPPNW eine langjĂ€hrige Zusammenarbeit. Sie ist unter anderem TrĂ€gerin des Medizinischen Friedenspreis, den die IPPNW gemeinsam mit anderen europĂ€ischen Gesundheitsorganisationen verleiht.

„Viele Staaten, auch die TĂŒrkei, haben sich in internationalen Abkommen verpflichtet, die Menschenrechtsarbeit zu ermöglichen und die Menschenrechtsverteidiger*innen zu schĂŒtzen. Die TĂŒrkei entfernt sich immer weiter von den Prinzipien des internationalen Rechts“, heißt es in dem Schreiben an Außenminister Heiko Maas.

Die Festnahme des tĂŒrkischstĂ€mmigen Deutschen Adnan S. wegen angeblich staatsfeindlicher Facebook-BeitrĂ€ge unterstreicht die zunehmende UnterdrĂŒckung der Meinungsfreiheit in der TĂŒrkei.

Veröffentlichung am 3.1.2019