N.S.A.-Kreise und alte Hüte – Hall und Gauck

Abhörmethoden und Agenten: die Lauscher der achtziger Jahre in Berlin

Seit vierundzwanzig Jahren befindet sich James W. Hall im Hochsicherheitsgefängnis (United States Disciplinary Barracks) der U.S.-Armee in Fort Leavenworth im U.S.-Bundesstaat Kansas in Gewahrsam, in dem nur männliche Armeeangehörige einsitzen, die von einem Armeegericht zu mindestens zehn Jahren Haft im Zusammenhang einer Gefährdung der nationalen Sicherheit verurteilt wurden. Der ehemalige N.S.A.-Unteroffizier vom U.S.-Spionagestützpunkt Teufelsberg in Berlin und dem U.S.-Hauptquartier in Frankfurt wurde im Jahr 1989 zu einer vierzigjährigen Haftstrafe verurteilt - wegen Weitergabe von Informationen an das feindliche Lager, dem damaligen Ostblock.

Hall lieferte brisante N.S.A.-Überwachungsergebnisse und Insider-Informationen seiner Spionagebehörde über wirtschaftliche, politische oder militärische Vorgänge (Project Trojan) - vorrangig in der B.R.D. und N.A.T.O. - an das Ministerium für Staatsicherheit, welches die Erkenntnisse an den sowjetischen Geheimdienst KGB weiterleitete (Bericht vom 7.Mai 1989 in der New York Times "U.S. SAYS SOLDIER CRIPPLED SPY POST SET UP IN BERLIN"). Die Überführung des "Doppelspions" durch eine extra auf ihn angesetzte F.B.I.-Agentin, die ihn mit russisch angelerntem Flair in die Falle lockte (ausgerechnet bei einem Aufenthalt in den U.S.A.), mutet sehr exotisch an. Einen Hinweis auf Halls Aktivitäten hätte es von einem C.I.A.-Agenten in der DDR-Regierung gegeben.

Nach dem Zusammenbruch der DDR und der Auflösung des Geheimdienstes MfS wanderten über dreizehntausend Dokumente dieser N.S.A.-Verschlusssachen, die Hall nach Ost-Berlin geliefert hatte, im Jahr 1990 in die Archive der Behörde des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (BStU), die auf Initiative von Bürgerechtsgruppen eingerichtet wurde. Als der erste Leiter dieses Stasi-Aufarbeitungsamtes wurde Joachim Gauck von der Bundesregierung ernannt, der heute amtierende Bundespräsident.

1992 wurden sämtliche N.S.A.-Akten vom Bundesinnenministerium in Bonn angefordert und unter hohen Sicherheitsmassnahmen aus Berlin abgeholt - angeblich auf Verlangen Washingtons.

Es wurden keine Kopien von der "Gauck-Behörde" für den Auftraggeber angefertigt und mehr als verlangt - sämtliche Notizen - abgegeben, hiess es.

Im Juli 1999 veröffentlichte der Spiegel einen Bericht "Spurenvernichtung im Amt" über diese Vorgänge, in dem es hiess, dass das gesetzlich möglich gewesen wäre und hinterher niemand für das Verschwinden der Beweise zuständig war. Ein bedauerlicher "Unfall", verursacht durch einen zu "beflissenen" Mitarbeiter, für den im Nachhinein keiner verantwortlich gemacht werden konnte und wollte, schon gar nicht der damalige gefällige Bundesbeauftragte für Stasi-Unterlagen, der seine ihm anvertrauten Akten nicht hütete und protestierte.

Es ist völlig belanglos, ob die Vereinigten Staaten von Amerika diese Dokumente damals überhaupt angefordert und ohne Kopien erhalten haben oder deutsche Behörden heimlich Ablichtungen angefertigt haben, was anzunehmen ist. Putin hat sie sowieso in seinen KGB-Archiven.

Weder die Regierung in Washington noch die Berliner Regierung hatten und haben ein Interesse darin, die jahrzehntealten Informationen aus den Lauschangriff-Kuppeln publik werden zu lassen.

Die Spuren der "Beweismittel" wurden damit lange für Historiker, Politiker und Bürgerrechtsorganisationen erfolgreich verwischt, bis das Thema seit drei Wochen nach zwanzig Jahren in neuer Verpackung erneut die Schlagzeilen beherrscht.

So wie in der Vergangenheit wird auch heute versucht, die N.S.A.-Affäre mit einhergehenden Dauerverletzungen des Grundgesetzes unter den Teppich zu kehren.

Der Bundespräsident steht nach wie vor zu seinen transatlantischen Freunden. Seine Ansichten und Äusserungen zu Grundrechten lassen auch nichts anderes erwarten. Joachim Gauck kann nicht heraus aus seiner Haut.

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Quellen:
http://www.nytimes.com/1989/05/07/world/us-says-soldier-crippled-spy-post-set-up-in-berlin.html
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-14010746.html