„Auch ich, mein Donald..?“
Der CĂ€sar des Leit-Imperiums der „westlichen“ Welt, Donald Trump, schmeisst den Direktor seiner Geheimpolizei raus, F.B.I.-Direktor James Comey. Trump schickt dafĂŒr am Dienstag seinen Vertrauten und langjĂ€hrigen Bodyguard Keith Schiller mit einem Brief direkt zum F.B.I.-GebĂ€ude in Washington. Comey erfĂ€hrt laut Presseinformanten davon wĂ€hrend einer F.B.I.-Veranstaltung in Los Angeles und muss sich den eigenen Rauswurf erst aus Washington bestĂ€tigen lassen. Dann fliegt er zurĂŒck und veröffentlicht umgehend ein moderat gehaltenes Abschiedsschreiben.
Der gesamte geheimdienstliche Komplex in der U.S.-Hegemonie und dessen assoziierte Presse und politischen ReprĂ€sentanten aber, sie reagieren nun entsprechend dem drohenden Machtverlust („Putsch! Putsch von oben! Massaker!„). Parallelen zum „Samstag Nacht Massaker“ werden gezogen, dem Rauswurf von Sonderermittler Archibald Cox durch U.S.-PrĂ€sident Richard Nixon. Dessen Auftrag war die AufklĂ€rung der Watergate-AffĂ€re, welche schlieĂlich zum RĂŒcktritt Nixons fĂŒhrte.
Die Entlassung vom damaligen Sonderermittler Archibald Cox durch PrĂ€sident Nixon, der die im WeiĂen Haus durch dessen Ăberwachungssystem selbst aufgezeichneten GesprĂ€che nicht herausrĂŒcken wollte, mit der Entlassung des untergebenen und vom VorgĂ€nger Barack Obama ernannten F.B.I.-Direktor Comey zu vergleichen, ist genauso zynisch und typisch fĂŒr einen ganz normalen Machtkampf wie Trumps BegrĂŒndung fĂŒr Comeys Rauswurf.
Ende Oktober 2016, elf Tage vor der PrĂ€sidentschaftswahl, hatte der damalige F.B.I.-Direktor in einem Brief an den Kongress ĂŒber fortlaufende Ermittlungen des F.B.I. gegen Trumps damalige Gegenkandidatin im Rennen um die PrĂ€sidentschaft Hillary Clinton veröffentlicht. Clinton, zu diesem Zeitpunkt klare Favoritin im Rennen um die PrĂ€sidentschaft, kostete diese Intervention Comeys nach ihrer eigenen Aussage – und nach allgemeiner Auffassung auch der ganz Breiten in der Ăffentlichkeit – die PrĂ€sidentschaft. Die „Demokraten“ waren seinerzeit schwer empört.
Was Trump jetzt tat, ist folgendes: er begrĂŒndete Comeys Rauswurf u.a. ausgerechnet mit dessen BeschĂ€digung Clintons im Wahlkampf – natĂŒrlich eine Steilvorlage fĂŒr die Kommentatoren von „The Young Turks“ . Da diese Darstellung des WeiĂen Hauses sogar die eigenen AnhĂ€nger verstörte, Ă€nderte dieses mittlerweile seine Darstellung und gerĂ€t mehr und mehr ins Schwimmen.
Die tatsĂ€chlichen HintergrĂŒnde des Rauswurfs von Comey, der aller Wahrscheinlichkeit vom PrĂ€sidenten selbst und durch vielleicht ein, zwei Vertraute vorbereitet wurde, um die Geheimhaltung gerade gegenĂŒber der eigenen Geheimpolizei zu gewĂ€hrleisten, dĂŒrften ganz anders sein, als etwa der ausgerechnet vom geheimdienstlichen Komplex erhobene Vorwurf, Russland habe die Wahlen in den U.S.A. beeinflusst und nicht etwa das F.B.I. und Comey, um nur ein Beispiel zu nennen.
U.S.-Geheimdienste hatten wĂ€hrend des Wahlkampfes „versehentlich Informationen ĂŒber U.S. BĂŒrger im Trump Teamâ gesammelt. Dies erklĂ€rte öffentlich der Vorsitzende vom Geheimdienste-Ausschuss des ReprĂ€sentantenhauses, Devin Nunes, am 22. MĂ€rz.
Zwei Tage zuvor hatte F.B.I.-Direktor Comey dem nun amtierenden PrĂ€sidenten Donald Trump einen „Schlag in die Magengrubeâ verpasst, wie es der Sender âNBCâ treffend formulierte. Comey hatte bei einer Kongressanhörung öffentlich verkĂŒndet, sein F.B.I. wĂŒrde tatsĂ€chlich immer noch âjedwede Verbindungen von allen mit der Trump-Kampagne assoziierten Individuenâ zur russischen Regierung untersuchen â also faktisch auch gegen den amtierenden PrĂ€sidenten selbst ermitteln.
Am 23. MÀrz schrieb Radio Utopie zu der AffÀre:
„Es könnte ein noch genauer zu definierender Bumerang fĂŒr den obersten Geheimpolizisten der U.S.A. gewesen sein.“
Offensichtlich erwischte Comey nun genau dieser Bumerang in Gestalt der regulÀren Hierarchie der Vereinigten Staaten von Amerika.
Entsetzte und kalt erwischte Höflinge des geheimdienstlichen Komplexes sprachen entsprechend von einem Schlag gegen die Kultur, die Tradition, ja gleich die Demokratie Amerikas, um die sie sich zeitlebends genauso einen feuchten Schmutz geschert haben wie um alle anderen.
Vor wenigen Tagen, vor dem Rauswurf von Comey, gaben sowohl die damalige Justizministerin Sally Yates, als auch der damalige Geheimdienstdirektor James Clapper bei einer Kongressanhörung selbst zu, Einsicht in „unmaskierte“ Geheimdienstinformationen – also abgehörte Telefonate, kopierte / mitgeschnittene Emails, Lauschangriffe, Videoaufnahmen von Spionageaktionen, etc, etc – ĂŒber bzw aus dem „Trump Team“ gehabt zu haben – also wohl auch vom nun amtierenden PrĂ€sidenten.
Trump beschwerte sich durchaus zu Recht, dass die Massenmedien dies versuchten zu ignorieren.
Dass die auch nach Trumps Amtsantritt zunĂ€chst weiter amtierende Justizministerin Yates ĂŒberdies geheime Informationen aus dem WeiĂen Haus bzw Geheimdienstinformationen an die Presse weitergegeben hatte, legte Trump vor der Anhörung nahe. Zu Beweisen ist dies zur Zeit nicht, Yates und Clapper dementierten.
Das Problem Trumps, wie das aller anderen weltweit von der MassenĂŒberwachung der U.S.-Behörden und Konsortien Betroffenen: das Ganze war und ist nach geltendem U.S.-Recht – welches spĂ€testens seit dem Patriot Act ein faktisches Kriegsrecht „zweier Arten von Gesetzen“ ist – völlig legal.
Schön, wenn man wenigstens gleich diejenigen rauswerfen kann, die einen bespitzeln. Sonst mĂŒsste man am Ende noch jahrzehntelang Millionen von Schwachköpfen Lesen und Denken beibringen.
Comey, im MĂ€rz zu Hofe beim geheimdienstlichen Komplex in der „Intelligence and National Security Alliance„, sagte damals laut den MediengĂ€sten aus der Ehrenloge:
„Ich weiĂ, dass wenn ich eine harte Entscheidung treffe, ein Sturm folgen wird. Ehrlich gesagt, es ist mir egal.“
Comey, der bereits eine PrĂ€sidentin verhinderte und offensichtlich versuchte einen anderen ĂŒber ĂŒbelste Schmutzgeschichten zu erpressen und dafĂŒr vor wenigen Tagen von diesem auch noch mehr Geld haben wollte, muss es nun ein wenig wie Brutus bei den Senatoren gegangen sein, der vom CĂ€sar vorher erwischt wird.
Was wiederum beweist, das selbst am untersten Ende der „Nahrungskette“ eines nie ausgeht, wenn es dort wenigstens Pressefreiheit gibt:
das Popcorn.
