Raketen-Panik auf Hawaii: Simulierter Alarm vom Pazifikkommando

EinfĂŒhrung

Das wichtigste Kommando des U.S.-MilitĂ€rs ist bekanntlich das Bullshitkommando. Es erstreckt sich so ziemlich auf jeden zivilen Bereich in der U.S.-HemisphĂ€re, ganz besonders die Presse – schließlich ist man im Krieg, seit sechzehn Jahren.

Was passierte

Am 13. Januar wurde durch die Katastrophenschutzbehörde auf Hawaii ein Alarm ausgegeben, der im Anflug auf die Insel befindliche Raketen suggerierte. Nahe lag fĂŒr die Bewohner der Insel ein Angriff mit Nuklearraketen aus Nordkorea. Die Sirenen heulten, wie anderthalb Monate zuvor geĂŒbt. Die Menschen suchten irgendwo Schutz. Der U.S.-Sender „NBC“ verkĂŒndet wĂ€hrend der FernsehĂŒbertragung eines Basketballspiels in einer Audio-Botschaft („dies ist keine Übung“), das U.S. Pazifikkommando habe einen laufenden Raketenangriff auf Hawaii geortet.

Erst fast 40 Minuten spÀter gaben die Behörden Entwarnung. Es gab keine anfliegenden Raketen.

Wer hat das Kommando?

Wer gestern nun zurĂŒck trat, war nicht der „Leiter des Katastrophenschutzes EMA, Vern Miyagi“, wie die „Tagesschau“ inkorrekt meldete. Und Arthur Joe Logan (nicht „Joe Logan“) ist nicht „der Chef der StreitkrĂ€fte“, sondern der Direktor der Katastrophenschutzbehörde von Hawaii und damit dessen tatsĂ€chlicher Leiter, konkret: dessen Kommandeur. Vern Miyagi war sein Untergebener.

Zum Direktor der Katastrophenschutzbehörde ernannt wurde Major General Arthur Joe Logan, der auch Leiter der Nationalgarde Hawaii ist, durch Gouverneur David Ige. (14.1.2018, Falscher Raketenalarm auf Hawaii: Die Verantwortlichen)

Wer hatte das Kommando?

Die Katastrophenschutzbehörde von Hawaii (Hawaii Emergency Management Agency, HI-EMA) untersteht formal der F.E.M.A. (Federal Emergency Management Agency), der bundesstaatlichen Katastrophenschutzbehörde, und die wiederum dem Heimatschutzministerium.

Die Nationalgarde, formell und nach der U.S. Verfassung eine Miliz, untersteht generell den Gouverneuren der einzelnen Bundestaaten, ist aber auf Befehl des PrÀsidenten der Bundesregierung unterstellt (hier eine Einweisung in die komplizierte Thematik).

Unklar ist, ob und wie sich die interne Kommandostruktur ĂŒber die Behörden auf der Insel und im Bundesstaat Hawaii Ă€ndert, sobald die unmittelbare Gefahr eines Angriffs auf die Insel besteht bzw sobald diese simuliert wird. Sogar die offizielle Kommandostruktur und Befehlskette ist in diesem Falle unklar.

In unserer Auflistung der internationalen Kriegslobby rund um die Nordkorea Situation erwÀhnten wir auch das Pazifikkommando und seinen Leiter Admiral Harry Harris, ex-Marinekommandeur der Landung in der Libyen-Invasion und ex-Leiter der Folterstube Guantanamo

Die Zentrale vom U.S. Pazifikkommando (P.A.C.O.M.) und dessen Sondereinheiten (S.O.C.P.A.C.), befindet sich in Camp Smith, auf Oahu, einer Nachbarinsel von Hawaii.

Bisherige Nachrichten vom Bullshitkommando

Nr. 1: Gouverneur Ige stellt sich hin und redet davon, ein Angestellter habe „einen falschen Knopf gedrĂŒckt“. Verkaufsnachricht: es war ein Versehen.

Nr. 2:  Der Sprecher der Katastrophenschutzbehörde, Richard Rapoza, verkĂŒndet Folgendes:

Der einzelne Angestellte, der angeblich allein und aus Versehen die Simulation eines Atomkriegs auslöst, der wiederum sĂ€mtliche Behörden der Vereinigten Staaten von Amerika fast 40 Minuten lang tatenlos zusehen, sei durch die Katastrophenschutzbehörde „versetzt“ worden, so Rapoza.

Versetzt.

Und er sei versetzt worden innerhalb des Notfallzentrums der Katastrophenschutzbehörde, von welcher der Alarm ausgelöst wurde. Aber er sei jetzt nicht mehr in der NÀhe eines Knopfes, sagt Rapoza.

Nr. 3: Praktisch alle Medien weltweit ĂŒbernehmen einen angeblichen Screenshot von der Software, wo der Angestellte angeblich auf den falschen Knopf gedrĂŒckt hat. Es verbleibt bei „Honolulu Civil Beat“, den Screenshot als Falschdarstellung zu entlarven. Danach wird noch ein weiterer falscher Screenshot herausgegeben.

Unter viel Gewimmer und Gebrumm erklĂ€rt die Sprecherin von Gouverneur Ige, Jodi Leong, sie habe die Katastrophenschutzbehörde gebeten, einen Screenshot zu schicken. Man habe gedacht, der sei echt. Sorry. Geschickt habe den falschen Screenshot der Katastrophenschutzbehörde-Vize Vern Miyagi (der nun zurĂŒck trat).

Danach erklÀrt der Sprecher der Katastrophenschutzbehörde, Richard Rapoza, der Screenshot sei ohne sein Wissen versandt worden. Sorry. Echt.

Aber der Screenshot könne gar nicht echt sein. Man könne die Darstellung der omnipotenten Software leider ĂŒberhaupt nicht veröffentlichen. Die Hacker, die Hacker. Man mĂŒsse das verstehen. Sorry. Wirklich.

Nr. 4: Gouverneur Ige sagt, er habe sein Twitter Passwort gerade nicht bei der Hand gehabt. Deswegen sei leider seine ganze Insel 40 Minuten lang ausgerastet. Sorry. Echt.

Nr. 5: Nach der, „sorry nochmal“, fĂ€lschlicherweise auf Hawaii ausgelösten Massenpanik wegen einem fiktiven bereits laufenden Raketenangriff (wohl aus Nordkorea, mit Atomwaffen) hatten die U.S.-Behörden mit dem ĂŒblichen Tamtam eine Untersuchung angekĂŒndigt.

Eine Untersuchung.

Die „Untersuchung“ erfolgt durch die Bundeskommunikationsbehörde. Durch die Bundeskommunikationsbehörde, die F.C.C..

Und deren Vertreter sitzt dann im Senat, als dieser die Zeit findet mal nachzufragen was denn diese Untersuchung so machen wĂŒrde, es habe da ja vor Wochen sei ein Geschrei auf Hawaii gegeben, und sagt Folgendes:

Ja, also die Untersuchung. Man habe da ein Problem. Man sei nÀmlich sehr enttÀuscht, dass der Angestellte, der ganz Hawaii in Panik versetzt habe und die Welt ein bisschen mit dazu, also dieser Angestellte, der wolle nicht kooperieren.

Der Angestellte der Katastrophenschutzbehörde, der angeblich alles alleine ausgelöst hat, aus Versehen, er sagt also nicht vor der „Untersuchung“ der Kommunikationbehörde ĂŒber einen angeblich aus Versehen simulierten Atomangriff auf Hawaii aus.

Offenbar erscheint er dort nicht einmal.

Aktuelle Nachricht vom Bullshitkommando

Die Kommunikationsbehörde F.C.C. hat gestern nun den Bericht ihrer „Untersuchung“ herausgegeben. In dem heisst es nun, der Angestellte habe nicht aus Versehen gehandelt, sondern habe tatsĂ€chlich geglaubt es liefe ein Raketenangriff auf Hawaii und habe beim Auslösen des Alarms ĂŒber das Programm dessen Auslösung bei der Eingabe noch einmal ausdrĂŒcklich mit „Ja“ bestĂ€tigt.

Woher wisse man das, in der F.C.C. und ihrer „Untersuchung“? Weil der Angestellte ein schriftliches Statement zugesendet habe.

Und warum habe der Angestellte geglaubt, es laufe tatsÀchlich ein Raketenangriff auf die Insel?

Weil im Notfallzentrum der Katastrophenschutzbehörde eine entprechende Alarmmeldung vom Pazifikkommando ĂŒber Lautsprecher ertönte.

Aber die sei in Wirklichkeit vom Leiter der bereits beendeten Nachschicht spontan an die FrĂŒhschicht ausgegeben worden. Und der Leiter der beendeten Nachtschicht, der habe gegenĂŒber der FrĂŒhschicht so getan, als sei er das Pazifikkommando („pretending to be U.S. Pacific Command“) und eine aufgenommene Nachricht per Lautsprecher in das Notfallzentrum abgespielt.

Weniger als 24 Stunden vor dem am 13. Januar durch die Katastrophenschutzbehörde ausgelösten Alarm bekam ein TV Team des Senders „NBC“ Zutritt zu „dem Raum, aus dem der Alarm spĂ€ter ausgelöst wurde“, also offensichtlich zum Notfallzentrum der Katastrophenschutzbehörde.

Im Gegensatz zu allen danach kolpotierten Darstellungen, wird den Journalisten dort erlĂ€utert, wie die Standardprozedur fĂŒr das Auslösen eines entsprechenden Alarms ist: nach einem Anruf des Pazifikkommandos, ĂŒber ein separates Telefon mit sicherer Leitung.

Doch sei der Anruf nie erfolgt – so „NBC“ spĂ€ter.

Kommentar

Geht man davon aus, dass diese Alarmmeldung nicht durch einen einzelnen Akteur oder MissverstĂ€ndnisse (jetzt soll es der Leiter irgendeiner Nachschicht sein, im Kontext mit einem plötzlich seit Jahren auffĂ€lligen Angestellten, den offenbar nie jemand gesehen hat) entstanden sind, muss man davon ausgehen, dass es am 13. Januar in der Katastrophenschutzbehörde „nicht ohne Insider oder interne Informationen möglich“ gewesen wĂ€re diesen Stein ins Rollen zu bringen.

Es ergibt sich der Eindruck, dass hier mutmaßlich durch eine gut organisierte, militĂ€rische Hierarchie die AblĂ€ufe und LĂŒcken der zivilen und militĂ€rischen Kommandostrukturen zwischen den Bundesstaaten und der Bundesregierung genau durchleuchtet und auf Schwachstellen analysiert wurden, speziell auf Hawaii und speziell mit dem Hintergund der besonders dort herrschenden Spannungslage.

Vom allgemeinen SchĂŒren von Kriegsangst und damit AnfĂ€lligkeit fĂŒr Kriegstreiberei einmal ganz abgesehen, erscheint noch ein weiterer Hintergrund plausibel.

Aus GrĂŒnden der „Nationalen Sicherheit“ kann letztlich allen staatlichen Angestellten das LĂŒgen befohlen werden. Die „Nationale Sicherkeit“ wird dabei durch die ĂŒblichen Interpreten derart ausgelegt, dass z.B. der Hack einer eigenenen staatlichen Institution durch eine andere dieser „Nationalen Sicherheit“ ja gedient habe. Man habe schließllich bewiesen, wie einfach es sei alle zu manipulieren.

Es ist nun durchaus möglich, dass nun das Pazifikkommando oder Andere diesen Anlass von anlassloser Massenpanik wegen eines simulierten Raketenalarms auf Hawaii zum Anlass nehmen, die Kommandostrukturen und Befehlsketten auf Hawaii oder insgesamt in den U.S.A. zu ihren Gunsten oder zu Gunsten der Bundesregierung von Donald Trump zu verÀndern.

Nur zur Sicherheit, versteht sich.

(…)

Artikel zum Thema:
02.05.2017 Tabu hinter “Verschwörungstheorie”: Hierarchie und Befehlskette
Um in der real existierenden Weltordnung Kriege, Attentate oder einen (schleichenden) Staatstreich durchzufĂŒhren oder zu vernebeln, braucht es lediglich eine entsprechend mĂ€chtige Hierarchie, sowie Individuen, die sie entweder benutzen, manipulieren oder sich hinter ihr verstecken können.

Artikel zuletzt aktualisiert um 12.33 Uhr