Der Zusammenbruch der Moral des Westens
Ja ich weiĂ, und viele Leser werden sich beeilen mir mitzuteilen, dass der Westen nie eine Moral hatte. Dennoch ist alles schlimmer geworden.
Ich hoffe, dass Sie mir gestatten, meine Sicht der Dinge darzulegen, lassen Sie mich also darlegen, dass die Vereinigten Staaten von Amerika zwei Atombomben auf japanische StĂ€dte abgeworfen, Tokio mit Brandbomben verbrannt haben; dass das Vereinigte Königreich und die Vereinigten Staaten von Amerika Dresden und eine Reihe von weiteren deutschen StĂ€dten mit Brandbomben verbrannt haben, dass sie gemÀà einigen Historikern mehr destruktive Gewalt gegen die deutsche Zivilbevölkerung eingesetzt haben als gegen die Armee; dass PrĂ€sident Grant und seine BĂŒrgerkriegsverbrecher, die GenerĂ€le Sherman und Sheridan, Völkermord an den Indianern der Great Plains begangen haben; dass die Vereinigten Staaten von Amerika heute die mörderische Politik Israels gegen die PalĂ€stinenser ermöglichen, eine Politik, die ein Vertreter Israels mit dem völkermörderischen Vorgehen gegen die amerikanischen Indianer im 19. Jahrhundert verglichen hat; dass die Vereinigten Staaten von Amerika im neuen 21. Jahrhundert auf der Basis von erfundenen VorwĂ€nden den Irak und Afghanistan ĂŒberfallen und zahllose Zivilisten ermordet haben; und dass der britische Premierminister Tony Blair die britische Armee an seine amerikanischen Herren verliehen hat, wie es auch andere NATO-LĂ€nder getan haben, wobei alle diese LĂ€nder Kriegsverbrechen gemÀà den Standards von NĂŒrnberg begehen in LĂ€ndern, in denen sie keine nationalen Interessen verfolgen, sondern dafĂŒr von den Amerikanern bezahlt werden.
Ich meine nicht, dass diese paar Beispiele alles umfassen. Ich weiĂ, dass die Liste lĂ€nger und lĂ€nger wird. Dennoch erreicht, ungeachtet der langen Liste der Schrecken, die moralische Verkommenheit neue Tiefen. Die Vereinigten Staaten von Amerika foltern jetzt routinemĂ€Ăig Gefangene, obwohl das strikt nach amerikanischem und Internationalem Recht verboten ist, und eine neue Meinungsumfrage zeigt, dass der Anteil der Amerikaner, die die Folter befĂŒrworten, gröĂer wird. Er ist in der Tat sehr hoch, wenn er auch nicht die Mehrheit bildet.
Und wir haben, was ein neuer Nervenkitzel zu sein scheint: amerikanische Soldaten benĂŒtzen den Deckmantel des Krieges, um Zivilisten zu ermorden. Vor kurzem wurden amerikanische Soldaten verhaftet, weil sie afghanische Zivilisten zum SpaĂ ermordet und TrophĂ€en wie Finger und Totenköpfe gesammelt haben.
Diese EnthĂŒllung erfolgte kurz nach der angeblichen Weitergabe eines Videos der Armee der Vereinigten Staaten von Amerika durch Bradley Manning, das amerikanische Soldaten in Helikoptern und ihre tausende Meilen entfernten Kontroller zeigte, wie sie sich eine Hetz daraus machten, Presseleute und afghanische Zivilisten per Joysticks zu ermorden. Manning trĂ€gt die schwere Last eines moralischen Gewissens, das von seiner Regierung und seinem MilitĂ€r verworfen worden ist, und Manning wurde verhaftet, weil er dem Gesetz gehorcht und dem amerikanischen Volk ĂŒber diese Kriegsverbrechen berichtet hatte.
Der Abgeordnete zum ReprĂ€sentantenhaus Mike Rogers aus Michigan, natĂŒrlich ein Republikaner, Mitglied des Unterausschusses fĂŒr Terrorismus, hat Mannings Hinrichtung verlangt. Laut dem Abgeordneten des ReprĂ€sentantenhauses der Vereinigten Staaten von Amerika Rogers stellt der Bericht ĂŒber ein amerikanisches Kriegsverbrechen einen Verrat dar.
In anderen Worten, dem Gesetz zu gehorchen ist âVerrat an Amerika.â
Der Abgeordnete Rogers sagte, dass Amerikas Kriege von einer âKultur der EnthĂŒllungâ untergraben werden und dass diesem âernsten und wachsenden Problemâ nur durch die Exekution Mannings Einhalt geboten werden kann.
Wenn der Abgeordnete reprĂ€sentativ fĂŒr Michigan steht, dann ist Michigan ein Staat, den wir nicht brauchen.
Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika, eine Quelle imperialer Ăberheblichkeit, glaubt nicht, dass irgendeine Tat, die sie begeht, ganz egal wie widerwĂ€rtig, möglicherweise ein Kriegsverbrechen sein könnte. Eine Million toter Iraker, ein verwĂŒstetes Land und vier Millionen vertriebene Iraker sind allesamt gerechtfertigt, da die âbedrohteâ Supermacht Vereinigte Staaten von Amerika sich vor nicht existierenden Waffen der Massenvernichtung schĂŒtzen musste, von denen die Vereinigten Staaten von Amerika ganz genau wussten, dass es diese im Irak nicht gab und auch keine Bedrohung fĂŒr die Vereinigten Staaten von Amerika darstellen hĂ€tten können, wenn es sie im Irak gegeben hĂ€tte.
Wenn andere LĂ€nder versuchen, die internationalen Gesetze anzuwenden, die die Amerikaner aufgestellt hatten, um die im Zweiten Weltkrieg besiegten Deutschen hinzurichten, macht sich die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika ans Werk und blockiert den Versuch. Vor einem Jahr am 8. Oktober hob der spanische Senat, indem er seinem amerikanischen Herrn brav gehorchte, die spanischen Gesetze betreffend die universelle RechtszustĂ€ndigkeit auf, um ein ordnungsgemĂ€Ăes Verfahren wegen Kriegsverbrechen gegen George W. Bush, Barack Obama, Tony Blair und Gordon Brown abzudrehen.
Der Westen schlieĂt auch Israel ein, und dort reichen die Horrorgeschichten ĂŒber 60 Jahre. Noch schlimmer, wenn man eine davon erwĂ€hnt, wird man zum Antisemiten erklĂ€rt. Ich erwĂ€hne sie nur, um zu beweisen, dass ich weder Antiamerikaner, Antibrite noch Anti-NATO bin, sondern schlicht und einfach gegen Kriegsverbrechen. Es war der anerkannte zionistische jĂŒdische Richter Goldstone, der den UNO-Bericht verfasste, der darauf hinwies, dass Israel Kriegsverbrechen begangen hat, als es die Zivilbevölkerung und die zivile Infrastruktur von Gaza angegriffen hat. DafĂŒr erklĂ€rte Israel den Zionisten Goldstone zum âsich selbst hassenden Judenâ und der Kongress der Vereinigten Staaten von Amerika stimmte auf Empfehlung der israelischen Lobby dafĂŒr, den Goldstone-Bericht an die UNO zu ignorieren.
Wie der Vertreter Israels sagte: wir machen mit den PalÀstinensern nur, was die Amerikaner mit den amerikanischen Indianern gemacht haben.
Die israelische Armee benĂŒtzt weibliche Soldaten, die vor Videomonitoren sitzen und per Fernbedienung Maschinengewehre abfeuern, um PalĂ€stinenser zu ermorden, die kommen, um auf ihren Feldern zu arbeiten, die innerhalb von 1.500 Metern von der geschlossenen Zone rund um das Ghetto Gaza gelegen sind. Es gibt keinen Hinweis, dass diese israelischen Frauen sich was draus machen, wenn sie junge Kinder und alte Leute abknallen, die auf ihre Felder gehen.
WÀren die Verbrechen beschrÀnkt auf Krieg und Landdiebstahl, könnten wir vielleicht sagen, dass es sich um einen Fall von Chauvinismus handelt, der abweicht von der traditionellen Moral, die ihrerseits noch immer aufrecht ist.
Der Zusammenbruch der Moral erstreckt sich allerdings auf zu viele Bereiche. Einige Sportteams haben neuerdings eine um-jeden-Preis-gewinnen-Einstellung, die PlĂ€ne mit einschlieĂt, die Spielerstars der gegnerischen Teams zu verletzen. Um diesen Kontroversen zu entgehen, wenden wir uns lieber den Formel I-Rennen zu, wo 200 Meilen pro Stunde normal sind.
Bis 1988, 22 Jahre ist es her, gab es Tote auf der Rennstrecke bedingt durch Fahrerirrtum, technisches Versagen und schlecht gefĂŒhrte Strecken mit Sicherheitsrisken. Weltmeister Jackie Stewart tat viel, um die Sicherheit der Rennstrecken zu verbessern, sowohl fĂŒr die Fahrer als auch fĂŒr die Zuschauer. Aber 1988 Ă€nderte sich alles. Spitzenfahrer Ayrton Senna drĂ€ngte einen weiteren Spitzenfahrer, Alain Prost, bei 300 kmh gegen eine Baugrubenwand. Laut Auto Week (vom 30. August 2010) war bis dato nichts dergleichen gesehen worden. âDie FunktionĂ€re bestraften Sennas Vorgangsweise an diesem Tag in Portugal nicht, und eine signifikante Ănderung bei Autorennen begann.â Was der groĂe Rennfahrer Stirling Moss als âschmutziges Fahrenâ bezeichnete wurde zur Norm.
Nigel Roebuck berichtet in Auto Week, dass Weltmeister Damon Hill 1996 sagte, dass Sennas um-jeden-Preis-gewinnen-Taktik âverantwortlich war fĂŒr einen grundlegenden Wechsel in der Ethik des Sports.â Die Fahrer griffen zu âterroristischen Taktiken auf der Strecke.â Damon Hill sagte, dass âich die Ansichten, die ich von meinem Vater (dem zweifachen Weltmeister Graham Hill) und Leuten wie ihm mitbekommen habe, bald fahren lassen musste,â weil man feststellte, dass es es keine Strafe fĂŒr den Kerl gab, der versuchte dich umzubringen, damit er gewinnen konnte.
Zur Ethik im modernen Formel I-Rennen sagte der amerikanische Weltmeister Phil Hill: âSo etwas war zu meiner Zeit einfach unvorstellbar. Um nur eines zu sagen, wir glaubten, dass bestimmte Taktiken inakzeptabel waren.â
Im heutigen moralischen Klima des Westens gehört es zum Gewinnen, einen anderen begabten Fahrer bei 320 kmh an die Wand zu fahren. Michael Schumacher, geboren im Januar 1969, ist siebenfacher Weltmeister, ein einsamer Rekord. Auto Week berichtet, dass Schumacher am 1. August beim ungarischen Grand Prix versuchte, seinen ehemaligen Teamkameraden bei Ferrari Rubens Barrichello bei 320 kmh an die Wand zu fahren.
Konfrontiert mit seinem Versuch, jemanden umzubringen, sagte Schumacher: âDas ist die Formel I. Jeder weiĂ, dass ich keine Geschenke verteile.â
Das tun auch nicht die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika, noch die Regierungen der Bundesstaaten und Kommunen, noch die Regierung des Vereinigten Königreichs, noch die EuropÀische Union.
Die Entartung der Polizei, von der viele Amerikaner in ihrem ungebildeten Dasein als naive GlĂ€ubige an âRecht und Ordnungâ noch immer glauben, sie sei âauf ihrer Seite,â hat neue Dimensionen angenommen mit der Militarisierung mit dem Ziel, âTerroristenâ und âheimische Extremistenâ zu bekĂ€mpfen.
Die Polizei ist auĂer Kontrolle geraten, nachdem die zivilen Polizeigremien von den Konservativen abgeschafft worden waren. Kinder schon im Alter von 6 Jahren wurden in Handschellen ins GefĂ€ngnis abgefĂŒhrt wegen VorfĂ€llen in der Schule, die sich ereignet haben mögen oder auch nicht. Nicht anders ist es auch MĂŒttern mit einem Auto voller Kinder ergangen.
Jeder, der ĂŒber Google Videos ĂŒber unnötige Gewaltanwendung der Polizei in den Vereinigten Staaten von Amerika sucht, wird zehntausende Ergebnisse bekommen, und das, nachdem gemÀà den neuen Gesetzen das Filmen von PolizeiĂŒbergriffen ein schweres Verbrechen darstellt. Vor einem oder zwei Jahren hĂ€tte man hunderttausende derartige Videos gefunden.
In einem der letzten der vielen tĂ€glichen VorfĂ€lle von unnötiger Misshandlung von BĂŒrgern durch die Polizei wurde einem 84 Jahre alten Mannes das Genick gebrochen, weil er sich einer nĂ€chtlichen Abschleppung seines Wagens widersetzte. Der Polizeirowdy schlug den 84-jĂ€hrigen nieder, wobei sich dieser das Genick brach. Das Polizeidepartment in Orlando, Florida sagt, der alte Mann wĂ€re eine âBedrohungâ fĂŒr den wohlbewaffneten viel jĂŒngeren Polizeistrolch gewesen, weil der alte Mann seine Faust geballt habe.
Die Amerikaner werden das erste Volk sein, das geradeaus in die Hölle geschickt wird, wĂ€hrend sie glauben, dass sie das Salz der Erde sind. Die Amerikaner haben sich sogar selbst einen Titel zugeeignet, um mit der Selbstbeschreibung der Israelis als âGottes auserwĂ€hltes Volkâ gleichzuziehen. Die Amerikaner bezeichnen sich selbst als âdas unentbehrliche Volk.â
Orginalartikel The Collapse of Western Morality vom 24.9.2010
Quelle: http://antikrieg.com/aktuell/2016_05_12_derzusammenbruch.htm
