Die World Music Charts Europe März 2011

Nichts liegt der Radioredaktion von Radio Utopie ferner, als übelste Hintergedanken einer umfassend politisch verkorkst sich verwirklichenden europäischen Vision eines totalitären Satellitenblocks zu transportieren. Wir stellen aber gerade vielmehr anerkennend fest, dass es den engagierten Akteuren der World Music Charts Europe in einer wunderbaren Art und Weise gelingt, unser musikalisches Bewußtsein für die in Musik „materialisierten“ Gefühle der Menschen in aller Welt zu erweitern.

Musik an sich ist jedoch keine eigentliche Materialisation, sondern eher eine Schwingung, ein ungreifbarer Übertragungsweg, der über unsere Sinne die uns eigene, geistig/mentale Aktivität stimuliert. Wer hören kann, kann dadurch z.B. auch sehen. Fragt doch einmal einen Blinden, wie er das sieht.

Während zwar viele Interpreten durch die angeführten Verlinkungen nur angespielt werden, sollten wir uns auch dessen gewahr sein, dass das dadurch vielleicht ausgelöste Fernweh durch den Kauf des Produktes temporär befriedigt werden könnte und, von einer eher äußeren Zwiebelschale des Ganzen, auch neben den üblichen Profiteuren, hoffentlich nennenswerte Anteile von Geldern an die Produzenten der Schwingung zurückfliessen. Wer mehr zu tun gedenkt, vulgo den Produzenten daselbst zu spenden, findet gewiss einen noch direkteren Weg. Wir behalten es uns vor, in einer glücklicheren Stunde, die nicht ausschließlich davon bestimmt ist, als zum Brackwasser aus der Bilge der europäischen Sklavengaleere saufenden Arbeitskraft degradiert nur zu existieren, alsbald möglich wieder Interviews mit Initiatoren, Mentoren und Aktivisten zu bringen. Kommt Zeit, kommt Zeit dafür.

Der in diesem Monat herausragende Song ist „Sidebemonebo“ von Debademba aus Burkina Faso, einem der seit langem ärmsten Länder der Welt, wobei die WMCE erstaunlicherweise gar keinen Song explizit in den charts plaziert haben. Erwähnenswert ist auch, dass es endlich ganz multimedial Vids als Quellen gibt: The Karindula Sessions aus der Demokratischen Republik Kongo und ein Wiedersehen/Hören mit dem alten Jazzer Bill Frisell in Kooperation mit Vinicius Cantuaria aus Brasilien sind hierbei sehr empfehlenswert. Gern clicken wir uns auch weiter durch‘s Netz, um vollständigen Tracks der Finnin Maria Kalaniemi zu lauschen. Jaja, und durchaus auch wahnsinnig schön anzuhören ist die Favoritin dieser Charts in diesem Monat, die Spanierin Mercedes Peón. Na klar – wir vergessen auch nicht, ganz ohne Zero Zero oder noch besser Kif Kif den Marrokanern Majid Bekkas zu clicklauschen.…oommmm-pow!

Das Besondere am Webauftritt der World Music Charts ist, dass die gelisteten 20 Tracks zumeist vollständig sofort gehört werden können. Wessen Neugier also geweckt wurde, kann sofort Quellen finden, wo er die begehrte Musik beziehen kann.

Jeden ersten Samstag im Monat sind die World Music Charts auf dem UKW-Sender Funkhaus Europa zu hören.