Das Europa der Zukunft gehört sich selbst und den Entscheidungen der Menschen dieser Epoche

Ein Antwort an die Ghostwriter von Helmut Kohl und auf deren antidemokratische Propaganda in der „Bild“-Zeitung.

Wie Sie wissen, haben Sie in ihrer ganzen Karriere, in ihrem ganzen Leben noch nie die Wahrheit gesagt. Es kam immer irgendetwas Heiliges dazwischen, auf die Sie sich rausgeredet haben. Betrug, das ist Ihr Knochenmark. Scheinheiligkeit ist Ihr fĂŒr Sie der Segen, den sie erteilen und Heuchelei, das ist ein Kompliment fĂŒr Sie. Sie haben es sogar nötig, einen alten Paten der westdeutschen Mafia, die sich immer noch im Besitz der Zweiten Republik wĂ€hnt, als Ihren Deckmantel zu missbrauchen. Sie reprĂ€sentieren den Ausfluss einer Generation von Bruderschaften und Logen, die als Bande von HochverrĂ€tern und Imperialisten in den GeschichtsbĂŒchern stehen wird; nicht nur in der Republik Deutschland, sondern auch allen anderen europĂ€ischen Demokratien, die diesen perfiden Feldzug gegen alle Errungenschaften der Kultur und Zivilisation bislang ĂŒberstanden haben und auch weiterhin ĂŒberstehen werden.

Sie schreiben in der „Bild“-Zeitung im Namen von Helmut Kohl:

„Wer jetzt in der Krise zweifelt, dem halte ich entgegen: Wo stĂŒnden wir heute in Europa, wenn wir den KleinmĂŒtigen und BedenkentrĂ€gern immer erlegen wĂ€ren und die große europĂ€ische Idee nicht gegen erhebliche WiderstĂ€nde durchgesetzt hĂ€tten?“

Wir stehen heute auf einem Kontinent Europa, auf dem sĂ€mtliche Staaten, die sich der 1992 unter Regide Helmut Kohls gegrĂŒndeten „EuropĂ€ischen Union“ angeschlossen haben, sich einer Bedrohung der eigenen Demokratie und Gewaltenteilung ausgesetzt sehen – explizit diejenigen Mitgliedsstaaten des Staatenbundes, die ihr Finanz- und WĂ€hrungssystem als epische Trottel ohne GlĂŒck gegen das Euro-System getauscht haben, um sich historisch mal ordentlich zu erleichtern.

Wo wir heute stehen, daß verdanken wir den Kleingeistern, den Untertanen, den Dienern und MachttrĂ€gern, die sich kleine Bedenken hinterher tragen und bisweilen honorig vor Augen fallen lassen. Feiglinge – das sind Sie. Nichts als Feiglinge, die jede Idee missbrauchen und benutzen, die ihnen in ihre schmutzigen, verlogenen Finger kommt. Zusammen mit diesen abstoßenden Exemplaren des zugleich mĂ€chtigsten und erbĂ€rmlichsten Parlaments der Welt, dem Bundestag, sind Sie der Abfall einer Generation. Sie haben nichts als Geld, Macht und Privilegien. Aber das langt nicht zu einem Putsch. Das langt einfach nicht. Nicht gegen die Deutschen des 21. Jahrhunderts, die ein Grundgesetz auf Ihrer Seite haben, das heute unsere Verfassung ist, wo es doch ursprĂŒnglich fĂŒr ganz andere Zwecke dienen sollte. Sie wissen, wovon ich rede.

„Die aktuelle Diskussion in Europa und die krisenhafte Lage in Griechenland dĂŒrfen jetzt nicht dazu fĂŒhren, dass wir das Ziel des geeinten Europas aus den Augen verlieren oder gar infrage stellen und zurĂŒckweichen. Das Gegenteil ist richtig: Wir mĂŒssen die Krise als Chance nutzen. Wir brauchen – gerade jetzt – mehr und nicht weniger Europa.“

Krisen zu verursachen um sie zu benutzen ist seit dem Römischen Reich ein imperialer Klassiker. Sie haben dafĂŒr gesorgt, daß die Deutschen so dĂ€mlich, so unselbststĂ€ndig und so ungebildet sind, daß sie selbst Klassiker vergessen haben und schon MĂŒhe haben sich ĂŒberhaupt an irgendetwas zu erinnern, geschweige denn einen einzigen Satz zu lesen und diesen dann auch noch zu verstehen. Mag es daran liegen, daß sie im Radio nicht mehr ihre eigene Sprache hören und in Zeitungen, TV-Shows, und anderen Berieselungs-Mechanismen nur noch einen Abklatsch davon – vor lauter Agreements, Shareholder Value und Common Approach tendieren die Deutschen sich lieber alles ex ante aus der Tasche ziehen zu lassen, bevor sie zugeben, daß sie keine Ahnung haben, was man jetzt schon wieder von ihnen will. Na Hauptsache, die sind alle so schick angezogen. Wird schon richtig sein, so wie die rumlaufen.

Werte Ghostwriter des dahin dĂ€mmernden Paten Helmut Kohl: Sie sind es, die bereits zurĂŒckweichen. Ja, Sie. Sie haben schon verloren und Sie wissen es. Die „EuropĂ€ische Union“ ist per Definition – und das heisst: per Definition des Bundesverfassungsgerichts im Urteil 2 BvE 2/08 vom 30. Juni 2009 zum Lissabon-Vertrag –

eine enge, auf Dauer angelegte Verbindung souverĂ€n bleibender Staaten, die auf vertraglicher Grundlage öffentliche Gewalt ausĂŒbt, deren Grundordnung jedoch allein der VerfĂŒgung der Mitgliedstaaten unterliegt und in der die Völker – das heißt die staatsangehörigen BĂŒrger – der Mitgliedstaaten die Subjekte demokratischer Legitimation bleiben.“

Das langt Ihnen natĂŒrlich nicht, weil Sie permanent Angst davor haben, daß die Deutschen die Demokratie entdecken. Ohne ebenfalls diesem ganzen biologistischen, rassistischen, eugenischen Wahnsinn anheimzufallen, der noch immer den Terminus religiöser VerrĂŒckter geprĂ€gt hat – ihre mentalen und historischen Vorbilder haben diese Angst seit der Revolution von 1848.

MentalitĂ€t kommt vom Großvater, Tradition vom Großvater des Großvaters. Meine Formel, entwickeln Sie eine andere. Macht man nun von dieser Formel Gebrauch, so stĂ¶ĂŸt man auf einen permanenten Kontrollprozess gegen und ĂŒber die Deutschen, der sich seit GrĂŒndung des Kaiserreichs 1871 (sowie der EinfĂŒhrung des Papiergeldes und der GrĂŒndung gewisser Banken im gleichen Zeitraum) wie ein dunkler Faden durch die Geschichte zieht.

Wer nicht in der Lage ist, mit der MentalitĂ€t und der Tradition der eigenen Familie zu brechen, der ist nicht in der Lage mit der MentalitĂ€t und der Tradition seiner Gesellschaft und seines Landes zu brechen. Das wird in dem Augenblick zum Problem, in dem man z.B. sein eigenes Land in Schutz nehmen muss, gegen den Willen derjenigen, die es regieren und beherrschen. Und dann auch noch gegen den Willen der Mehrheit der Bevölkerung, weil die – wenn sie schon keine Ahnung hat, worum es eigentlich geht und das immer schlechter – nur will, daß dieses Gemecker endlich aufhört.

In solchen Momenten sind Persönlichkeiten, die gewohnt sind MentalitĂ€ten und Traditionen in Frage zu stellen, am besten befĂ€higt eine Demokratie und Republik zu verteidigen, die noch keine demokratische und republikanische Tradition hat und gerade erst – zart, verletzbar, naiv, eben wie in Kind – beginnt, eine entsprechende MentalitĂ€t zu entwickeln.

„Mehr Europa“. Wer diesen sehnsĂŒchtigen Ausspruch „Mehr Licht“ kennt, muss Mitleid mit den vereinten Antidemokraten aller, aber auch wirklich aller Couleur haben. Oh lasset uns machen mehr Gold. Mehr Asien. Mehr Planet. Mehr Universum. Nein, doch mehr Schwachsinn. Ahhhh, sehet her… welches Wunder wir Alchemisten wieder mal bewirkt haben. Preiset uns und knutscht uns die Fesseln, die unverwundbaren. Schnell, schnell, bevor uns der heimtĂŒckische Pfeil eines antieuropĂ€ischen ErkenntnistrĂ€gers trifft, der oben auf den Zinnen eines so verdammt uneroberbaren neuen Trojas immer auf uns runter hĂ€lt und diesen ganzen Trojanern verklickert wer sie sind und daß sie ihr blöden Griffel vom Tor lassen sollen, obwohl da draußen so ein schönes Holzpferdchen steht, mit ganz doll viel pro-trojanischen Rettern drin.

Dieses ganze Gefasel von „Mehr Europa“ ist so ein hirnerweichender Schwachsinn, daß mir die immer wieder großen Augen meiner Landsleute und Zeitgenossen (kann auch mal ein Unterschied sein) bei diesem Thema richtiggehend Schmerzen, körperliche Schmerzen verursachen. Wie konnte es nur dazu kommen, daß ein ganzes Land (und nicht nur dieses) so unfassbar verblödet? Wie konnte das alles nur passieren?

Ich werdÂŽ es Ihnen sagen: weil Sie es so wollten. Und jetzt rede ich mit allen.

Wagen Sie es bloß nicht, irgendwem auf der Welt und darĂŒber hinaus die Verantwortung fĂŒr Ihre GleichgĂŒltigkeit, Ihre Faulheit und Ihr Versagen vor der Geschichte zuschanzen zu wollen. Wagen Sie das nicht.

DiesbezĂŒglich gilt es noch ein MissverstĂ€ndnis zu klĂ€ren: sĂ€kular heißt nicht atheistisch, sondern die simple Einsicht, daß Politik das dreckigste Gewerbe der Menschheit ist und viel mit dem Ă€ltesten gemein hat. Der Versuch, das einem allmĂ€chtigen Gott ĂŒberstĂŒlpen zu wollen, das ist fĂŒr mich die schlimmste aller nur denkbaren GotteslĂ€sterungen ĂŒberhaupt.

Also, Ihr Politik-, Finanz- und Geldpolitikreligiösen, bereitet Euch auf einen echten Gegner und eine echte Flucht vor, wohin diese Euch auch fĂŒhren möge. Das Europa der Zukunft jedenfalls, das gehört sich selbst und den Entscheidungen der Menschen dieser Epoche. Und irgendwann wird all diesen durch den Kapitalismus versauten EigentĂŒmlern in den eigenen, souverĂ€nen Demokratien auffallen, daß manche der wertvollsten Dinge einem nur dann gehören, wenn es auch allen anderen BĂŒrgern dieser souverĂ€nen Demokratien gehört.