Afghanistan: Der Kupfer-Krieg

Im SĂŒden werden demnĂ€chst die Abbau-Rechte fĂŒr Kupfererz im Werte von 1.6 Billionen Dollar an internationale Konzerne vergeben.

Aynak (Ainak), nördliches Ende der Provinz Logar, 35 Kilometer sĂŒdlich von Kabul: hier im wĂŒsten Landes des Kriegsgebietes von SĂŒdafghanistan sind nicht nur Opium, Waffen und Krieg als Geld-oder Gewinnquelle zu haben – hier liegen laut Sondierungen durch US- und britischen Behörden 240 Millionen Tonnen Kupfererz mit einem Kupfergehalt von 2.3%, dicht unter der ErdoberflĂ€che und leicht abzubauen.

Bei einem von Aton-Analyst Wladimir Katunin prognostizierten Wert von 6 800 Dollar pro Tonne sind das Vorkommen im Werte von 1.632 Billionen Dollar, die Förderung könnte in 5 Jahren beginnen (1), und auch wenn einige Analysten davon ausgehen, daß der fĂŒr die Metallindustrie unersetzliche Rohstoff bis 2011 fallen wird(2), so ist das doch eher in das Reich der Spekulation zu verweisen.
Allein Chinas Nachfrage nach Kupfer hat sich in den letzten 10 Jahren verdreifacht und verbraucht ein FĂŒnftel der Weltproduktion. Auch wenn 1.4 Milliarden Menschen dort in letzter Zeit mehr Kupfer aus eigenem Abbau verbrauchen, wird es einen Grund geben, warum auch die Chinese China Metallurgical Group und die Zijin Mining Group zu den internationalen Konzernen gehören, die um die Abbaurechte in Aynak buhlen(3).

Diese wurden vor einigen Tagen von der „afghanischen Regierung“ bzw vom „Minenministerium“ ausgeschrieben, die Verhandlungen laufen aber samt und sonders ĂŒber die US-Beraterfirma Gustavson Associates (4)(5).

Die „Beraterfirma“ Gustavson Associates, LLC.

Dieses weltweit tĂ€tige und mit Öl, Gas, und Minenabbau erfahrene Konsortium beschreibt sich selbst als Problemlöser rund um den Abbau von Rohstoffen, mit TĂ€tigkeiten u.a. in den U.S., UK, China, Rußland, Japan, Kanada, Brasilien, Aserbeidschan, Qatar, Pakistan, Libanon, Irak und Afghanistan (6).
Die Klientenliste reicht vom US-Energieministerium ĂŒber die UNO, die Weltbank, Unocal, Exxon, Shell, Texaco, Arco, Chevron, Gaz de France, die Shanghai Petroleum Corporation, Projet PĂ©trolier de SĂšmĂš, usw, usw, usw…

Die Firmen

Laut Medienberichten, die allerdings doch eher dĂŒrftig zu finden sind, liegen in der engeren Auswahl um den dicken Rohstoffbatzen im afghanischen Kriegsgebiet folgende Firmen:
– die kanadische „Hunter Dickinson“
– die „China Metallurgical Group“ und die „Zijin Mining Group“
– die indische „Hindalco Industries“
– die U.S. „Phelps Dodge Corporation“
– die kasachische „Kazakhmys“
– die staatliche kontrollierte russische Aussenhaldelsfirma „Tyazhpromexport“ sowie die „Deripaska‘s SoyuzMetalResource“ (3).

Der Metallkonzern Hindalco besitzt die grĂ¶ĂŸte Kupferschmelze Indiens, ĂŒber die Kupfer-Tochter Birla Copper 2 Minen in Australien (die Birla Nifty Pty. Ltd. in West-Australien und die Birla Mount Gordon Pty. Ltd. in Queensland) (7) und ist außerdem noch Indiens grĂ¶ĂŸter Aluminiumproduzent sowie die viertgrĂ¶ĂŸte Aluminiumfirma Asiens (8).

Als aussichtsreichster Kandidat dĂŒrfte allerdings die U.S. „Phelps Dodge Corporation“ sein, die zwar weiter unter diesem Namen GeschĂ€fte macht, aber am 20.November von „Freeport-McMoRan“ fĂŒr 25.9 Milliarden Dollar aufgekauft wurde (9), sicher nicht ganz ohne Grund.
Der neue Supermulti ist nun unter dem Namen „Freeport-McMoRan Copper & Gold“ die grĂ¶ĂŸte Kupferhandelsfirma der Welt.

Kanada setzt Reservisten und „Zivilisten“ an der Front ein

Am 21. November verkĂŒndete Lt.-Gen. Andrew Leslie, Kommandeur der Kanadischen Armee, dem Verteidigungsausschuss des kandischen Parlamentes House of Commons, daß er aufgrund der militĂ€rischen Lage verstĂ€rkt Reservisten an der sĂŒdafghanischen Front einsetzen muß. Bereits jetzt dienen 300 Reservisten in Kandahar.
Außerdem teilte er mit, daß diese von „Zivilisten“, also Söldnern, ausgebildet wĂŒrden, die ĂŒberdies selbst zum Einsatz kĂ€men.
„Wir haben da offensichtlich eine kleine LĂŒcke“, so Leslie.
„Ich bin ĂŒberzeugt, die Reservisten werden die Anforderungen erfĂŒllen und uns durch diese Übergangsperiode bringen.“

Der Warlord Hekmatyar

Das Kupfergebiet in Aynak wird beherrscht von Truppen des KriegsfĂŒrsten und ehemaligen kurzzeitigen Herrschers Gulbuddin Hekmatyar (1). Dieser gilt auch und gerade „westlichen“ Quellen zufolge als machthungrig und skrupellos, außerdem soll er die „Taliban“ und „Osama Bin Laden“ unterstĂŒtzen (11).
Nun stellen aber zunehmend auch US-Medien die Frage, wer sich denn hinter diesem Schlagwort „Taliban“ eigentlich verbirgt – vielleicht gerade solche Figuren wie Hekmatyar, die schon so ziemlich mit jedem verbĂŒndet und verfeindet waren (12).
Interessanterweise galt aber gerade der immer als ein konstanter Freund der Pakistanis. Warum er dann in Afghanistan die westlichen Truppen so energisch bekÀmpft, bleibt das Geheimnis der offiziellen Logik westlicher Medien.
Eine erschreckende ErklĂ€rung wĂ€re folgende: die NATO zĂŒchtet sich, ohne RĂŒcksicht auf eigene oder sonstige Verluste regelrecht ihre Gegner, um nach und nach mehr LĂ€nder in den Krieg zu verwickeln und Truppen nach Afghanistan zu ziehen, um sie gerade im SĂŒden zu sammeln.
Wenn man die US-PlÀne zur Neuordnung des gesamten Nahen Ostens und Zentralasiens kennt (13), macht das erst Recht Sinn, auch und gerade hinsichtlich einer möglichen Ausdehnung des Krieges in den Iran.
MilitÀrisch gesehen ist es jedenfalls auffÀllig, wie eine hochmoderne MilitÀr-Maschinerie des Westblocks so in die Bredoullie geraten kann. Die Situation riecht ein wenig nach gewolltem Leidensdruck.
Dazu paßt auch, daß es GeheimgesprĂ€che zwischen dem Karzai-Regime, also den US-Besatzern, und Hekmatyar ĂŒber einen Pakt oder Waffenstillstand gegeben hat (14), auch von GerĂŒchten ĂŒber eine Aufteilung des Landes ist zu hören (15).
Und das obwohl offenbar Killer Hekmatyars noch am 25.September die „Frauenbeauftragte“ Kandahars Safia Amajan erschossen und am 22.November auf eine der drei Frauen im Provinzrat, Zarghona Kakar, ein Ă€hnliches Attentat verĂŒbt wurde (16).

Ebenfalls berichtet wurde auch ĂŒber PSYOPs (Operationen der psychologischen KriegsfĂŒhrung), also vorgetĂ€uschte „SelbstmordanschlĂ€ge“(17,18,19), EntfĂŒhrungen, Mord, Verbrechen und brutale Gewalt durch die NATO in Afghanistan und durch die Alliierten im Irak, um vom eigenen Krieg abzulenken, die PassivitĂ€t der besetzten Bevölkerung und ihrer GefĂŒgigkeit gegenĂŒber den verbĂŒndeten lokalen AutoritĂ€ten zu erzwingen, wahlweise einen BĂŒrgerkrieg zur eigenen Entlastung anzuzetteln, einen vorgetĂ€uschten Leidensdruck innerhalb der NATO zu erzeugen und die MitgliedslĂ€nder zu mehr Engagement zu zwingen(21), sowie langfristig nicht den Aufbau, sondern die komplette Auflösung staatlicher Strukturen zu erreichen(13).
Ebenfalls paßt in dieses fĂŒr im Westen aufgewachsene Gutgeldverdiener sicherlich verstörende Bild, daß allein im Irak 70.000 Söldner ohne irgendwelche staatliche Kontrolle, nur unter dem Befehl des Pentagon stehend, ihr Handwerk verrichten.
Das sollen auch genau die Massaker sein, die im „Westen“ dann als „Selbstmordattentate“ im „BĂŒrgerkrieg“ des Iraks abends in den „Hauptnachrichtensendungen“ das Bild des sich gern selbst umbringenden Moslem zeichnen…(20)

Quellen:
(1)
http://www.russland.ru/rupress0020/morenews.php?iditem=791
(2)
http://www.faz.net/s/Rub58BA8E456DE64F1890E34F4803239F4D/Doc~E7D07C90C169D4BD88C4B4A782EFAB084~ATpl~Ecommon~Scontent.html
(3)
http://en.rian.ru/analysis/20061121/55882245.html
(4)
http://www.bgs.ac.uk/afghanminerals/docs/tender_docs/Aynak/request_for_EOI_v7a_enGA.pdf
(5)
http://www.bestbizware.com/PressReleases/release1985.php
(6)
http://www.gustavson.com/
(7)
http://www.google.com/finance?q=Hindalco
(8)
http://www.hindalco.com/about_us/index.htm
(9)
http://www.cbc.ca/cp/business/061120/b112057A.html
(10)
http://www.cbc.ca/canada/nova-scotia/story/2006/11/21/reservists-pressure.html
(11)
http://en.wikipedia.org/wiki/Hekmatyar
(12)
http://www.cbc.ca/news/viewpoint/vp_rose/20061127.html
(13)
http://www.0815-info.de/archiv/2006/november/110643.php
(14)
http://news.independent.co.uk/world/asia/article2016129.ece
(15)
http://www.spiegel.de/international/spiegel/0,1518,450397,00.html
(16)
http://www.metimes.com/storyview.php?StoryID=20061122-060555-7934r
(17)
http://0815-info.de/archiv/2006/september/anschlag.php
(18)
http://0815-info.de/archiv/2006/november/110623.php
(19)
http://0815-info.de/timeline2006.php
(20)
http://www.iraq-war.ru/article/110393
(21)
http://0815-info.de/archiv/2006/november/110613.php