Livestream aus Athen: Griechenland im Generalstreik, Belagerung des Parlamentes
Update 18.15 Uhr: Papandreou bietet RĂŒcktritt fĂŒr „Einheitsregierung“ zur Rettung der EU / IWF Bail Out-PlĂ€ne an.
In Griechenland lĂ€uft derzeit ein 24-stĂŒndiger Generalstreik. Das sind sicherlich ein paar Tausend Stunden zu wenig, um den eigenen Staat vor Staatsparteien, BrĂŒssel und EU, dem „Internationalen WĂ€hrungsfonds“ (IWF) in Washington und dem Frankfurter Bankenviertel mit seiner „EuropĂ€ischen Zentralbank“ (EZB) zu retten.
In der örtlichen VerrĂ€termaschine Pasok (wie die deutsche SPD Mitglied der „Sozialistischen Internationale“) hat der amtierende griechische Prokonsul von BrĂŒssel, Frankfurt und Washington, „Sozialist“ im Schafszwirn Giorgos Papandreou, mittlerweile ein echtes Problem. Er verlor gestern zwei weitere wichtige Stimmen seiner Staatspartei. Der ehemalige Pasok-Minister Giorgos Lianis trat aus der Fraktion aus und Pasok-Abgeordneter Alexandros Athanassiadis kĂŒndigte an, gegen die neuen von EU und IWF diktierten „SparmaĂnahmen“ zu stimmen, die einer sozialen und volkswirtsschaftlichen Hinrichtung Griechenlands gleichkommen.
Die Abstimmung im griechischen Parlament ist fĂŒr Ende Juni angesetzt.
Das bedeutet fĂŒr den Milliarden-BetrĂŒger Papandreou, der nach seinem Amtsantritt CDS-Wetten auf die Pleite des eigenen Staates mit einem bisherigen Gewinn von ĂŒber 20 Milliarden Euro durch sein Umfeld ermöglichte und an deren Gewinn mutmasslich beteiligt ist, daĂ er nur noch ĂŒber eine nominelle Mehrheit von fĂŒnf Stimmen verfĂŒgt, die AnkĂŒndigung von Athanassiadis dagegen zu stimmen nicht mitgerechnet.
Griechenland steht bereits seit dem 16.Februar 2010 unter der Zwangsverwaltung der EU. Diese diktierte (spĂ€ter im Kontext mit dem Washingtoner IWF) Papandreou auch sein „SparplĂ€ne“ fĂŒr Griechenland. (DIE GRIECHENLAND-KRISE (IV): Machtergreifung einer neuen kapitalistischen Sowjetunion)
Mit jedem weiteren Finanzdiktat zog man die Schlinge um den Hals Griechenlands enger, aber immer nur soviel, daĂ kein offener Aufstand ausbrach und die Menschen sich zwischendurch wieder beruhigten. Eine teuflische Taktik, die Sklaventreiber durch die Geschichte immer wieder angewendet haben.
Heute lĂ€sst die Pasok-Regierung in Athen wieder einmal die Polizei auf die eigene Bevölkerung los. Die wiederum, auĂer sich vor Wut ĂŒber den Hochverrat der gesamten „politischen Klasse“, also der Staatsparteien, belagert das Parlament.
Was dabei heraus kommen wird, ist offensichtlich. (Was vor und nach dem Staatsbankrott Griechenlands passieren wird, 4.Juni)
Ein „unkontrollierter“ Staatsbankrott wĂ€re ĂŒbrigens das Beste, was Griechenland passieren könnte: es werden schlicht und einfach nicht mehr „Schulden“ (Zinslasten) an die Banken gezahlt, die man nie gemacht hat.
Ein kontrollierter Staatsbankrott dagegen, etwa nach einem von Rechtsanwalt Dr.SchĂ€uble entworfenem „Insolvenzrecht“ ohne Staat (es gibt keinen Staat EU), bedeutete fĂŒr Griechenland den Ausverkauf nach Plan der Banken; dazu dann den Jubel von EU-U-booten wie Frank SchĂ€ffler (FDP), der zu dieser Staatszerstörung erzĂ€hlt, das sei alles eine Folge von zuviel Staat.
Doch es sind die Banken, die die „Geldpolitik“ machen, frei von jedweder demokratischen Kontrolle. Die EuropĂ€ische Zentralbank, die GeschĂ€ftsbanken, die Ratingagenturen, sie alle sind unabhĂ€ngig von jedweder Entscheidung aller StaatsbĂŒrger von Europa, allen StaatsbĂŒrgern auf der Erde und ebenso unabhĂ€ngig von allen Staaten und allen Regierungen. Sie können mit ihnen machen, was sie wollen. Und weil sie das können, ja deshalb tun sie das auch. Und das ist keine Planwirtschaft, das ist der Kapitalismus.
Nochmal: keinen Cent mehr fĂŒr die Banken. Denn jeder Cent, den der Bundestag noch in dieses GlĂ€ubiger-Loch schĂŒttet, geht nur und ausschliesslich an die Banken. An die Banken, nicht an Griechenland, nicht an Portugal, nicht an Spanien, sondern an deren superreiche „GlĂ€ubiger“, die Finanzorganisationen mit Geldschöpfungsmonopol.
18.12 Uhr
Das griechische Staatsfernsehn meldet: Papandreou bietet seinen RĂŒcktritt an und schlĂ€gt eine „Einheitsregierung“ mit der Opposition vor. Diese „Einheitsregierung“ mĂŒsse aber, so die Bedingung des vor der bedingslosen Kapitulation stehenden HochverrĂ€ters Papandreou, die Bail Out-PlĂ€ne von EU und IWF umsetzen. (2)
Analyse: Papandreou hat die Kontrolle ĂŒber seine Pasok-Fraktion und die Mehrheit im Parlament verloren. Nun muss er – das mögliche Verfahren wegen seines Milliarden-Betrugs im Nacken und erpresst aus BrĂŒssel, Frankfurt, Washington und Berlin – irgendwie versuchen, die ihm diktierten EU/IWF-PlĂ€ne zu retten. Das kann er nur, wenn auch die konservative Staatspartei, die Nea Demokratia mitzieht, die genauso ein Haufen elender Schurken ist wie die Pasok.
Das ganze politische Elend Griechenlands nach dem 2.Weltkrieg, von der ehemaligen Besatzungszone Deutschlands zu seinem heutigen Finanzprotektorat, entnehmen Sie ĂŒbrigens diesem Artikel: DIE GRIECHENLAND-KRISE (V): Politische Monarchie zu verkaufen, 7.Mai 2010
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Quellen:
(1) http://www.washingtonpost.com/world/europe/greece-plans-125-billion-t-bill-sale-a-day-after-fresh-credit-downgrade/2011/06/14/AGrGxCUH_story.html
(2) http://www.reuters.com/article/2011/06/15/us-greece-pm-idUSTRE75E3HX20110615
