Umstrittene CO-Pipeline wird zum Thema auf der Bayer-Hauptversammlung
Bundesverfassungsgericht: Beschluss ĂŒber Bayer-Kohlenmonoxid-Leitung noch nicht in Sicht. Initiative bleibt am Ball.
Ein in sich verknotetes Stahlrohr symbolisiert im Monheimer Stadtzentrum den Widerstand gegen die vom Bayer-Konzern geplante Kohlenmonoxid-Leitung durch die Region. Dieses von Anti-CO-Pipeline-Koordinator Erwin Schumacher entworfene Mahnmal lieĂe sich auch als Warteschleife deuten. Seit dem von den Pipeline-Gegnern als Teilerfolg bejubelten Beschluss des Oberverwaltungsgerichts (OVG) MĂŒnster im August 2014 liegt das Verfahren beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe. Alles wartet auf eine Entscheidung. Doch nach Auskunft von Gerichtssprecher Michael Allmendinger ist ein Termin noch nicht absehbar. „Die durchschnittliche Verfahrensdauer betrĂ€gt zwar zwei Jahre, aber in dem Dezernat gibt es weitere Verfahren, die vorrangig sind“, erklĂ€rt er.
Ăber eine LĂ€nge von 67 Kilometern hatte der Bayer-Konzern bis 2011 unter anderem in Monheim, Langenfeld, Hilden, Erkrath und Ratingen Metallrohre im Boden verlegt, um darin das im Dormagener Werk hergestellte und fĂŒr Menschen hochgefĂ€hrliche Kohlenmonoxid (CO) nach Krefeld-Uerdingen zu befördern. Doch die Inbetriebnahme hat der breite Widerstand von BĂŒrgern, Kommunalpolitikern und Stadtoffiziellen bislang verhindert. Die Richter in MĂŒnster bezeichneten 2014 das so genannte Rohrleitungsnetz als verfassungswidrig, auf dessen Basis einst GrundstĂŒcke von Anwohnern entlang der Trasse enteignet worden waren. Die Stadt Monheim hatte noch unter dem damaligen BĂŒrgermeister Thomas DĂŒnchheim eine entsprechende Klage des ortsansĂ€ssigen, mittlerweile gestorbenen Landwirts Heinz-Josef Muhr vorangetrieben und auch unterstĂŒtzt.
Der DĂŒsseldorfer Rechtsanwalt Jochen Heide vertritt in dieser Klage die Interessen der Familie Muhr. „Das Bundesverfassungsgericht betrachtet die Entscheidung nicht als eilig und hat damit ja auch recht. Die CO-Pipeline ist nicht in Betrieb, es passiert also nichts.“ Alle Akten liegen in Karlsruhe, weitere Stellungnahmen der Beteiligten werden nach Heides EinschĂ€tzung erst etwa ein Jahr vor dem zu erwartenden Beschlusstermin angefordert. „Das ist fĂŒr uns quasi ein FrĂŒhwarnsystem.“
Auch Sprecher Jochen KlĂŒner von der Covestro AG (ehemaliger Bayer-Teilkonzern Material Science) hat noch kein Signal aus Karlsruhe erhalten. Von dem noch vor Jahren vom Konzern in Sachen CO-Pipeline geltend gemachten Zeitdruck ist im GesprĂ€ch mit unserer Redaktion nichts zu spĂŒren. „NatĂŒrlich hĂ€tten wir es uns anders gewĂŒnscht und gerade im internationalen Wettbewerb gerne Klarheit.“ Aber dem Unternehmen bleibe nichts anderes ĂŒbrig, als abzuwarten. „Was wir machen konnten, haben wir getan. Wichtig war uns die BestĂ€tigung des OVG hinsichtlich der Konzeption von Sicherheit und Trassenverlauf.“ Die im Boden verlegten Rohre wĂŒrden behandelt, „als ob sie in Betrieb wĂ€ren“ und bei KontrollgĂ€ngen regelmĂ€Ăig ĂŒberprĂŒft.
Doch die Anti-Pipeline-Initiative geht nach den Worten von Erwin Schumacher und Koordinator Dieter Donner aus Hilden fest davon aus, dass das Bundesverfassungsgericht die Inbetriebnahme endgĂŒltig kippen wird. „DafĂŒr kĂ€mpfen wir weiter – wie schon seit neun Jahren. Mit diesem Durchhaltevermögen hatte Bayer nicht gerechnet“, sagt Schumacher. Trotz der HĂ€ngepartie in Karlsruhe seien alle aktiven Pipeline-Gegner in engem Kontakt zueinander. Mit weiteren Mitgliedern der Initiative und groĂen Bannern werden Schumacher und Donner bei der Bayer-Hauptversammlung am 29. April auf ihr Anliegen aufmerksam machen. Donner: „Ich werde mich dank der Vollmacht eines AktionĂ€rs auch in der Versammlung zu Wort melden.“
Von Stephan Meisel
Veröffentlichung am 27. April 2016 von Rheinische Post und Coordination gegen BAYER-Gefahren
