Noch ist der Imperialismus nicht tot..
So könnte die erste Zeile der Hymne des „Davos-Menschen“ bzw. der „EuropĂ€ischen Union“ lauten. Nun heiĂt es aber in altem Gedicht und Nationalhymne „Noch ist die Ukraine nicht tot“. Offensichtlich sind wir Zeugen eines epischen MissverstĂ€ndnisses.
Was hier in und mit der Ukraine passiert, auf dem Kontinent Europa, sollten diejenigen erklĂ€ren, die das zu verantworten haben, allesamt. Sie werden es natĂŒrlich nicht erklĂ€ren, weil sie es einer gelĂ€hmten und indoktrinierten Bevölkerung hĂŒben wie ganz hĂŒben nicht erklĂ€ren mĂŒssen. Stattdessen wird es wieder Luft- und Seifenblasen hageln, Heldengeschichten von der Befreiung von und fĂŒr Kreditprofite des „Internationalen WĂ€hrungsfonds“, von und fĂŒr das „Assoziierungsabkommen“, das „Freihandelsabkommen“ mit der „EuropĂ€ischen Union“, dessen Ablehnung durch die Kiewer Regierung kurz vor dem E.U.-RĂ€tegipfel am 28. November 2013 den derzeitigen Putsch in der Ukraine erst in Gang setzte.
Dabei hatten „Internationaler WĂ€hrungsfonds“ und „EuropĂ€ische Union“ Seit an Seit das osteuropĂ€ische Land mit 19 Milliarden Euros gelockt. Dass E.U. und I.W.F. dafĂŒr – aus reiner Wachstumsliebe – der Ukraine „strikte ökonomischen Vorbedingungen“ diktieren wollen, lieĂ einen der ĂŒblichen Kapitalisten am „Peterson Institute for International Economics“ am 12. Februar, knapp eine Woche vor dem Putsch, es vielsagend so ausdrĂŒcken:
„Dass zeigt, dass es der E.U. ernst damit ist der Ukraine eine Karotte zu geben“.
Wer den Ausdruck „carrot and stick“ kennt und daher mit „Zuckerbrot und Peitsche“ ĂŒbersetzen kann, könnte das mit dem noch Ă€lteren Spruch eines Freihandels-Opfers verwandter Art kombinieren:
„Und bist Du nicht willig, dann brauch ich Gewalt.“
Welche Rolle nun gekaufte KrĂ€fte in Regierung, Geheimdienst, MilitĂ€r und Polizei in diesem Staatsstreich gespielt haben („Siehst Vater Ukraine Du die…?“ „Nö.“) kann jeder fĂŒr sich selbst ĂŒberlegen.
Wer ĂŒber Monate zusieht, wie Konzerne die Infrastruktur einer ganzen Kleinstadt auf dem Maidan Platz bezahlen (Veranstaltungstechnik, riesige LeinwĂ€nde, Ton, etc) und dann anstatt – wie bei vergleichbaren UmstĂ€nden in jedem Staat des Westblocks selbstverstĂ€ndlich – den Platz abzusperren oder einfach mal den Strom abzustellen, die eigenen Polizei-Einheiten erst verheizen und dann kurz vor der RĂ€umung des Maidan auch noch anhalten lĂ€sst, keine Wasserwerfer, RĂ€umpanzer oder TrĂ€nengas (mehr) einsetzt, aber zuerst eine „Waffenruhe“ und dann eine „Anti-Terror-„-Operation ausruft, wĂ€hrend irgendwelche ScharfschĂŒtzen Dutzende von Menschen auf dem Maidan gezielt mit einem einzigen Schuss regelrecht exekutieren (wĂ€hrend gleichzeitig auch auf Polizei-KrĂ€fte gefeuert wird), der will den Umsturz, aber bestimmt keine parlamentarisch geordnete RĂŒckkehr zur demokratischeren Verfassung von 2004, die noch am Dienstag möglich gewesen wĂ€re, ohne ĂŒber hundert Tote und einem Land im Grenzbereich zum Krieg, also Chaos.
Doch was passierte am Dienstag?
Wenn man dem Parlamentsverwaltung der ukrainischen Rada Glauben schenkt, waren seitens der Opposition am Dienstag nicht die verfassungsmĂ€Ăig vorgeschriebenen Unterschriften von 150 Abgeordneten fĂŒr den Antrag auf RĂŒckkehr zur alten Verfassung von 2004 eingereicht worden. Daraufhin lieĂ das Parlament, unter Vorsitz von Wladimir (Volodymyr) Rybak, den Antrag der Opposition nicht zu. Daraufhin setzte sich erst die Demonstration vom Maidan Richtung dem Parlament Rada in Bewegung, vor dem es dann durch ominöse „Radikale“ oder „Provokateure“ zum Angriff auf das ParlamentsgebĂ€ude und Angriffen von „MilizionĂ€ren“ (?!) auf die Demonstranten kommt und damit den Angriff von Polizei (und / bwz „Berkut“-Sondereinheiten, sowie offensichtlich Einheiten von Geheimdienst und Armee) auf den Maidan und die Spirale von Todesopfern insgesamt in Gang setzte, die wiederum nun in einen gewaltsamen Umsturz mĂŒndet der dabei ist die gesamte Ukraine zu destabilisieren.
Gestern hieĂ es, man habe sich geeinigt, die Rada beschlieĂt (wie am Dienstag vorgesehen) die RĂŒckkehr zur Verfassung von 2004, man habe das Blut von 100 Toten beider Seiten umsonst vergossen, könne ja mal vorkommen.
Heute nun heiĂt es urplötzlich, die Oligarchen hĂ€tten Janukowitsch fallen gelassen, ausgerechnet das Innenministrerium – welche alle Polizeiaktionen gegen die Maidan-Besetzer zu blutigen Massakern und FehlschlĂ€gen fĂŒhrte – lĂ€uft zur Opposition mit ihren rechtsradikalen FuĂsoldaten ĂŒber und der PrĂ€sident Viktor Janukowitsch (Yanukowych) – der seit Monaten praktisch alles falsch machte, was falsch zu machen ging – hat die Hauptstadt Kiew verlassen und befindet sich im ostukrainischen Charkow.
Welche Rolle der umtriebige „OppositionsfĂŒhrer“ und Banker Arsenij Jazenjuk in diesem Umsturz spielte, der nur einen Tag vor dem blutigen MiĂverstĂ€ndnis in der Rada, dem Ausbruch der KĂ€mpfe am Maidan und zwei Tage vor dem Eintreffen des GröAaZ (GröĂter AuĂenminister aller Zeiten) Frank-Walter Steinmeier am frĂŒhen Mittwoch Morgen in Kiew zusammen mit Wladimir Klitschko eine Audienz bei der Kanzlerin von mindestens Deutschland bekam, mag sich jeder selbst ausrechnen.
Zeitlich zum Umsturz passend befand sich AuĂenminister Sergej Lawrow zu Besuch in allerlei demokratischem UrlĂ€ndle, namentlich bei seiner MajestĂ€t von Kuwait, gleich zu einem Drei-Tages-Besuch. SpĂ€ter flog er ungerĂŒhrt in den Irak und erklĂ€rte von Bagdad aus dies und das ĂŒber die Welt, anstatt sich in den Flieger nach Kiew zu setzen. Erst spĂ€t, zu spĂ€t, fing das russische AuĂenministerium an ĂŒberhaupt auf den Umsturz im Nachbarland Ukraine zu reagieren.
Mir (und uns bei Radio Utopie insgesamt) ist auch die Rolle des Kreml in diesem Staatsstreich völlig schleierhaft. Vorgestern Abend schlieĂlich entsendet Wladimir Putin Wladimir Lukin. Und zwar erst, nachdem bei ihm das Telefon klingelt und PrĂ€sident Janukowitsch darum bittet. DiesbezĂŒglich ist einerseits völlig klar und verstĂ€ndlich, dass die Russische Föderation in der Ukraine nicht auf Seiten der Janukowitsch Regierung interveniert. Andererseits wĂ€re es nicht zu viel verlangt gewesen, mit der Regierung eines strategisch unermesslich wichtigen Nachbarstaates mal ein paar Takte zu reden, z.B. wenn sie gerade weggeputscht wird. Ganz zu Schweigen von dem Mist, den sie monatelang verzapft hat.
Dazu kann nicht unerwĂ€hnt bleiben, dass man sich in Moskau vor kurzem die UnterstĂŒtzung eines anderen Putsches gegen eine andere demokratisch gewĂ€hlte Regierung – nĂ€mlich die von Ăgypten – bereits ordentlich hatte bezahlen lassen, namentlich durch Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emiraten, in Form eines Milliarden-Deals mit der MilitĂ€rjunta in Kairo. Wer sich mit den Saudis einlĂ€sst öffnet sicherlich eine Menge TĂŒren, aber eine davon immer aus dem Abgrund. Mag man nun im Kreml sehen, wo man ohne den strategischen Partner Ukraine bleibt, denn der wird jetzt vom Westblock geschluckt werden, bwz dessen TrĂŒmmerteile.
Kriege und Eroberungen von LÀndern werden nicht dadurch legitim oder gerecht, weil sie gegen schwache, korrupte, autoritÀre oder totalitÀre Regierungen und Regime in diesen LÀndern exekutiert werden (können). Es bleibt abzuwarten, wann und wie selbsternannte linke, emanzipatorische oder gar sozialistische KrÀfte erklÀren können, warum sie das Wort Imperialismus weder begreifen noch aussprechen, sondern stattdessen Seit an Seit mit dem internationalen Banken-Kartell alles mit ZÀhnen und Klauen verteidigen was unter eben diesen Begriff fÀllt. Sonderlich von Interesse ist das aber nicht. Meiner Meinung nach hat im gesamten Westblock eine relevante Linke und / oder Sozialdemokratie bereits aufgehört zu existieren.
Als letzte Details möchte ich noch hinzufĂŒgen, dass die Vereinigten Staaten von mindestens Amerika bereits erklĂ€rt haben der Ukraine bei der nun offensichtlich unmittelbar bevorstehenden Unterzeichnung des I.W.F.-Abkommens (durch wen auch immer) gern behilflich zu sein. Es sei nur zu ihrem Besten. Karotte gefĂ€llig, zur Erholung?
Die Ukraine lĂ€sst sich ĂŒbrigens seit 20 Jahren von einer sechsköpfigen Gruppe aus „Experten“ im Auftrage der Regierung von mindestens Deutschland beraten. Diese „Expertengruppe“ unter Vorsitz von Ricardo Giucci, Managing Director der Berlin Economics GmbH und u.a. auch Berater der Regierungen von Deutschland und Russland, hat der Regierung von PrĂ€sident Viktor Janukowitsch seit geraumer Zeit die I.W.F.-Karotte vorgehalten. Nun wird diese demnĂ€chst ein anderer PrĂ€sident zu fressen haben.
Der Westblock, seit ĂŒber 12 Jahren weltweit in einem wahrlich unerklĂ€rten Krieg, dehnt sich weiter aus. Die Russische Föderation, eben noch wĂ€hrend der Syrien-Invasion zum ersten Mal in 20 Jahren am Stehenbleiben, wirkt schon wieder strategisch gelĂ€hmt. Gleichzeitig sagen die Imperialisten aller LĂ€nder, nicht nur auf dem Kontinent Europa, dass diese LĂ€nder sich als brave Freihandels- oder WĂ€hrungs-Opfer gefĂ€lligst freiwillig zu vereinigen hĂ€tten, sonst mĂŒsse man eben zur Peitsche greifen.
Willkommen in der westlichen Welt. Ob diese auch die wirkliche Welt reprÀsentiert, wird sich herausstellen.