Administration auf Abwegen

Sind bestimmte Teile der Verfassung irrelevant geworden, wie mir ein ehemaliger fĂŒhrender Republikaner in einer Sitzung des Komitees fĂŒr AuswĂ€rtige Angelegenheiten sagte?

Damals wurde mir gesagt, dass die Forderung einer KriegserklĂ€rung vor dem Einmarsch in den Irak durch den Kongress, wie in Artikel I Paragraf 8 der Verfassung festgelegt, unnötig und anachronistisch sei. Kongress und PrĂ€sident machten damals weiter ohne eine verfassungsmĂ€ĂŸige KriegserklĂ€rung und die desaströse Invasion in den Irak war das Ergebnis.

In der vergangenen Woche machten Vertreter der Administration Obama klar, dass auch das Feigenblatt, das die Einbeziehung des Kongresses in Form der „ErmĂ€chtigung,“ Gewalt gegen den Irak anzuwenden, 2003 gebildet hatte, genauso ignoriert werden konnte. In einem Hearing vor dem MilitĂ€rausschuss erklĂ€rte Verteidigungsminister Leon Panetta eindeutig und wiederholt, dass die Regierung der Auffassung sei, die Anwendung militĂ€rischer Gewalt gegen Syrien sei allein auf der Grundlage „internationaler Genehmigung“ rechtlich gedeckt. Eine solche „internationale Genehmigung“ könnte kommen von den Vereinten Nationen, von der NATO oder einer anderen internationalen Körperschaft. Minister Panetta sagte dann zu Senator Sessions, dass je nach Sachlage die Regierung in Betracht ziehen wĂŒrde, den Kongress ĂŒber ihre Entscheidung zu informieren, und sogar um die ErmĂ€chtigung im Nachhinein ansuchen könnte.

WĂ€hrend Senator Sessions seine Überraschung ausdrĂŒckte ĂŒber die saloppe Dreistigkeit Panettas bei der Abgabe dieses Statements, war das in Wirklichkeit nur eine unverblĂŒmt abgegebene ErlĂ€uterung dessen, was de facto seit vielen Jahren praktiziert worden war. Als zum Beispiel PrĂ€sident Obama letztes Jahr die Vereinigten Staaten von Amerika militĂ€risch in einen prĂ€ventiven Krieg gegen Libyen verwickelte, wurde der Kongress völlig aus dem Spiel gelassen. Nicht anders wurden auch die MilitĂ€raktionen gegen Irak, Pakistan, Somalia, Jemen und so weiter ohne eine ErklĂ€rung des Kongresses durchgefĂŒhrt. In der Tat hatten wir seit 1942 keine richtige verfassungsmĂ€ĂŸige KriegserklĂ€rung, dennoch war das MilitĂ€r der Vereinigten Staaten von Amerika in Korea, Libanon, Irak, Bosnien, Liberia, Haiti und Libyen nur auf der Grundlage von UNO-Resolutionen im Einsatz. Die Rolle des Kongresses war darauf beschrĂ€nkt, die Mittel zu genehmigen, was er immer ohne Fragen macht, weil man ja „die Soldaten unterstĂŒtzen“ muss.

NatĂŒrlich soll unsere schĂ€rfste Kritik dem Kongress gelten und nicht der Administration. Wenn der Teil der Regierung, der das Volk vertritt, seine verfassungsmĂ€ĂŸige AutoritĂ€t an den exekutiven Bereich abtritt, wen trifft da die Schuld? Wen trifft die Schuld, wenn der Kongress als Körperschaft nicht aufsteht und fordert, dass der PrĂ€sident die Verfassung als mehr behandelt als ein anachronistisches Papier oder als einen Haufen von Bestrebungen und Richtlinien? Die Verfassung ist das Recht des Landes, und wenn der Kongress es zulĂ€sst, dass sie wissentlich missachtet wird, dann wirft das ein ebenso schlechtes Licht auf den Kongress wie auf einen PrĂ€sidenten, der darauf aus ist, sich ĂŒber sie hinwegzusetzen.

Erst letzte Woche kĂŒndigte die Administration an, sie wĂŒrde damit beginnen, die Rebellen, die die syrische Regierung stĂŒrzen wollen, materiell zu unterstĂŒtzen. War der Kongress in diese Entscheidung einbezogen, Partei zu ergreifen in einer Situation, die sich zu einem ausgewachsenen BĂŒrgerkrieg entwickeln kann? Und was ist mit den Berichten, dass SpezialkrĂ€fte der Vereinigten Staaten von Amerika bereits im Einsatz in Syrien sein könnten? Noch immer schweigt der Kongress, wĂ€hrend seine AutoritĂ€t untergraben wird. Wundert sich wirklich jemand, warum die Zustimmungsquoten fĂŒr den Kongress so niedrig sind?

Viele meiner Kollegen, die zuschauten, als der damalige PrĂ€sident Bush das MilitĂ€r als eine Art königliche Armee benutzte, rufen jetzt danach, gegen den jetzigen PrĂ€sidenten aufzutreten, weil er offen zugibt, dass das seine Absicht ist. Ich bin auch der Meinung, dass es höchste Zeit ist fĂŒr eine Aktion des Kongresses als Reaktion auf diese Angriffe gegen unsere Verfassung, aber die Lösung ist einfach und entspricht der Verfassung. Die Lösung besteht schlicht und einfach darin, dafĂŒr zu stimmen, dass die Mittel einbehalten werden, da der Kongress die Macht ĂŒber den Geldbeutel besitzt. Kein Geld fĂŒr nicht erklĂ€rte Kriege!

Qrginalartikel: An Administration Gone Rogue

Quelle: http://antikrieg.com/aktuell/2012_03_23_administration.htm