New York Times: Lieferung von Chemikalien für Giftgas an Syrien. U.S.-Firma wehrt Falschdarstellung ab

Hühnerkacke auf dem Zeitungsacker

Am 7.September 2013 veröffentlichte die New York Times den zwei Seiten umfassenden Artikel "With the World Watching, Syria Amassed Nerve Gas". Dort wird beschrieben, welche Unmengen an Substanzen zur Produktion von Nervengas in den letzten Jahrzehnten an die Regierung in Damaskus geliefert wurden ("zwei Generationen lang"). Recht vage werden nur Länder ohne näheren Hintergrund wie Russland, China und sogar einige U.S.-amerikanischen Firmen erwähnt.

Den Autoren entging völlig dabei, das hochrangige Diplomaten aus den U.S.A. und besonders auch der heute amtierende Aussenminister John Kerry Assad ihren Freund nannten und während fürstlichen Dinners im Präsidentenpalast in Damaskus lukrative Geschäfte abwickelten und politische Deals einfädelten. Besonders dieses Foto mit den Ehepaaren Kerry und Assad vom Februar 2009 beim Essen in einem noblen Restaurant in Damaskus macht seit einer Woche weltweit höhnisch die Runde, um die Scheinheiligkeit des Spitzenfrontmanns Kerry der Kriegsbefürworter an den verdienten Pranger zu stellen.

Der Beitrag in der New York Times ist ohne Substanz und rein propagandistischer Natur. Die Autoren versuchen eine gut recherchierte Darstellung zu erwecken. So wird sich auf Wikileaks-Veröffentlichungen berufen. Diese Quellen sind die Botschafter-Depeschen, deren Angaben von den Diplomaten nach Washington gesandt wurden mit Inhalten, die sie von recht zweifelhaften Informanten und Geheimdienstmitarbeitern vor Ort erhalten hatten. Diese Leute leben davon, sich interessant zu machen und die Hand aufzuhalten. Ohne Informationen kein Honorar, kein Posten. Jeder kennt das.

Eine U.S.-amerikanische Firma jedoch wurde konkret als gewichtiger Beweis mit Sendungen von verbotenen chemischen Rohstoffen zur Giftgasproduktion als "einer der bekanntesten Fälle" aus den Jahren 2001 bis 2002 genannt - und die wehrte sich daraufhin mit einem Brief an die Redaktion der New York Times, "dass die Verknüpfung des Vorfalls im Jahr 2001 mit dem Einsatz von Giftgas um Menschen zu töten völlig irreführend und entschieden falsch ist."

Die Firma Maine Biological Laboratories in Winslow - im Jahr 2008 von der deutschen, international agierenden Lohmann Animal Health GmbH übernommen - hatte vierzehn Millionen Dosen mit Impfstoffen zur Bekämpfung des Erregers der Newcastle-Krankheit (atypische Geflügelpest) an Syrien geliefert. In Deutschland ist diese Geflügelkrankheit meldepflichtig und für kommerzielle Halter eine Impfung gesetzlich vorgeschrieben (Verordnung zum Schutz gegen die Geflügelpest und die Newcastle-Krankheit) (Geflügelpest-Verordnung).

Im Rahmen der Sanktionen gegen Syrien wegen Verdachts auf Unterstützung von terroristischen Gruppen waren auch derartige Lieferungen verboten, die nur mit speziellen Lizenzen erlaubt waren. Maine Biological Laboratories verstiess wissentlich gegen das Verbot und wurde zu 100000 U.S.-Dollar Zivilstrafe vom U.S.-Handelsministerium verurteilt. Die Sanktionen des Ministeriums umfassten pauschal Impfstoffe, ob mit lebenden, abgeschwächten oder toten Virensequenzen.

Die gelieferten Impfstoffe enthielten nach Angaben der Firma keine lebenden Organismen und konnten somit auch nicht als Biowaffe herangezüchtet werden - ganz zu schweigen zur Giftgasproduktion wie der NYT-Artikel suggerieren will.

Der Einsatz einer solchen Viren-Waffe würde auf die Geflügelbestände des Feindes abzielen (die Krankheit verläuft für die Hühner tödlich), um die Ernährung für die betroffene Bevölkerung zu reduzieren. Für Menschen ist der Erreger Newcastle-Disease-Virus (NDV) harmlos.

In den frühen fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts experimentierten Forscher im Biowaffenlabor in Fort Detrick in Maryland in den Vereinigten Staaten von Amerika nach einem Papier über die biologische Kriegsführung mit diesem Virus. Dort heisst es, dass "es ausgewählt wurde, weil es eine verheerende Mortalität hat und als vorhersagbares Mittel geeignet ist, in den Tierbeständen eine Epidemie auszulösen."

Es ist davon auszugehen, dass das vorgelegte Sammelsurium von Beweisen der Geheimdienste der U.S.A. für einen Giftgaseinsatz der syrischen Armee ebenso inhaltsleer ist und von gefälschten Mitteilungen strotzt.

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Quelle: http://www.pressherald.com/news/did-maine-firm-seed-a-syrian-bioweapon__2013-09-10.html