Eine Million Kilometer ausspionierte Seekabel: ein Telecom-Vodafone-Google-Facebook-Imperium

Fünfundneunzig Prozent der modernen Kommunikation fliesst heute "flüssig" über Unterwasser-Adern durch Ozeane und Meere - ein Netzwerk von der Länge des dreifachen Abstandes zwischen Mond und Erde

Täglich kommunizieren Milliarden von Menschen miteinander rund um den Globus. Auf öffentlichen Plätzen, Strassen und Verkehrsmittel zeigt sich in jeder Stadt das gleiche Bild einer vernetzten Gesellschaft. Auf allen Kontinenten starren und tippen die Menschen wie gebannt auf ihre elektronischen Errungenschaften.

Wir leben in einer mobilen Welt im doppelten Sinne, was die schnellen Reisemöglichkeiten und die Kommunikation in Echtzeit betrifft. Noch kann nicht jeder daran teilnehmen, solange Armut oder politische Gründe Menschen ausschliessen. Eine informierte, bewegliche und selbstbewusste Bevölkerung wird nicht mehr den Meldungen der Tagesnachrichten bedingungslos Glauben schenken. Der Austausch der Informationen beruht auf privater Ebene über eigene Aktivitäten im Internet.

Zeitgleich mit der Überwachung der Städte, Strassen, Einkaufshallen, Arbeitsplätze und Transportmittel durch Überwachungskameras sind gerade die Wege und Inhalte der Telekommunikation stets begehrtes Ziel der Spionage-Abteilungen (Spionage und Informationskontrolle: Der technologische Quantensprung in 1943), die alle verfügbaren Kapazitäten aufbieten.

Die britische Zeitung Daily Mail veröffentlichte am 15.Juli 2014 in "Messages from the deep ..." eine interaktive Karte von Builtvisible, basierend auf Informationen von TeleGeography in Washington, über die weltweite Entwicklung der Seekabel-Landschaft mit näheren Informationen - sortiert nach Jahr, Land und Kabelnetzbetreiber einschliesslich der Neueinsteiger in das lukrative Geschäft - Google und Facebook. Nach Auswahl einer Strecke werden detailliertere Anaben sichtbar.

Google ist Teil des Konsortiums, das die Strecke der Südostasien-Japan-Seekabel verwaltet und Facebook engagiert sich in dem Asien-Pazifik-Gateway.

Beginnend mit dem französisch-britischen Internetkabel im Jahr 1989 von Brighton nach Dieppe werden alle existierenden Seekabel dargestellt sowie ein Ausblick auf geplante Projekte gegeben. Das russische Optical Trans-Arctic-Kabelsystem schliesst diese Vorausschau ab, dessen Verlegung im Jahr 2016 geplant ist.

Im Jahr 2006 wurde nur ein Prozent der Telekommunikation über Seekabel geführt. Von 2012 bis 2014 verdoppelte sich der Datenverkehr. Heute werden 95 Prozent der Kommunikation über 285 Unterwasserkabel geführt (Liste von Telekommunikations-Seekabeln). Bis zum Jahr 2017 wird es voraussichtlich 849 Kabelleitungen in den Meeren geben.

In dem Beitrag wurde auf alte, heute antiquiert anmutende Abhörtechniken der U.S.-Geheimdienste während des Kalten Krieges in den 1970er Jahren hingewiesen. So heisst es laut Builtvisible, dass die abgestrahlten elektromagnetischen Felder der Kupferdrähte der Unterwasserkabel verwendet wurden, um relativ kleine Mengen von Daten abzufangen, die durch das Anbringen einer Aufzeichnungseinrichtung mit Tonbändern an dem Kabel gespeichert wurden.

Zwischen 1971 bis 1981 gelang es dem U.S.-Atom-U-Boot USS Halibut in der "Operation Ivy Bells" zehn Jahre lang im Ochotskischen Meer die militärische Kommunikation, die über Unterwasserkabel in einhundertzwanzig Meter Tiefe zwischen der sowjetische Marinebasis auf der Halbinsel Kamtschatka und der Pazifikflotte in Wladiwostok mit einem von AT&T's Bell Laboratories entwickelten 6,1 Meter grossen Gerät abzugreifen. Jeden Monat kehrte das U-Boot zurück und tauschte die Tonbänder gegen neue aus. Die "Operation Ivy Bells" wurde in Zusammenarbeit zwischen der C.I.A., der N.S.A. und der U.S.-Navy ausgeführt, bis der N.S.A.-Mitarbeiter Ronald Pelton dem K.G.B. die Information für 35000 U.S.-Dollars verkaufte.

"Zu der Zeit hatten die Sowjets so viel Vertrauen in die Sicherheit ihrer Strecke, dass sie ihre Daten völlig unverschlüsselt sendeten, so dass die Teams der U.S.-Geheimdienste die Übertragungen einfach erfassten, aus dem Meeresboden filterten und am Ende eines jeden Monats abhörten."

Neben der "Operation Ivy Bells" wurde weitere Einsätze bekannt. Im Jahr 1979 reiste die U.S.S. Parche von San Francisco in die Barentssee, um ein anderes sowjetisches Unterseekabel anzuzapfen. Diese Mission blieb unentdeckt und wurde bis 1992 durchgeführt. Die U-Boote U.S.S. Richard B. Russell und U.S.S. Seawolf waren ebenfalls Bestandteil dieser Spionageakte.

Die Entwicklung der digitalen Informationstechnik schreitet expotentiell voran. Moderne Techniken um an die Daten zu gelangen, spleissen die heutigen Glasfaserkabel und teilen den Photonenstrom mit einem Prisma auf oder durch das Biegen des Kabels an einem Punkt, an dem Daten austreten. Dieser Abgriff von Daten unter Wasser (oder Land) lässt sich mit oder ohne Kenntnisse der Betreiber unauffällig durchführen. Wie gross das Ausmass dieser Spionage ist, konnte in den letzten Monaten jeder aus den Medien erfahren.

Die Aufteilung des Seekabel-Geschäfts unter einige wenige grosse Betreiber, die kleinere oder staatliche Firmen aufkaufen nehmen wie überall in der Wirtschaft eine gefährliche monopolisierte Vormachtstellung ein.

Und wie schnell ganze Kontinente aus strategischen Gründen durch vorsätzliches Kappen von Leitungen abgetrennt werden können, zeigte sich an den Ausfällen in der jüngeren Vergangenheit. So wurde Anfang 2008 durch beschädigte Kabel vor Alexandria im Mittelmeer der Internetverkehr im Nahen Osten und Südasiens, vor allem in Indien, lahmgelegt (Der globale Kommunikationswege- und Rohstoff-Atlas der Vereinigten Staaten von Amerika).

Moderne Netzwerke sind gegen Totalausfall abgesichert, ein Telekommunikationsbetreiber oder Internet-Service-Provider hat Zugriff auf Kapazitäten von mehreren Kabelsystemen und können automatisch auf andere Systeme (auch satellitengestützte) zurückgreifen - es sei denn, es steht nur eine einzige Leitung zur Verfügung und die Anbieter stehen nicht im Sold der entsprechenden Regierungen. Berechtigte Zweifel sind angebracht, nachdem die Bereitschaft zur massenhaften Weitergabe von persönlichen Daten ohne Gerichtsbeschluss offengelegt wurde.

Neben dem Widerstand gegen diese Kontrolle der gesamten Kommunikation stellen der Kampf für ein frei zugängliches Internet und gegen ungerechtfertigte Urheberrechtsansprüche, die Zensur von Websites und die Abschaffung der Netzneutralität, die bevorzugte zahlungskräftige Kunden schnellere Verbindungen auf Kosten gedrosselter langsameren Leitungen für den Rest die Internetgemeinde vor eine grosse Herausforderung.

Aaron Swartz hat es als selbstverständliche Lebensaufgabe betrachtet und ist dafür gestorben - als freier Mann (“The Internet’s Own Boy – The Story of Aaron Swartz” – jetzt öffentlich im Kino und Internet). Führen wir seinen Einsatz für eine freie Informationsgesellschaft gemeinsam im Interesse aller Menschen fort.

Quellen:
http://builtvisible.com/messages-in-the-deep/
http://www.dailymail.co.uk/sciencetech/article-2692774/Messages-deep-Interactive-map-plots-sprawling-growth-submarine-cable-network-1989.html

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