Nur mit Piloten ist das Fliegen sicher!
Pressemitteilung der Vereinigung Cockpit e.V. vom 26.1.2017
Airbus Chef Tom Enders stellte auf der MĂŒnchner Internetkonferenz in seiner fĂŒr ihn typischen technokratischen Art seine Vision vom pilotenlosen Fliegen vor und begrĂŒndete dies damit, die Luftfahrt noch sicherer zu machen. Das letzte Hindernis seien die Bedenken der Passagiere, die jedoch geringer wĂŒrden.
Was er verschweigt ist, dass selbst die modernsten von seinen Ingenieuren entwickelten Flugzeuge jeden Tag auf das beherzte Eingreifen eines Piloten angewiesen sind. Jeden Tag finden etwa 100 000 FlĂŒge mit Verkehrsflugzeugen statt. Jeden Tag ist es auf hunderten dieser FlĂŒge aufgrund technischer AusfĂ€lle, wetterbedingter Umwege oder Unterbrechungen der Daten- oder Kommunikationsverbindungen notwendig, dass Piloten in die automatische FlugfĂŒhrung eingreifen.
Schaut man in das Handbuch eines modernen Airbusses, so findet man eine ganze Reihe von Kriterien, nach denen sich wĂ€hrend des Fluges der Autopilot selbstĂ€ndig abschaltet und das Flugzeug zur manuellen Steuerung und Fehleranalyse an den Piloten ĂŒbergibt. Grund dafĂŒr können der Ausfall einer Funkstation am Boden oder widersprĂŒchliche Messungen redundanter Sensoren sein. Selbst das Durchfliegen von Turbulenzen mit entsprechenden Schwankungen der Geschwindigkeit können bei Airbussen das Abschalten des Autopiloten zur Folge haben.
Das Jahr 2015 gilt mit weltweit 16 katastrophalen UnfĂ€llen als das sicherste in der Geschichte der Luftfahrt. Dass in diesem Jahr weltweit etwa 36 Millionen FlĂŒge absolviert wurden, von denen 35.999.984 ihr Ziel durch die Arbeit der Piloten unfallfrei erreichten, verschweigt er. Man kann davon ausgehen, dass aus SicherheitsgrĂŒnden bei Tausenden dieser FlĂŒge das professionelle Eingreifen der Piloten in die automatische FlugfĂŒhrung notwendig war, um einen Unfall zu verhindern.
FĂŒr Enders sind Passagier-Drohnen die Zukunft, fĂŒr das US-MilitĂ€r sind sie bereits Alltag. Die mehrere Millionen teuren FluggerĂ€te erreichen mittlerweile die GröĂe kleiner Verkehrsflugzeuge, und ersetzten seit Jahren bemannte Kampfflugzeuge.
Wenn Enders sich die militĂ€rischen Drohnen als Vorbild fĂŒr seine Vision des pilotenlosen Passagierflugs nimmt, sollte er einen Blick in deren Unfallstatistik werfen. Von den seit 12 Jahren beim US MilitĂ€r eingesetzten Drohnen-Kampfflugzeugen sind bereits ĂŒber 40% ohne Fremdeinwirkung abgestĂŒrzt. Die Maschinen der US-Luftwaffe wurden nicht abgeschossen, sondern von einem Problem heimgesucht, das sich nur bis zu einem gewissen MaĂ eingrenzen lĂ€sst. Alle der 2,5 Tonnen schweren „Reaper“-Drohnen fielen einfach vom Himmel. Teile der Elektronik hatten versagt. Der Verlust der Kommunikationsverbindung oder das mangelhafte Erkennen fliegerischer Risiken, wie Gewitter, fĂŒhrten ebenfalls zu AbstĂŒrzen.
ĂbertrĂ€gt man diese Statistik auf die etwa 20.000 Verkehrsflugzeuge, die weltweit im Einsatz sind, entsprĂ€che dies tĂ€glich einem Absturz zweier Passagierflugzeuge.
Bleibt zu hoffen, dass Herr Enders nicht den gleichen Fehler widerholt, als Airbus im Glauben an ihre Automatik das Training der manuellen Fertigkeiten so weit reduzierte, bis ihre Piloten mit SystemausfĂ€llen ĂŒberfordert, und nicht mehr in der Lage waren, einen Unfall zu verhindern.
Die Vereinigung Cockpit ist der Berufsverband des Cockpitpersonals in Deutschland. Er vertritt die berufs- und tarifpolitischen Interessen von derzeit rund 9.600 Mitgliedern bei sĂ€mtlichen deutschen Airlines und sieht darĂŒber hinaus seine Aufgabe in der Erhöhung der Flugsicherheit in Deutschland.
