Atomwaffenkonferenz in New York gescheitert

Pressemitteilung ICAN Germany vom 23.Mai 2015

107 Staaten fordern nun Atomwaffenverbot und vollstĂ€ndige AbrĂŒstung

Nach intensiven Verhandlungen ist die ÜberprĂŒfungskonferenz des Atomwaffensperrvertrags (NPT) gestern Abend in New York ohne Einigung zu Ende gegangen. Dessen ungeachtet haben sich am Ende der Konferenz 107 Regierungen dazu verpflichtet, fĂŒr ein Verbot und die vollstĂ€ndige Vernichtung von Atomwaffen einzutreten und sich dem „Humanitarian Pledge“ angeschlossen. Die Bundesregierung hat sich verweigert, diese Initiative ebenfalls zu unterstĂŒtzen.

Die USA und Großbritannien haben ĂŒberraschend offen erklĂ€rt, dass sie die Konferenz als gescheitert betrachten. Grund dafĂŒr sei, dass man sich nicht ĂŒber die bereits lang geplante Konferenz zur Schaffung einer Zone frei von Massenvernichtungswaffen im Nahen und Mittleren Osten einigen konnte. Israel hat maßgeblich dazu beigetragen, eine Übereinkunft im Verhandlungsprozess zu verhindern. Zwar ist das Land nicht Vertragspartei im NPT, war in diesem Jahr aber zum ersten Mal als Beobachterstaat dabei.

Das einzige Ergebnis der Konferenz war die große UnterstĂŒtzung fĂŒr den „Humanitarian Pledge” (ehemals „Austrian Pledge”). Die österreichische Regierung hatte sich am 9. Dezember 2014 bei der letzten Konferenz zu den humanitĂ€ren Folgen von Atomwaffen dazu verpflichtet, sich fĂŒr ein Atomwaffenverbot einzusetzen und alle Staaten zur Zusammenarbeit aufgerufen. Dahinter steht die Überzeugung, dass eine Atomwaffenexplosion – ob absichtlich oder infolge eines Unfalls – katastrophale humanitĂ€re Auswirkungen hĂ€tte und das Risiko einer solchen Explosion zunimmt.

Die Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen sieht im “Humanitarian Pledge” einen Paradigmenwechsel fĂŒr die nukleare AbrĂŒstungsdebatte. Xanthe Hall von ICAN Deutschland und AbrĂŒstungsreferentin der IPPNW erklĂ€rt: „Mit dem Pledge beginnt eine neue Etappe in Richtung Atomwaffenverbot. Die Regierungen werden sich nun auf den Beginn von Verhandlungen vorbereiten. Die breite und zunehmende internationale UnterstĂŒtzung des Pledges zeigt, dass die Mehrheit der Staaten ein völkerrechtliches Verbot von Atomwaffen vorantreiben will, wenn nötig auch ohne die Atomwaffenstaaten“.

Martin Hinrichs von ICAN Deutschland kommentiert: „Es ist Zeit, zum 70. Gedenkjahr der AtombombenabwĂŒrfe ĂŒber Hiroshima und Nagasaki einen Prozess in Gang zu setzen, um Atomwaffen völkerrechtlich zu verbieten. Deutschland sollte diese historische Chance nicht verpassen”.

Im Gegensatz zum „Humanitarian Pledge“ ist das Abschlussdokument der ÜberprĂŒfungskonferenz in New York weitgehend ohne Inhalt und wurde lediglich pro forma verabschiedet. Der kurz vor Ende der Konferenz komplett ĂŒberarbeitete Text enthĂ€lt keine Fristen oder konkrete Handlungsmaßnahmen zur AbrĂŒstung. Auch die humanitĂ€ren Folgen eines Atomwaffeneinsatzes, die in den letzten zwei Jahren in drei Regierungskonferenzen erörtet wurden, werden lediglich in einem Absatz erwĂ€hnt. Die meisten Staaten und viele ExpertInnen sehen in dem Ergebnis einen RĂŒckschritt im Vergleich zu den Vereinbarungen der letzten ÜberprĂŒfungskonferenz in 2010.

Im Vorfeld der ÜberprĂŒfungskonferenz hatte ICAN Deutschland die Bundesregierung dazu aufgefordert, den „Humanitarian Pledge” zu unterstĂŒtzen. Die Bundesregierung hingegen wollte als NATO-BĂŒndnispartnerin eine Vermittlerrolle einnehmen. Mit dem Scheitern der Konferenz muss sich Deutschland nun klar positionieren und auf seine AbrĂŒstungstradition besinnen. Deutschland sollte sich dem „Humanitarian Pledge” anschließen und Verhandlungen ĂŒber ein Atomwaffenverbot anstoßen.