Die wahren Parteien des Bundestages
Die meisten StaatsbĂĽrger der Republik Deutschland werden denken, daĂź sie Angehörige der partei-politischen Organisationen mit Namen „SPD“, „CDU“, „BĂĽndnis 90/Die GrĂĽnen“, „FDP“, „Die Linke“ (bis 2005 „PDS“) und „CSU“ als Abgeordnete in den Bundestag gewählt haben.
Das ist so nicht ganz richtig. Alle diese Parteien sind Mitglied einer Einheitspartei auf Ebene der „Europäischen Union“, die sich in Jahrzehnten eines fast lautlosen Zentralisierungs- und Assimilationsprozesses gebildet haben und als deren faktisch untergeordneten Ableger die derzeitigen Bundestagsparteien heute operieren.
Mitte der 70er Jahren kam es innerhalb der „Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft“ EWG Westeuropas zu einer Reihe von Parteien-BĂĽnden, Föderationen, sowie der GrĂĽndung der ersten internationalen Einheitspartei. Anlass war die 1979 erfolgte erste direkte Wahl der 1952 gegrĂĽndeten „parlamentarischen Versammlung“ der EWG-Mitgliedsländern (der Name „Europaparlament“ wurde erst 1986 offiziell). Bis 1979 wurde die „parlamentarische Versammlung“ durch die Parlamente der EWG-Mitgliedsländer gewählt.
Die „Sozialdemokratische Partei Deutschlands“ SPD grĂĽndete 1974, zusammen mit den Mitgliedsparteien der „Sozialistischen Internationale“ innerhalb der EWG, den „Bund der Sozialdemokratischen Parteien der Europäischen Gemeinschaft“. 1992 transformierte der Parteienbund, gleichzeitig mit der GrĂĽndung der EWG-Parallelorganisation „Europäische Union“, zur Einheitspartei “Sozialdemokratische Partei Europas” SPE.
Die „Christlich Demokratische Union Deutschlands“ CDU, sowie die „Christliche Soziale Union“ CSU sind Mitglied der 1976 in Westeuropa gegrĂĽndeten Einheitspartei “Europäischen Volkspartei” EVP.
Die „Freie Demokratische Partei Deutschlands“ (FDP) grĂĽndete ebenfalls bereits 1976 zusammen mit acht weiteren Parteien aus acht EWG-Mitgliedsländern eine liberale Parteien-Föderation, die „Föderation der liberalen und demokratischen Parteien der Europäischen Gemeinschaft“ (FLIDPEG). Diese benannte sich ein Jahr später in „Europäische Liberale Demokraten“ (ELD) um.
Ein Jahr nach GrĂĽndung der EWG-Parallelorganisation „Europäische Union“ in 1992 (die 1993 in Kraft trat) und zeitnah mit der Umbenennung der EWG in EG („Europäische Gemeinschaft“) folgte 1993 die liberale Parteien-Föderation ELD dem Beispiel von „Konservativen“ und „Sozialdemokraten“ und formierte eine Einheitspartei: die „Europäische Liberale, Demokratische und Reformpartei“ ELDR.
NachzĂĽgler der Entwicklung von EU-Einheitsparteien im Bundestag: die Organisationen „BĂĽndnis 90/Die GrĂĽnen“ und „Die Linke“.
1980 grĂĽndete sich in der westdeutschen BRD, zum ersten Mal ĂĽberhaupt in der Geschichte des deutschen Teilstaates nach Faschismus und Weltkrieg, aus sozialen und gesellschaftlichen Bewegungen heraus eine neue Partei: „Die GrĂĽnen“. Auf Ebene der westeuropäischen EWG grĂĽndete sich im gleichen Jahr die „Koordination grĂĽner und radikaler Parteien in Europa“, die aber bereits 1982 wieder zerfiel. Nach dem Einzug der damals basisdemokratischen „GrĂĽnen“ in den westdeutschen Bonner Bundestag wurde auf EWG-Ebene die „Europäische GrĂĽne Koordination“ geschaffen.
Nach dem Zerfall des Ostblocks und des innerhalb von weniger als einem Jahr erfolgten Anschlusses der ostdeutschen DDR an die westdeutsche BRD flogen bei der ersten gesamtdeutschen Wahl des Bundestages am 2.Dezember 1990 die westdeutschen GrĂĽnen aus dem Parlament. Durch die AuĂźerkraftsetzung der 5-Prozent-HĂĽrde fĂĽr die Parteien der ehemaligen DDR kam die ostdeutsche Partei „BĂĽndnis 90/GrĂĽne – BĂĽrgerInnenbewegung“ mit 1.2 Prozent und acht Abgeordneten in den nun gesamtdeutschen Bundestag. 1993 schloss sich die im Bundestag vertretene ostdeutsche Partei „BĂĽndnis 90/GrĂĽne – BĂĽrgerInnenbewegung“ mit der aus dem Bundestag geflogenen westdeutschen Partei „Die GrĂĽnen“ unter dem neuen Parteinamen „BĂĽndnis 90/Die GrĂĽnen“ zusammen. Gleichzeitig wurde auf EWG-Ebene aus der „Europäischen GrĂĽnen Koordination“ die „Europäische Föderation GrĂĽner Parteien“.
Am 21.Februar 2004 war es dann soweit: unter ihrem Bundespartei-Vorsitzenden und AuĂźenminister Joschka Fischer, sowie den bis heute dominierenden Funktionären JĂĽrgen Trittin, Renate KĂĽnast und Claudia Roth, hatte die einflussreiche deutsche Regierungspartei entscheidenden EinfluĂź bei der Transformation der „Europäischen Föderation GrĂĽner Parteien“ zur Einheitspartei „Europäische GrĂĽne Partei“.
Nur Monate später: am 8.Mai grĂĽndet sich die Einheitspartei „Europäische Linke“. GrĂĽndungsmitglied: die 2002 aus dem Bundestag geflogene „Partei des Demokratischen Sozialismus“, die im Zuge der Wiedervereinigung 1990 umbenannte ehemalige „Sozialistische Einheitspartei“ SED der ostdeutschen DDR.
Wieder Monate später: in Deutschland grĂĽndet sich unter Anleitung von Gewerkschaftsfunktionären und SPD-Mitgliedern der Verein „Wahlalternative fĂĽr Arbeit und Soziale Gerechtigkeit“ WASG und kurz darauf die gleichnamige Partei. Schon kurz nach ihrer GrĂĽndung kursieren GerĂĽchte, die WASG werde bald durch die PDS ĂĽbernommen. Eine neue Partei werde sich grĂĽnden. Es wird von einer Rolle Oskar Lafontaines, dem 1999 zurĂĽckgetretenen SPD-Vorsitzenden und Finanzminister gemunkelt.
Nach erheblichem Widerstand des WASG-Bundesvorstandes unter dem heutigen Co-Bundesvorsitzenden von „Die Linke“, Klaus Ernst, tritt der nordrhein-westfälische Landesverband der WASG am 22.Mai 2005 zur NRW Landtagswahl an und erreicht im bevölkerungsreichsten Bundesland 2.2 Prozent bzw 181.988 Wählerstimmen. Bereits ein halbe Stunde nach VerkĂĽnden der ersten Wahlprogrognose stellt sich in Berlin der damalige SPD-Vorsitzende Franz MĂĽntefering vor die Kameras und verkĂĽndet in Absprache mit Bundeskanzler Gerhard Schröder die Auflösung des Bundesparlamentes und vorgezogene Bundestagswahlen. Vorgetragener Grund: die rot-grĂĽne Bundestagsmehrheit könne noch in der geltenden Legislaturperiode bis 2006 durch Parteiaustritte von SPD-Abgeordneten (und Ăśbertritten zu einer möglichen neuen Partei) verloren gehen.
Die gesamte Republik, bis hin zu Präsident und Bundesverfassungsgericht, unterwirft sich diesem Vorgang.
Nun verkĂĽndet Oskar Lafontaine: wenn sich WASG und PDS zusammenschlössen, werde er diese neue Partei unterstĂĽtzen und als ihr Spitzenkandidat antreten. Die WASG beschliesst auf ihrem Bundesparteitag (mit der Stimme des Autors dieses Artikels) den Verzicht auf einen eigenständigen Wahlantritt der WASG zugunsten der PDS, um zum ersten Mal in der Geschichte der gemeinsamen parlamentarischen Demokratie der Deutschen seit der nur fĂĽnfzehn Jahre existierenden Weimarer Republik eine „gemeinsame Linke“ im Parlament zu ermöglichen.
Was danach folgte, dürfte den Meisten bekannt sein. Wem der abscheulichste Verrat an ehemals linkem, sozialem oder gar sozialistischem Gedankengut und politischen Zielsätzen immer noch kein Begriff sein sollte, dem kann auch dieser Artikel nicht mehr weiterhelfen.
Zusammenfassung
SPD: SPE
CDU und CSU: EVP
FDP: ELDR
Bündnis 90/Die Grünen: Europäische Grüne Partei
Die Linke: Europäische Linke