Der Anti-Imperiums-Bericht #140
Weg frei fĂĽr die Erdgas-Pipeline durch Syrien
Sind Sie verwirrt aufgrund des Mittleren Ostens? Hier sind einige Dinge, die Sie wissen sollten. (Wahrscheinlich werden Sie dann aber noch immer verwirrt sein.)
– Die Vereinigten Staaten von Amerika, Saudiarabien, die TĂĽrkei, Qatar und die Golf-Monarchien haben alle in der jĂĽngsten Vergangenheit al Qaeda und/oder den Islamischen Staat (ISIS) mit Waffen, Geld und/oder Personal unterstĂĽtzt.
– Das erste Beispiel dafĂĽr finden wir im Jahr 1979, als die Vereinigten Staaten von Amerika mit geheimen Operationen in Afghanistan begannen, sechs Monate bevor die Russen kamen, und islamischen Fundamentalismus jenseits der sĂĽdlichen Grenze der Sowjetunion gegen „gottlosen Kommunismus“ förderten. All die al-Qaeda/Taliban-ScheiĂźe war die Folge davon.
– AuĂźer in Afghanistan haben die Vereinigten Staaten von Amerika auch islamische Militante in Bosnien, Kosovo, Libyen, im Kaukasus und in Syrien unterstĂĽtzt.
– Die Vereinigten Staaten von Amerika stĂĽrzten die säkularen Regierungen Afghanistans, des Irak und Libyens, und versuchen, dasselbe mit Syrien zu machen, wodurch sie dem Aufstieg von ISIS einen groĂźen Antrieb gaben. Im März dieses Jahres sagte Barack Obama: „ISIS ist eine direkte Folgeerscheinung von al-Qaeda im Irak, die aus unserer Invasion entsprungen ist. Das ist ein Beispiel fĂĽr unbeabsichtigte Konsequenzen. Deshalb sollten wir grundsätzlich zielen, ehe wir schieĂźen.“
– Ăśber eine Million FlĂĽchtlinge vor diesen Kriegen Washingtons ĂĽberrennen zur Zeit Europa und Nordafrika. Gott segne den amerikanischen Exzeptionalismus.
– Die irakischen, syrischen und tĂĽrkischen Kurden haben alle gegen ISIS gekämpft, aber die TĂĽrkei – enger VerbĂĽndeter der Vereinigten Staaten von Amerika und Mitglied der NATO – hat gegen alle von ihnen gekämpft.
– Russland, Iran, Irak und Gruppierungen im Libanon haben die syrische Regierung auf mehrfache Weise im Kampf gegen ISIS und andere terroristische Gruppen unterstĂĽtzt, darunter die (viel gefeierten aber selten gesehenen) “gemäßigten Rebellen“. Alle vier Länder wurden dafĂĽr von Washington scharf kritisiert.
– Die Vereinigten Staaten von Amerika haben ISIS in Syrien bombardiert, haben aber diese Gelegenheiten benutzt, um Syriens Infrastruktur und Kapazitäten der Erdölproduktion zu zerstören.
– Russland hat ISIS in Syrien bombardiert, hat aber diese Gelegenheiten benutzt, um Syriens weitere Feinde anzugreifen.
Die Mainstream-Medien erwähnen fast nie die beabsichtigten Erdgasleitungen aus Qatar – deren Trasse nach Europa Syrien seit Jahren im Weg gestanden ist – als einen wichtigen Grund für die Feindseligkeit gegenüber Syrien. Die Pipelines könnten Russland als Europas dominierenden Energieversorger entthronen.
– Am Beginn des BĂĽrgerkriegs in Libyen 2011 wurden anti-Gaddafi-Rebellen, viele von ihnen mit al-Qaeda verbĂĽndete Milizen, von der NATO in „Flugverbotszonen“ geschĂĽtzt.
– Die Politik der Vereinigten Staaten von Amerika in den Jahren bis zum Aufstand gegen den syrischen AnfĂĽhrer Bashar al-Assad 2011, mit dem das gesamte gegenwärtige Durcheinander begann, war darauf gerichtet, religiöses Sektierertum zu fördern, das dann in der Folge zum BĂĽrgerkrieg mit dem Ziel des Regimewechsels fĂĽhrte.
– Der AuĂźenminister der Vereinigten Staaten von Amerika John Kerry erklärte am 22. Oktober, dass bei der Behebung von Syriens BĂĽrgerkrieg das Land „nicht zerbrochen werden sollte, dass es säkular bleiben muss, und dass die Syrer ihren zukĂĽnftigen AnfĂĽhrer wählen sollten.“ (Das beschreibt in der Tat die Situation in Syrien unter Assad.) Dann sagte Kerry: „Eine Sache steht der Möglichkeit im Weg, das rasch in die Tat umzusetzen, und das ist eine Person namens Assad, Bashar Assad.“
Warum hasst die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika den syrischen Präsidenten Bashar al-Assad mit einer derartigen Leidenschaft?
Ist es, weil er, wie uns gesagt wird, ein brutaler Diktator ist? Aber wie kann das der Grund fĂĽr den Hass sein? Es wäre in der Tat schwer, eine brutale Diktatur in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts oder des 21. Jahrhunderts zu nennen, die nicht von den Vereinigten Staaten von Amerika unterstĂĽtzt worden wäre, ja nicht nur unterstĂĽtzt, sondern oft an die Macht gebracht und an der Macht gehalten wurde gegen die WĂĽnsche der Bevölkerung – zur Zeit wĂĽrden etwa Saudiarabien, Honduras, Indonesien, Ă„gypten, Kolumbien, Qatar und Israel auf dieser Liste stehen.
Ich nehme an, dass die Vereinigten Staaten von Amerika der syrischen Regierung aus dem gleichen Grund feindselig gegenĂĽberstehen, wie sie Kuba mehr als ein halbes Jahrhundert lang feindselig gegenĂĽber gestanden sind, und feindselig gegenĂĽber Venezuela in den letzten 15 Jahren, und davor gegenĂĽber Vietnam, Laos und Kambodscha, und gegenĂĽber der Dominikanischen Republik, Uruguay und Chile, und so weiter durch den Weltatlas und die GeschichtsbĂĽcher.
Was diese Regierungen gemeinsam hatten, kann in einem einzigen Wort zusammengefasst werden – Unabhängigkeit … Unabhängigkeit von amerikanischer Politik, die Weigerung, ein Marionettenstaat Washingtons zu sein, die Weigerung, ständig feindselig gegenĂĽber den von Washington bestimmten Feinden zu sein, zu wenig Respekt und Begeisterung fĂĽr die kapitalistische Lebensweise.
Orginalartikel The Anti-Empire Report #140 vom 3. November 2015
Ăśbersetzung: Klaus Madersbacher
Quelle: antikrieg.com
