Stuttgarter Montagsdemonstration zieht zu SPD Kreisdelegiertenkonferenz

Im Kampf gegen das industrielle und stĂ€dtebauliche Programm „Stuttgart 21“ (S 21) zieht die heutige Stuttgarter Montagsdemonstration nach ihrer Auftaktkundgebung im Schlossgarten in die Innenstadt zur Kreisdelegiertenkonferenz der SPD Stuttgart im IG Metall-Haus. Der SPD Kreisverband, wie der SPD Landesverband Baden-WĂŒrttemberg insgesamt, kritisiert zwar den brachialen Gewalteinsatz durch die CDU-FDP-Landesregierung am Donnerstag und fordert einen Volksentscheid und Baustopp; doch steht die SPD Stuttgart, wie die SPD Baden-WĂŒrttemberg, immer noch hinter dem unabsehbar teuren Milliardenprojekt S 21.

Auch die BundesfĂŒhrung der SPD hat sich nie, zu keinem Zeitpunkt direkt gegen das regionale Umbauprogramm S 21 gestellt, obwohl laut internen Unterlagen der „Deutsche Bahn AG“ der Staatskonzern unter der Stadt Stuttgart einen Zombie-Bahnhof mit der Verwendung des “European Train Control System” (ETCS)“ plant, mit dem derzeit kein einziger Zug in Deutschland fahren kann. Vorliegende aktuelle Projektanalysen und -berichte zeugen von “Chaos und Panik” bei den Planern. (29.September, ParkschĂŒtzer in Stuttgart rufen zu gewaltfreiem Widerstand gegen drohende BaumfĂ€llungen und Großeinsatz der Polizei)

Zur StĂŒtzung der Pro-S 21-Position plant der Kreisvorstand der SPD Stuttgart mit seinem Vorsitzenden Andreas Reißig, sowie den stellv.Kreisvorsitzenden Ruth Weckenmann und Igor Gilitschenski, heute auf der Kreisdelegiertenkonferenz einen entsprechenden Initiativantrag einbringen (1). Bei der Konferenz im Stuttgarter IG Metall-Haus in der Theodor Heuss Str. 2 werden auch prominente S 21-UnterstĂŒtzer aus der SPD-BundesfĂŒhrung anwesend sein: die zwei Bundestagsabgeordneten Ute Vogt und Ute Kumpf.

Ute Vogt wurde als ProtegĂ© von SPD-Bundeskanzler Gerhard Schröder 1999 SPD-Landesvorsitzende in Baden-WĂŒrttemberg und blieb bis 2009 nicht erfolgreich, mit allem. Stets eine stramme BefĂŒrworterin von S 21 wird sich die ehemalige parlamentarische StaatssekretĂ€rin von Bundesinnenminister Otto Schily mutmaßlich nicht mit ĂŒbermĂ€ĂŸiger Kritik an CDU-Innenminister Heribert Rech hervor tun. Man hat eben VerstĂ€ndnis fĂŒr die Probleme ausfĂŒhrender Regierungsmonarchen mit dem renitenten Pöbel. So etwas nennt man die Macht der Gewohnheit und die Gewohnheit der Macht, die seit jeher eng umschlungen den gefĂ€hrlichsten aller MenschentĂ€nze auffĂŒhren.

Doch kommen wir zu Ute Kumpf. Könnte man sie fĂŒr weitlĂ€ufig verwandt mit Stuttgarts PolizeiprĂ€sident Siegfried Stumpf halten (der ebenfalls gerade ein wenig Ärger am Hals hat, 2) so reprĂ€sentiert Kumpf die typische Karriere im Establishment der Staatsparteien und Staatsgewerkschaften: heute Sozen, morgen IG Metall, heute IG Metall, morgen Sozen – aber immer FunktionĂ€r, versteht sich. Ute Kumpf brachte es 1997 immerhin fertig als Pressesprecherin der IG Metall-Bezirksleitung Baden-WĂŒrttemberg nebenbei Kreisvorsitzender der SPD Stuttgart zu werden. 2004 verlor sie gegen den bis heute amtierenden CDU-OberbĂŒrgermeister Wolfgang Schuster.

Kumpf sitzt im Verkehrsausschuss des Bundestages, was ihr Wikipedia-Eintrag leider irgendwie ĂŒbersehen hat. Am 1.Dezember 2009 schrieb sie dazu in ihrer Homepage (3)

„Eine gut ausgebaute und instand gehaltene Infrastruktur ist Voraussetzung fĂŒr einen zukunftsfĂ€higen Wirtschaftsstandort. Ich freue mich auf die Herausforderungen im Ausschuss fĂŒr Verkehr, Bau und Stadtentwicklung. Zudem bietet dieser die Gelegenheit, sich fĂŒr die Stuttgarter Region und Baden-WĂŒrttemberg sowie Stuttgarter Anliegen und Projekte wie die „Soziale Stadt“ oder den Ausbau der Neckarschleusen einzusetzen.“

Dass da bei den „Stuttgarter Anliegen und Projekte“ nun ausgerechnet S 21 fehlt, mag noch Zufall sein. Doch wĂ€hrend nun im Oktober 2010 die ganze Republik ĂŒber „Stuttgart“ 21 redet, ist dazu auf Kumpfs Netzseite kein Wort zu lesen.

NatĂŒrlich – denn Ute Vogt und Ute Kumpf haben zusammen noch Ende August in der Regionalausgabe der SPD-Parteizeitung „VorwĂ€rts“ in Baden-WĂŒrttemberg zusammen mit dem SPD-Landesvorsitzenden Nils Schmid und dem Vorsitzenden der Landtagsfraktion Claus Schmiedel ein klare Stellungnahme fĂŒr das Großprojekt S 21 abgegeben. (4)

Doch auch in der SPD Stuttgart regt sich nun Widerstand. Wie es heisst, wird bei der heutigen Kreisdelegiertenkonferenz von SPD-Delegierten der Antrag auf einen Mitgliederentscheid der SPD zu S 21 eingebracht werden. FĂŒr eine Partei, die den Volksentscheid fordert, wĂ€re das ein Anfang mit gutem Beispiel. S 21-kritische SPD-Delegierte haben zudem angekĂŒndigt, die Montagsdemonstration bei ihrer Ankunft in der Theodor-Heuss-Straße zu begrĂŒĂŸen und eine ErklĂ€rung abzugeben.

Die heute 46. Stuttgarter Montagsdemo startet um 18 Uhr im Schlossgarten. Es sprechen Beate Weber, die ehemalige OberbĂŒrgermeisterin der Stadt Heidelberg und Dr. Peter C. Hangleiter aus Staufen, das durch seine anhaltenden Probleme mit aufquellendem Anhydrit bekannt wurde.  FĂŒr Musik sorgen die Trommler von Banda Maracatu. Danach geht es zur SPD-Kreisdelegiertenkonferenz in die Theodor Heuss Straße.

Volksreporter Stefan1531 berichtet wie immer live vom Ort des Geschehens. Radio Utopie ĂŒbertrĂ€gt.

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Quellen:
(1) http://www.spd-stuttgart.de/index.php?nr=41896&menu=1
(2) http://www.swr.de/nachrichten/bw/-/id=1622/nid=1622/did=6976952/pl927i/
(3) http://www.ute-kumpf.de/aktuelles/archive/2009/december/article/ute-kumpf-im-verkehrsausschuss/62.html
(4) http://rotstehtunsgut.de/2010/08/27/spd-baden-wurttemberg-und-stuttgart-21-opposition-geht-anders/