Vom Zirkus überfahren

Am Abend der ersten Aufführung kam es zu einem Eklat: die Theatergruppe, die zuvor den vollständigen Inhalt ihrer Show vom Kulturministerium absegnen lassen musste, hatte zu dem Song an passender Stelle “They Don’t Care About Us” Fotos des legendären “Tank man”-Studenten, der als Symbol des ungebrochenen Widerstandswillen einer unterdrückten Bevölkerung geworden ist, für mehrere Sekunden auf der Grossleinwand eingeblendet

Ägypten: Letztes Gefecht des „war on terror“

Bereits am Tage des Putsches in Ägypten, am 3. Juli, sagte ich exakt die Entwicklung voraus, die sich derzeit abspielt. Das war kein Zeichen besonderer Intelligenz, sondern schlicht von Übung und korrekter Diagnose. In Ägypten versuchen die gleichen Kräfte, die seit fast 12 Jahren von einem durch Attentate erzeugten Krieg profitieren, diesen sowohl blutigen wie kafkaesken Prozess weiter am Laufen zu halten. In diesem „war on terror“ profitieren nicht nur diejenigen, die Attentate und Krieg hätten verhindern müssen – Geheimdienste, Polizei, Militär – sondern mindestens im gleiche Maße auch die Nomenklatura der jeweiligen Gesellschaft, die eine Entmachtung durch demokratische Mittel und die Entwicklung bzw Weiterentwicklung eines Öffentlichen Bewusstseins durch Kommunikation und Information der Bevölkerung scheut.

Was immer noch in Ägypten passieren muss

Am Tage des Militärputsches, am 3. Juli, beschrieb ich, was in Ägypten passieren wird. Es ist dabei zu passieren. Am 9. Juli später beschrieb ich, was passieren muss, damit sich die Verfassung Ägyptens verbessert. Es muss erstmal eine haben. Es muss eine haben, die es selbst wählt.

Das ist nicht passiert. Stattdessen gibt es ein Blutbad nach dem anderen. Genau das, ein Blutbad nach dem anderen, wird wieder und wieder und wieder und wieder passieren, solange, bis die Ägypter ihre eigene verfassungsgebende Versammlung wählen können.

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Das große Dilemma

Die Erfahrung lehrt, dass solche Teilungen fast immer mit Massenvertreibungen und Massakern verbunden sind, da jede Gemeinschaft versucht, ihren Erwerb ethnisch „rein“ zu machen. Indien-Pakistan, Israel-Palästina, Bosnien, Kosovo, um nur einige herausragende Beispiele zu nennen. Der syrische Staat kann in jeweils religiöse und nationale Gemeinschaften auseinanderbrechen, die für sich einen eigenen Ministaat bilden. Die Sunniten. Die Alawiten. Die Kurden. Die Drusen.

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Analyse: Militärdiktatur versucht Ägypter abermals um ihre Nationalversammlung zu betrügen

Die Militärdiktatur Ägyptens unter Generalstabs-Leiter Sedki Sobhi hat dem gestrigen Ultimatum von Großimam Ahmed al-Tayeb nachgegeben und wie gefordert Wahlen versprochen. Tatsächlich aber versucht das Militär, wie nach dem vom Volk in der Revolution von 2011 erzwungenen Rücktritt des (Militär)Diktators Husni Mubarak, genau die Nationalversammlung zu verhindern, mit der es die sinnlosen verlorenen zwei Jahre von Blutvergießen, Chaos und Not nie gegeben hätte.

Kriegs- und Spionage-Gewinnler hüpfen Ägypten-Krise auf den Schoß

Das durch den sterbenden Krieg „gegen den Terror“ von Arbeitslosigkeit bedrohte „SITE Institute“ von Rita Katz, neben „IntelCenter“ von Ben Venzke (ex-Funktionär beim idefense Konzern) eine der berüchtigsten Rammschläden für Videos des terroristischen Allerlei (und bereits 2006 vor deren Erscheinen auf irgendwelchen „islamistischen Webseiten“ über diese informiert), hat gestern ein neues Produkt auf den Markt geworfen: die „Ansar al-Scharia“.