Unsere Welt ist ungerecht

Eine Versammlung reicher Erdöl-Araber versprach diese Woche bei einem Treffen in Kuwait 30 Milliarden Dollar, um mit dem Wiederaufbau des kriegszerstörten Irak zu beginnen. Klingt nett, aber ZusammenkĂŒnfte diese Art sind berĂŒchtigt dafĂŒr, dass sie viel versprechen, aber wenig liefern.

Das Ereignis wurde als Hilfe fĂŒr den Irak bei der Behebung von KriegsschĂ€den bezeichnet, die durch ISIS verursacht wurden. TatsĂ€chlich wurde der grĂ¶ĂŸte Teil der SchĂ€den aus diesem kurzlebigen Konflikt durch US-Bombardierungen und einige russische Luftangriffe verursacht. Wie diese Kolumne schon seit langem in der WĂŒste ruft, war ISIS grĂ¶ĂŸtenteils ein Papiertiger, der von den USA, Großbritannien und Frankreich konfektioniert wurde, um ihren militĂ€rischen Wiedereintritt in Syrien zu rechtfertigen.

Die irakische Regierung sagt, dass sie mindestens 88 Milliarden Dollar braucht, um KriegsschĂ€den wieder aufzubauen. Was das von den USA auferlegte Marionettenregime in Bagdad nicht sagen kann oder will, ist, dass der Schaden fĂŒr den Irak weitaus grĂ¶ĂŸer als 88 Milliarden Dollar ist und grĂ¶ĂŸtenteils von der US-Luftwaffe in den Jahren 1990-1991 und 2003 verursacht wurde.

Der Irak wurde verwĂŒstet, wie ich selbst gesehen habe, als ich ĂŒber die Kriege berichtete. Dieses kleine Land mit 23-25 Millionen Einwohnern, von denen sich ein Drittel in permanenter Revolte gegen die Regierung in Bagdad befand, wurde von der US-Luftwaffe und den Marschflugkörpern in Schutt und Asche gelegt. Zuerst 1990-1991, dann 2003 wurde alles, was von Wert ist, in StĂŒcke gerissen: KrankenhĂ€user, Schulen, Lebensmittelfabriken, Chemiewerke, die Insektizide herstellen, BrĂŒcken und Kommunikationseinrichtungen. Kurz gesagt, alle Attribute eines modernen Staates.

Am schockierendsten war fĂŒr mich die Zerstörung der irakischen Wasser- und KlĂ€ranlagen durch US-Luftangriffe.

Deren Zerstörung fĂŒhrte zu Choleraepidemien und anderen durch verseuchtes Trinkwasser verursachte Krankheiten. Kinder waren die Hauptopfer. Die UNO behauptete, dass ĂŒber 550.000 irakische Kinder an den Folgen von verunreinigtem Wasser starben. US-Außenministerin Madeleine Albright behauptete spĂ€ter bekanntlich, dass diese TodesfĂ€lle „ein Preis sind, den es wert ist“. Ich nenne sie ein Kriegsverbrechen.

2003 wurden 900.000 Soldaten unter der FĂŒhrung der Vereinigten Staaten von Amerika in Kuwait versammelt und ĂŒberfielen den Irak, um „das Werk zu beenden, das der erste PrĂ€sident Bush nicht vollbringen konnte“, nĂ€mlich den irakischen PrĂ€sidenten Saddam Hussein zu stĂŒrzen und zu lynchen. HĂ€tte Saddam atomare oder großflĂ€chig wirksame biologische Waffen gehabt, wĂ€re der Aufbau der Invasionsarmee in Kuwait und Saudi-Arabien ein Wunschtraum geblieben.

Aber Saddam Hussein hatte keine Atomwaffen, im Gegensatz zu den Behauptungen der Vereinigten Staaten von Amerika und des Vereinigten Königreichs. Ich entdeckte in Bagdad eine Gruppe britischer wissenschaftlicher Techniker, die vom britischen Verteidigungsministerium entsandt worden waren, um in Salman Pak verbotene biologische Waffen zu produzieren. Dazu gehörten der tödliche Milzbrand und Q-Fieber – aber nur fĂŒr den Einsatz gegen den Iran, falls ein zweiter Irak-Iran-Krieg ausbrach.

Es ist inzwischen weithin anerkannt, dass der Irak keine Massenvernichtungswaffen auf den Westen gerichtet hatte, wie George Bush und Tony Blair unaufhörlich behaupteten. Aber das war der Vorwand, um gegen den Irak in den Krieg zu ziehen und ihn zu zerstören. Als keine derartigen Waffen gefunden wurden, wurde die Geschichte aus Washington und London geĂ€ndert in „hoppla, es war ein Versagen der Geheimdienste. Das tut uns leid.“

Journalisten wie ich, die behaupteten, der Irak habe keine Massenvernichtungswaffen, wurden gefeuert oder ausgegrenzt. Ich wurde bei CNN auf die schwarze Liste gesetzt, nachdem das Weiße Haus dem Netzwerk gesagt hatte, dass es mich sofort feuern sollte. Alle „Presstituierten“, die als Regierungspropagandisten fĂŒr den Krieg fungierten, wurden gefördert und gelobt. Willkommen bei den neuen sowjetischen Medien.

Da der Irak, eines der am weitesten entwickelten LĂ€nder der arabischen Welt, durch US-Bombardierungen verwĂŒstet wurde, und da der Krieg als großer Fehler galt – ist wer dafĂŒr verantwortlich, zu versuchen, den Irak in seinen Zustand vor dem Krieg zu bringen? Das Geld, das letzte Woche in Bagdad von den Golfarabern angeboten wurde, war ein Tropfen auf den heißen Stein und diente dazu, den Irak in die sich bildende Anti-Iran-Allianz zu bringen.

Wenn dieses Kriegsverbrechen angemessen verfolgt wĂŒrde, wĂŒrde Washington wahrscheinlich damit enden, dass man etwas in der GrĂ¶ĂŸenordnung von 100 Milliarden Dollar an Schadenersatz festsetzt, nur um die physische Infrastruktur zu ersetzen, die in den beiden Kriegen zerstört wurde, ganz zu schweigen von den TodesfĂ€llen so vieler irakischer Zivilisten. Auch der Iran hĂ€tte einen Anspruch gegen die westlichen und arabischen Geldgeber des Irak fĂŒr Bagdads Angriffskrieg 1980-1988 gegen den Iran, der schĂ€tzungsweise eine Million iranische Opfer forderte.

„Hoppla, es tut uns leid, dass wir euer Land und eure Kinder zerstört haben“ ist kein ausreichendes Mea Culpa. Die westlichen FĂŒhrer, die diesen kriminellen Krieg gegen den Irak inszeniert haben, verdienen es, vor Gericht gestellt zu werden. Bisher sind sie ungeschoren davongekommen. Das gleiche schreckliche Schicksal ereilte Syrien, Libyen, den Jemen und Teile Somalias. Waren diese Katastrophen auch Fehler aufgrund fehlerhafter Geheimdienstinformationen?

Orginalartikel THERE IS NO JUSTICE IN OUR WORLD vom 17. Februar 2018

Quelle: http://www.antikrieg.com/aktuell/2018_02_17_unsere.htm