Clinton-Rede zur Internet-Freiheit erwartet

Die US-Regierung positioniert sich fĂĽr BĂĽrgerrechte auch im Cyberspace und attestiert, dass ein „offenes Internet langfristigen Frieden, Fortschritt und Prosperität fördert.“

Vorab veröffentlichte AuszĂĽge einer heutigen Rede von US-AuĂźenministerin Hillary Clinton in der George Washington Universität deuten nicht nur auf ein Umdenken, sondern auf einen Strategie-Wechsel in den USA hin. Anstatt Freiheiten der Gesellschaften einzuschränken – mit dem Argument man mĂĽsse diese „beschĂĽtzen“ –  bekundet die Regierung von Präsident Barack Obama nun, BĂĽrgerrechten und Freiheit der Information, Kommunikation und des Handels ĂĽber das Weltnetz nicht länger im Wege sein zu wollen. FĂĽr eine Regierung ist das schon viel – selbst wenn es nur AnkĂĽndigungen sind.

In ihrer Rede (1), die strategischen Charakter hat und an ihr Statement im Washingtoner Newseum am 21.Januar anknüpft (2), geht die Außenministerin der Vereinigten Staaten mehr oder weniger direkt auf die Revolutionen in Tunesien, Ägypten, sowie Freiheits- und Demokratiebewegungen nicht nur in Afrika und Asien ein.

„Die Geschichte hat uns gezeigt, dass Repression oft den Samen fĂĽr eine spätere Revolution gesät hat. Diejenigen, die gegen die Freiheit des Internets vorgehen werden vielleicht in der Lage sein, die volle Wirkung der SehnsĂĽchte ihres Volkes eine Weile zurĂĽckzudrängen, aber nicht fĂĽr immer.“

Dabei positioniert sich die US-Regierung – sicherlich nicht ganz uneigennĂĽtzig, aber nichtsdestotrotz ausnahmsweise mal geschickt – recht eindeutig auf die Seite einer neuen weitweit kommunizierenden und interagierenden Generation, in der ihre Diplomaten erst langsam das Schwimmen lernen mĂĽssen um dann als Fisch nicht gleich eingefangen zu werden.

„Die FĂĽhrer der Welt mĂĽssen eine Wahl treffen. Sie können das Internet in ihren Ländern gedeihen lassen und das Risiko in Kauf nehmen, dass die Freiheiten die es ermöglicht zu einer größeren Nachfrage fĂĽr politische Rechte fĂĽhren. Oder sie können das Internet einschränken, die Freiheiten erwĂĽrgen die es natĂĽrlicherweise enthält und riskieren, all die wirtschaftlichen und sozialen Vorteile zu verlieren, die eine vernetzte Gesellschaft mit sich bringt.“

„Es gibt keine `Silberkugel` im Kampf gegen die UnterdrĂĽckung des Internets. Es gibt keinen `app` dafĂĽr. Und dementsprechend verfolgen wir einen umfassenden und innovativen Ansatz – einen, der unsere Diplomatie mit mit Technologie zusammenfĂĽhrt, die Verbreitung von Intsrumenten sichert, sowie direkte UnterstĂĽtzung fĂĽr die an den Frontlinien.“

Die Rede Clintons bietet auch für jeden eingekauften Dissidenten in der Enquete-Kommission des Bundestages endlich das notwendige Rüstzeug, um eine Diskussion mit den sanftmütig lächelnden Beamten des Polizeistaatsinnenministeriums unter Thomas de Maiziere ausnahmsweise mal zu gewinnen.

„Unsere Treue zum Rechtsstaat zerstreut sich nicht im Cyberspace, auch nicht unser Engagement zum Schutz der bĂĽrgerlichen Freiheiten und der Menschenrechte. Es gibt Zeiten, in denen diese Grundsätze Spannungen erhöhen und Herausforderungen stellen werden, aber wir mĂĽssen nicht zwischen ihnen wählen. Und wir sollten auch nicht. Zusammen bilden sie das Fundament eines freien und offenen Internets.

Was zählt, ist, was die Menschen die online gehen tun und welche Prinzipien uns leiten sollten, wenn wir im Cyberspace zusammenkommen. Diese Frage wird mit jedem Tag dringender.“

Dabei sind es in der Rede Clintons gerade die einfachsten Gedanken, die sicherlich nicht nur bei der Medien-, Musik- und Filmindustrie, sondern auch bei den nachrichtendienstbaren Geistern innerhalb der „Europäischen Union“ ein schrilles Kettenklirren verursachen werden, obgleich man hinzufĂĽgen könnte, dass derlei Erkenntnisse hochrangiger AmtsträgerInnen bisweilen ganze Generationen auf sich warten lassen.

„Wir sind ĂĽberzeugt, dass ein offenes Internet langfristigen Frieden, Fortschritt und Prosperität fördert.“

„Langfristig“. Gut Amt will Weile haben.

„Das Gegenteil ist ebenfalls wahr.“

Ach nee. Tatsächlich?

So kann also denn in Deutschland zu Clintons Rede in Ruhe die nun mit innerer Sicherheit folgende Geschwätzkanonade von Informationsindustrie, Staatsmedien, Behörden-Schnüfflern und Spionen abwarten. Sieht man diese als Entertainment-Beifang des neuen Digitalen Zeitalters, kann man mit ihnen gelassen umgehen. Sie müssen schließlich auch von was leben.

Nur von was, das wird sich noch herausstellen.

(…)

Quellen:
(1) http://www.google.com/hostednews/ap/article/ALeqM5gkPOyIM6WokzlfDchKJvFfghwF7Q?docId=23870668f8964d7ab277e56b0c4bf2a3
(2) http://www.state.gov/e/eeb/cip/netfreedom/index.htm