Woher will denn SpOn wissen, wann unsere Truppen wieder nach Hause kommen?
Die übliche Neocon-Finte über eine angebliche Truppenverstärkung in Afghanistan will von der politischen Niederlage der Kriegsparteien ablenken.
Es reichte immer noch eine einzige Meldung des medialen Flaggschiffs der Neokonservativen in Deutschland, um eine Debatte über den US-Präsidenten und seine Politik auszulösen. Man kann dies als bedauernswerten kleinen Nachklang der Geschichte einer bislang unmündigen Republik bewerten. Die Meldung im Hamburger Bundesnachrichtenamt SpOn (1) lautete wie folgt:
„Wie der .. weiter berichtet, wird US-Präsident Barack Obama nach der Bundestagswahl am 27. September fordern, dass die Bundeswehr noch mehr Soldaten in den Einsatz schickt. Amerikanische Diplomaten hätten dies fĂĽhrenden CDU-Politikern bereits angekĂĽndigt.“
Was ist so eine Meldung wert? Jeder kann sich selbst eine Meinung dazu bilden. Hierzu ein paar Fakten.
Die Entscheidung ĂĽber einen RĂĽckzug aus dem Besatzungskrieg in Zentralasien haben die Deutschen längst getroffen. Sie mĂĽssen sie nur noch durchsetzen. Sämtliche „Meinungsforscher“ oder „Umfrageinstitute“ sind sich einig – die Mehrheit der Deutschen, eine grosse und eindeutige Mehrheit, will ihre Soldaten aus Afghanistan nach Hause bringen.
Vor der Wahl hat die FDP zumindest einen Zeitplan für diesen Rückzug ins Spiel gebracht. Das hat sie nicht gemacht, weil sie so eine tolle Partei ist, sondern weil sie gewählt werden will. Das ist Politik.
Ebenso Politik – also reine Machtpolitik – ist die Wirkung einer solchen Forderung weltweit und gerade in den USA. Die allermeisten Amerikaner, auch die New Yorker, haben in ihrem ganzen Leben noch nie etwas von einer „FDP“ gehört, wozu auch. Deswegen erklärte die „New York Times“ (2) in ihrer Meldung auch erstmal unauffällig, wer oder was das wohl sein mag.
In der englischsprachigen „Reuters“-Meldung (3) konnte dann die entsprechend grössere Presse weltweit nachlesen, dass auch der amtierende Aussenminister Deutschlands Frank-Walter Steinmeier (SPD) „Gespräche ĂĽber einen Abzug“ der deutschen Truppen ins Spiel brachte. Und dass auch dies nicht geschah, weil Frank so ein netter Kerl ist, dĂĽrfte ebenfalls klar auf der Hand liegen. Denn auch er bzw seine Bundespartei muss – wenn er nicht grade wieder mal in BrĂĽssel ist und dank 500 Millionen Idioten in der EU einfach machen kann was er will – immer noch alle 4 Jahre in Deutschland einmal gewählt werden, auch wenn ihr das unangehm ist.
Dann stand einen Tag später im britischen „Independent“ (4) eine recht kurze Meldung ĂĽber unsere Kanzlerin, die 2009 zum vierten Mal in Folge vom einflussreichen „Forbes“ (5) zur „mächtigsten Frau der Welt“ gewählt worden ist, ohne dass die Deutschen ĂĽberhaupt begreifen wĂĽrden was das heisst, „mächtig“, „Welt“, usw.
Weltpolitik wird hierzulande nicht verstanden wird und die Bedeutung der Berliner Republik darin ebensowenig. Der Horizont der Deutschen reicht ungefähr von da bis da. Das ist jetzt nicht deshalb so, weil die Deutschen nicht grosses Potential als Entwickler, Erfinder, Diplomaten, Erbauer oder Erschaffer von irgendwas hätten. Das ist so, weil die Deutschen grosses Potential als Entwickler, Erfinder, Diplomaten, Erbauer oder Erschaffer von irgendwas haben. Das ist so, weil die Deutschen systematisch verdummt und verblödet werden, damit man sie besser ausbeuten und kontrollieren kann, ebenso ihre besten Talente ins Ausland quatschen und ihre Erfindungen rauben.
Auf der „Forbes“-Liste steht auf Platz 2 die Chefin der Einlagensicherungsfirma von Guthaben der US-BĂĽrger, einem Konzern in Staatsbesitz. Geschaffen wurde dieser 1933 im Rahmen des „New Deal“ unter Präsident Franklin D. Roosevelt nach der grossen Depression, als der Staat USA anfing an allen Banken und Konzernen vorbei direkt an die BĂĽrger Geldscheine auszugeben, damit sie diese ausgeben, was sie dann natĂĽrlich auch taten und damit den Wirtschaftskreislauf wieder in Schwung brachten. Seit diesem Zeitpunkt wird auf der ganzen Welt mit allerhöchster Nervosität jede Debatte verfolgt, deren Kern die Frage ist warum man eigentlich so etwas wie eine Bank (oder kommerzielle Zentralbank) ĂĽberhaupt braucht.
Heute sind Einlagen von US-BĂĽrgern bei der „Federal Deposit Insurance Corporation“ in Höhe von 250.000 Dollar staatlich abgesichert. Ein absurd hoher Wert. Und die Chefin dieser Behörde, Sheila Bair, gilt als die zweitmächtigste Frau der Welt – nach Angela Merkel, einem ehemaligen Mitglied der CDU-Blockpartei in der DDR, welche heute im Jahre 2009 den Deutschen nun verkĂĽndet, dass ihre Besatzungstruppen in Zentralasien leider weiterhin auf unbestimmte Zeit dort bleiben mĂĽssen und sie deshalb vom Parlament wiedergewählt werden will, welches ebenfalls demnächst wiedergewählt werden will – wie immer.
Erst wenn man begreift, wie wahnsinnig diese Welt geworden ist, ist man in der Lage sie zu ändern. Vorher nicht.
Kleiner Nachtrag zur Forbes-Liste: auf Platz 3 der mächtigsten Frauen der Welt steht die Chefin von Pepsi Cola, auf Platz 4 die „Leitende ausfĂĽhrende Offizierin“ (CEO) des Minen- und Bergbaukonzern Anglo American PLC, auf Platz 5 die Chefin der Immobilienfirma Temasek in Singapur (Besitz an Häusern und Gebäuden Asiens im Werte von 134 Milliarden US-Dollar), auf Platz 6 die Chefin des Nahrungskonzerns „Kraft“, usw.
Das sollte jedem zu denken geben.
Ein kleiner Tipp noch diesbezĂĽglich: diese Wahl der „Forbes“ ist durchaus auch selbst ein Akt der Wahrung von Interessen und Macht. Michelle Obama findet man ĂĽbrigens auf Platz 40.
Die „mächtigste Frau der Welt“ also, Angela Merkel, sie war nun einen Tag nach dem sicherlich nicht mächtigsten Mann der Welt, SPD-Spitzenkandidat Frank-Walter Steinmeier, im „Independent“ der britischen Monarchie aus einem Fernseh-Interview in Deutschland zitiert worden, wo sie den anderen Mächtigen der Welt versichern musste, es wĂĽrde keine Zeitlinie fĂĽr einen Abzug der deutschen Truppen aus Zentralasien geben (4).
Kann man sich jetzt ungefähr vorstellen, wie nervös diese ganzen Forbes-Mächtigen, diese Spinner und Grössenwahnsinnigen, diese Militärs und verrückten neokonservativen Putschisten gegen die Demokratie mittlerweile geworden sind?
Kann man sich jetzt in etwa denken, wieviel Angst diese weltweite Oberschicht und ihre Nomenklatura, ihre Eliten, die Ausbeuter der Welt, die Grossbourgeoisie und scheinreligösen Zirkel mittlerweile vor dem haben, was sie am Meisten auf der Welt verabscheuen – dem einfachen Volk und seiner Stimme?
Liebe MitbĂĽrger.
Ich kann Ihnen versichern, dass es völlig egal ist was in SpOn steht. Und es ist auch völlig egal, was irgendwer auf der Welt mit Geld nun denkt, was Sie zu tun oder zu lassen haben. Und auch was das US-Militär von ihnen will, oder der Präsident von China oder der Kaiser der USA, das ist alles so egal, das glauben Sie gar nicht.
Es ist und bleibt auch ganz allein Ihnen ĂĽberlassen, wann, wie und ob Sie die Soldaten Ihrer Republik aus irgendeinem wahnsinnigen Krieg in Zentralasien zurĂĽckholen, der unter absurden LĂĽgen ĂĽber 8 Jahre aus rein geostrategischen GrĂĽnden gefĂĽhrt wurde, welche wiederum in einem historisch-geschichtlichen Zusammenhang gesehen werden mĂĽssen.
Sie haben die Wahl. Das haben Sie immer. Und das ist das grösste Geheimnis dieser Welt.
(…)
Quelle:
(1) http://www.spiegel.de/spiegel/vorab/0,1518,645771,00.html
(2) http://www.nytimes.com/2009/08/21/world/europe/21iht-germany.html
(3) http://www.reuters.com/article/worldNews/idUSTRE57L12B20090822
(4) http://www.independent.co.uk/news/world/europe/merkel-says-no-timeline-on-afghanistan-1776312.html
(5) http://www.forbes.com/lists/2009/11/power-women-09_The-100-Most-Powerful-Women_Rank.html
(6) http://en.wikipedia.org/wiki/Federal_Deposit_Insurance_Corp