Kohl: Verstrecker Gorlebens

Mitteilung der BĂŒrgerinitiative Umweltschutz LĂŒchow-Dannenberg e.V. vom 24.Juni 2017

Über Helmut Kohl wurde anlĂ€sslich seines Todes am 16. Juni viel geschrieben. Er wurde 87 Jahre alt. FĂŒr manche ist er ein großer EuropĂ€er und unvergesslicher Politiker. DafĂŒr steht u.a. das Bild, wie er ĂŒber dem Schlachtfeld von Verdun dem französischen MinisterprĂ€sidenten François Mitterand die Hand reichte. Er selbst sagte spĂ€ter dazu, die Geste sei verabredet gewesen.

Andere nehmen bis heute Anstoß an seinem „Ehrenwort“. Mit dem „Ehrenwort“ deckte der damalige Kanzler Spender aus der Großindustrie.

Denen, so Kohl damals, habe er sein Ehrenwort gegeben, niemals ihre Namen zu nennen, nachdem er im Januar 2000 eingerÀumt hatte, zwischen 1993 und 1998 etwa zwei Millionen DM an Spenden erhalten zu haben, die er dann am offiziellen Rechnungswerk der CDU vorbei in schwarze Kassen schleuste. Die Staatsanwaltschaft Bonn ermittelte gegen ihn wegen Untreue, Kohl blieb hart.

Völlig anders wiederum war Kohls VerhĂ€ltnis zu Angela Merkel. Seine politische Ziehtochter wird ihn nie vergessen, sie wurde Umweltministerin und tat alles, um das Gorleben-Projekt nicht ins Wanken geraten zu lassen. Er selbst war als Bundeskanzler nie vor Ort, anders als sein VorgĂ€nger Helmut Schmidt, auch Gerhard Schröder war zumindest als MinisterprĂ€sident Niedersachsens wiederholt im Wendland. Dieser sagte schließlich ĂŒber Kohl und sein Kabinett im Juni 1992: “Gegen den Bund ist nicht anzukommen.“

Wir haben dem Helmut Kohl so einiges zu „verdanken“ und werden auch das nicht vergessen: Als nach Abschluss der Tiefbohrungen in Gorleben, die damals federfĂŒhrende Bundesbehörde, die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB), die Empfehlung aussprach, neben Gorleben auch andere Standorte als mögliches Endlager zu untersuchen, intervenierte das politische Bonn massiv. Die BegrĂŒndung der PTB wurde aufgeweicht, es ging auf einmal nicht mehr um ein fehlendes toniges Wasser abweisendes Deckgebirge, der Salzstock wurde gelobt und fĂŒr „eignungshöffig“ erklĂ€rt. Aufgegeben wurde auch der Plan, der noch unter Helmut Schmidt galt, alternativ zu Gorleben einen anderen Standort zu untersuchen.

1982 wurde Schmidt durch ein konstruktives Misstrauensvotum gestĂŒrzt, die FDP lief zur CDU ĂŒber. Schließlich stimmte das Bundeskabinett unter Helmut Kohl am 13. Juli 1983 einer „untertĂ€gigen Erkundung“ zu, natĂŒrlich gleich in dem Stil, dass damit ein Bergwerk aufgefahren wurde. Unvergesslich!

Wolfgang Ehmke, Pressesprecher

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