Das Oslo-Abkommen war kein Misserfolg
Das Oslo-Abkommen wurde einfach nur nicht umgesetzt
Am fĂŒnfundzwanzigsten Jahrestag des historischen Handschlags zwischen dem israelischen MinisterprĂ€sidenten Jitzchak Rabin und dem PLO-Vorsitzenden Jasser Arafat mĂŒssen wir uns erinnern und an die Wahrheit gemahnen: Das Oslo-Abkommen war kein Misserfolg. Das Oslo-Abkommen wurde einfach nur nicht umgesetzt. Diese Nichtumsetzung des Abkommens hat schon Tausende Menschen das Leben gekostet und wird vielleicht noch viele weitere das Leben kosten.
In der Oslo-Vereinbarung wurde eine Interims-Zeit von fĂŒnf Jahren angesetzt, die im April 1994 begann. Die Situation, in der die PalĂ€stinensische Behörde nicht einmal ĂŒber die Ansammlung voneinander isolierter Enklaven, die ihr unterstanden, wirklich die Macht innehatte, sollte im Mai 1999 zu Ende sein. Entsprechend sollte die Aufteilung des Westjordanlandes in A-, B- und C-Gebiete nur temporĂ€r, nĂ€mlich fĂŒr nur diese fĂŒnf Jahre gelten, also von 1994 bis 1999. Nach diesen fĂŒnf Jahren sollte alles das beendet sein und durch die EinfĂŒhrung des endgĂŒltigen Status ersetzt werden.
Die PalĂ€stinenser erwarteten, dass der endgĂŒltige Status natĂŒrlich ein Ende des israelischen Besatzungsregimes und die Errichtung eines unabhĂ€ngigen und souverĂ€nen Staates PalĂ€stina bedeuten wĂŒrde. Der Grund dafĂŒr, dass Jasser Arafat die Oslo-Vereinbarung unterzeichnete, war seine Annahme und seine Erwartung, dass 1999 der Staat PalĂ€stina gegrĂŒndet wĂŒrde. Jitzchak Rabin seinerseits, der sich den gröĂten Teil seines Lebens dem Krieg gewidmet hatte, wusste, dass mit dem Feind Frieden geschlossen wurde. Er hatte voll und ganz die Absicht, das, was er unterzeichnet hatte, auch auszufĂŒhren und einen vollwertigen Frieden mit den PalĂ€stinensern zu schlieĂen.
Wenn Arafat gewusst hĂ€tte, dass auch noch 2018 das israelische MilitĂ€r das gesamte Westjordanland besetzt halten und dem Gazastreifen eine wĂŒrgende Belagerung auferlegen wĂŒrde, wĂ€re ihm sicherlich nicht im Traume eingefallen, die Vereinbarung zu unterzeichnen. Ebenso wenig hĂ€tte Mahmoud Abbas oder irgendein anderer palĂ€stinensischer FĂŒhrer die Oslo-Vereinbarung unterzeichnet, wenn er hĂ€tte wissen können, dass dabei nichts herauskommen wĂŒrde.
Das Ziel, mit dem die PalĂ€stinenser die Vereinbarung unterzeichneten: die Besetzung beenden und einen Staat PalĂ€stina errichten – wurde nicht verwirklicht. Der Staat Israel hat seinen Teil der Vereinbarung nicht eingehalten.
NatĂŒrlich bekamen auch der Staat Israel und seine BĂŒrger nicht das, was sie erwartet hatten, nĂ€mlich ein Ende des Konflikts mit den PalĂ€stinensern, einen Friedensschluss und gute Nachbarschaftsbeziehungen.
Wenn die Oslo-Vereinbarung umgesetzt worden und der endgĂŒltige Status 1999 erreicht worden wĂ€re, dann könnten wir jetzt in das zwanzigste Jahr des Friedens zwischen dem Staat Israel und dem Staat PalĂ€stina eintreten. Dann wĂŒrden die Opfer der Zweiten Intifada und der darauf folgenden Jahre heute noch leben und es wĂŒrde ihnen mit uns gemeinsam gut gehen.
Aus dem Englischen von Ingrid von Heiseler
