Israelisches „Satire-Video“ keine peinliche E-mail-Presseverteileraktion sondern erfolgreichste PR-Massnahme Tel Aviv‘s

Gezielter Propagandatrick der israelischen Regierung – Seitenaufrufe, die in die Millionen gehen, sind garantiert.

Am 5.Juni veröffentlichte der Spiegel einen Beitrag, in dem der Weltbevölkerung weiss gemacht werden soll, dass das Presseamt der israelischen Regierung aus Versehen am Freitag, den 4.Juni, einen Videolink ĂŒber den Presseverteiler an Journalisten geschickt hĂ€tte und dass das Regierungspresseamt sich somit international blamiert hĂ€tte, da die Botschaft angeblich nicht zur allgemeinen Veröffentlichung sondern zum persönlichen Heimgebrauch gedacht war.

Die Videoproduktion wĂ€re fĂŒr die Website Latma.tv mit UnterstĂŒtzung des US-amerikanischen Think-Tank „Center for Security Policy“ (CSP) erstellt worden, schrieb der darĂŒber gut informierte Spiegel und weiter, dass das Regierungspresseamt drei Stunden nach Abschicken dieser E-Mail mit der Betreffzeile „Caroline Glick und die Flotilla Band“ eine Information ĂŒber den Verteiler an die Journalisten geschickt hĂ€tte, dass es sich um einen Irrtum handelte, als sie die vorherige Mail bekommen hĂ€tten und diese bitte schön ignorieren sollen.

In dem sich neutral bis scheinbar schadenfroh gebenden Beitrag des Spiegel werden gleich mal so ganz nebenbei Links zur Propaganda-Webseite der israelischen Armee IDF unauffÀllig-auffÀlligerweise untergebracht.

Der Spiegel verrÀt nicht, ob er auch in dem Presseverteiler der israelischen Regierung steht, sondern bezieht sich bei diesen Informationen klugerweise auf die niederlÀndische Nachrichtenagentur BNO, die diese Mails auch bekommen habe.

Diese ganze Angelegenheit war nun durchaus kein „Lapsus“, wie hier dargestellt wird. Das „peinliche Versehen“ ist ganz gezielt inszeniert worden und verfolgt mehrere Zwecke.

Das Video dient der Ablenkung der Weltbevölkerung, die sich mit Recht ĂŒber den Ă€usserst widerlich verhöhnenden Inhalt empören wird. Das ist das Ziel: Verstand aus und GefĂŒhl an. Somit hat man den Zweck erreicht, dass die Menschen sich ĂŒber eine Satire erregen und ihre Energie darauf lenken. Die israelische ruinierte Regierung kann getrost den nun zu erwartenden zusĂ€tzlichen Zorn an sich abprallen lassen, das ist sie gewöhnt – die Veröffentlichung bringt fĂŒr sie keinen erkennbaren zusĂ€tzlichen Schaden. Die Grausamkeit der RealitĂ€t der Hinrichtung in internationalen GewĂ€ssern der getöteten Teilnehmer der humanitĂ€ren Hilfsflotte kann durch diesen neuen, bewusst angelegten Spott nicht erhöht werden.

Die Veröffentlichung einer widerlichen Satire, von der man behauptet: „upps, auweija, so ganz aus Versehen“, erfĂŒllt einen grösseren Propagandenutzen als jedes offizielle Statement der Regierung das je könnte – vollste Aufmerksamkeit ist garantiert.

Die Gaza Free-Mitglieder werden als wilde arabische terroristische Waffenschmuggler in Piraten-Outfit fĂŒr die Hamas dargestellt, so wie es die offizielle weltweit verbreitete Leitlinie Tel Aviv‘s ist, um die Blockade des Gazastreifens zu rechtfertigen.

Millionen werden nun dieses Video sehen, die bisherigen Zugriffszahlen haben sich allein am 5.Juni in eineinhalb Stunden im Zeitraum von 22.00 Uhr bis um 23.44 Uhr um 50000 Aufrufe auf 714000 erhöht. Die gut kalkulierte Rechnung ist aufgegangen und der Zweck ist erfĂŒllt, der auch darin besteht, die Produktion grandios unter die Massen zu bringen in der Hoffnung, dass es so manchen, der die HintergrĂŒnde der Hilfsaktion der Aktivisten nicht kennt, geben wird, der sagen wird: eigentlich hat ja Israel recht, wenn es nicht zulĂ€sst, dass die Blockade geöffnet wird.

Der Hinweis des Spiegels auf das mitwirkende Center for Security Policy in der Produktion des Clips in den USA, der angeblich ebenfalls negative Emotionen hervorrufen soll, ist fĂŒr Israel sehr nĂŒtzlich um zu zeigen, dass das Land starke unverbrĂŒchliche VerbĂŒndete mit gemeinsamen Überzeugungen und Interessen hat – was als Drohung fĂŒr alle anderen Kritiker anzusehen ist – und einen Teil der Schuld an der Lage, in der sich Israel glaubt, nach dem Massaker ungerechterweisse zu befinden, auf diesen Komplizen und UnterstĂŒtzer seiner Politik mit umverteilt nach dem Motto „mitgefangen – mitgehangen“, man gehört fest zusammen und verurteilt sich logischerweise nicht gegenseitig.

Weiterhin soll das „Satire“-Video von den aufgedeckten gefĂ€lschten Fotos und Videos ablenken, die die israelische Propagandamaschinerie erstellt hatte, um die Welt ĂŒber die wahren BeweggrĂŒnde der Reise der Aktivisten zu tĂ€uschen und in denen die echte Brisanz der LĂŒgen und HinterhĂ€ltigkeit liegt, gegen die die Gemeinheiten des „Spass“-Videos verblassen.

Interessant ist der Zeitpunkt der angegebenen Veröffentlichung bei Latma.tv am Donnerstag. Sinn der Diffamierung der Teilnehmer der Free Gaza Bewegung hĂ€tte es gemacht, dieses Video im Vorfeld, zu Reisebeginn, zu veröffentlichen um damit die Sympathien fĂŒr die Menschenrechtler und die Aufmerksamkeit an der Flottille zu schmĂ€lern. Forderungen nach Ermittlungskommissionen und Verurteilungen zu dem Überfall der israelischen Armee kann der Inhalt des Videos nun auch nicht mehr beeinflussen. Und der ganze Aufwand nur als pure Spassbelustigung fĂŒr die eigene Bevölkerung im Land – dagegen spricht die Beteiligung des „Center for Security Policy“, das in israelischen Propagandaangelegenheiten nichts dem Zufall ĂŒberlĂ€sst.

Die Inhaber der Urheberrechte des Songs „We are the World, we are the Children“ haben sich allemal geoutet, dieser Produktion zugestimmt zu haben, entweder durch eine fette Marge oder mit ihrem Einvernehmen mit dem Inhalt, der mit diesem Titel, der weltberĂŒhmt ist, populĂ€r gemacht werden soll. Die ursprĂŒngliche Botschaft des MusikstĂŒckes, die von zahlreichen Interpreten verbreitet wurde, ist infam verstĂŒmmelt worden.

Eins sollte man nicht vergessen, Propaganda in Israel ĂŒberlĂ€sst nichts dem Zufall, sie ist teils plump, teils raffiniert geplant – auch wenn die AusfĂŒhrung an technischen Können unterschiedlich ausfallen wird.

Die Welt sollte also mit dieser Meldung vorsichtig umgehen und ein „Versehen“ dieser E-mail-Aktion, ausgerechnet an Journalisten, als letzte Möglichkeit der Wahrheit einer Dusseligkeit in Betracht ziehen, da ins Ausland gehende Pressemeldungen sicher nicht unkontrolliert versendet und sorgfĂ€ltig geprĂŒft werden. Es sollte auch darauf geachtet werden, wie eine Zeitung, die im Presseverteiler stand, diese Meldung inwelchem Kontext veröffentlicht.

Da der Inhalt des Videos dermassen menschenverachtend ist, wird Radio Utopie es nicht auf diese Seite stellen und auch keinen Link als Hilfe setzen. Wer den Weg auf die entsprechende Youtube-Seite (wo das Video inzwischen gelandet ist) durch diesen Artikel findet, konnte zu mindestens die möglichen BeweggrĂŒnde, die dazu fĂŒhrten, lesen – auch wenn sie nicht zutreffen sollten und bodenlose Dummheit vorlag.
In jedem Fall ist es nicht wert, weitere Worte irgendeiner Empörung ĂŒber den Inhalt zu verlieren und die Angelegenheit wird abgehakt zu den Propaganda-Akten gelegt.

Denn es darf vor allem nicht ausser Acht gelassen werden, dass diese Produktion auch gezielt provozieren, verletzen und Schmerz hervorrufen soll, dem sollte man sich nicht hingeben sondern rational betrachten – diesen Erfolg und die Genugtuung zu haben, das sind die Macher einfach nicht wert!

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Mittlerweile liegen eine ganze Reihe von glaubwĂŒrdigen Augenzeugen und Beweisen vor: Israels MilitĂ€r erschoss am 31.Mai bereits vor dem Entern des Gaza Hilfskonvois aus Helikoptern und Kriegsschiffen gezielt Passagiere und liess Verwundete anschließend sterben. Des weiteren fĂ€lschte es Fotos von angeblichen “Waffen” an Bord des Hilfstransportes, sowie angebliche Radiotransmissionen der ĂŒberfallenen Friedensflotte.

Quelle: http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,698952,00.html