Weitere 50 Jahre Unfrieden im Mittleren Osten
Einer meiner liebsten literarischen AusdrĂŒcke ist der Begriff âPartherpfeil.â Dieser bezieht sich auf die bevorzugte Taktik der Parther, eines persischen Volks, sich auf dem PferderĂŒcken umzudrehen und im Davonreiten Pfeile abzuschieĂen.
Der römische Konsul Crassus, der Spartacus besiegt hat, könnte nach seiner Niederlage in der Schlacht von Carrhae 53 v.Chr. an so einem Partherpfeil gestorben sein.
Diese Woche schoss der scheidende PrĂ€sident Barack Obama seinen Partherpfeil auf Israels FĂŒhrer Benjamin Netanyahu ab, indem er sich ausnahmsweise weigerte, ein Veto gegen eine Resolution des UNsicherheitsrats einzulegen, die Israels anhaltende Enteignung arabischen Bodens in der besetzten West Bank verurteilte.
Gleichartige Enteignung und ethnische SÀuberungen in den von Israel okkupierten Golanhöhen, die rechtlich zu Syrien gehören, wurden nicht erwÀhnt.
In den vergangenen acht Jahren hat die Administration Obama mit Israel diskrete GesprĂ€che ĂŒber die Errichtung von Siedlungen in der West Bank und Jerusalem gefĂŒhrt. In der Ăffentlichkeit hielt die Obamaregierung die alberne aber bequeme Fiktion aufrecht, dass fruchtbare GesprĂ€che gefĂŒhrt wĂŒrden, die zur Schaffung von zwei Staaten im historischen PalĂ€stina fĂŒhren wĂŒrden.
Niemand glaubte wirklich diesen Unsinn: nicht Israel, nicht Mahmoud Abbas, der von den Vereinigten Staaten von Amerika und Israel eingesetzte Quisling, nicht die UNO, nicht Amerikas Alliierte, die arabischen Klientenstaaten eingeschlossen. Die Aufrechterhaltung dieser LĂŒge bedeutete, dass niemand etwas zu unternehmen brauchte, um Israels unĂŒbersehbare Expansion zu durchkreuzen.
Wenn Barack Obama und seine feministische auĂenpolitische Riege gelegentlich öffentliche Piepser des Protests von sich gaben, wurden er und VizeprĂ€sident Joe Biden abgewatscht und jĂ€mmerlich gedemĂŒtigt. Es spielte keine Rolle, dass die Administration Obama versprach, Israel 38 Milliarden Dollar aus dem US-Steuertopf zum Kauf von Waffen zu ĂŒberweisen, gegen eine endlose Serie von UNO-Resolutionen, die Israel wegen illegaler Ausbreitung und wegen massiver VerstöĂe gegen die Menschenrechte verurteilten, ihr Veto einlegte, Israel machte klar, wer wirklich der Boss in Washington war, und der war nicht Barack Obama.
Als Netanyahu zu guter Letzt Obama links liegen lieĂ, als er anreiste, um eine Rede vor dem Kongress zu halten, gerieten Abgeordnete und Senatoren der Vereinigten Staaten von Amerika aus dem HĂ€uschen ob Netanyahus Anwesenheit und dem Versprechen reichlicher politischer Spenden, und diese Jasager hĂŒpften auf und ab in krasser Verehrung des âKönigs von Israel.â
Amerikas Medien, die ihn nicht weniger anhimmelten, lobten Natanyahu und schimpften Obama, weil er, wenn auch nur klÀglich versuchte, Amerikas Interessen im Mittleren Osten sicherzustellen und Israels Drang nach Lebensraum einzubremsen.
Wie der weise Voltaire feststellte: âWENN DU ERFAHREN WILLST, WER DICH BEHERRSCHT, FINDE EINFACH HERAUS, WEN DU NICHT KRITISIEREN DARFST.â
Obama hĂ€tte vor acht Jahren handeln mĂŒssen, nicht in den letzten Minuten seiner Amtszeit. Jetzt hĂ€ngt das Gespenst des wichtigtuerischen Donald Trump ĂŒber der moribunden Administration und lĂ€sst ihre offenkundigen Fehler im Ausland deutlich erkennen. Wenn wir Trumps Tweets diese Woche auf die Weigerung der Vereinigten Staaaten von Amerika hin ernst nehmen, ausnahmsweise ein Veto gegen eine milde UNO-Resolution in Sachen PalĂ€stina einzulegen, dann stehen dem Mittleren Osten rauere Zeiten bevor als ĂŒblich.
Trump weiĂ nicht viel ĂŒber den Mittleren Osten. Er wird sich verlassen auf einen engen Kreis von extremen Zionisten, die er namhaft gemacht hat, um das Thema zu behandeln. Das ist nĂ€rrisch und völlig verrĂŒckt â auĂer Trump macht sich irgendwie Hoffnungen, Israel durch jemanden zu einer wirklichen Zweistaatenlösung zu bewegen, der seine Kohorten derjenigen benĂŒtzt, die auf ein GroĂisrael hinarbeiten.
Frieden im Mittleren Osten scheint kaum vor uns zu liegen. Israels Hardliner RechtsauĂen, die sich weiter im Aufstieg befinden, scheinen entschlossen zu sein, Israels âvorlĂ€ufigeâ Grenzen in Teile Syriens zu verlegen. Einige Ultrazionisten sprechen sogar ĂŒber das Erdöl des Iraks in Kurdistan. Warum nicht. Die klĂ€glichen arabischen Staaten befinden sich im Zusammenbruch. Ăgypten wird beherrscht von einem grausamen Diktator, der mit Geld der Saudis und Israels finanziert wird. Die Saudis sind nutzlos und verrĂŒckt gemacht durch kindische TrĂ€ume von der Macht. Die Vereinigten Staaten von Amerika sind jetzt sicher in HĂ€nden Israels. Es gibt Erdöl und Erdgas vor der KĂŒste im Mittelmeer (die PalĂ€stinenser werden davon natĂŒrlich nichts kriegen.)
Was tun mit all diesen PalĂ€stinensern? Der verstorbene General Ariel Sharon hatte die Antwort: sie abschieben in die unwirtlichen ĂdflĂ€chen Jordaniens, eines US-israelischen Protektorats, und das dann als PalĂ€stina bezeichnen.
Zu schlimm, wenn das der Welt nicht passt. Israel schaut vielleicht auf der Landkarte klein aus, ist aber ein riesiges Land voller sehr kluger Leute, die wissen, was sie wollen und wie sie es kriegen.
Aber das ist ein sehr kurzsichtiger Sieg. Durch die Vereitelung eines UNO-Friedensabkommens, das nahezu ein halbes Jahrhundert Streit beendet hĂ€tte, garantiert Israel weitere endlose Jahre der Gewalt, ansteigenden Antisemitismus und seine anhaltende Entfremdung vom Rest der Welt. Ein neuer Apartheidstaat wird geboren. Alle die wohltönenden Reden PrĂ€sident Obamas ĂŒber Frieden im Mittleren Osten haben sich in Luft aufgelöst.
Orginalartikel ANOTHER 50 YEARS OF MIDEAST STRIFE
