Clinton-Rede bei Aipac: Status Quo im Nahen Osten „nicht haltbar“

Die Aussenministerin der USA Hillary Clinton hat ihre Nebentätigkeit offensichtlich wieder entdeckt. Bei einem Besuch des "American Israel Public Affairs Committee" schenkte sie jedenfalls ihren Vereinsfreunden relativ deutlich ein.

Auszüge aus der Rede von Hillary Clint0n bei der Aipac-Konferenz in der US-Hauptstadt Washington:

"Iran ist nicht die einzige Bedrohung am Horzizont. Israel steht heute vor einigen der härtesten Herausforderungen seiner Geschichte. Der Konflikt mit den Palästinensern und mit den arabischen Nachbarn Israels ist ein Hindernis für Wohlstand und Möglichkeiten für Israelis, Palästinenser und die Menschen in der Region. Und er bedroht Israels langfristige Zukunft als ein sicherer und demokratischer jüdischer Staat."

"Als Israels Freund obliegt es unserer Verantwortung Vertrauen ("credit") zu schenken wenn es fällig ist und die Wahrheit zu sagen wenn es erforderlich ist."

"Der Status Quo ist für alle Seiten nicht haltbar. Er verspricht nur mehr Gewalt und unerfüllte Bestrebungen. Diesen Kurs zu halten bedeutet einen Konflikt weiterzuführen, der tragische menschliche Verluste mit sich bringt. Israelische und palästinensische Kinder verdienen gleicherweise frei von Furcht aufzuwachsen und die Gelegenheit zu haben ihr volles gottgegebenes Potential zu erwecken."

"Es gibt einen anderen Pfad. Einen Pfad der zu Sicherheit und Wohlstand für alle Menschen in der Region führt. Das wird für alle Parteien - eingeschlossen Israel - erfordern, schwierige, aber notwendige Entscheidungen zu treffen (1). Beide Seiten müssen sich der Tatsache stellen, dass der Status Quo des letzten Jahrzehnts keine langfristige Sicherheit hervor gebracht und nicht ihren Interessen gedient hat." (2)

"Unsere Botschaft an Hamas ist klar: entsagen Sie der Gewalt, erkennen Sie Israel an und halten Sie bereits unterschriebene Verträge ein. Und ich werde heute wiederholen, was ich bereits viele Male zuvor gesagt habe: Gilad Shalit muss sofort freigelassen und mit seiner Familie wieder vereint werden." (1)

Wenn man sich nun vor Augen hält, dass Politik das schmutzigste Geschäft der Welt ist und diese Rede nicht vor einem liberalen arabischen Turnverein, sondern vor der weltweit berüchtigsten Lobby israelischer Kriegführung und Machtinteressen gehalten wurde (und zwar durch eines der mächtigsten Mitglieder dieser Lobby), so kann man getrost davon ausgehen, dass sich durch die machtvergessene und machtversessene neokonservative Lobby in den USA, durch die rechtsradikale Regierungsmafia Israels, sowie diverse Interessengruppen beider Seiten welche von einer Fortdauer des Status Quo im Nahen Osten profitieren würden, zumindest eine kleine Schockwelle ausbreiten wird.

Dass Hillary Clinton zudem betonte, das Bündnis der USA mit Israel sei felsenfest, gehört sowohl zum guten Ton wie zum Teil der weltpolitischen Realität. Dass die USA "entschlossen" seien, iranische Atomwaffen zu verhindern, heisst nicht die Iranische Republik wegen Atomkraftwerken zu bombardieren. Und ein Wirtschaftskrieg, ach Gott, den haben ja selbst die EU und die USA, was soll das.

Hier gibt es nichts Neues zu berichten; es sei denn, man hört in den nächsten 24 Stunden aus Teheran wieder einmal neue irrationale Drohungen und wildes Aufgepluster, die den Ball abermals genau im richtigen Moment vor Benjamin Netanjahus Füsse spielen.

Wenn also nun die übliche Vorlage für das religiöse Regime in Jerusalem (ohne Verfassung) durch das religiöse Regime im Iran (mit Verfassung) dieses eine Mal ausnahmsweise einmal ausbleiben sollte...
Wenn die Regierung von Irans Präsident Mahmud Ahmadinejad dieses eine Mal nicht sofort alles unternimmt, um ihren monotheistischen Glaubensdogmatikern in Jerusalem bei einem vollständigen Ruin aller Friedensbemühungen solidarisch zur Seite zu stehen...
Wenn es bei der Hamas Leute gibt die Zeitung lesen können und begreifen, dass niemand weniger Interesse an einem Frieden haben kann als Benjamin Netanjahu...

...dann könnten die Menschen in der Region und weltweit sich eigentlich auf gute Neuigkeiten in den nächsten Tagen freuen. Denn wahrlich - dieser Konflikt geht allen nur noch auf die Nerven.

(...)

Quellen:
(1) http://www.alertnet.org/thenews/newsdesk/N22183085.htm
(2) http://www1.voanews.com/english/news/usa/Clinton-US-Pursuing-New-Iran-Sanctions-That-Will-Bite-88819477.html

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