Die Mutter aller Schlachten
New York â In diesem Monat jĂ€hrt sich der Krieg gegen den Irak zum zehnten Mal.
Im Oktober 2002 schrieb ich eine Titelgeschichte fĂŒr die erste Ausgaben des American Conservative Magazine unter dem Titel âThe March to Follyâ (Der Marsch zur Torheit). Mein Artikel sagte voraus, dass der bevorstehende Einmarsch in den Irak zu einer Katastrophe fĂŒr alle Beteiligten wĂŒrde.
Der einzige Sieger eines Krieges gegen den Irak, schrieb ich, wĂŒrde Israel sein, dessen nukleares Monopol und regionale Vorherrschaft sichergestellt wĂŒrde. So ist es auch eingetreten.
Der Irak war aufgespalten in schiitische, sunnitische und kurdische Regionen. Die Wut gegen die Vereinigten Staaten von Amerika erreichte eine neue IntensitĂ€t. Die gigantische Rechnung fĂŒr den Krieg gegen den Irak belief sich auf eine Billion Dollar, zur GĂ€nze versteckt in den rasch steigenden Staatsschulden der Vereinigten Staaten von Amerika. Nahezu 5.000 Soldaten der Vereinigten Staaten von Amerika wurden getötet, rund 50.000 verwundet, viele davon mit schweren Gehirnverletzungen. Die Angaben ĂŒber die irakischen Opfer sind ungewiss, aber die Gesamtzahl dĂŒrfte eine Million ĂŒbersteigen.
Teile des Irak sind verseucht durch Uranmunition der Vereinigten Staaten von Amerika und des Vereinigten Königreichs. Krankheiten, die unter Saddam Hussein ausgerottet worden waren, sind wieder zurĂŒckgekehrt. Saddams sadistische Geheimpolizei wurde ersetzt durch die nahezu gleich grausamen SicherheitskrĂ€fte des von den Vereinigten Staaten von Amerika gestĂŒtzten Regimes in Bagdad. Einst unter den fortgeschrittensten arabischen LĂ€ndern, ist heute ein groĂer Teil des Irak ruiniert. Wenigstens bedroht er nicht lĂ€nger seine Nachbarn.
Erstaunlicherweise feiern Amerikas Rechte und Medien diese Katastrophe als Sieg. Viele Amerikaner glauben noch immer die LĂŒgen der Bush-Administration, dass Saddam Hussein hinter den Attacken des 9/11 steckte. Einige glauben auch immer noch, dass der Irak ĂŒber Waffen der Massenvernichtung verfĂŒgte, welche Nordamerika bedrohten.
Die Politiker, die diesen Krieg ausheckten, nĂ€mlich George W. Bush, Dick Cheney und Britanniens Tony Blair, sind jedem Antrag auf Strafverfolgung wegen IrrefĂŒhrung ihrer Völker in einen Konflikt entgangen, dessen Ziel es war, die ungeheuren Erdölreserven des Irak an sich zu reiĂen und einen Feind Israels zu zerschlagen.
GleichermaĂen sind die vielen Zeitungs- und TV-Journalisten und Kommentatoren, die als Einpeitscher fĂŒr den Krieg fungierten und die LĂŒgen aufrecht hielten, noch immer groĂ in der Ăffentlichkeit. Nicht anders auch die sogenannten militĂ€rischen Experten, die sich fĂŒr den Krieg einsetzten. Anstatt wie begossene Pudel nach dem Krieg abzuziehen, schalteten sie einfach ihre Aufmerksamkeit um gegen den Iran.
Besonders erschreckend ist, dass die entscheidende Roller der Pro-Kriegs-Neokonservativen bei der Betreibung des Krieges den Amerikanern nie voll enthĂŒllt worden ist. Dennoch verband sich immer wieder ein proisraelischer Neokonservativer mit den groĂe aggressiven ĂlmĂ€nnern wie Cheney und Rumsfeld, um die Vereinigten Staaten von Amerika in einen völlig unnötigen Krieg gegen den ehemaligen VerbĂŒndeten der Vereinigten Staaten von Amerika Saddam Hussein zu fĂŒhren. Israels FĂŒhrer Ariel Sharon donnerte: âDie StraĂe nach Teheran fĂŒhrt durch Bagdad.â
Die kleine Anzahl amerikanischer Journalisten, Mittelostanalysten, Experten in CIA und AuĂenministerium, welche Bushs absurde Behauptungen hinsichtlich der angeblichen Atomwaffen und âTodesdrohnenâ des Irak anzuzweifeln wagten, verloren ihre Jobs und blieben kaltgestellt bis zum heutigen Tag.
Der Verfasser dieses Artikels zum Beispiel war einer der ersten, der öffentlich versichert hat, dass der Irak keine Waffen der Massenvernichtung besitzt und ĂŒber keine Transportmittel, sogar wenn er ĂŒber solche verfĂŒgte. Zu meinem Leidwesen kam ich auf die Schwarze Liste eines bedeutenden TV-Netzwerks der Vereinigten Staaten von Amerika, fĂŒr das ich regelmĂ€Ăig berichtet habe. Weitere Platzierungen auf Schwarzen Listen folgten.
Bushs moderner Kreuzzug gegen den Irak diskreditierte die groĂen Medien in den Augen vieler junger Amerikaner und fĂŒhrte dazu, dass diese sich immer mehr auf das Internet verlieĂen. Umfragen zeigten, dass nur 24% der Amerikaner darauf vertrauten, dass die Medien ihnen die Wahrheit sagten. Die Medien der Vereinigten Staaten von Amerika waren mit wenigen Ausnahmen den Weg der alten sowjetischen Medien gegangen und agierten als Sprecher fĂŒr die Regierung statt als Tribunen fĂŒr die Allgemeinheit.
Der Krieg gegen den Irak beschleunigte die Militarisierung der Gesellschaft der Vereinigten Staaten von Amerika und die FĂŒhrung der AuĂenpolitik, und beschnitt weiter die individuellen Freiheiten, die schon infolge der Attacken des 9/11 gefĂ€hrdet waren. Er bĂŒrdete den Vereinigten Staaten von Amerika drĂŒckende Schulden auf. WĂ€hrend BrĂŒcken und Strassen in ganz Amerika zerbröckelten, gaben die Vereinigten Staaten von Amerika $80 Milliarden fĂŒr den âWiederaufbauâ des Irak aus. Nahezu dieser gesamte Betrag wurde gestohlen und ward nie mehr gesehen.
Die Zerschlagung des Irak, eines kleinen Landes mit 24 Millionen Einwohnern, gebeutelt durch AufstĂ€nde und zugrunde gerichtet durch Sanktionen, wurde in schamloser Weise von den Medien und Politikern der Vereinigten Staaten von Amerika gepriesen als gewaltiger Sieg der amerikanischen Waffen so Ă€hnlich wie der Zweite Weltkrieg. Der greise FĂŒhrer der Republikaner der Vereinigten Staaten von Amerika John McCain, ganz ĂŒbermĂŒtig durch den lustigen kleinen Krieg im Irak, sang: âBomb, bomb, bomb, bomb Iran.â
König Pyrrhus rief 279 v.Chr. nach einer brutalen blutigen Schlacht aus: âNoch so ein Sieg, und wir sind verloren!â
Orginalartikel The Mother of all Battles vom 16.MĂ€rz 2013
Quelle: http://www.antikrieg.com/aktuell/2013_03_16_diemutter.htm
