Entwurf fĂŒr eine Neue, Klassische Linke

Verfassungsorientiert, demokratisch, sĂ€kular, sozial, international solidarisch, nichtinterventionistisch und fĂŒr die Freiheit fĂŒr den Menschen.

Das fehlt. Hier und anderswo.

In Griechenland spielt sich derzeit der gleiche Prozess ab, wie er sich seit 2004 in der maßgeblich durch die PDS mitbegrĂŒndeten „EuropĂ€ischen Linken“ abspielt. Linke Politik soll unterworfen, zerschlagen, kontrolliert werden – genauso wie die souverĂ€nen Demokratien auf dem Kontinent Europa, explizit diejenigen im Einflussbereich des Euro-Kapitalismus. Wovor ich am 13. Mai gewarnt habe und was gegenĂŒber Radio Utopie von einem hochrangigen Syriza-Sprecher als rein „technischer Schritt“ verkauft wurde, wird nun derzeit in Griechenland exzessiv vorangetrieben: die Transformation einer Koalition der Radikalen Linken (Syriza) zu einer Unterpartei der linientreuen Einheitspartei Paneuropas und des Euro-Kapitalismus, der „EuropĂ€ischen Linken“. Am ersten Dezember-Wochenende soll dies von Delegierten der bisherigen Syriza-Koalition beschlossen werden.

Kleiner Reminder

Am 20. April 2007 dachte ich fĂŒr den Wahlkampf der „Sozialisten“ in Frankreich (Unterpartei der „EuropĂ€ischen Linken“) an den bis dato unentdeckten Slogan „La Republique cÂŽest toi“ („Die Republik bist Du“). Dass jetzt in Griechenland die Plakate hĂ€ngen mit „Syriza bist Du“ nehme ich persönlich.

Am 28. Oktober 2007 wies ich auf die Notwendigkeit des dreidimensionalen Denkens in der Definition von Politik hin (links-rechts, oben-unten, vor-zurĂŒck), da eindimensional links-rechts betrachtet die Spitze der Pyramide die Mitte der Gesellschaft darstellt. In 2008 grĂŒndete sich, potzblitz, linksunten.indymedia.com und veröffentlichte seitdem ausschließlich faire Weisheiten, gerade ĂŒber mich und andere Nichtuntertanen des linken Spektrums.

Am 28. Mai 2008 schrieb ich ĂŒber den Aufruf „Links-LibertĂ€r“ von Robert Zion. Jede und jeder sollte sich selbst fragen, was und wer ab diesem Zeitpunkt plötzlich angewetzt kam, auch diesem politischen Begriff „libertĂ€r“ auf den Schoß sprang und begann wild darauf herum zu hĂŒpfen.

Anfang 2012 wurde ein internes Dossier aus „Die Linke“ bekannt, mit Zersetzungs- und Diffamierungsmethoden gegen Nichtuntertanen oder renitente Dissidenten wider den Kadergeist. Mein Lieblingsatz daraus, der es so ziemlich auf den Punkt bringt:

„UnfĂ€hige gewĂ€hren lassen, FĂ€hige kompromittieren“

Ich möchte nur kurz, zum wiederholten Male, daraufhin weisen, dass es der derzeitige Finanzminister Wolfgang SchĂ€uble war, der in seiner Zeit als Innenminister (2005-2009) persönlich dafĂŒr sorgte dass V-MĂ€nner in linken und rechten Partei bzw Gruppen aus dem gleichen Referat des Bundesamtes fĂŒr Verfassungsschutz gefĂŒhrt werden, wogegen sogar der PrĂ€sident dieses bundesweiten Inlandsgeheimdienstes protestierte.

Und ganz ehrlich – mich wunderte es nicht, dass nach einem Aufruf der Freunde des Grundgesetzes (ich bin stellvertretender Vorsitzender dieses gemeinnĂŒtzigen Vereins) fĂŒr eine Demonstration am 8. Juni auf dem Platz der Republik unter dem Motto „Ja zum Grundgesetz heißt Nein zum ESM. Ja zu Republik und souverĂ€nen Staaten in Europa. Nein zur Finanzdiktatur” – in dem vor einer bizarren Querfront von Antidemokraten, die vom Banken-Kartell, Industrie-Magnaten und transnationalen Konzernen ĂŒber sogenannte ÂŽPro-EuropĂ€erÂŽ in allen etablierten politischen Organisationen, Parteien, Gewerkschaften bis hin zu extremistischen Gruppierungen reicht“ gewarnt wurde – drei Tage vor der Demonstration die NPD zu unserer Veranstaltung aufrief und nur Stunden spĂ€ter anonym ein Artikel auf linksunten.indymedia.com bekannt gab, ich und die Freunde des Grundgesetzes wĂŒrden zusammen mit der NPD als „Querfront“ zu einer Demonstration aufrufen.

Wenn man wie ich seine linken Pappenheimer kennt – die seit 2001 fĂŒr den „emanzipatorischen“, „pro-europĂ€ischen“ bzw „pro-amerikanischen“ Zweck alle Mittel als heilig ansehen, Kriege, Zersetzung von BĂŒrger- und Verfassungsrecht inklusive  – kann einen nichts mehr erschĂŒttern.

Wie die Wenigsten wissen, war ich fĂŒr die Berliner Abgeordnetenhauswahlen in 2006 Direktkandidat der heute verdrĂ€ngten und grĂ¶ĂŸtenteils vergessenen „Wahlalternative fĂŒr Arbeit und Soziale Gerechtigkeit“ (WASG), einer linken Alternative zur PDS/Linkspartei. Damals antwortete ich auf Fragen auf Abgeordnetenwatch.de, warum ich gegen eine „rot-rote“ Stadtregierung mit solchen emanzipatorischen Vorreitern wie Finanzsenator Thilo Sarrazin kandidierte:

„Die Regierung in Berlin steht bereits rechts. Und sie ist schlimmer und antisozialer als jede andere vor ihr, die wenigstens nominell noch eine linke Opposition hatte.
Der WĂ€hler wollte eine starke Linke in Berlin und bekam eine starke PDS. Das Ergebnis war der ĂŒbelste Verrat, der hier jemals in dieser Stadt an emanzipatorischen und sozialen KrĂ€ften begangen wurde.
Teil der umbenannten Neocons der PDS Berlin zu sein ist eine Schande, sie zu wÀhlen eine Dummheit ohnegleichen, und sie links zu nennen entweder bezahlte oder gerade noch entschuldbare Ignoranz.

Ich werde niemals in diese Partei eintreten und ganz nebenbei, auch alles daran setzen, daß dieses Neocon-Konstrukt zur Kontrolle und Neutralisierung der Linken in Deutschland nie wieder in den Bundestag, sondern eine bundesweite soziale Alternative um die Ohren bekommt die dieser schĂ€ndlichen Kollaboration des alten SED-Apparates mit dem Establishment endgĂŒltig ein Ende macht.“

Daran habe ich mich gehalten und sehe mich auf einem guten Weg meine Ansagen an diese 2007 als „Die Linke“ gegrĂŒndete Partei („Ich mach Euch Penner fertig, und wenn es das Vorletzte ist was ich tue“) vollstĂ€ndig umzusetzen.

Historischer Hintergrund

Worauf ich bereits mehrfach verwies, ist das Fehlen jedweder klassischen linken Politik im gesamten U.S.-Einflussbereich bzw den ökonomisch „ĂŒbergeordneten“ Regionen des Kapitalismus auf den verschiedenen Kontinenten.

Mit dem Zerfall des konkurrierenden Machtblocks der Sowjetunion 1990/91 sah sich der Kapitalismus und seine KrĂ€fte als siegreich und ĂŒberlegen und machte sich entsprechend auf einen mal schleichend, mal blitzkriegartigen Feldzug rund um den Planeten – getrieben von einem aus Modellen von MilitĂ€rs und Mathematikern des Kalten Krieges entwickelten Bild des Menschen als einem ausschließlich durch Selbstsucht, Eigennutz und taktischen Verhalten getriebenen Wesen. (Ich empfehle dazu ausdrĂŒcklich die BBC-Filmreihe “The Trap”: Wie Psychologie und Menschenbild des heutigen Kapitalismus erfunden wurden)

Mit Kriegsausbruch in 2001 begann dann wie auf Knopfdruck ein Angriff auf die bereits systematisch aufgeweichten, verwĂ€sserten und sabotierten klassischen linken Positionen, Parteien, Gruppen und Positionen in den parlamentarischen Demokratien auf den verschiedenen Kontinenten. Das Resultat war, dass Millionen Asiaten und Afrikaner, explizit Angehörige der muslimischen Religion, in EroberungsfeldzĂŒgen eines neuen Kolonialismus der alten „westlichen“ GroßmĂ€chte starben, im Hinterland der kriegfĂŒhrenden Staaten Verfassungen und Demokratien systemisch und wie programmiert unaufhörlich angegriffen wurden (im Zuge von Attentaten, die denen noch mehr ErmĂ€chtigungen verschafften die sie hĂ€tten verhindern mĂŒssen) und der Kapitalismus in eine historisch selbst zu Zeiten des Ersten Imperialismus zu Beginn des 20. Jahrhunderts nie gekannte, weil oppositions- und konkurrenzfreie BlĂŒtezeit rauschte.

Möglich war dieser historische Verrat – in Deutschland der grĂ¶ĂŸte seit dem Ausbleiben des Aufrufs zum Generalstreik im aufziehenden Faschismus in Deutschland 1933 durch SPD, KPD und ADGB – bzw das historische Versagen der gesamten Linken weltweit auch durch eine neue, quasi klerikale Inquisition, die alle von den Darstellungen der Regierungen und Regierungsbehörden abweichenden Thesen, Meinungen, Ermittlungen – so unterschiedlich und gegensĂ€tzlich diese auch sein mochten – pauschal zusammen einordnete und als „Verschwörungstheorie“ stigmatisierte (hier ein Anleitung zur Neutralisierung dieses Kriegsbegriffs).

Entwurf fĂŒr eine neue, klassische Linke, in europĂ€ischen Staaten und anderswo

– verfassungsorientiert, verfassungspatriotisch, verfassungstreu

Ein Beispiel zu Anfang: Man kann den Ägyptern derzeit nicht raten verfassungspatriotisch oder verfassungstreu zu agieren, da sie nach der Revolution sowohl von den KrĂ€ften der alten Nomenklatura der Diktatur, von den dahinter stehenden GroßmĂ€chten (U.S.A., europĂ€ische Staaten, Saudi-Arabien, etc), als auch den Politikreligiösen verraten und verkauft wurden und immer noch keine Verfassung haben. Die Muslimbruderschaft, die sich lĂ€ngst mit Washington und dem MilitĂ€r geeinigt hat, ist dabei nun selbst eine antidemokratische und nicht den Menschenrechten entsprechende Verfassung zu installieren. Was man den Dissidenten und (links)republikanischen KrĂ€ften in Ägypten aber dringend raten muss, ist nicht dem Streben nach Macht zu erliegen, sondern das Streben nach Recht zu verfolgen.

Selbst nach den MaßstĂ€ben der kapitalistisch geprĂ€gten MentalitĂ€t der ĂŒberwĂ€ltigenden Mehrheit der Bevölkerung in Ägypten und anderswo („die wollen alle nur mein Bestes, das sind alles BetrĂŒger, da kann man nur mitmachen sonst geht man unter“) ist es plausibel nicht auf Menschen, sondern VertrĂ€ge zu vertrauen; rechtsverbindliche VertrĂ€ge, die die Macht des Menschen und des Kapitals einschrĂ€nken. Auch der Nationalismus, der nur und immer zerstörend wirkt und nie Positives schafft, wird so maßgeblich neutralisiert. Die „Nation“ ist ein zutiefst persönlicher, privater Begriff, unter dem alle etwas anderes verstehen. Die „Nation“ kann somit keine politische Konstante und kein politischer Begriff sein, sondern lediglich ein Vehikel fĂŒr tatsĂ€chliche, im Schatten stehende politische und wirtschaftliche Ziele.

Eine z.B. in Deutschland verfassungspatriotische, verfassungstreue Linke in Deutschland sehe ich mĂŒhelos bei 20 Prozent, da die alten Ressentiments des Kalten Krieges („die wollen Diktatur und sind fĂŒr Terror und Gewalt“) neutralisiert wĂŒrden. Genau das ist einer der GrĂŒnde dafĂŒr, dass neben allen anderen Bundestagsparteien, dem DGB, Bankern, Industriemagnaten und der Piratenpartei auch „Die Linke“ das Grundgesetz bereits in Frage gestellt und dessen Abschaffung gefordert hat.Ich erinnere mich diesbezĂŒglich auch noch sehr gut daran, wie auf dem Bundesparteitag der WASG in 2005 der bis dahin abgetauchte Oskar Lafontaine erschien, den Verzicht eines Antritts der WASG zur (urplötzlich vorgezogenen) Bundestagswahl zugunsten der PDS forderte, die Aufhebung des absoluten Folterverbots rechtfertigte und von Arbeitern in der Republik als „Fremdarbeitern“ sprach. In der Folge sanken die Umfrageergebnisse eines linken BĂŒndnisses von PDS und WASG von fĂŒnfzehn Prozent auf acht. WĂ€ren sie bei fĂŒnfzehn Prozent geblieben und wĂ€re eine entsprechend starke Bundestagsfraktion von PDS und WASG Abgeordneten in den Bundestag eingezogen – wer in der WASG hĂ€tte dann fĂŒr einen Anschluss an die PDS gestimmt, deren Umfrageergebnisse noch im FrĂŒhjahr 2005 bei vier Prozent gelegen hatten? Und welches Schicksal hĂ€tte die heutige „Linksfraktion“ erlitten, die bis heute immer noch offiziell eine gemeinsame ist?

Selbst eine verfassungstreue neue, linkssoziale und demokratische Partei mit (zunĂ€chst) 3 Prozent WĂ€hleranteil wĂŒrde ausreichen die gesamte (inoffizielle und vor allem informelle) Machtarchitektur in Deutschland zum Kollabieren zu bringen, wenn sie endlich aktiv öffentlich arbeiten und die Bevölkerung nicht nur mit Informationen, sondern auch mit Hintergrundwissen versorgen wĂŒrde. Genau das passiert aber nicht. Auch das ein deutliches Symptom dafĂŒr, dass unsere Demokratie – exakt wie in allen anderen auf dem Kontinent – massiv sabotiert wird durch (Einheits)Parteien und gleichgeschalteter Informationsindustrie unter flexibler falscher Flagge.

– demokratisch

PrĂ€misse und PrimĂ€rziel der KrĂ€fte aller Privilegierten, herrschenden Kreise und ihrer Diener ist die Aufrechterhaltung ihrer Macht und Gesellschaftsstruktur. Der vom britischen Inlandsgeheimdienst MI5 jahrzehntelang „beobachtete“ George Orwell ließ es in seinem 1949 erschienenen Buch „1984“ den Geheimdienstoffizier der Inneren Partei wie folgt sagen:

„Eine herrschende Gruppe ist so lange eine herrschende Gruppe, als sie ihre Nachfolger bestimmen kann. Der Partei geht es nicht darum, ewig ihr Blut, sondern sich selbst ewig zu behaupten. Wer die Macht ausĂŒbt, ist nicht wichtig, vorausgesetzt, dass die hierarchische Struktur immer dieselbe bleibt. Alle fĂŒr unsere Zeit charakteristischen Überzeugungen, Gewohnheiten, Geschmacksrichtungen, Meinungen, geistigen Einstellungen sind in Wirklichkeit dazu bestimmt, das Mystische der Partei aufrecht zu erhalten und zu verhindern, dass die wahre Natur der heutigen Gesellschaftsordnung erkannt wird. Leibliche Auflehnung oder jeder auf Auflehnung abzielende Schritt ist gegenwĂ€rtig nicht möglich. Von den Proletariern ist nichts zu befĂŒrchten. Sich selbst ĂŒberlassen, werden sie von Generation zu Generation und von Jahrhundert zu Jahrhundert fortfahren zu arbeiten, Kinder in die Welt zu setzen und zu sterben, nicht nur ohne jeden Antrieb zu rebellieren, sondern ohne sich auch nur vorstellen zu können, dass die Welt anders sein könnte, als sie ist. Sie könnten nur gefĂ€hrlich werden, wenn die fortschreitende Entwicklung der industriellen Technik es notwendig machen sollte, ihnen eine höhere Erziehung angedeihen zu lassen.“

Ich denke, wir verstehen uns.

– sĂ€kular

Milliarden von Menschen glauben an die Existenz eines oder mehrerer Wesen höherer oder heiliger Art. Man nennt dieses (fĂŒr eine verschwindende Minderheit extremistische) Verhalten im allgemeinen „religiös“. Man kann nun los gehen und all diese Religionen verteufeln und verbieten und deren jeweilige (mutmaßliche) GlĂ€ubigen auf jeweilige prĂ€ventive Scheiterhaufen schmeißen bzw in echt westliche GeheimgefĂ€ngnisse stopfen. Und es gibt Leute, die tun das auch.

Man kann den Menschen aber auch einfach folgendes erklÀren:

SĂ€kular ist nicht atheistisch. SĂ€kular zu sein heißt die simple Auffassung zu vertreten, dass es sich bei der Politik zwar nicht um das Ă€lteste, aber um das schmutzigste Gewerbe der Menschheit handelt und dass der Versuch dieses schmutzigste Gewerbe a.k.a. GeschĂ€ft der Menschheit einem AllmĂ€chtigen oder einer Gottheit ĂŒberzustĂŒlpen nach jeder Religion als das ĂŒbelste Sakrileg von allen gelten sollte.

– sozial

Es gibt in der Geschichte viele Begriffe fĂŒr nettes Verhalten gegenĂŒber seinen Mitmenschen. DiesbezĂŒglich muss erklĂ€rt werden – wer sich durch anonyme Gesellschaftswiderspruchautoren und ihre gestreuten MenschheitsgerĂŒche (kein Schreibfehler) bereits in Grund und Boden hat versauen lassen, dem sei gesagt: Nett ist nicht der kleine Bruder, sondern der kleine Gegner von Sch..ße.

Nettes Verhalten galt frĂŒher einfach als human, eben menschlich. Manche sagten sogar christlich dazu, aber das war ein anderes Jahrhundert. Im Allgemeinen ist darunter zu verstehen, Menschen denen es nicht so gut geht etwas zu helfen und Menschen die schon mehr Geld haben als sie ausgeben wollen („Reiche“) nicht noch mehr Geld zu geben was sie nicht ausgeben.

Dazu muss man natĂŒrlich wissen, dass der Kapitalismus (wenn man ihn denn unbedingt haben will) aus Angebot und Nachfrage besteht. Auch das ist heutzutage schwer zu begreifen, deshalb sei es schnell erklĂ€rt:

Geben Sie irgendeinem armen Schlucker – arbeitend, arbeitslos, inlĂ€ndischer oder auslĂ€ndischer Erdling, egal – einen 50 Euro-Schein in die Hand. Was macht er damit?

Ganz genau. Er gibt es aus. Das Geld. Es gelangt sofort in den Wirtschaftskreislauf – beim BĂ€cker, beim Kiosk, im Supermarkt, im Handel, Himmel, vielleicht sogar im Kino.

Nun geben Sie einem Reichen 50 Euro, der bereits eine Million davon auf seinem Konto hat.

Einmal dĂŒrfen Sie raten was er damit macht.

Jeder Arme bwz. Arbeitende, der Geld bekommt – vom „LeistungstrĂ€ger“, seinem Chef und Meister, dem Staat oder sonstwem – bekommt es nur fĂŒr geschĂ€tzte 15 Minuten. Dann hat es sowieso wieder ein „LeistungstrĂ€ger“, ein Chef und Meister, der Staat oder sonst wer.

Und wer das nicht versteht, sind leider nicht die „LeistungstrĂ€ger“, Chefs und Meister, der Staat oder sonst wer. Die wissen ganz genau wieÂŽs lĂ€uft.

Wer das nicht versteht sind die Armen bwz. Arbeitenden, zu denen dann „Die Linke“ angeschleimt kommt und sagt „Ihr mĂŒsst uns wĂ€hlen weil es euch schlecht geht“ und wahrscheinlich zur selben Zeit in irgendeiner Doppeldenkabteilung ihres kalten, staubigen Parteihirns glaubt dass sie etwas daran Ă€ndern möchte, gerade weil sie das noch nie getan hat.

– international solidarisch

Wem es vielleicht aufgefallen ist: irgendwo hin ist dieser frĂŒher bei Demonstrationen linker Art und Weise so ausufernd und erschöpfend intonierte Ruf „Hoch die Internationale SolidaritĂ€t“ verschwunden. Stattdessen ruft Linksmann und -Frau immer „a – anti – anticapitalista“. Das hat (sowohl fĂŒr FreundInnen der Neuen Links- wie Weltordnung) gleich mehrere enorme Vorteile. Erstens kann man sich als Antinationalist bei der Zerstörung eines Zielobjekts, etwa der Republik Griechenland, mit Faschisten aller anderen LĂ€ndern vereinigen ohne dass es weiter auffĂ€llt. Zweitens kann man dann mit genau diesen Faschisten gegen die jeweiligen Staaten argumentieren und deren „Überwindung“ fordern. Und drittens braucht man sich nicht um lĂ€stige SolidaritĂ€t mit den Menschen in den (maßgeblich aus Deutschland heraus) ĂŒberfallenen LĂ€ndern zu bemĂŒhen, denn das wĂŒrde eh nur Arbeit machen und einen vom LĂŒgen abhalten, wo man schon auf der Uni und nebenberuflich event. gut betuchter Multiplikator wider den einen oder anderen -Ismus ist.

Also nochmal in Zeitlupe, ihr VerrĂ€terInnen, FreundInnen, Genösschen, bzw die nicht versauten Leserinnen und Leser unter Ihnen: SolidaritĂ€t mit Griechenland, mit Portugal, mit Spanien, mit Italien und allen anderen Demokratien (die „Nationen“ könnt Ihr behalten) heißt, die Menschen in diesen LĂ€ndern zu respektieren. Ihnen zu helfen und zur Seite zu stehen. Und das heißt nicht:

– den Euro-Kapitalismus und die Struktur des Euro-Finanzsystems wegzuquatschen oder dieses Thema mit allen Mitteln vermeiden zu wollen,

– sich faul, feige und verkommen vor der ganz normalen Menschlichkeit zu drĂŒcken und sich dabei dem kapitalistischen Menschenbild zu unterwerfen,

– der Zerstörung europĂ€ischer Nachbarstaaten tatenlos zuzusehen oder sogar vor lauter Freude ĂŒber die Zerstörung eines bösen „Nationalstaates“ in Beifall auszubrechen,

– hirnverbranntes, zynisches oder einfach grenzenlos naives Zeug ĂŒber die „EuropĂ€ische Idee“ zu schwadronieren. Selbst der Sozialismus kannte den Unterschied zwischen Willy Brandt und Pol Pot. Es zĂ€hlt kein dĂ€mliches Gequatsche, es zĂ€hlt das Ergebnis. Und sonst nichts. Wir verstehen: auch die Mittel sind das Ergebnis.

nichtinterventionistisch

Zu meiner Zeit forderten Linke keinen Atomkrieg. Auch nicht gegen ganz, ganz, ganz doll böse Staaten. Das machten Linke einfach nicht. Und irgendwie finde ich das bis heute logisch. Denn das fordern ja schon alle anderen. Und sehen doof dazu in die Röhre und reden Dreck daher.

Linke fordern ĂŒberhaupt keinen Krieg. Sondern haben verdammt nochmal die aus dem (noch nicht leninistisch / trotzkistisch versauten) Sozialismus stammende Tradition des Pazifismus hoch zu halten, der sich u.a. aus der simplen Erkenntnis nĂ€hrt, dass Zerstörung (von Waren und GĂŒtern) nur die ProduktivitĂ€tsfalle des Kapitalismus sprengt und diesem die Gelegenheit gibt das ganze Schnellballsystem des Gelddruckens und Wiederaufbaus aufÂŽs Neue anzuwerfen.

Der technologische Fortschritt ermöglicht uns hier und heute bereits ein Auskommen und Wohlergehen aller Exemplare des Homo Sapiens on this small planet zu organisieren, bei einer Arbeitszeit (a.k.a. Zeit des MĂŒhen und Plagens) die sehr viel weniger unserer Lebenszeit versauen wĂŒrde als bisher. Auch diese Neuorganisierung passiert nicht, im Gegenteil. SĂ€mtliche aggressiv von den Privilegierten verfolgten Programme (so nennt man PlĂ€ne heute) zur Installation einer „Neuen Weltordnung“ zielen auf noch mehr Zerstörung, noch mehr Krieg, noch weniger Freiheit fĂŒr die Menschen, bei grenzenloser Freiheit fĂŒr das Kapital.

Demzufolge kann es nur die Grundregel fĂŒr alle Linken weltweit geben: Nichtinterventionismus, bzw Antiinterventionismus. Die Zerstörung von Staaten, deren Manipulation, Beherrschung, Kontrolle von innen durch entsprechende KrĂ€fte sind schlimm genug. Diesen Kontroll- bzw Eroberungsprozess von außen anzuwerfen – sei es durch Bomben oder Banker, Krieg und/oder Kapitalismus – macht nichts besser, sondern alles nur schlimmer. Handel, Kommunikation, Austausch und Kooperation sind das Eine. Wir alle wissen, wo die Grenzen zum Anderen verlaufen.

Die Geschichte hat gezeigt, dass sich Freiheit und Demokratie durchsetzen, weil und wenn die Menschen sie wollen – wohlgemerkt, Freiheit und Demokratie, nicht Krieg, Imperialismus und Kolonialismus. Die Freiheit ist mehr als nur Menschenrecht. Sie ist Teil des Menschen selbst.

Womit wir zur Frage kommen – welche Freiheit?

– Freiheit fĂŒr den Menschen

In 1958 definierte der in Oxford lebende Isaiah Berlin in “Two Concepts of Liberty” (“Zwei Konzepte der Freiheit”)  zwei sich grundlegend widersprechende Auffassungen von Freiheit: negative (Freiheit von) und positive (Freiheit zu).

FĂŒr den Betrachter verwirrend ordnete er “positiv” als negativ (gefĂ€hrlich) und “negativ” als positiv (gut) ein.

Die Staaten des Westblocks sah Isaiah Berlin als Vertreter der (guten) „negativen Freiheit von“ als einem nicht zielgerichteten, westlichen Modell an, also der Freiheit von UnterdrĂŒckung und Diktatur (wohlgemerkt nicht etwa der von Ausbeutung).

Die Staaten des Ostblocks sah Isaiah Berlin als Vertreter der (gefĂ€hrlichen) „positiven Freiheit zu“ einem zielgerichteten politischen, ideologischen Modell an.

Wohlgemerkt: Isaiah Berlin definierte jedes politische Ziel, jede zielgerichtete politische Bewegung per se als gefĂ€hrliche Idee „positiver Freiheit“ an, die jederzeit und ausweichlich in Tyrannei umschlagen werde (wer wollte ihm da hinsichtlich der „EuropĂ€ischen Bewegung“ widersprechen?)

Gleichwohl ist das Ergebnis dieser im Kalten Krieg entstandenen Definition von „westlicher“ Freiheit von allem außer (Geld)MĂ€rkten die Welt, in der wir heute leben. (AusfĂŒhrliche Dokumentation hier).

Es braucht, ganz offensichtlich, eine neue Definition von Freiheit. Hier einmal eine alte, auch nicht schlecht, wenn auch positiv. Rosa Luxemburg formulierte es so:

Freiheit nur fĂŒr die AnhĂ€nger der Regierung, nur fĂŒr Mitglieder einer Partei – mögen sie noch so zahlreich sein – ist keine Freiheit. Freiheit ist immer Freiheit des Andersdenkenden. Nicht wegen des Fanatismus der ‚Gerechtigkeit‘, sondern weil all das Belebende, Heilsame und Reinigende der politischen Freiheit an diesem Wesen hĂ€ngt und seine Wirkung versagt, wenn die ‚Freiheit‘ zum Privilegium wird.

Ich möchte hier, anknĂŒpfend an Isaiah Berlins Thesen von „negativer Freiheit von“ (Diktatur, aber auch jeder Verantwortung fĂŒr seine Mitmenschen und vor allem von Steuern) und „positiver Freiheit zu“ (hehren Zielen, welchen auch immer, und den notwendigen geheiligten Mitteln, welchen auch immer), eine dritte Definition der Freiheit formulieren: Die „Freiheit fĂŒr. Und ich werde diese weder positiv (gefĂ€hrlich) oder negativ (gut) definieren.

Freiheit fĂŒr Nichts ist Nichts. Freiheit fĂŒr den Menschen ist die Freiheit des Menschen. Freiheit fĂŒr die Macht ist Diktatur. Freiheit fĂŒr das Kapital ist Kapitalismus und sonst nichts.

Wem es also z.B. um die Freiheit des Menschen geht, der muss fĂŒr die Freiheit fĂŒr den Menschen einstehen. Wer fĂŒr die Freiheit des Starken einsteht mit dem Schwachen zu machen was er will, also z.B. eine Diktatur oder die Freiheit der MĂ€rkte, sollte froh darĂŒber sein dass andere fĂŒr seine Freiheit einstehen solchen menschenfeindlichen, skrupellosen, hundsgemeinen Schwachsinn zu fordern.

Ich denke, diese Umschreibung sollte einigermaßen plausibel sein.