EU-Operation „Eufor Libya“: Nach Afghanistan und Irak noch ein ganz normaler Krieg

Interventionen der EU weltweit: Eufor Libya soll nun mit deutschen Soldaten in Libyen eingreifen
Interventionen der EU weltweit: Eufor Libya soll nun mit deutschen Soldaten in Libyen eingreifen (Bild: Wikipedia)

Die deutsche Regierung aus CDU, CSU und FDP hat beschlossen, deutsche Soldaten doch nach Libyen zu entsenden. Der Oberste Regierungsrat der „EuropĂ€ischen Union“, der sogenannte EU-Gipfel mit den leitenden Staats- und Regierungsvertretern, schuf dazu am 1.April in BrĂŒssel mit den Stimmen der Merkel-Westerwelle-Regierung die MilitĂ€roperation „Eufor Libya“. Eufor Libya steht im Kontext der „gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik“ („Common Security and Defence Policy“, CSDP) und einer ganzen Reihe Ă€hnlicher Operationen von MilitĂ€r und Polizei aus den EU-Mitgliedsstaaten in Europa, Afrika und Asien, u.a. in Afghanistan und Irak. Eingesetzt werden sollen die deutschen Soldaten in den EU-Schlachtgruppen („Battlegroups„), die wiederum im Rahmen der „gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik“ operieren und unter Kommando des Obersten Regierungsrates stehen.

Der Ratsbeschluß zur Schaffung von Eufor Libya (1) bezieht sich ausdrĂŒcklich auf UN Resolution 1973, eine umfassende Kriegsvollmacht, zu der sich Deutschland im UNO Sicherheitsrat am 17. MĂ€rz noch enthalten hatte. (Analyse zur UN-Resolution: Eine umfassende Kriegsvollmacht gegen Libyen)

Operation Eufor Libya bezieht sich ebenfalls ausdrĂŒcklich auf UN Resolution 1970, welche durch Resolution 1973 nachtrĂ€glich verĂ€ndert wurde und nun, willkĂŒrlich und einseitig auslegbar, Nato, USA und EU ein Waffen-, Öl- und Fianzembargo ausschließlich gegen das Regime in Tripolis ermöglicht, aber nicht gegen Libyen insgesamt. Waffen sind laut Aussage der Seperatisten lĂ€ngst an sie geliefert worden. Spezialeinheiten und Spione aus den USA, den EU-Mitgliedsstaaten wie der britischen Monarchie sind lĂ€ngst im Einsatz.

Aber nicht nur das: im Eufor Libya-Beschluss spricht der Oberste Regierungsrat ausdrĂŒcklich vom „Schutz der Zivilisten“, den Eufor Libya „untermauern“ soll. Da UN Resolution 1973 genau zu diesem vermeintlichen Zweck durch einfache Mitteilung an UNO GeneralsekretĂ€r Ban Ki Moon einen willkĂŒrlichen Angriff auf Libyen nach eigenem Ermessen gestattete, nutzten Frankreich, Großbritannien, die USA, sowie eine ganze Reihe weiterer Staaten und spĂ€ter die Nato zur simplen Parteinahme im libyschen BĂŒrgerkrieg, zum Kriegseintritt auf Seiten der Seperatisten in Ost-Libyen, zum Versuch eines Umsturzes, ja einer Invasion mit Proxy-Milizen in einem souverĂ€nen Staat.

Über neun Jahre nach dem Einmarsch in Afghanisten und acht Jahre nach dem Einmarsch im Irak ist das weiterer, ganz normaler Krieg. Und dieser ganz normale Krieg, der Libyen-Krieg, soll nach dem RĂŒckzug der USA aus der Kommandoebene durch die EU weitergefĂŒhrt werden – mit deutschen Soldaten.

ErgÀnzung 13.30 Uhr

Bereits gestern bestĂ€tigte der Leiter des in Stuttgart sitzenden US-Afrikakommandos, General Carter Ham, dass „der Einsatz einer internationalen Streitmacht am Boden ein möglicher Plan zur UnterstĂŒtzung der libyschen Rebellen“ sei. General Ham vor dem StreitkrĂ€fte-Ausschuss des Senats (2):

„Ich vermute, es gibt vielleicht diesbezĂŒglich einige Überlegungen. Meine persönliche Ansicht zu diesem Zeitpunkt wĂ€re, dass dies möglicherweise nicht der ideale Umstand wĂ€re, abermals wegen der Reaktion in der Region, die amerikanische Bodentruppen (`American boots on the ground`) mit sich bringen wĂŒrden.“

ErgÀnzung 17.30 Uhr

Im Laufe des Nachmittages hiess es aus dem deutschen Verteidigungsministerium, dass natĂŒrlich auch deutsche Bodentruppen in Libyen eingesetzt werden sollen.  Im Falle eines „humanitĂ€ren Hilfseinsatzes“, so ein Sprecher von Oberbefehlshaber Thomas de Maiziere, sei

„es doch ganz klar, dass man dann den Fuß auf libyschen Boden setzen wĂŒrde“. (3)

(…)

Artikel zum Thema:

24.02.2011 RINGEN UM LIBYEN (I): EU aktiviert Interventions-Mechanismus
Der PrĂ€sident des Obersten EU-Regierungsrates Herman Van Rompuy, sowie die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton, aktivierten in BrĂŒssel den 2001 zu Beginn des weltweiten Krieges “gegen den Terror” geschaffenen “European Civil Protection Mechanism” (EuropĂ€ischen Zivilschutz-Mechanismus) und damit dessen stĂ€ndige Zentrale, das “Monitoring and Information Centre” (MIC) unter Leitung der BrĂŒsseler Kommissare. Aufgabe: die Koordination von „UnterstĂŒtzungs-Interventionen innerhalb und außerhalb der EuropĂ€ischen Union”…
In der ErklĂ€rung der EU-Kommissare zur Aktivierung des “Zivilschutzes” wurde nicht nur die Aktivierung des Interventions-Mechanismus verkĂŒndet. Es wurde auch ein konkretes Einsatzgebiet der EU-Einheiten benannt. Die MIC-Einsatzzentrale, so die Kommissare, solle dabei helfen, Mittel bereit zu stellen fĂŒr “Evakuierungen, auch ĂŒber See”. Konzentrieren wolle man sich dabei auf “Benghazi und andere Teile Libyens”

Quellen:
(1) http://register.consilium.europa.eu/pdf/en/11/st08/st08589.en11.pdf
(2) http://www.boston.com/news/nation/articles/2011/04/07/gadhafi_in_letter_asks_obama_to_end_air_strikes/?rss_id=Boston.com+%2F+Boston+Globe+–+National+News
(3) http://www.n-tv.de/politik/Regierung-Bodentruppen-moeglich-article3049761.html