Kleine Tipps gegen Browser-Tracking und Internet-Spionage

Auch fĂŒr in IT-Fragen gĂ€nzlich ungeĂŒbte regulĂ€re Internet-Nutzer mit dem Betriebssystem Windows ist mit einigen Maßnahmen das Ausmaß der flĂ€chendeckenden Internet-Spionage und Überwachung des Weltinformationsnetzes durch Konzerne und staatliche Behörden merkbar zu reduzieren. Radio Utopie zeigt wie.

Um die Dimensionen des Internets einmal zu verdeutlichen, hier ein paar vom Programmierer Gary Hayes auf “Personalize Media” zusammengetragene Statistiken (Stand: August 2011), :

– im Jahre 2010 wurden 107 Billionen emails versendet.
– jeden Monat werden von Facebook-Nutzern 30 Milliarden EintrĂ€ge vorgenommen.
– jede Minute wird auf You Tube Video-Material mit einer LĂ€nge von 48 Stunden hochgeladen.
– jeden Tag werden 460.000 neue Twitter-Konten erstellt, jede Woche eine Milliarde Tweets versendet.
– in den ersten drei Monaten des Jahres 2011 wurden 80 Millionen neue Facebook-Konten eingerichtet, jeden Tag wird 50 Millionen mal ein „Like“ / „GefĂ€llt mir“ Button geklickt.
– per skype, deren kostenlose Internet-Telefonie explizit die bekannt gewordenen „Staatstrojaner“, also trojanischen Pferde, des spionage-technischen Komplexes in Kollaboration mit staatlichen Behörden weltweit ausspionieren, wird allein per Video-Verbindung jeden Monat ĂŒber einen Zeitraum von 300 Millionen Minuten kommuniziert.
– das Prominenten- und Privilegierten-Netzwerk LinkedIn vermeldet jede Woche eine Million neuer Konten.
– jeden Tag werden 2.16 Millionen Bilder auf Flickr hochgeladen.
– nach dem Start des Ipad im April 2010 wurden in den ersten neun Monaten 15 Millionen StĂŒck verkauft.

Es liegt auf der Hand, daß im weltweit unkontrollierten Kapitalismus und seiner auf dem Prinzip Profit und Ausbeutung basierenden Verwertungsmaschinerie diese ungeheure Menge an Information zur heissbegehrten Ware wird. Ebenso ist fĂŒr jeden Konzern und jede Behörde von grĂ¶ĂŸtem Interesse auszuspionieren, wer wann welche Informationen, Daten und Medien abruft oder erzeugt.

Bei der schieren Menge an Daten, die da durch den „Cyberspace“ schwirrt, kann dies nur automatisiert erfolgen. Damit wird die höchst lukrative Spionage im internationalen Internet, die nach jeweiliger staatlicher Gesetzgebung auch illegal sein kann, selbst zu einem höchst lukrativen GeschĂ€ft fĂŒr den spionage-technischen Komplex, der die dafĂŒr notwendige Technologie entwickelt und an Konzerne und Behörden weiterverkauft.

Die Aktiven der neuen Informationswelt, also die Ersteller von Informationen in Text, Bild und anderen Medien, sind dabei natĂŒrlich sehr viel umfangreicherer Spionage ausgesetzt als die Passiven, die reinen Nutzer. Doch mehr und mehr verschwimmt im Internet mit all seinen interaktiven Komponenten und Plattformen die Grenze zwischen Aktiven und Passiven. Das Thema Verfassung, BĂŒrgerrechte und Datenschutz – je nach staatlichem Territorium besser oder schlechter – hat daher im ureigensten Interesse aller derzeit rund 2 Milliarden Internet-Nutzer, speziell fĂŒr die HĂ€ftlinge der „EuropĂ€ischen Union“, höchste PrioritĂ€t.

Zuerst empfiehlt sich nun unser bewusst einfach gehaltener Artikel „Kleiner Ratgeber fĂŒr Einsteiger im Internet: Recherche und Lesen“. Auch bei den nun folgenden Tipps geht es fĂŒr eine Hilfestellung fĂŒr technisch nicht versierte Internet-Nutzer. Daß der Browser Firefox den Internet Explorer in Sachen Datenschutz um LĂ€ngen voraus ist, dĂŒrfte sich bereits herum gesprochen haben. Die RatschlĂ€ge beziehen sich deshalb nur auf Nutzer des Firefox.

Wie in unserem ersten Ratgeber beschrieben, ist ratsam, sĂ€mtliche Cookies – also kleine Programme, die praktisch jede besuchte Netzseite ihren Besuchern auf deren informationstechnische Systeme (PCs, Macs, Handys, etc) ĂŒberspielt – nach jedem Gebrauch zu löschen und den Browser entsprechend zu konfigurieren. ZusĂ€tzlich empfiehlt sich fĂŒr Firefox unter „Extras“, „Einstellungen“ und „Datenschutz“ die Einstellung „Immer den privaten Modus verwenden“ zu aktivieren und die Funktion „Cookies von Drittanbietern akzeptieren“ zu deaktivieren, also das HĂ€kchen zu entfernen und dann „OK“ zu klicken.

Von Facebook ist durch Recherchen des Hackers Nik Cubrilovic mittlerweile bekannt, daß seine Cookies die Besucher des sozialen Netzwerkes auch nach dem Ausloggen verfolgt und deren weitere AktivitĂ€ten aufzeichnet („tracking“). Über entsprechende FĂ€higkeiten werden natĂŒrlich auch andere der geschĂ€tzt 2 Millionen mehr oder weniger relevanten Seiten im WWW des Internets verfĂŒgen.

Wer nicht alle Seiten seines Browsers auf einmal schliessen will oder kann, damit nach entsprechender Konfiguration alle Cookies automatisch gelöscht werden, sollte Cookies öfter per Hand löschen, z.B. nach einem Besuch bei Facebook.

„Extras“, „Einstellungen“, „Datenschutz“, „Cookies anzeigen“ und nach Wahl löschen.

Um die Menge an Überwachungssystemen, die fast jede Netzseite fĂŒr Statistiken oder anderes benutzt, zu verdeutlichen und auszuschalten, empfiehlt sich die Installation des Firefox Addon Ghostery.

FĂŒr die Ausschaltung unerwĂŒnschter Skripte, Pop-ups und Werbung, empfiehlt sich das Firefox Addon NoScript.

In eigener Sache: Radio Utopie benutzt Piwik, welches die Nutzer-Daten ĂŒber unseren eigenen Server abwickelt, sowie u.a. die Anonymisierung der IP-Adressen von Besuchern ermöglicht, welche wir auch aktiviert haben.

Weitergehende Möglichkeiten bestehen fĂŒr Windows Nutzer im Ausschalten von einigen „Diensten“ (fĂŒr alle Tipps hier gilt: keine GewĂ€hr).

Die Windows-„Dienste“ sind zu finden unter „Systemsteuerung“ und „Verwaltung“. Viele dieser „Dienste“, meist ungefragt von Windows aktiviert und nicht eben sonderlich bekannt gemacht, können fĂŒr die Mehrheit der Windows-Nutzer eher lĂ€stig oder sogar bedenklich sein. Dazu zĂ€hlen der „Server“, der „Intelligente Hintergrunddienst“, alle Fernsteuerungsfunktionen („remote“), sowie die Drucker-Funktion. Jeder Nutzer sollte darauf achten, welche AbhĂ€ngigkeiten die jeweiligen Funktionen mit sich bringen und diese nur dann deaktivieren, wenn er sich seiner Sache sicher ist.

Wichtig: Das Gestatten der Server-Funktion, also das Genehmigen von Hochladen von Daten aus dem eigenen PC, Computer oder Handy ins Internet, ist durch die eigene Firewall zuerst einmal generell zu untersagen, auch und gerade fĂŒr das eigene Betriebssystem Windows.

Wo eine Server-Funktion notwendig ist, etwa bei skype oder Chat-Programmen, sollte die Genehmigung jeweils immer nur temporÀr und nie generell erteilt werden.

Bei wem sich der Rechner auffĂ€llig verlangsamt, kann einen Blick in den Windows Task-Manager werfen und sich ansehen, welche Programme derzeit laufen. Rechtsklick auf die unten am Bildschirmrand befindliche Taskleiste, Task Manager aufrufen. Unter „Prozesse“ lassen sich im Zweifel einzelne Programm per Rechtsklick beenden.

Durch die massenhafte Verbreitung dieser Maßnahmen kann Spionage durch Konzerne oder Behörden nicht verhindert, aber erschwert werden. Ziel dieser kleinen Gegenwehr des StaatsbĂŒrgers ist, Konzerne und Behörden zu zwingen den Aufwand fĂŒr ihre im wahrsten Sinne des Wortes grenzenlose Spionage extrem zu erhöhen und allzu offensichtlich um die Legalisierung lĂ€ngst operativer Praktiken zu betteln. Solange dann die in Deutschland verfassungsrechtlich verbrieften Grundrechte noch nicht offiziell aufgehoben sind, besteht die durchaus berechtigte Annahme, daß irgendwann einmal all die Prothesen der parlamentarischen Demokratie sich an Thilo Weichert ein Beispiel nehmen, den Balken aus dem Auge ziehen und einfach ihren gottverdammten Job machen.

(…)

Artikel zum Thema:

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