Einstimmige Ablehnung des Tarifdiktats der Deutschen Bahn
Pressemitteilung der Gewerkschaft Deutscher LokomotivfĂŒhrer vom 3. November 2014
Der Hauptvorstand und die Tarifkommission der Gewerkschaft Deutscher LokomotivfĂŒhrer (GDL) haben heute in Berlin einstimmig den Tarifvertragsentwurf zur Regelung tariflicher Verfahrensfragen der Deutschen Bahn abgelehnt.
GDL-Bundesvorsitzender Claus Weselsky: âMit diesem Tarifdiktat hat die DB erstmals eindeutig ihr rechtswidriges VerstĂ€ndnis des Grundgesetzes Artikel 9 Absatz 3 schriftlich niedergelegt.
In den §§ 6 und 7 des beiliegenden Entwurfs diktierte sie der GDL trotz mehrfacher Ablehnung in den HintergrundgesprĂ€chen sowohl die NichtzustĂ€ndigkeit fĂŒr einen Teil ihrer Mitglieder als auch den Verzicht auf das Streikrecht. Aus dem Tariftext geht unmissverstĂ€ndlich hervor, dass die GDL freiwillig und ohne jegliche BegrĂŒndung ihre eigenen Grundrechte und die Grundrechte ihrer Mitglieder mit FĂŒĂen treten sollte.â
Keinerlei Ănderungen der GDL erlaubt
DB-Personalvorstand Ulrich Weber lehnte am Sonntagabend sogar das Angebot der GDL ab, den Tarifvertragsentwurf vor dem Hauptvorstand und der Tarifkommission zu erlĂ€utern. Dies aus dem einzigen Grund: Keinerlei ĂnderungswĂŒnsche der GDL sollten berĂŒcksichtigt werden! Weselsky: âDer Tarifeinheitswahn der DB geht soweit, dass sie siegessicher das Grundrecht auf Koalitionsfreiheit all ihrer Mitarbeiter in Frage stellt und dies von den beteiligten Gewerkschaften als Grundvoraussetzung fĂŒr die Tarifverhandlungen 2014 per Unterschrift fordert.â Dabei wurde der GDL-Verhandlungsdelegation in den HintergrundgesprĂ€chen permanent suggeriert, dass die Hausgewerkschaft EVG dazu bereit sei.
Nicht Teilnahme an Verhandlungen, sondern Tarifierung von Inhalten maĂgeblich
Die GDL-Gremien sind nicht bereit, die Interessen ihrer Mitglieder zu verraten, um eine ScheinzustĂ€ndigkeit fĂŒr Zugbegleiter zu akzeptieren. âWer seinen Mitgliedern weismachen will, dass allein die Teilnahme an Verhandlungen das erstrebenswerte Ziel ist und nicht die Tarifierung von Inhalten, der wird seiner Verantwortung nicht gerechtâ, so der GDL-Bundesvorsitzende. Deshalb werden LokomotivfĂŒhrer, Zugbegleiter, LokrangierfĂŒhrer, Bordgastronomen, Trainer und Disponenten auch weiterhin fĂŒr die von ihnen selbst aufgestellten Forderungen kĂ€mpfen. Die GDL dĂŒrfte nach diesem Tarifdiktat mit der DB zwar theoretisch ĂŒber die Forderungen fĂŒr das Zugbegleitpersonal verhandeln, aber die Entscheidung, welche Inhalte tatsĂ€chlich tarifiert werden und welche Tarifstruktur maĂgebend ist, soll allein eine Gewerkschaft treffen, der die GDL-Mitglieder nicht angehören wollen. In den Forderungen zur Tarifrunde 2014 ist klar erkennbar, dass die GDL von der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) Welten in der tarifpolitischen Ausrichtung trennen. WĂ€hrend die GDL ihr Hauptaugenmerk auf ĂberstundenbeschrĂ€nkung, Belastungssenkung und verbesserte Schichtgestaltung legt, ist das Forderungspaket der angeblich zustĂ€ndigen Gewerkschaft bar jeder Anerkenntnis der Ăberlastung des gesamten Zugpersonals.
DB will einheitliche Rahmenregelungen beerdigen
Auch die von der GDL erkĂ€mpfte Tarifstruktur mit einheitlichen Rahmenregelungen fĂŒr alle Eisenbahnverkehrsunternehmen, die zusammen mit dem Betreiberwechseltarifvertrag die notwendige BeschĂ€ftigungssicherung fĂŒr LokomotivfĂŒhrer schon gewĂ€hrleistet und in Zukunft fĂŒr das gesamte Zugpersonal gelten soll, will die DB mit diesem Tarifdiktat beerdigen. Hierbei wird klar erkennbar, dass die DB als WassertrĂ€ger fĂŒr alle Arbeitgeber im Eisenbahnverkehrsmarkt den einzig gĂŒltigen normativ wirkenden FlĂ€chentarifvertrag atomisieren und damit die Arbeitsplatzsangst im Wettbewerbsmarkt und die Lohnspirale nach unten wieder in Gang setzen will. Weselsky: âWir durften zwar mit viel Tamtam unsere Forderungen erheben, solidarisch fĂŒr die und mit den nicht so durchsetzungsstarken Zugbegleiter auch streiken, sollen aber jetzt unterschreiben, dies nie wieder zu tun.â In Zukunft könnte die GDL fĂŒr ihre Mitglieder im Zugbegleitdienst nichts mehr umsetzen. Deshalb haben die GDL-Gremien einstimmig entschieden, dass es ein solches Verfahren nicht geben wird.
DB provoziert weitere ArbeitskÀmpfe
Die erneute Vorlage eines Tarifdiktates der DB provoziert weitere ArbeitskĂ€mpfe. Die GDL wird darĂŒber rechtzeitig informieren.
