Versuchter Umsturz in Venezuela ist gescheitert
MilitĂ€r verweigert ParlamentsprĂ€sident GuaidĂł Gefolgschaft. Prominenter Teilnehmer des Putschversuchs flĂŒchtet in Botschaft von Spanien
In Venezuela hat der selbsternannte ĂbergangsprĂ€sident Juan GuaidĂł nach einem gescheiterten Umsturzversuch gegen Staatschef NicolĂĄs Maduro zu weiteren Protesten aufgerufen. GuaidĂł, der auch dem oppositionell dominierten Parlament vorsteht, rief zudem die StreitkrĂ€fte auf, bei einer als „Operation Freiheit“ bezeichneten Kampagne „voranzuschreiten“. An seine AnhĂ€nger appellierte er, am heutigen 1. Mai auf die StraĂen zu gehen, um Maduros Absetzung zu erreichen. Die Regierung erklĂ€rte dem Umsturzversuch vom Vortag indes fĂŒr gescheitert.
GuaidĂł hatte am Dienstag in den frĂŒhen Morgenstunden im Beisein einer kleinen Gruppe von Soldaten zum Sturz von Maduro aufgerufen. UrsprĂŒnglich hatte er zu Protesten am heutigen 1. Mai mobilisiert. In der Videobotschaft am Dienstag zeigte er sich demonstrativ mit Mitgliedern der Nationalgarde und gab an, die MilitĂ€rbasis La Carlota in der Hauptstadt Caracas zu kontrollieren. Der StĂŒtzpunkt wird in der Regel auch fĂŒr FlĂŒge der Regierung und des PrĂ€sidenten genutzt.
Schon wenige Stunden spĂ€ter kamen jedoch Zweifel an den Angaben GuaidĂłs auf. Mehrere Soldaten, die ihn am Dienstag begleitet hatten, gaben spĂ€ter an, unter falschem Vorwand zu der MilitĂ€rbasis gelockt worden zu sein. In Videos distanzierten sie sich ausdrĂŒcklich von der These, sie hĂ€tten die von GuaidĂł ausgerufene „Operation Freiheit“ unterstĂŒtzt. Der PrĂ€sident der vom Regierungslager kontrollierten Verfassungsgebenden Versammlung, Diosdado Cabello, widersprach zugleich der Darstellung, der ArmeestĂŒtzpunkt La Carlota sei von der Oppositionsgruppe um GuaidĂł eingenommen worden. Das GelĂ€nde befinde sich nach wie vor unter Kontrolle des MilitĂ€rs. MutmaĂlich hatte GuaidĂł sein Video vor den Toren der MilitĂ€rbasis aufgenommen, um den Endruck zu erwecken, er werde von der Armee unterstĂŒtzt. Seit seiner Selbstausrufung als ĂbergangsprĂ€sident am 23. Januar hatte der Oppositionspolitiker mehrfach an die Armee appelliert, ihn zu unterstĂŒtzen, bislang ohne Erfolg.
GuaidĂł hatte in seiner Videobotschaft erklĂ€rt, er habe Teile des MilitĂ€rs auf seiner Seite. „Heute sind mutige Soldaten, mutige Patrioten, mutige MĂ€nner, die die Verfassung verteidigen, unserem Aufruf gefolgt“, sagte er. SpĂ€ter kam es in der Hauptstadt zu gewaltsamen ZusammenstöĂen zwischen AnhĂ€ngern des selbsternannten ĂbergangsprĂ€sidenten und SicherheitskrĂ€ften. Dabei wurden nach Oppositionsangaben rund 70 Menschen verletzt. Im nördlichen Bundesstaat Aragua soll ein OppositionsanhĂ€nger ums Leben gekommen sein. Auch international berichtet wurde ĂŒber einen Zwischenfall nahe des StĂŒtzpunkts La Carlota, bei dem ein Armeefahrzeug mehrere Demonstranten ĂŒberfuhr, nachdem sie das Fahrzeug angegriffen hatten. PrĂ€sident Maduro sprach am Dienstagabend indes von einer „Niederlage der kleinen Gruppe“. Ziel der UmstĂŒrzler sei es gewesen, Gewalt zu schĂŒren, um eine weitere Destabilisierung des Landes herbeizufĂŒhren. Maduro kĂŒndigte zugleich strafrechtliche Schritte gegen die Teilnehmer des Umsturzversuchs an.
In einer landesweit ĂŒbertragenen Fernsehansprache betonte der Linksnationalist die Rolle „patriotischer MilitĂ€rs“ bei der Verhinderung des erneuten Putschversuchs. Nach Maduros Angaben habe sich der Umsturzversuch auf die Francisco-Fajardo-Autobahn beschrĂ€nkt. Die UmstĂŒrzler hĂ€tten acht Panzer gekapert und die Autobahn blockiert. Nach Angaben des PrĂ€sidenten wurden bei den Auseinandersetzungen fĂŒnf GenerĂ€le zum Teil schwer verletzt.
Der Oppositionspolitiker Leopoldo LĂłpez, seine Frau Lilian Tintori und eine ihrer Töchter sind am Dienstagnachmittag zunĂ€chst in die Residenz des chilenischen Botschafters in Caracas geflĂŒchtet und fanden spĂ€ter in der Botschaft Spaniens Zuflucht. Chiles AuĂenminister Roberto Ampuero schrieb: „Lilian Tintori und ihre Tochter sind als GĂ€ste in die Residenz unserer diplomatischen Mission in Caracas gekommen. Vor wenigen Minuten schloss sich ihnen ihr Ehepartner Leopoldo LĂłpez an. Chile bekrĂ€ftigt sein Engagement fĂŒr venezolanische Demokraten“, schrieb Ampuero auf Twitter. LĂłpez befand sich zuletzt unter Hausarrest, nachdem er wegen blutigen Protesten Anfang 2014 zu einer langjĂ€hrigen Haftstrafe verurteilt worden war. Am Dienstag war er mit GuaidĂł zusammen im Video aufgetreten und hatte angegeben, von Soldaten „befreit“ worden zu sein.
FĂŒr diese These gab es jedoch ebenso wenig eine unabhĂ€ngige BestĂ€tigung wie fĂŒr die aus den USA verbreitete These, NicolĂĄs Maduro habe angesichts des Umsturzversuchs nach Kuba flĂŒchten wollen. Dies hatte US-AuĂenminister Mike Pompeo gegenĂŒber dem US-Sender CNN behauptet. SpĂ€ter brachte CNN auch das Dementi von Maduro: Pompeo verbreite „Unsinn und LĂŒgen“, so Maduro, der anfĂŒgte: „Bitte, Herr Pompeo, das meinen sie nicht wirklich ernst.“
Erstveröffentlichung auf Portal amerika21.de am 1.5.2019
