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Nigel Farage: Freie Rede ist teuer in Brüssel

Von petrapez | 3.März 2010

3000 Euro Strafe für den frechen britischen Europaabgeordneten und EU-Gegner

Der Brite Nigel Farage sitzt seit 1999 als Abgeordneter im Europäischen Parlament. Er ist Co-Vorsitzender der europaskeptischen Fraktion Europa der Freiheit und der Demokratie.

Er ist Mitbegründer der 1993 gegründeten britischen Partei United Kingdom Independence Party (UKIP), die den Austritt Grossbritanniens aus der EU anstrebt. Im vergangenen Jahr erhielt die UKIP 16,5 Prozent der Stimmen bei den Europawahlen. (1) Die UKIP verfügt über zwei Sitze im House of Lords, dem Oberhaus des britischen Parlaments.

Nun muss Farage ein Bussgeld von ca. 3000 Euro zahlen, weil er den EU-Ratspräsidenten Herman van Rompuy ein “Charisma eines feuchten Lappens”, einen “stillen Mörder der europäischen Demokratie” unterstellt und Belgien als “so ziemlich ein Nicht-Land” bezeichnet hat.

“Wer sind Sie? Ich kenne Sie nicht. Niemand kennt Sie” und meinte damit den zweiundsechzigjährigen belgischen EU-Ratspräsidenten.

“Well, I’m afraid what we got was you … the question I want to ask is: who are you? I’d never heard of you – nobody in Europe had ever heard of you.

I can speak on behalf of the majority of British people in saying that we don’t know you, we don’t want you and the sooner you are put out to grass, the better.”

Die letzte Bemerkung des “ins Grass beissen” von Farage ist ausgesprochen unhöflich gewesen, so etwas sagt man nun aber wirklich nicht, das ist sehr ungezogen – aber eben hart von dem britischen Gentleman kalkuliert, um zu treffen und Aufmerksamkeit zu erregen.

Viele Augenzeugen haben den “Eklat” nicht live erlebt, denn man sieht auf dem Video der Provokation (das zum gegenwärtigen Zeitpunkt mit einer Viertelmillion Aufrufen grosses Interesse zu erwecken scheint) gegen den umstrittenen EU-Ratspräsidenten eine gähnende Leere auf den Bankreihen – Ausdruck der fehlenden Wertschätzung und Ehrerbietung des geschmähten “Gastes”.

Im Übrigen scheint es ein generelles symptomatisches Zeichen der Demokratie zu sein, die nicht vom Volke aus geht. So etwas kennt man auch aus dem Deutschen Bundestag zur Genüge – Desinteresse der Volksvertreter, die mit anderen lukrativen Erwerbstätigkeiten beschäftigt zu sein scheinen als sich ihre teuren Diäten mit der Auseinandersetzung der Politik zu verdienen.

Der Präsident des Europäischen Parlamentes, Jerzy Buzek, forderte am 2.März Farage auf, sich bei van Rompay und dem belgischen Volk zu entschuldigen, was Farage erwartungsgemäss in der fünfzehnminütigen Zusammenkunft ablehnte. Buzek drohte daraufhin mit Sanktionen und den Ausschluss aus der “Kammer”. Zum Schluss lief die Bestrafung auf die Zahlung von zehn Tagessätzen hinaus.

Farage erklärte auf seiner Twitter-Seite:

“Verurteilung, Brief aus dem Parlament. Vorsitzender: Maximal zulässige Geldbusse 2980 Euro. Freie Rede ist teuer in Brüssel.”

Er sagte, dass er Rechtsmittel gegen die Geldbusse einlegen werde. (2)

“Bin ich nicht berechtigt, einen Seitenhieb auf einen Mann auszuteilen, der fünfhundert Millionen Menschen repräsentiert und besser als der US-Präsident bezahlt wird?”

fragte Farage nach Angaben des Guardian.

Jerzy Buzek war von 1997 bis 2001 Ministerpräsident Polens und vor dem Fall der Mauer seit 1980 aktives Mitglied der ersten unabhängigen Gewerkschaft des Ostblocks und Vorsitzender des ersten Solidarno??-Kongresses. Buzek wurde als Mitglied der konservativ-liberalen Platforma Obywatelska 2004 als Abgeordneter in das Europäische Parlament gewählt. (3)

Buzek sagte, als ein ehemaliges Mitglied der polnischen Solidarnosc-Bewegung hätte er sich stets für freie Meinungsäusserung als “absoluten Eckpfeiler” einer demokratischen Gesellschaft eingesetzt. Farage könne die Politik und Institutionen der Union kritisieren so viel wie er will, aber nicht unsere Gäste – “our guests in the European parliament” - im Parlament oder die Länder, aus denen sie kommen, persönlich beleidigen, meinte Buzek.

Artikel zum Thema

01.03.2010 Kompetenzkrieg um Europas Führungsspitze
07.02.2010 DER MOLOCH

(1) http://de.wikipedia.org/wiki/UKIP
(2) http://www.guardian.co.uk/politics/2010/mar/02/nigel-farage-fined-mep-rompuy
(3) http://de.wikipedia.org/wiki/Jerzy_Buzek

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Topics: Politik | 12 Kommentare »

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12 Kommentare to “Nigel Farage: Freie Rede ist teuer in Brüssel”

  1. jimjune meint:
    3.März 2010 at 06:45

    das einzig markante an belgien ist seine nicht-markantheit. andere länder sind berühtm für ihre weine oder ihren käse. belgien ist nur berühmt für seine kinderschänder-ringe.
    insofern fand ich farage’s aussage geradezu genial satirisch auf den punkt gebracht. trotzdem sagt man sowas nicht in einem parlament. auch der feuchte lappen hätte nicht sein müssen.

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  2. freethinker meint:
    3.März 2010 at 07:23

    Immerhin sagt noch einer etwas zu diesem “Reichstagsbrand”.

    Desto eher die EU-Diktatur gestürzt wird, desto besser. Ab 22. Minute besonders interessant:

    http://video.google.com/videoplay?docid=8811031952524340682#

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  3. think better twice meint:
    3.März 2010 at 08:09

    Und?

    Wo kommt er nun her, der van Rom Pfui?
    Wer ist er?
    Wie kam er an den höchst lukrativen Job, den die EU bürgenden Bürger bezahlen?
    Ernannt vom ZK der Plutokratie?
    Wie wird man ihn wieder los?

    Sollte uns das nicht interessieren?
    Alle 500 Millionen EU-Bürger, für die er doch irgend eine Bedeutung hat, oder?

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  4. Andre meint:
    3.März 2010 at 11:11

    Nigel Farage for president !

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  5. Oscar meint:
    3.März 2010 at 11:11

    Buzek ist sowieso der Beste.

    Mich wundert es überhaupt iwie gar nicht, dass er nun Präsident des Europäischen Parlamentes geworden ist, da ihn die Bürger Polens mittlerweile satt hatten, durch die ganzen Skandale und Korruptionsvorwürfe, die in Polen ja eh unter der Hand weggewischt werden.

    Immerhin ist es immer wieder schön zu sehen, dass es noch Leute mit Anstand und Hirn in der EU, wie Nigel Farage gibt, welche einfach klar und deutlich aussprechen, was sie denken.

    Ob das ins “Gras beißen” nun verkehrt, darüber lässt sich streiten. Aber wie viele Politiker haben über die letzten Dekaden vermeintlichen Regimführeren das selbige öffentlich gewünscht und würden dafür belangt?
    Sie mussten nicht einmal eine 3000€ Strafe für zahlen..

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  6. Chris meint:
    3.März 2010 at 12:06

    Bravo, Nigel Farage!

    Zivilcourage par Excellennce.
    Die Beleidigungen waren unanständig, aber vielleicht bewirkt es, dass die Öffentlichkeit endlich was mitbekommt und aufwacht, denn Nigel Farage hatte hier schon glänzende Reden abgeliefert, von denen man in den Medien nichts mitbekam.

    Was mir sehr gefallen hat, war das sprachlose Entsetzen Rompuys und sein wahrhaft diabolischer Gesichtsausdruck, wo man doch sonst nur seinen treudoofen Blick kennt.
    Ob der mal Kunde von Dutroux war?

    Übrigens habe ich in letzter Zeit oft Verwandte und Bekannte gefragt:”Schon mal von Rompuy gehört”.
    Antwort fast immer:”Hä, wer soll das sein?”.

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  7. Ralf J. meint:
    3.März 2010 at 12:40

    Wir bräuchten mehr solche Leute Nigel Farage. Er hat ja schon öfter den zutiefst undemokratischen Charakter der EU und vor allem auch das Zustandekommen des “Lissabon Reformvertrages” scharf kritisiert und dem EU-Parlament den Spiegel vorgehalten.
    Weiter so, Nigel!

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  8. MiBiTri meint:
    3.März 2010 at 17:18

    Zusaätzlich zum Gehalt bekommt er noch ein kleines Baukonto: http://www.goldseiten.de/content/diverses/artikel.php?storyid=12677 …da verblasst das Gehalt zur Portokasse, wir kennen doch die Mentalität der Selbstbedienung in Brüssel, alle Achtung vor diesem Herrn Farage, von dieser Sorteh fehlen in Europa ein paar mehr, dann hätten wir noch etwas zum Positiven bewegen können bevor der Crash das nun bewirkt. Leider eben mit mehr Leid für die unschuldige Bevöökerung/Bewohner/Bürger oder wie man sie auch nennen will. Hoffentlich überlebt der Mann das, bei den Kinderfickern gabs ja das grosse Zeugensterben ( fast 30! ) und hier gehts um viel mehr!

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  9. think better twice meint:
    3.März 2010 at 22:12

    “…put out to grass” bedeutet: WIEDER AUF DIE WEIDE SCHICKEN.

    Kann sich jemand erinnern, daß Franz Josef Strauß jemals eine “Strafe” bezahlen musste in seinen legendären Reden gegen die Soziopathen?
    “Wir brauchen eine echte Opposition…..”

    http://www.youtube.com/watch?v=pvfyjLj0IVY

    Oder gab es jemals eine “Strafe” für Wehner in seinen legendären Repliken?

    http://www.youtube.com/watch?v=YEMOS1m6UgI

    Sehn se, da konnte man noch reden, wie einem der Schnabel gewachsen war.

    Was war daran falsch?

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  10. notwendig meint:
    3.März 2010 at 22:44

    schön daß der geschmähte nur als “Gast” bezeichnet werden konnte denn er hat keinerlei Legitimation
    naürlich bleibt Farage ein rechtslastiger Idiot aber zumindest ein aufgeweckter

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  11. Zweifler meint:
    3.März 2010 at 23:06

    @ think better twice

    “and the sooner you are put out to grass, the better.”

    “und je früher du dich ins Grass ausstreckst, umso besser.”

    Die Redewendung werden die Angelsachsen mit auf die Insel gebracht haben.

    Egal, kann man so oder so sehen.

    Petrapez hat sich für die krassere Auslegung entschieden :)

    Bei deiner harmloseren Auslegung hätte es dann nur 1000 Euro kosten dürfen und nicht den Höchstsatz ;)

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  12. petrapez meint:
    3.März 2010 at 23:39

    @ think better twice:

    hehe, tolle Videos, da war noch was los im Parlament und es war krachevoll.
    Man kannte ja sogar schon das Wort “crisis managment”, echt erstaunlich – vor allem richtig ausgesprochen im Gegensatz zu manch einem heute.

    @ Zweifler: hier war der Wunsch nicht Vater des Gedankens, nicht dass das jemand denkt. ^^