Afghanistan: längster Krieg in Geschichte der USA – deutsche Rüstungsindustrie an Asienfront

Rheinmetall, Krauss-Maffei-Wegmann (KMW) und EADS-Cassidian setzen als private Dienstleister auf neue florierende Umsatzmärkte an der Kriegsfront und in Deutschland - Petraeus fordert deutsche AWACS-Aufklärer

Die Vereinigten Staaten von Amerika feiern den traurigsten Rekord in ihrer Geschichte. Mit dem Einmarsch ihrer Truppen im Jahr 2001 führen die US-Militärs mit ihren Verbündeten einen Krieg gegen die afghanische Bevölkerung, der länger als der Vietnamkrieg anhält, unter dessen Auswirkungen noch viele Vietnamesen und auch US-Veteranen zu leiden haben.

Das mittelasiatische Land - das zuvor zehn Jahre sowjetische Invasion erduldet hat - ist mehr denn je von einem friedlichen Zusammenleben entfernt und daran wird sich trotz gegenteiliger Beteuerungen von Rückzugsvorhaben nichts ändern. Unter der Lüge der US- und Nato-Militärführung, noch mehr Soldaten und Flugzeuge von den verbündeten Streitkräften anzufordern um so schneller diesen Krieg zu beenden und schrittweise ab 2011 in afghanische Verantwortung zu legen, wird immer mehr aufgerüstet.

Die USA schicken nun neue zusätzliche Panzer in das Land. Zunächst sollen 16 Panzer erstmals in der Provinz Helmand eingesetzt werden. Kanada, die Niederlanden und Deutschland haben bereits Panzer im Einsatz.

Das NATO-Hauptquartier in Brüssel hat auf Antrag von General David Petraeus in einem Brief Deutschland aufgefordert, sich mit AWACS-Aufklärungsflugzeugen, für die einhundert Mann an zusätzlichem Personal benötigt werden, zu beteiligen.

Dafür liegt kein Bundestagsmandat vor. (1) Das deutsche Parlament sollte sich hier genau überlegen, ob es sein Abstimmverhalten in dieser Frage wie in den vergangenen Jahren beibehalten will.

Das Jahr 2014 wird als Zieldatum angegeben, in dem nach heutigen Angaben der Militärs der vollständige Rückzug beendet sein soll.

Das bedeutet fast noch einmal die Hälfte der Zeit, die dieser Krieg schon andauert - und die Zukunft ist in dieser Hinsicht völlig offen. In dieser Zeit hat Amerika schon längst einen neuen Präsidenten gewählt. Ein neuer J.F.Kennedy ist dort bisher nicht in Sicht. Die US-Regierung hat auch unter Barack Obama bewiesen, dass sie nicht freiwillig die besetzten Gebiete verlassen wird.

Die Aufrüstungen mit neuen Militärstützpunkten und Rüstungsvereinbarungen in asiatischen Ländern sprechen eine andere Sprache.

Deutschland wird keine Ausnahme bilden, solange die Rüstungsindustrie über ihre Vertreter im Deutschen Reichstag und Lobbyverbänden das Sagen in der Aussenpolitik haben.

Die Rüstungskonzerne Rheinmetall, Krauss-Maffei-Wegmann (KMW) und EADS-Cassidian ziehen aktiver denn je mit Service-Dienstleistungen an die direkte Front.

Frank Haun, Geschäftsführer von Krauss-Maffei-Wegmann sagte laut Handelsblatt vom 12.Dezember:

"Service im Einsatz ist eine unserer strategischen Stellgrössen im Unternehmen, die wir zukünftig noch weiter ausbauen werden."

Der Chef von EADS-Cassidian, Stefan Zoller meinte, dass bis zum Jahr 2020 ein Drittel der Umsätze nicht mehr aus dem Verkauf von Waffen, sondern aus dem Geschäft mit Dienstleistungen kommen soll:

"Eine kleinere, modern ausgerüstete Bundeswehr beispielsweise braucht starke Partner in Unterstützungsbereichen wie Logistik oder Systembetreuung, um sich auf ihre Kernfähigkeiten konzentrieren zu können."

Rheinmetall betreibt für die Bundeswehr in Afghanistan gemeinsam mit der israelischen IAI Drohnen vom Typ "Heron" einschliesslich der Bodenstationen, die vom Verteidigungsministerium bis 2012 für einen zweistelligen Millionenbetrag geleast und in Masar-i-Sharif stationiert worden sind.

Das Outsourcen von Dienstleistungen im Kriegsgebiet hat auch für deutsche Militärs handfeste Vorteile.

So kann die Bundeswehr mehr Kampftruppen nach Afghanistan schicken, ohne die parlamentarisch festgelegte Obergrenze zu verletzen.

Die "Servicekräfte" von Krauss-Maffei-Wegmann sind in der Regel ehemalige Zeitsoldaten, die jetzt im Blaumann an ihre alten Arbeitsplätze zurückkehren - für deutlich mehr Geld, so das Handelsblatt.

Vor allem aber unterstehen sie als private Dienstleister nicht mehr der Befehlsstruktur der Bundeswehr und sind so ausserhalb der parlamentarischen Kontrolle.

Quellen:
(1) http://www.reuters.com/article/idUSTRE6BA1OV20101211
(2) http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/service-vor-ort-die-ruestungsindustrie-geht-an-die-front;2707633

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