Venezuela in den UN-Menschenrechtsrat aufgenommen

Trotz harscher Kritik meist westlicher Staaten ist die Regierung von PrĂ€sident NicolĂĄs Maduro am Donnerstag fĂŒr den Zeitraum ab Januar 2020 in den Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen gewĂ€hlt worden. Die 193 Mitglieder der Generalversammlung hatten zwei Sitze fĂŒr Lateinamerika und die Karibik zu vergeben. Zur Auswahl standen Brasilien, Venezuela und Costa Rica. Brasilien erhielt mit 153 die meisten Stimmen, dann Venezuela mit 105 und schließlich Costa Rica mit 96 Stimmen.

„Ich wĂŒrde diese Wahl sogar als historisch bezeichnen, denn wir sehen uns einer massiven Kampagne der USA und ihrer Vasallen ausgesetzt“, kommentierte Außenminister Jorge Arreaza das Votum. Nach Angaben des venezolanischen Chefdiplomaten wurden im Vorfeld der Wahl einige Nichtregierungsorganisationen mobilisiert, um Venezuelas Position zu schwĂ€chen. Konkrete Namen nannte er nicht. Er dankte den Mitgliedern der Blockfreienbewegung, die Venezuela bei der Abstimmung unterstĂŒtzt hatten.

„Wir werden nie vergessen, was sie fĂŒr unser Volk und die UN-Charta getan haben“, schrieb der venezolanische Botschafter bei der UNO, Samuel Moncada, auf Twitter. „Noch nie zuvor haben wir uns gegen so große und mĂ€chtige KrĂ€fte zur Wahl gestellt, aber das Risiko, zu verlieren, hat unseren Kampfgeist nur gestĂ€rkt, weil unsere Sache gerecht ist. Wir verteidigen unser Recht auf Selbstbestimmung und Frieden“, fĂŒgte er hinzu.

Die Wahl Venezuelas ist ein schwerer Schlag fĂŒr die Gegner der Maduro-Regierung. Sie hatten Costa Rica ins Rennen geschickt, um eine Aufnahme Venezuelas in das Gremium zu verhindern. Costa Ricas PrĂ€sident Carlos Alvarado hatte die Kandidatur seines Landes erst Anfang Oktober relativ kurzfristig bekanntgegeben.

Die Gegner der Kandidatur Venezuelas argumentierten unter anderem mit einem im Juli von der UN-Hochkommissarin fĂŒr Menschenrechte, Michelle Bachelet, vorgelegten Bericht, in dem neben weiteren Kritkpunkten den SicherheitskrĂ€ften des Landes mehr als 6.000 Morde seit Januar 2018 zugeschrieben werden. Venezuela hat diesen Bericht heftig kritisiert.

Der UN-Menschenrechtsrat hatte im andauernden Machtkampf in Venezuela in den vergangenen Wochen vor allem die US-Politik gegen das sĂŒdamerikanische Land hinterfragt. Die „einseitigen extraterritorialen Zwangsmaßnahmen“ gegen Venezuela wĂŒrden „die Auswirkungen der Wirtschaftskrise und damit die humanitĂ€re Situation des venezolanischen Volkes weiter verschĂ€rfen“, hieß es von dieser Seite.

Zugleich bekrĂ€ftigt das Gremium nach Angaben auf der UN-Website die universellen GrundsĂ€tze von SouverĂ€nitĂ€t, territorialer IntegritĂ€t und Selbstbestimmung, der Gleichheit der Staaten sowie der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten der Staaten. Alleine die Venezolaner seien dafĂŒr verantwortlich, eine „friedliche, demokratische und verfassungsmĂ€ĂŸige“ Lösung fĂŒr ihr Land zu finden, „ohne Einmischung durch MilitĂ€r, SicherheitskrĂ€fte oder auslĂ€ndische Geheimdienste“.

Die Wahl Venezuelas ist ein herber RĂŒckschlag fĂŒr die USA und ihre VerbĂŒndeten, darunter Deutschland. Sie hatten Anfang des Jahres den selbsternannten InterimsprĂ€sidenten Juan GuaidĂł anerkannt. Dieser Entscheidung schlossen sich allerdings nur gut 50 UN-Mitgliedsstaaten an. FĂŒr die Wahl Venezuelas unter PrĂ€sident Maduro stimmten am Donnerstag 105 Staaten.

Veröffentlichung am 18.10.2019 auf Portal amerika21.de