Lauer: Auch Piratenpartei Partei des Euro-Kapitalismus

Wie zu erwarten war, versuchen vor dem Bundesparteitag der Piratenpartei in Windeseile marktradikale und neokonservative Antidemokraten in die inhaltlichen LĂĽcken zu springen und die letzte relevante Partei der Republik zu kapern, in der noch so etwas wie Demokratie und Verfassungstreue durchschimmert.

Dazu preschten in einem Flankenangriff, jeweils ĂĽber das berĂĽchtigte „Handelsblatt“, zwei Funktionäre vor: das FDP-nahe Bundesvorstandsmitglied Matthias Schrade, sowie das Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses (MdA) Christopher Lauer.

Gestern verkĂĽndete Schrade, er habe fĂĽr den kommenden Bundesparteitag der Piraten am 3. und 4.Dezember im Offenbach einen Antrag eingereicht, welcher in Teilen wortwörtlich ĂĽbernommen wurde von Papieren des FDP-Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler. Dieser wird immer wieder als „Euro-Skeptiker“ bezeichnet. Der Clou dabei: Schäffler selbst ist Mitglied in der ĂĽberparteilichen Schatten-Fraktion des Bundestages, der „Europa-Union“, forderte bereits zu Beginn des Ausbruchs der Staatskrise Griechenlands in brutal-kapitalistischer Manier den Verkauf von Teilen dessen Territoriums an „Investoren“ (!) und lehnt StĂĽtzungsmaĂźnahmen der Frankfurter Zentralbank EZB fĂĽr Staaten im Währungsgebiet Euro ab. Dementsprechend heisst es in Schrades Antrag zum BPT (1):

„Die Piratenpartei hält es fĂĽr falsch, dass die Europäische Zentralbank oder die deutsche Bundesbank Staatsanleihen ĂĽberschuldeter Staaten aufkauft.“

Wer es immer noch nicht weiss, wie das SMP-Programm der EZB fĂĽr den Ankauf von Staatsanleihen funktionoert (rund 99.9 % der Ă–ffentlichkeit): weder erhöht sich durch das SMP-Programm die im Umlauf befindliche Geldmenge, noch macht die EZB dadurch Verlust. Also wird weder direkt noch indirekt der deutsche Staatshaushalt belastet. Die angebliche, absurde „Inflationsgefahr“ wird nicht befördert. Andererseits hilft das Programm europäischen Staaten bei der Verteidigung ihrer Demokratie gegen die skrupellosen Angriffe der Kapitalkonglomerate, weil dadurch die mörderischen Zinsen auf ausgegebene staatliche Schuldtitel / Anleihen gedrĂĽckt werden. (18.November, Wenn das begriffen wĂĽrde)

Dieser Antrag von Bundesvorstandsmitglied Matthias Schrade befördert also die weitere Entdemokratisierung und Entsouveränisierung unter Attacke der „Märkte“ stehender europäischer Demokratien. Alles andere ist Geschwafel.

Auftritt Christopher Lauer. Der ständig eine Hand in der Tasche zwangseingemauerte hochnoble Talkshownachwuchsbesucher, nebenberuflich noch Grimassenzieher, Rausredner und Abgeordneter der Piratenfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, tat es nun Schrade nach und äuĂźerte sich heute im „Handelsblatt“ (2) zum „euro-skeptischen“ Antrag Schrades wie folgt (es gilt das kopierte Wort):

„Diese Position ist mitnichten Konsens im Bundesvorstand der Piraten. JĂĽngst wurde in Liquid Feedback ein klares Bekenntnis zur Europa und der Europäischen Union positiv beschieden, ich kann mir nicht vorstellen, dass es eine Mehrheit gegen den Euro in der Piratenpartei gibt.“

Wenn es in der Piratenpartei nicht ganz schnell einen positiven Bescheid zum Grundgesetz und gegen die Regierung von Goldman Sachs-Bankern und Technokraten ĂĽber europäische Demokratien innerhalb der „Euro-Zone“ gibt, die unter Beihilfe des Frankfurter Währungsdiktators durch weltweit vernetzte Banken und Konglomerate gerade systematisch entstaatlicht wird, teilt die Piratenpartei demnächst das Schicksal der unter dem Euro-Kapitalismus erpressten und zerstörten Demokratien, deren Zersetzung leitende Funktionäre der Piraten offenbar als Vorbild fĂĽr entsprechende MaĂźnahmen gegen die Berliner Republik begreifen.

Dabei begreift auch in der Piratenpartei natĂĽrlich niemand, daĂź die bereits in ganz Europa verrufene Nomenklatura Deutschlands (3) die „Europäische Union“ aufgegeben hat und stattdessen die Verschmelzung der „Euro-Zone“ durch neue Verträge mit den auĂźer Frankreich 15 weiteren, erpressten Staaten im Euro-Währungsgebiet plant. (DER VERFALL DER “EUROPĂ„ISCHEN UNION” (III) : Schicksalstag 9.November – Chronologie einer Zeitenwende)

Bisher hat sich die Piratenpartei, zumindest auf Bundesebene, immer dann auffällig still verhalten, wenn sie direkt vor die FĂĽĂźe eine Steilvorlage bekam. Gerade Sebasian „Frettchen“ Nerz und Kollege Lauer haben da schon während der Spionageaffäre um die „Staatstrojaner“ als geschenkte Gäule und Schwiegersohnblaupausen hervorragende Dienste geleistet. (“Jemand zu Hause, McFly?”)

Nun wieder, zu dem ganzen Schwachsinn der Geheimdienst-Legenden ĂĽber gefĂĽhrte Nazis, der noch mehr MachtfĂĽlle fĂĽr die Geheimdienste, eine Ă„nderung des Bundesverfassungsschutzgesetzes (4), neue „Anti“-Terrorzentren der seit dem 11.September nicht einmal mehr ĂĽberprĂĽften Spione und obendrein wiedermal die verdachtslose internationale Vorratsdatenspeicherung zur Folge haben sollen: null. Nichts von der Piratenpartei. Gar nichts. Man könnte sogar sagen: ein Dreck.

Werte Piraten: Tut was, oder sauft wieder ab. Nehmt Euch bezĂĽglich Lauer, Frettchen und Schrade an Troubadix ein Beispiel und auĂźerdem endlich die Banane aus dem Gesicht.

Quellen:
(1) http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/gefaehrdet-die-euro-rettung-den-frieden-in-europa/5862448.html?p5862448=all
(2) http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/euro-krise-mischt-piratenpartei-auf/5865538.html?p5865538=all
(3) http://www.dailymail.co.uk/news/article-2063103/Germanys-war-pound-Youll-join-euro–sooner-think-Cameron-told.html
(4) http://www.wolfgang-neskovic.de/artikel/bundesverfassungsschutzgesetz-anwenden-neu-schreiben