Konzern VEOLIA: Verbot der Doku „Water Makes Money“
“Wenn ihre Stimmen zum Schweigen gebracht werden, verschwindet die Gerechtigkeit.” UNO-Hochkommissarin für Menschenrechte Navanethem Pillay und UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon im Dezember 2010 zum Schutz des Rechts auf freie Rede
Der französische Konzern VEOLIA hat in Paris gegen den Film „Water Makes Money“ Klage wegen „Verleumdung“ eingereicht und will ein Verbot der Ausstrahlung und des Verkaufs von DVDs der Dokumentation ĂĽber die HintergrĂĽnde des Ausverkauf des Wassers durch Privatisierungen des Grosskonzern (PublicPrivatePartnership – PPP) und die BemĂĽhungen der Gemeinden, die Wasserversorgung wieder in kommunales Eigentum zurĂĽckzufĂĽhren, gerichtlich durchsetzen. Die französische Staatsanwaltschaft hat dem Antrag von VEOLIA stattgegeben und einen Untersuchungsrichter bestellt. Dieser lässt jetzt mit Hilfe eines auch auf Deutschland ausgeweiteten Rechtshilfeersuchens polizeilich ermitteln.
So wie die ausfĂĽhrliche Dokumentation „Flow – Wasser ist Leben“, die Radio Utopie am 30.Juli 2010 in dem Artikel “Flow”: Wasser als Ware, Kontrolle und Macht“ vorstellte, werden in der vom möglichen Verbot betroffenen Recherche die ursprĂĽnglich versprochenen Vorteile sehr schnell durch die folgende Intransparenz und GebĂĽhrenerhöhungen fĂĽr die Verbraucher zunichte gemacht: Eine Privatfirma verfolgt vor allem ein Ziel: finanzielle Gewinnmaximierung.
Am 23.September 2010 startete die UrauffĂĽhrung der Dokumentation „Water Makes Money“ von Leslie Franke und Herdolor Lorenz und ist eine Koproduktion der Kernfilm mit La Mare aux Canards und Achille du Genestoux, in Zusammenarbeit mit AQUATTAC und ZDF/ARTE, gefördert von der Filmförderung Hamburg-Schleswig-Holstein.
ARTE hat eine Ausstrahlung einer TV-Fassung zum Internationalen Wassertag am 22.März 2011 zu einer günstigen Sendezeit um 20.15 Uhr vorgesehen.
Water Makes Money hat einen Appell
„Wird der Film verboten? – Ein Aufruf!“
zu dem drohenden Verbot des Filmes auf der eigenen Webseite unter www.watermakesmoney.com an die Öffentlichkeit gestartet, in dem um dringende Hilfe gebeten wird, denn die Privatisierungswelle des Wassers betrifft die gesamte Welt, gerade die deutschen Städte und Gemeinden sind davon betroffen.
Auszug aus dem Aufruf:
„Lassen Sie nicht zu, dass Veolias Attacke auf „Water Makes Money“ unbeobachtet bleibt! Verhindern Sie, dass GroĂźkonzerne Kritik an ihrem Geschäftsgebaren unterdrĂĽcken können!
* Verbreiten Sie die Infos über diese Attacke auf die Pressefreiheit über Ihre Netzwerke, so weit Sie können!
* Nutzen Sie Ihre Kontakte zur Presse, um diesen Fall breit in die Ă–ffentlichkeit zu bringen!
* Wenn Sie von der Presse sind, bestellen Sie eine Ansichts-DVD, berichten Sie ĂĽber den Fall!
Der Film „Water Makes Money“ darf noch verbreitet werden, kann noch aufgefĂĽhrt werden:
Machen Sie Veolia einen Strich durch die Rechnung! Die Infos des Films mĂĽssen noch breiter in die Ă–ffentlichkeit – Organisieren Sie eine AuffĂĽhrung des Films! Wenn Sie WMM schon gesehen haben, verschenken Sie die DVD! Helfen Sie mit, den Film möglichst weit zu verbreiten!„
ein weiterer Textausschnitt zu den HintergrĂĽnden der Wasser-Globalisierung durch Konzerne:
Warum ein neuer „Wasserfilm“?
Vor 10 -15 Jahren erhob sich eine Welle der Privatisierung unserer Wasserversorgung und wälzt sich seither durch die ganze Welt. Die nachhaltigen Folgen – u.a. von sauberem Wasser abgeschnittene Armenviertel und trockene Wasserhähne in London, der Metropole des Finanzkapitals – sind mittlerweile weithin bekannt. U.a. auch dank unseres vielbeachteten, in 8 Sprachen ĂĽbersetzten Films „Wasser unterm Hammer“.
Seit „New Labour“, Blair und Schröder – seit viele die Folgen der Privatisierungen am eigenen Leib verspĂĽren, ist es aber unschicklich geworden, von Privatisierung zu sprechen. Seither klopfen Heere von Beraterfirmen bei finanziell klammen Kommunen an und versprechen neue Geschäftsmodelle: PublicPrivatePartnership, Crossborder leasing, Franchising und vieles dergleichen mehr. „Nein, wir privatisieren ja gar nicht“, tönen diese Herrn. „Wir betreiben ja nur Euer Abwasser (und/oder Trinkwasser) fĂĽr 30, 60 oder 90 Jahre. Die Anlagen bleiben in Kommunalbesitz. Und die 2000 Seiten Verträge in englisch dazu, die brauchen Sie gar nicht zu lesen, die verstehen Sie ja sowieso nicht. Nein!“
Und in Wahrheit kommt es ja nicht mal auf das Betreiben an. Das kann ein schönes Zubrot sein, ja! Wichtig ist allein das Kapital, das mittels Krediten die Infrastruktur „generiert“. Daraus schnĂĽren Banken strukturierte Finanzpapiere, die dann 1000fach verpackt durch die virtuelle Finanzwelt geistern und stets neu Rendite generieren. Aber nur unter einer Bedingung, und die ist klein gedruckt, geheim und „strafbewehrt“: Bei all diesen „Lösungen“ haftet die Kommune fĂĽr jede Art von Minderung und Ausfall der Rendite
Aus Wasser Gift
Mit einer auf Generationen angelegten Vorsorge fĂĽrs örtliche Grundwasser, der kontinuierlichen Wartung und Erneuerungen von Rohren usw. hat das alles nichts, aber auch gar nichts mehr zu tun. Im Gegenteil! Die Lebensressource Wasser wird zum Medium, aus dem das Gebräu toxischer Kredite stammt, das heute die „Bad Banks“ fĂĽllen soll – und mit dem sich die Steuerzahler der nächsten Jahrzehnte vergiften werden.
Die unaufhaltsame Expansion von PublicPrivatePartnership?
Ein Horrormärchen aus einem fremden Land? Nein, diese Geschichten spielen sich vor unserer HaustĂĽr ab. Man muss nur hinschauen, in Berlin, Braunschweig, Stuttgart, beim Wasserzweckverband Bodensee. Die Hauptverantwortlichen fĂĽr diese groteske Art der schleichenden Enteignung kommunaler Verantwortung sind die Platzhirsche des „Weltwassermarktes“, die französischen Globalplayer Veolia und Suez und die um ihre Finanzprodukte gescharte Banken- und Beraterwelt. Allein der Globalplayer Veolia – 2003 als Nachgeburt des größten finanzpolitischen Crashs Frankreichs entstanden – ist heute in mindestens 72 Ländern auf allen fĂĽnf Kontinenten präsent. In Deutschland hat es der Weltkonzern in kĂĽrzester Zeit geschafft, mit Beteiligungen in 450 deutschen Kommunen zum größten Versorger im Trink- und Abwasserbereich aufzusteigen. Z.B. Braunschweig: FĂĽr den Erwerb der Abwasseraufbereitung wendet Veolia keinen Cent auf. Der „Kaufpreis“ und die Investitionen werden mit Krediten der Nord LB und der „Pleitebank“ Dexia finanziert – rĂĽckzahlbar mit Zins und Zinseszins von Braunschweigs BĂĽrgern.
Im Herzen der Macht klafft eine Wunde
Tag für Tag melden die französischen Globalplayer neue Eroberungen. Sie versprechen günstigere Finanzierungsmöglichkeiten, Effektivität und auch Nachhaltigkeit. Nur in der Heimat der Konzerne, in Frankreich, glaubt ihnen kaum noch jemand. Ausgerechnet hier, wo Veolia und Suez 8 von 10 Bürger mit Wasser versorgen, wollen mehr als hundert Kommunen die Kontrolle über diese lebenswichtigen Dienste zurückholen. Ende des Jahres müssen Veolia und Suez am Sitz ihrer Konzernzentralen in Paris die Koffer packen.
Ein Film „von unten“
Der Film „Water Makes Money “ wird zeigen, was Paris und andere französische Gemeinden aus der Herrschaft von Veolia & Co gelernt haben, während die „Gelddruckmaschinen“ der Multis in deutschen Gemeinden schnurren. „Water makes money “ wird Mut machen: Wasser in BĂĽrgerhand ist möglich! Was ein derartiger Film an Aufklärung und Mobilisierung leisten kann, zeigen unsere letzten Filme „Wasser unterm Hammer“ und „Bahn unterm Hammer“.
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Quelle: http://www.watermakesmoney.com/