Papandreou ist tot

Update 17.30 Uhr: RĂŒcktritt von Papandreou vom Pasok-Vorsitz Thema bei Fraktionssitzung

Der Prokonsul von EU und IWF ĂŒber Griechenland, Pasok-MinisterprĂ€sident Giorgos Papandreou, ist eine politische Leiche. Sein Sturz ist eine Frage von Tagen. Morgen nun treffen sich die zwei mĂ€chtigsten Untoten der „EuropĂ€ischen Union“, Angela Merkel und Nicolas Sarkozy, in Berlin. Eine kurze Analyse.

In der deutschsprachigen Informationsindustrie wird, unter zunehmender Panik, verschwiegen, was da gestern in Athen wirklich passiert ist.

Nachdem Papanadreou der ehemalige Minister und Abgeordnete Giorgos Lianis aus der Fraktion der „sozialistischen“ Staatspartei Pasok austrat, verfĂŒgte Papandreou im griechischen Parlament nur noch ĂŒber eine nominelle Mehrheit von 5 Stimmen, um das Finanzdiktat von „EuropĂ€ischer Union“ (EU) und „Internationalem WĂ€hrungsfonds“ (IWF) gegen seine Bevölkerung durchzusetzen. Nachdem aber auch Alexandros Athanassiadis angekĂŒndigt hatte, bei der erst Ende Juni anstehenden entscheidenden Abstimmung ĂŒber das EU/IWF-Diktat dagegen zu stimmen, verlor Papandreou die Kontrolle.

Um diese wieder zu erlangen, begann er GesprĂ€che mit der opposionellen konservativen Staatspartei „Neo Dimokratia“ und dessem Vorsitzenden Alexandros Athanassiadis, um diesen zur UnterstĂŒtzung der EU/IWF-„Sparmaßnahmen“ zu bewegen. Er bot dafĂŒr in einem taktischen Schritt ĂŒber die Informationsindustrie seinen RĂŒcktritt als MinisterprĂ€sident zugunsten einer „Einheitsregierung“ an.

Bedingung dafĂŒr: auch die konservative Opposition im griechischen Parlament mĂŒsse dem EU/IWF-Diktat zugunsten der Banken unbedingt Folge leisten. (Livestream aus Athen: Griechenland im Generalstreik, Belagerung des Parlamentes)

Doch Nea Dimokratia-Vorsitzender Athanassiadis lehnte ab und verlangte eine komplette Neuverhandlung mit EU und IWF ĂŒber deren „SparplĂ€ne“.

Daraufhin stellte sich Papandreou, in dem verzweifelten BemĂŒhen nicht die Initiative zu verlieren, ins Staatsfernsehen und verkĂŒndete, er werde nun die Vertrauensfrage stellen. Wann er das tun werde, das sagte der schwankende griechische EU/IWF-Prokonsul allerdings nicht.

Heute gaben nun zwei Pasok-Abgeordnete ihren Parlamentssitz auf. Sie flohen regelrecht. Der erste war der frĂŒhere griechische Minister fĂŒr Ordnung, Giorgos Floridis. Der „Sozialist“ Floridis war in Washington (und anderen unbedeutenden KleinstĂ€dten) ein immer gern gesehener Gast, u.a. vor der Olympiade in Griechenland (2). Forbes weinte dem „heftigen Kritiker“ der viel zu langsamen „Reformen“  heute eine Oberschichtsperle von TrĂ€ne nach (3).

Danach zerriss es den ehemaligen stellvertretenden Gesundheitsminister Ektoras Nasiokas. Auch er gab seinen Parlamentssitz auf. (4)

Obwohl die nominellen MehrheitsverhĂ€ltnisse sich dadurch nicht Ă€ndern – es rĂŒckt entsprechend griechischem Gesetz ein anderes Pasok-Mitglied ins Parlament ein – ist diese Flucht von zwei bekannten reaktionĂ€ren SteigbĂŒgelhaltern Papandreous, nur Stunden vor seiner angesetzten „Kabinettsumbildung“, ein klares Zeichen, daß Papandreou – und damit EU und IWF, und damit wiederum die Banken und Kapitalgesellschaften – die Kontrolle ĂŒber das griechische Parlament endgĂŒltig verloren haben. Alles sieht nach einer Neuverhandlung der EU/IWF-Diktates aus.

Papandreou hat seinen Zweck nicht erfĂŒllt. Sein Abgang ist nur eine Frage von Tagen. Die Vertrauensfrage, wenn er sie ĂŒberhaupt stellt, ist irrelevant, ebenso seine angekĂŒndigte Kabinettsumbildung. Entscheidend ist die Abstimmung ĂŒber das EU/IWF-Diktat im Athener Parlament. Und die wird das Kapital, in dieser Form, verlieren.

Schwere Kost fĂŒr das morgige Treffen der Banken-Lobbyisten und politischen Untoten Angela Merkel und Nicolas Sarkozy.

Willkommen in Berlin, ihr reichen Schlucker.

14.10 Uhr

Soeben meldet die dpa (5): heute Nachmittag trifft sich die Pasok-Fraktion des Athener Parlaments zu einer Sondersitzung. Wie es heisst, strĂ€ube sich der „linke FlĂŒgel“ der Pasok (der von den Konservativen lĂ€ngst links ĂŒberholt wurde) gegen die Unterschrift unter das EU/IWF-Diktat.

17.30 Uhr

Wie die griechische Zeitung „Ekathimerini“ soeben meldet, ist der RĂŒcktritt Papandreous vom Pasok-Vorsitz Thema bei der Sondersitzung der Fraktion. Das verlautbarte die einflussreiche Pasok-FunktionĂ€rin Vasso Papandreou, ehemals BrĂŒsseler EU-Kommissarin fĂŒr „BeschĂ€ftigung, industrielle Reformen und soziale Angelegenheiten“. (6)

Analyse: Wie oben umschrieben – Papandreou hat versagt und ist fĂŒr seine Herren in Frankfurt, Berlin und BrĂŒssel nicht mehr zu gebrauchen. Jetzt wird der kleine Diener fallengelassen.

(…)

13.06.2011 Berlusconi ist tot
Zum ersten Mal seit 1995 haben sich die Italiener zur rechtsgĂŒltigen Beteiligung an einer Volksabstimmung aufgerafft. Wie das Römer Innenministerium vor wenigen Minuten mitteilte, haben ĂŒber 50 Prozent der Stimmberechtigten teilgenommen und bereits vor Schließung der Abstimmungslokale um 15 Uhr das notwendige Quorum erreicht.
Damit sind alle vier Referenden in Italien gĂŒltig. Sie werden die Regierung Berlusconi in StĂŒcke reissen.

22.05.2011 Die Diktatur des Kapitals ĂŒber Europa, bezahlt aus Deutschland, ist gescheitert
Gestern trafen sich, unzweifelhaft am Mittelpunkt europĂ€ischer Hochkultur und im Epicenter deutsch-französischer Geschichten, die PrĂ€sidien der Kapitalversammlung von Frankreich und ihr kleiner Schlafes Bundesbruder zu einer Kaffeerunde. Man unterhielt sich mal, was man so machen konnte. Schliesslich hatte man ja nicht wirklich viel zu tun und noch nie viel gemacht. Es ging nun um die Frage, ob man ĂŒberhaupt mal was machen wollte. Oder ĂŒberhaupt jemals noch etwas.
Das war eine harte Entscheidung. Ganz, ganz hart. Aber die noblen Meister der parlamentarischen Demokratie saßen da und ein großer Schatten fiel ĂŒber sie. Es war ein großer Felsen, der, ĂŒber die Klippe von der anderen Seite herĂŒber gewuchtet, nun in vollem Tempo auf sie zu rollte. Es rumpelte und pumputtelte schon, daß es ihnen den Kaffee aus den Tassen hob. Und da dachten sich die hohen Herren, bevor wir jetzt zu dem Matsch werden, den wir Zeit unseres Lebens gemacht haben, ja da machen wir doch lieber einen Schritt nach vorn. Oder lieber gleich einen ganzen Satz.

03.04.2011 Kleiner Tsunami rollt durch die Nomenklatura
Jammert nur. Schreit und quÀkt, ihr Publikum, ihr Zugucker, ihr Rumsitzer, ihr kleinen Diener und Profiteure.
Jetzt rettet euch nichts mehr vor der Kraft der Demokratie.

16.03.2011 Bundestag unterwirft Banken, IWF, EFSF, ESM, EU und Merkel dem Grundgesetz
Stille auf den RĂ€ngen. HĂ€? Dieser Ruf hĂ€ngt im Raum. HĂ€? Tausende brĂŒllen es, immer weiter im Takt, ein HĂ€? HĂ€? HĂ€? geht durch Deutschland, ein Ruck erfasst die Massen, sie stehen auf von den billigen, teuren und mittleren PlĂ€tzen und plĂ€rren es heraus.

HĂ€? HĂ€? HĂ€?

Immer weiter.

HĂ€? HĂ€? HĂ€?

Irgendwo, neben den billigsten PlÀtzen steht eine abgerissene Figur mit einer Kippe. Blick hierhin, Blick dahin. Jaja.

Abgang. Der Vorhang fÀllt.

Quellen:
(1) http://www.sueddeutsche.de/politik/athen-wirbel-um-papandreou-griechischer-premier-soll-zum-ruecktritt-bereit-sein-1.1109050
(2) http://www.greekembassy.org/embassy/content/en/Article.aspx?office=2&folder=514&article=12894
(3) http://www.forbes.com/feeds/ap/2011/06/16/business-eu-greece-financial-crisis_8519164.html
(4) http://www.kansascity.com/2011/06/16/2953775/greece-leading-socialist-quits.html
(5) http://www.stern.de/politik/ausland/papandreou-beruft-krisensitzung-der-sozialisten-ein-1696274.html
(6) http://www.ekathimerini.com/4dcgi/_w_articles_wsite1_2_16/06/2011_394871