Frankreich: Kandidat von „linker“ EU-Einheitspartei bei 11 Prozent

Im laufenden Wahlkampf vor der Wahl des PrÀsidenten von Frankreich ist in einer aktuellen Umfrage der Kandidat der örtlichen Die Linke GmbH, Jean-Luc Melenchon, auf 11 Prozent gestiegen.

Das Ergebnis der Umfrage im Einzelnen:
Nicolas Sarkozy 27.5 %
Francois Hollande („Sozialisten“) 27 %
Marine Le Pen (Nationalisten): 16 %
Francois Bayrou 16 % (EU-„Zentristen“ und Marktradikale)
Jean-Luc Melenchon („Linksfront“): 11 %

Melenchon ist Abgeordneter der Fraktion „Vereinte EuropĂ€ische Linke/Nordische GrĂŒne Linke“ im EU-Parlament, Fraktion der EU-Einheitspartei „EuropĂ€ische Linke“ (EL). Fraktionsvorsitzender von Melenchon ist Lothar Bisky. Melenchons Partei in Frankreich heisst „Linkspartei“ und ist ein Ableger der EL. Zusammen mit der kommunistischen Partei hat die Linkspartei Frankreich nun ein WahlbĂŒndnis namens „Linksfront“ („Front de Gauche“) geschlossen.

Ableger der im FrĂŒhjahr 2004 gegrĂŒndeten „EuropĂ€ischen Linken“ in Deutschland ist „Die Linke“, aus PDS und zwangsvereinigter WASG (in der PDS-Mitglieder als „Doppelmitglieder“ abstimmungsberechtigt waren).

Die WASG war im Herbst 2004 unter Vorspiegelung falscher Tatsachen durch Gefolgsleute von Oskar Lafontaine und Gregor Gysi gegrĂŒndet worden, um, wie es sich nachher darstellte, in Deutschland einen Ableger der EU-Einheitspartei „EuropĂ€ische Linke“ zu schaffen, der linke Politik nicht machen, sondern systematisch kontrollieren und/oder verhindern sollte.

Der 2005 zuerst in die WASG, dann in die PDS eingetretene und so 2005 als „Linker“ mit Siegel wieder in den Bundestag eingezogene ex-SPD-Bundesfinanzminister Oskar Lafontaine vor vier Tagen zum Wahlkampf in Frankreich:

„Unsere UnterstĂŒtzung hat die Front de Gauche. Mit ihrem Spitzenkandidaten Jean-Luc MĂ©lenchon habe ich schon Wahlkampf gemacht. Hollande ist natĂŒrlich besser als Sarkozy.“

Das wage ich zu bezweifeln. Seit 20 Jahren ist es nie besser, sondern stets noch schlimmer geworden, wenn jemand aus der 1992 geschaffenen EU-Einheitspartei „Partei der EuropĂ€ischen Sozialisten“ („Sozialisten“ in Frankreich, „SPD“ in Deutschland) irgendein Amt errang. Überall. Immer. Bei den Ablegern der EU-Einheitspartei „EuropĂ€ische Linke“ ist es genauso.

Ob und was Melenchon aus einer kleinen VerrĂ€termaschine nun mit Francois Hollande aus einer noch grĂ¶ĂŸeren VerrĂ€termaschine vor den wahrscheinlich zwischen Hollande und Sarkozy stattfindenden Stichwahlen nun vereinbart oder nicht, mag kĂŒmmern wer will. Zum Beispiel Kommunisten.de. Die ĂŒber 100.000 Menschen, die sich am 18. MĂ€rz auf dem Pariser Place de la Bastille im Andenken an den 141. Jahrestag der Pariser Kommune versammelten, haben etwas anderes verdient als Reden eines Abgeordneten der Einheitspartei eines im 21. Jahrhundert vor aller Augen geschaffenen neuen kapitalistischen Imperiums, das die Menschen in den europĂ€ischen Demokratien ausraubt und ihre Staaten zerstört.

FĂŒr mich ist eine demokratische Wahl zwischen Antidemokraten eine Farce. Ganz besonders, wenn sich VerrĂ€ter und Kollaborateure des Finanzkartells aus dem Spektrum fantomlinker autoritĂ€rer Contras mit fantomrechten FunktionĂ€ren und deren faschistischen Fusstruppen vor einem bereits festgelegten Ergebnis ein Scheinduell liefern.