Grösster Streik in der Erdöl-Branche seit 35 Jahren in den U.S.A.

Von Küste zu Küste, von Kalifornien bis Texas, begann vom 31.Januar zum 1.Februar 2015 um Mitternacht ein nationaler Streik nach einem Aufruf der Dachorganisation der lokalen Gewerkschaften der Stahlarbeiter in den Vereinigten Staaten von Amerika auf vierundsechzig Anlagen der Petrochemie, der in diesem nationalen Ausmass zuletzt in 1980 zu einer dreimonatigen Verhandlungsphase führte.

Zum ersten Mal seit zwanzig Jahren werden wieder Hilfsfonds zur Unterstützung der Streikenden angelegt. Streikposten werden vor den Toren aufgestellt. Ein Gewerkschaftsführer erwartet die schwierigsten Verhandlungen für bessere Löhne und Sozialleistungen, die er in zwanzig Jahren Arbeitskampf gesehen hat.

In den letzten Wochen, Monaten und Jahren häuften sich die Unfälle im Bereich der Roh- und Erdöl-verarbeitenden Industrie. Explosionen in Chemieanlagen und auslaufendes Öl aus defekten Pipelines haben grosse Umweltschäden in den regionalen Gebieten verursacht. Die Konzerne sparen an Material und qualifizierten Mitarbeitern, entsprechend hoch ist die Gefahr von Unfällen. Der Einfluss der Gewerkschaften sollte zurück gedrängt und unter Tarif bezahlte Arbeiter eingestellt werden. Jetzt wird sich zeigen, ob die Unions wieder zu alter Stärke zurück finden.

Die United Steelworkers (U.S.W.) vertritt als Dachverband dreissigtausend Mitglieder, die an mehr als zweihundert Standorten der U.S.-Öl-Raffinerien, Pipelines, Öl-Terminals und petrochemischen Anlagen im ganzen Land beschäftigt und in lokalen gewerkschaftlichen Sektionen organisiert sind. In den Tarifverhandlungen mit der Energiewirtschaft geht es um einen Abschluss für die kommenden drei Jahre. Die einzelnen Gewerkschaften in den Bundesstaaten können sich an diesen orientieren und übernehmen, oder weiter Verhandlungen und Streik-Massnahmen durchführen.

Die Forderungen der Arbeiter sind bescheiden im Vergleich zu den Gewinnen der börsennotierten Unternehmen. Seit der "Finanzkrise" in 2008 hiess es stets, Einsicht zu zeigen und bei den Tarifforderungen zurück zu stecken. Pro Jahr werden zwischen zwei und drei Prozent Lohnsteigerung verhandelt, das sind nicht einmal zehn Prozent an einem Arbeitsplatz mit harten Bedingungen - während Sparmassnahmen und Kostenerhöhungen zur Rettung des Banksystems die um sich greifende Armut erhöhen.

Diese Arbeitsniederlegung gilt den belastenden Überstunden, der Einführung strengerer Regeln um Erschöpfung zu verhindern, der unsicheren Personalausstattung, dem weiteren Ignorieren der gefährlichen Bedingungen der Branche, täglichen Brände, den Emissionen, Lecks und Explosionen, die die lokalen Gemeinschaften bedrohen ohne dass die Industrie viel dagegen unternimmt. Weiterhin kommt die Weigerung der Branche hinzu, die Auswirkungen auf die Gesundheit anzuerkennen und die Sicherheit am Arbeitsplatz zu erhöhen. Ein weitere Punkt ist die eklatante Auslagerung von Personal an Vertragspartner. "Dass führt zur Erosion unserer Arbeitsplätze, wenn diese qualifizierten und erfahrenen Gewerkschaftsmitglieder beim Verlassen der Stelle nicht ersetzt werden oder in Rente gehen."

Die United Steelworkers Association in Texas erklärte, dass im U.S.-Bundesstaat die Anlagen LyondellBasell in Houston, Marathon Galveston Bay Refinery in Texas City, Marathon Houston Green Cogeneration in Texas City, Shell Deer Park Refinery und Shell Deer Park Chemical Plant in Deer Park betroffen sind. Shell aktiviert einen Streik-Notstandsplan für die Joint Venture Raffinerie- und Chemieanlage in Deer Park in Texas.

Ausserdem werden die Anlagen der Tesoro Corp. in Martinez in Kalifornien, Carson in Kalifornien, Anacortes in Washington und der Komplex der Marathon Petroleum Corp. in Catlettsburg in Kentucky bestreikt. Die an dem Arbeitskampf beteiligten Raffinerien können mit 1 820 000 Barrel Kraftstoff pro Tag etwa zehn Prozent der gesamten U.S.-Kapazität produzieren. Mehrere Raffinerien haben ihre Bereitschaft angekündigt, sich anzuschliessen.

Der verkündete Stillstand liess sofort die Preise an der Börse anziehen obwohl genügend Lagerbestände vorhanden sind. Die Verbraucher sollten die Spekulanten dafür schmähen und nicht die Arbeiter und Angestellten.

Die Gewerkschaft nannte das letzte Angebot "eine Beleidigung". Leo W. Gerard, der Präsident U.S.A. International sagte in einer Erklärung, dass "Shell sich weigerte, uns ein Gegenangebot zu bieten und den Verhandlungstisch verliess. Wir hatten keine andere Wahl, als die Ankündigung zu einer Arbeitsniederlegung zu geben." Die Tarifverhandlungen begannen am 21.Januar. Royal Dutch Shell PLC ist seit 2008 führender Verhandlungspartner und vertritt bei den Gesprächsrunden stellvertretend Exxon Mobil Corporation und Chevron Corporation.

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Quellen:
http://abc13.com/news/oil-workers-on-strike-in-houston-and-across-us/499708/
http://www.bloomberg.com/news/articles/2015-02-01/oil-workers-in-u-s-begin-first-large-scale-strike-since-1980