Angriffe auf diplomatische Vertretungen von Venezuela nehmen zu

Gegner der Regierung von PrÀsident Nicolås Maduro mobilisieren gegen Botschaften und Konsulate. AktivitÀten suspendiert. Polizei in Deutschland ist informiert

Im Zuge der innenpolitischen Spannungen in Venezuela haben die Angriffe von Vertretern der Opposition auf diplomatische Vertretungen des sĂŒdamerikanischen Landes in der EuropĂ€ischen Union massiv zugenommen. Nach einer Attacke auf ein Kulturzentrum der venezolanischen Botschaft in der spanischen Hauptstadt Madrid Mitte Mai ist es auch in Deutschland und der Schweiz zu Ă€hnlichen VorfĂ€llen gekommen. Die Polizeibehörden haben in mindestens einem Fall einen stĂ€rkeren Schutz der Vertretungen zugesagt.

Angesichts der zunehmend polarisierten AtmosphĂ€re in Venezuela und der venezolanischen Gemeinde im Ausland war in den vergangenen Wochen auch in oppositionellen Internetforen eine Radikalisierung zu beobachten. In einer entsprechenden Facebook-Gruppe rief Userin Divrasca M. etwa zum Mord an fĂŒhrenden Politikern auf. „Geld sammeln und einen von diesen verdammten Auftragskillern engagieren, damit Maduro und (der VizeprĂ€sident der Regierungspartei PSUV, Diosdado) Cabello einen Schuss zwischen die Augen bekommen“, heißt es in dem Posting, das Ausdruck einer zunehmenden Radikalisierung ist. In Venezuela wurden nach Angaben der Regierung seit Beginn der Proteste mindestens 213 Mitglieder der SicherheitskrĂ€fte verletzt, 28 von ihnen mit Schusswaffen.

Vor diesem Hintergrund sehen venezolanische Diplomaten, die auch in Deutschland gemĂ€ĂŸ der Wiener Konvention besondere Schutzrechte genießen, die Angriffe durch Oppositionelle mit zunehmender Sorge. Nach einer internen Aufstellung ist es bislang zu sechs entsprechenden ZwischenfĂ€llen gekommen. Drei Angriffe seien auf die venezolanische Botschaft in Berlin erfolgt, zwei auf das Generalkonsulat des Landes in Frankfurt am Main und einer auf das venezolanische Generalkonsulat in Hamburg.

Amerika21 hatte bereits Anfang Mai berichtet, dass venezolanische Regierungsgegner zunehmend auch gegen kulturelle Veranstaltungen der diplomatischen Vertretungen vorgehen wollen. In sozialen Netzwerken kursierten damals schon Aufrufe, eine von der venezolanischen Botschaft mitorganisierte VorfĂŒhrung eines Spielfilms im spanischen Kulturinstitut fĂŒr politische Proteste zu nutzen. „Diese VorfĂŒhrung muss entschieden sabotiert werden“, schreibt die Userin Rosa E., die zugleich Videos des ehemaligen chilenischen Diktators Augusto Pinochet verbreitete.

In Hamburg drangen Oppositionsaktivisten am 16. Mai auf das GelÀnde des Generalkonsulats von Venezuela vor, um eine Protestaktion abzuhalten. Die venezolanischen Diplomaten verstÀndigten daraufhin die Polizei und einigten sich in einer Folgebesprechung auf einen stÀrkeren polizeilichen Schutz der Einrichtung. In Hamburg wurden, wie in Berlin, die öffentlichen AktivitÀten der diplomatischen Vertretungen inzwischen weitgehend suspendiert.

In der Schweiz war Venezuelas Botschafter CĂ©sar MĂ©ndez Anfang Mai von einer AnhĂ€ngerin der Opposition in einem Supermarkt verbal angegangen worden. Die Frau erkannte den Diplomaten zunĂ€chst nicht, machte ihn aber als AnhĂ€nger der sozialistischen Regierung aus, weil er eine typische rote SchirmmĂŒtze mit politischer Aufschrift trug. Nachdem die 37-jĂ€hrige den Botschafter und seine Frau anhaltend bedrĂ€ngte, wurde sie von Mitarbeitern des GeschĂ€ftes auf die Straße geleitet.

Die deutsche Bundesregierung sieht das zunehmend aggressive Vorgehen der venezolanischen Opposition bislang nicht als Problem an. FĂŒr die Gewalt in Venezuela seien „SicherheitskrĂ€fte der Regierung, paramilitĂ€rische KrĂ€fte und nur zu einem geringen Anteil Demonstranten“ verantwortlich, hieß es auf eine Anfrage der Linksfraktion Mitte Mai.

Erstveröffentlichung am 16.6.2017 auf Portal amerika21.de von Harald Neuber

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