Afghanistan: Sicherheitspersonal täuscht Raketen-Angriff auf Anlage Südkoreas vor
Afghanistan, Provinz Parwan, US-Besatzungszone: Im Camp der „Wiederaufbau-Mission“ Südkoreas hat in der Nacht des 30.Juni Sicherheitspersonal einen Angriff und ein anschliessendes Gefecht vorgetäuscht. Dies berichtete ein Beamter des Aussenministeriums in Seoul der Nachrichtenagentur „yonhap“ (1).
Dem Bericht zufolge verließen in der betreffenden Nacht zwei Angehörige des hundertzwanzig Personen zählenden Sicherheitspersonals die Militärbasis Südkoreas und feuerten von außen mit RPGs zwei „raketenbetriebene Granaten“ hinein. Zwei andere Wächter schossen aus der Anlage zurück und täuschten mit den Kollegen unter falscher Flagge einen Angriff vor. Alle vier betreffenden Personen – „lokale Sicherheits-Wächter“, wie es hiess – seien durch die afghanische Polizei festgenommen worden, hieß es.
Während es aus Seoul hiess, „die exakten Motive für den vorgetäuschten Angriff seien noch nicht klar“, vermeldeten „New York Times“ (2) und „associated press“ (3) einen dringenden Wunsch der betreffenden hart arbeitenden Sicherheitsfachleute nach höherem Gehalt und Gefahrenzulage.
Südkorea hatte in den Jahren 2002 – 2007 im Rahmen des von den USA angeführten weltweiten antiterroristischen Feldzuges „Operation Enduring Freedom“ (OEF) Interventionsstreitkräfte in Afghanistan stationiert. Im Jahre 2007 zog die Regierung in Seoul unter Präsident Roh Moo-hyun die Truppen wieder ab – trotz einer ominösen „Entführung“ eines ganzen Reisebusses mit Mitgliedern einer evangelischen Sekte aus Südkorea durch „Taliban“. (Afghanistan,Geisel: Südkorea beschloss Truppenabzug VOR Entführung, 31.Juli 2007)
Roh kandidierte im Dezember 2007 nicht mehr zu den Präsidentschaftswahlen. Neuer Präsident Südkoreas wurde der konservative Lee Myung-bak, der sofort die „Sonnenschein-Politik“ einer Aussöhnung mit Nordkorea beendete. Altpräsident Roh dagegen starb im Mai 2009 eines merkwürdigen Todes. (Korea: Der merkwürdige Tod des ex-Präsidenten Roh Moo-hyun).
Nur zwei Monate später entsandte Präsident Lee 350 Soldaten (darunter Sondereinheiten) zur UNO-Militärmission Unifil in den Libanon. Im Juli 2010 verkündete Lee eine Wiederaufnahme der südkoreanischen Militärintervention in der zentralasiatischen Besatzungszone des Nordatlantikpaktes (Nato).
Zur Zeit sind 230 südkoreanische Soldaten in Afghanistan stationiert, 90 weitere sollen Ende August folgen (1). Insgesamt sollen es 350 werden (4) – um das z.Z. 49-köpfige „Provincial Reconstruction Team“ (PRT) und ihre gut bewachte Basis in der Provinz Parwan zu beschützen. Parwan ist Teil der US-Besatzungszone. Südkorea stellt ebenfalls vier Kampfhubschrauber des Typs „Black Hawk“ für den Afghanistan-Krieg zur Verfügung. Die Helikopter stehen unter US-Befehl. Der fingierte Raketen-Angriff ereignete sich in der Nacht vor der offiziellen Inbetriebnahme der PRT-Basis Südkoreas am 1.Juli.
Die Retter von Abendland, Bergland und Frühmorgenland werden sich abends am Lagerfeuer mit Sicherheit viel zu erzählen haben. Vor Gehaltskürzungen ist besser einiger Abstand zu nehmen.
(…)
Artikel zum Thema:
23.06.2010 McChrystal raus, Petraeus degradiert: Die “Warlord AG” Afghanistan bekommt einen neuen Geschäftsführer
Quelle:
(1) http://english.yonhapnews.co.kr/national/2010/08/06/47/0301000000AEN20100806001900315F.HTML
(2) http://www.nytimes.com/2010/08/07/world/asia/07afghan.html
(3) http://www.google.com/hostednews/ap/article/ALeqM5gJ5CxwiifpnvGx5qcvnL2iosmrTAD9HDSAV81
(4) http://www.koreatimes.co.kr/www/news/biz/2010/03/291_61881.html